Immer wieder kommt es zu schweren Gesundheitsstörungen, weil Säuglinge Babypuder einatmen (BfR 2011). In der typischen Unfallsituation liegt das Kind auf dem Rücken, wird gewickelt und bekommt als Ablenkung die geschlossene Puderdose in die Hand. Wenn sich der Dosendeckel löst, gelangt eine größere Menge Puder in die Atemwege des Babys. Starkes Husten, Luftnot (Dyspnoe), schnelle, flache Atmung (Tachypnoe) und Erbrechen sind die Folge.
Trügerischerweise kommt es meist kurz nach dem Unfall zu einer schnellen Besserung der Symptome und die Kinder sind beschwerdefrei. Allerdings quillt das Puder in den Bronchien auf und nach 8 bis 24 Stunden kommt es zu einer Verengung der Atemwege und die oben beschriebenen Symptome erscheinen erneut. Im Extremfall kann das Puder eine chronische Lungenentzündung auslösen. Experten schätzen, dass dreißig Prozent tödlich ausgehen.
Daher sollte ein Kind, das Babypuder eingeatmet hat, unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden. Dort werden mittels einer Bronchoskopie die Puderreste aus der Luftröhre und den abzweigenden Atemwegen entfernt. Zusätzlich werden Antibiotika, Kortison und Medikamente zur Bronchialerweiterung eingesetzt. Manchmal ist eine Überwachung der kleinen Patienten auf der Intensivstation erforderlich.
Angesichts der gravierenden Folgen sollten Eltern auf den Einsatz von Babypuder verzichten. Zur alternativen Verwendung stehen zahlreiche Lotionen, Salben und Cremes zur Verfügung.
Autorin: Judith Linnemann
Stand: Februar 2011
Literatur
BfR-Kommission für kosmetische Mittel. (2009). Protokoll des BfR vom 26. November 2009. Berlin: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). (2011). Schwere Gesundheitsstörung nach Puderaspiration. In H. Meyer, K. Begemann, R. Burger, M. Friedemann, M. Gessner, J. Hillebrand, et al., Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 2009. Sechzehnter Bericht der Dokumentations- und Bewertungsstelle für Vergiftungen im Bundesinstitut für Risikobewertung für das Jahr 2009 (pp. 32-34). Berlin: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Heckmann, M., & Lindemann, H. (2006). Fremdkörperaspiration. In H. Lindemann, & J. O. Steiß, Praxis der pädiatrischen Allergologie und Pneumologie (S. 103-110). München, Orlando: Dustri-Verlag.