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Fünfte Ministerkonferenz in Parma beendet

Mitte März fand in Parma die Fünfte Ministerkonferenz zu Umwelt und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Parma, Italien, statt. Zwei Mitarbeiter der Kinderumwelt nahmen an der Konferenz teil.

Eine sich verändernde Umwelt und verschiedene Lebensbedingungen beeinflussen die Gesundheit erheblich. Stark befahrene Straßen führen bei den Anwohnern vermehrt zu Krankheiten wie Herzinfarkten, Asthma oder Schlafstörungen. Der Klimawandel kann tropische Erreger, wie den der Malaria, nach Europa bringen. Und in Folge von vermehrten Überschwemmungen könnten längst vergessene Infektionskrankheiten wie Cholera wieder aktuell werden. Während der Hitzeperiode im Sommer 2003 starben in 12 europäischen Ländern 70.000 Menschen mehr als sonst. Sozial benachteiligte Gesellschaftsgruppen sind von diesem Phänomen am stärksten betroffen.

Diesen Problemen widmete sich die Fünfte Ministerkonferenz zu Umwelt und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation in Parma. Schwerpunkte waren die besonderen Gefährdung von Kindern und sozial benachteiligter Gruppen.

Erklärung von Parma

Mit der Erklärung von Parma bekunden die 53 Regierungen der Europäischen Region der WHO ihre Entschlossenheit zum Abbau umweltbedingter Gefahren für die Gesundheit.

Ziel ist es, bis 2020 für alle Kinder in den Mitgliedsstaaten einen Zugang zu sicherer Wasserver- und Abwasser-Entsorgung herzustellen. Darüber hinaus sollen alle Kinder sich genügend bewegen und gesund ernähren können. Ihre Atemluft soll sauber und ihre Umwelt frei von schädlichen Chemikalien sein. Diese Bedingungen sind heute noch nicht überall erfüllt.

Die Regierungen versprechen, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels in Angriff zu nehmen und sich für den Abbau überhöhter Risiken aufgrund von gesellschaftlicher Stellung, Alter oder Geschlecht einzusetzen.

Die Erklärung fußt auf den „Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit der Kinder in der Europäischen Region” der WHO (CEHAPE). Mit dem Aktionsplan, der auf der Vierten Ministerkonferenz in Budapest beschlossen wurde, hatten sich die Staaten zu koordinierten und nachhaltigen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Kindern verpflichtet. Dabei sollten die Aspekte Prävention, Gesundheitsförderung, Vorsorge, Chancengerechtigkeit und Armutsbekämpfung im Vordergrund stehen.

Kopenhagen gescheitert

Einhellig bedauerten die Delegierten das Scheitern der UN-Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009. Dennoch habe sie dazu geführt, dass das Thema Klimawandel nun in das allgemeine Bewusstsein vorgedrungen sei und ganz oben auf der politischen Agenda stehe.

Am Rande der Konferenz traf sich die Wissenschaft für einen Austausch über die aktuellen umweltmedizinischen Themen wie Innenraumluft, Human-Biomonitoring oder elektromagnetische Felder und ihre Einflüsse auf die Gesundheit.

Dr. M. Otto und Judith Linnemann beteiligten sich im Namen der Kinderumwelt mit einem Poster über Risikokommunikation in den Bereichen Kindergesundheit, Umweltmedizin und Allergien an dem wissenschaftlichen Diskurs.

Kinderumwelt betreibt sachliche Risikokommunikation

In der öffentlichen Wahrnehmung sind die Themen der Umweltmedizin großen Schwankungen unterlegen. So dominierte in den 1980er Jahren das Waldsterben die Medien, in den 1990ern war es das Ozonloch. Von beiden Problemen wird heute so gut wie nicht mehr gesprochen. Dafür hat heute ein Teil der Bevölkerung Angst vor Hochspannungsleitungen und Mobilfunk. Welche Extreme ein Thema annehmen kann, zeigt das jüngste Beispiel der Schweinegrippe. Die wichtigen umweltmedizinischen Themen der Kindermedizin wie Lärm, UV-Strahlen, Feinstaub und Tabakrauch finden zu wenig Beachtung. Und: der Informationsbedarf variiert in den Ländern der WHO-Euro-Region stark.

Das Poster zeigt hierfür zwei praktische Lösungsansätze:

Für Eltern sind Kinderärzte die ersten Ansprechpartner, wenn es um die Gesundheit ihrer Kinder geht. Daher eigenen sie sich hervorragend als Multiplikatoren medizinischer Informationen. Zudem gewinnen Kinderärzte in ihrer täglichen Arbeit Erkenntnisse zur Kindergesundheit, die sie mit den Umweltdaten der WHO in Verbindung bringen.

Unter der Führung der Kinderumwelt hat sich ein Netzwerk europäischer Pädiater gebildet. Hier werden die aktuellen Entwicklungsstände der pädiatrischen Umweltmedizin dargestellt und die Einrichtung und Erweiterung nationaler, internetgestützter Beratungssysteme vorangetrieben. Mit einer den lokalen Bedürfnissen angepassten Risikokommunikation helfen Pädiater die Kindergesundheit in einer sich verändernden Umwelt zu erhalten und zu verbessern.

Über das Informationsangebot www.allum.de (Allergie, Umwelt und Gesundheit) hält die Kinderumwelt praxisnahe Informationen zu umweltmedizinischen Erkrankungen und ihren Auslösern für interessierte Laien bereit. Durch die intensive Zusammenarbeit mit internationalen Kooperationspartnern können die Texte auch in Tschechien, der Slowakei und Ungarn in der jeweiligen Landessprache abgerufen werden. Polnische und englische Versionen befinden sich in der Vorbereitung.

Der weitere Weg

Die in Parma versammelten Regierungsvertreter vereinbarten, die politische Abstimmung untereinander und ressortübergreifend zu stärken. Hier zu wird es bis zur nächsten Ministerkonferenz weitere Tagungen geben. Im Jahr 2016 werden die Minister aus den 53 europäischen Mitgliedstaaten der WHO-Region zur Sechsten Ministerkonferenz zusammenkommen. 

Autorin: Judith Linnemann

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