Im Dezember 2007 sind erste Ergebnisse der KiKK-Studie veröffentlicht worden. In dieser Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters geht es um die Frage, ob Kinder in der Umgebung von Kernkraftwerken häufiger an Krebs erkranken. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Auftreten von Leukämien bei Kindern vor ihrem 5. Geburtstag gewidmet. Mit dieser Thematik befasst sich das Mainzer Kinderkrebsregister, das die Studie im Auftrag des Bundesinstituts für Strahlenschutz durchgeführt hat, bereits seit vielen Jahren. In der Öffentlichkeit haben die Kinderleukämiefälle um das Kernkraftwerk Krümmel herum besondere Aufmerksamkeit erfahren. Anfang der 90er Jahre stellten Wissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Professor Jörg Michaelis fest, dass in einer 15-Kilometer-Region um ein Kernkraftwerk das relative Risiko für alle bösartigen Erkrankungen bei unter 5-jährigen Kindern nicht erhöht ist. Eine Analyse von Untergruppen ergab jedoch ein erhöhtes, allerdings statistisch nicht gesichertes Risiko für Leukämien bei Kindern unter 5 Jahren im 5-Kilometer-Umkreis um ältere Anlagen herum.
In der aktuellen KiKK-Studie sollte diese Altersgruppe speziell und mit einem anderen methodischen Ansatz („Fall-Kontroll-Studie“) über einen längeren Beobachtungszeitraum hinweg untersucht werden. Hierfür wurden Kinder, die im Alter von unter 5 Jahren an einem Krebs erkrankt und in der Umgebung eines der 16 Kernkraftwerke gewohnt hatten, mit Kindern gleichen Alters und Geschlechts aus der selben Region verglichen. Als „Expositionsmaß“ wurde der Abstand der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk (auf 25 Meter genau) gewählt. Ferner wurden über Fragebögen Störfaktoren („Confounder“) erfragt, die das Erkrankungsrisiko beeinflussen und das Studienergebnis möglicherweise verfälschen können. Insgesamt wurde die Studie sorgfältig geplant und entspricht dem Stand der epidemiologischen Wissenschaft.
Ergebnis der Studie: „Das Risiko für Kinder an Leukämie zu erkranken nimmt zu, je näher ihr Wohnort an einem Kernkraftwerk liegt“.
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen kindlichen Leukämien und Kernkraftwerken ist damit allerdings nicht bewiesen.
Grundsätzlich können mittels epidemiologischer Methoden nur statistische, jedoch keine ursächlichen Zusammenhänge ermittelt werden, darauf weisen die Autoren der KiKK-Studie selbst hin.
Die von Kernkraftwerken im Normalbetrieb ausgehende zusätzliche Strahlenbelastung ist viel zu gering, um die zusätzlichen Leukämiefälle zu erklären. Sie liegt 1000-100.000-fach unter der natürlichen Strahlenexposition. Strahlenbiologisch ist das Ergebnis der KiKK-Studie also nicht erklärbar.
Anzumerken ist, dass meteorologische und topographische Daten in die Auswertung nicht eingeflossen sind, was jedoch für luftgetragene Emissionen von Belang wäre. Ferner wurde die Exposition gegenüber anderen Strahlungsquellen (z.B. medizinische Diagnostik, Flugreisen) nicht berücksichtigt.
Nach Meinung der Autoren wäre es denkbar, dass bisher unbekannte Faktoren am Zustandekommen des Ergebnisses beteiligt sind oder dass es sich um ein zufälliges Ergebnis handelt, zumal die Datenbasis der KiKK-Studie auch auf älteren Daten basiert. Die von Kernkraftwerken im Normalbetrieb ausgehende Strahlung käme als Ursache nicht in Betracht.
Das die Studie begleitende externe Expertengremium hat eine eigene Stellungnahme abgegeben und ist der Überzeugung, dass „aufgrund des besonders hohen Strahlenrisikos für Kleinkinder sowie der unzureichenden Daten zur Emissionen von Leistungsreaktoren dieser Zusammenhang keinesfalls ausgeschlossen werden kann.“
Quellen:
Bundesamt für Strahlenschutz (2007): Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken. http://www.bfs.de/de/bfs/druck/Ufoplan/4334_KIKK.html Autoren: Dr. M. Otto, Eva Theil, Prof. K. E. v. Mühlendahl Stand: Dez. 2007, Links überprüft am 28.08.09
Bundesamt für Strahlenschutz (2007): Hintergrundinformationen zur KiKK-Studie. www.bfs.de/en/kerntechnik/kinderkrebs/hintergrund_kikk.pdf
Bundesamt für Strahlenschutz (2007): Stellungnahme des externen Expertengremiums des BfS zur KiKK-Studie. www.bfs.de/de/kerntechnik/kinderkrebs