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EFSA bestätigt Grenzwert für Bisphenol A

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am 30.09. 2010 die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für Bisphenol A bestätigt. Der TDI beschreibt die lebenslang duldbare tägliche Aufnahmemenge eines Stoffes pro Kilogramm Körpergewicht, die nicht zu einer gesundheitlichen Schädigung führt. Für Bisphenol A liegt der Wert bei 50 µg Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Für die Überprüfung des TDI hat die EFSA die neuesten wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema bewertet.

Einige epidemiologische Studien zeigten mögliche Zusammenhänge zwischen Bisphenol A und koronaren Herzkrankheiten sowie Fortpflanzungsstörungen auf. Nach Meinung der EFSA lasse die Methodik der Studien aber nicht den Rückschluss zu, dass Bisphenol A der Auslöser für die gesundheitlichen Auswirkungen ist.

In aktuellen Tierversuchen an Ratten wurde der Einfluß von BPA auf die Gehirn- und Verhaltensentwicklung der Nachkommen (Stump und Mitarbeiter) sowie auf die Reproduktionsfunktion der Tiere (Ryan und Mitarbeiter) untersucht. Ein Verdacht auf ein spezifisches schädigendes Potenzial von BPA läßt sicht aus beiden Studien nicht ableiten.

Ein Gremiumsmitglied des EFSA brachte eine Minderheitenauffassung zum Ausdruck. Es befürchtet weiterhin nachteilige gesundheitliche Auswirkungen im Niedrig-Dosis-Bereich. Dieser Experte empfiehlt, dass der aktuelle TDI-Wert nur zeitlich befristet gelten soll.

Sollten in Zukunft weitere relevante Daten zur Verfügung stehen, wird sich die EFSA nochmals mit der Problematik Bisphenol A befassen und eine erneute Überprüfung der Studien vornehmen.

Hintergrund:

Die Arbeitsgruppe um Stump führte eine Untersuchung an Ratten durch. Die Tiere wurden mit unterschiedlichen Mengen Bisphenol A gefüttert und mussten dann ein Labyrinth durchschwimmen. Damit wollten die Forscher überprüfen, ob sich Bisphenol A auf die Gehirnentwicklung auswirkt. Die Studie schloss auch die Prüfung von sehr geringen Dosen mit ein. Die mit dem Futter täglich verabreichten Bisphenol-A-Mengen erbrachten keine Hinweise für Effekte im sogenannten „Niedrig-Dosis-Bereich“.

Im Zentrum des wissenschaftlichen Diskurses stehen die östrogenähnlichen Wirkungen im Niedrigdosisbereich. Die Untersuchung von Ryan et al legte daher ein besonderes Augenmerk auf diese Fragestellung. Die Forscher gaben trächtigen Ratten geringe Dosen Bisphenol A mit dem Futter. Auf das Verhalten und die Entwicklung der weiblichen Nachkommen hatte dies keinen Einfluss. Auch die Geschlechtsorgane waren normal entwickelt.

Bei jeder Übertragung aus Tierversuchen ist zu berücksichtigen, dass der menschliche Körper Bisphenol A wesentlich schneller verstoffwechselt. Im Gegensatz zu vielen tierischen Organismen liegt die Halbwertzeit beim Menschen bei weniger als 6 Stunden.

Autorin: Judith Linnemann

Stand: 01.10.2010

 

Literatur:

Bundesinstitut für Risikobewertung (2010): Bisphenol A: Studien von Stump et al. (2010) und Ryan et al. (2010) ergeben keine Hinweise für nachteilige Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung und das Verhalten. Stellungnahme Nr. 035/2010 des BfR vom 29. Juli 2010

EFSA (2010): Statistical re-analysis of the Biel maze data of the Stump et al (2010) study: "Developmental neurotoxicity study of dietary bisphenol A in Sprague-Dawley rats". Online verfügbar. Zuletzt abgerufen am 01.10.2010.

EFSA (2010): EFSA aktualisiert wissenschaftliche Empfehlung zu Bisphenol A. Online verfügbar. Zuletzt abgerufen am 01.10.2010.

Ryan, B. C., Hotchkiss, A. K., Crofton, K. M., and Gray, L. E., Jr. (2010): In Utero and Lactational Ex-posure to Bisphenol A, in contrast to Ethinyl Estradiol, Does not Alter Sexually Dimorphic Behavior, Puberty, Fertility and Anatomy of Female LE Rats. Toxicol. Sci. 114(1), 133-148.

Stump, D. G., Beck, M. J., Radovsky, A., Garman, R. H., Freshwater, L. L., Sheets, L. P., Marty, M. S., Waechter, J. M., Jr., Dimond, S. S., Van Miller, J. P., Shiotsuka, R. N., Beyer, D., Chappelle, A. H., and Hentges, S. G. (2010): Developmental Neurotoxicity Study of Dietary Bisphenol A in Sprague-Dawley Rats. Toxicol. Sci. 115(1), 167-182.

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