Wenn das Rauchen in Kneipen, Kinos und Konzerthallen nicht gestattet ist, dann müssen auch weniger Kinder zu Hause Passivrauch aushalten. Seit der Einführung des Verbots müssen nicht mehr so viele Kinder wegen eines Asthmaanfalls im Krankenhaus behandelt werden wie vor dem Rauchverbot.
Auch wenn in Deutschland noch ein bunter Nichtraucher-Flickenteppich vorherrscht, ist der gesundheitliche Nutzen von Rauchverboten eindeutig: seitdem nicht mehr überall geraucht werden darf, ging die Zahl der Herzinfarkte in Europa und Nordamerika um bis zu einem Drittel zurück. Besonders jüngere Menschen und Frauen profitieren davon.
Nun wird klar, dass das Rauchverbot auch für die Kindergesundheit von großem Nutzen ist. Besonders eindrücklich zeigt sich das in den schottischen Kinderkrankenhäusern. Seit 2006 dürfen die Schotten nicht mehr in Pubs, Flughäfen und andern Orten des öffentlichen Lebens rauchen. In Folge dessen müssen nur noch 120 statt 200 Kinder monatlich wegen eines Asthmaanfalls in der Klinik behandelt werden. Die schottischen Wissenschaftler um Daniel Mackay erklären sich diesen Effekt durch den reduzierten Raucheranteil in der Bevölkerung seit Einführung des Rauchverbots in der Öffentlichkeit. Wer in der Öffentlichkeit nicht mehr rauchen darf, lässt es oft auch ganz sein.
Einen ähnlichen Effekt zeigte sich auch im US-Bundesstaat Arizona. Nach der Einführung des allgemeinen öffentlichen Rauchverbots ist die Zahl der asthmabedingten Krankenhauseinweisungen gesunken.
Auch in den Cotinin-Spiegeln der Kinder zeigt sich, ob in der Öffentlichkeit geraucht werden darf. Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotins. Die Cotininkonzentration kann Aufschluss darüber geben, ob ein Nichtraucher Passivrauch ausgesetzt war. Die Forschergruppe um Melanie Dove aus Bosten verglich die Cotinin-Spiegel von Kindern aus Countys, in denen das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten ist mit Kindern aus Countys, in denen das öffentliche Rauchen in erlaubt ist. Und obwohl alle Kinder in Nichtraucherhaushalten lebten, ließ sich Cotinin bei 54% der Minderjährigen nachweisen, die in Countys ohne Rauchverbot lebten. Dagegen fand sich Cotinin nur bei 25% der Kinder aus Gegenden mit striktem Rauchverbot. Kinder, die Passivrauch ausgesetzt sind leiden häufiger unter Mittelohrentzündungen, Allergien, erhöhtem Blutdruck und vielen anderen Erkrankungen, als Kinder die in einer rauchfreien Umgebung leben.
Gesetze zum Nichtraucherschutz reduzieren nicht nur die öffentliche Belastung durch Passivrauch, sondern verringern mittelfristig auch den Raucheranteil in der Bevölkerung. Letztlich kommt so öffentlicher Nichtraucherschutz auch der Kindergesundheit zugute.
Autorin: Judith Linnemann
Stand: 26.07.2011
Dove, M. S., Dockery, D. W., & Connolly, G. N. (2010). Smoke-Free Air Laws and Secondhand Smoke Exposure Among Nonsmoking Youth. Pediatrics , 1 (126), 80-87.
Herman, P. M., & Walsh, M. E. (2010). Hospital Admissions for Acute Myocardial Infarction, Angina, Stroke, and Asthma After Implementation of Arizona's Comprehensive Statewide Smoking Ban. American Journal of Public Health , 3 (101), 491-496.
Mackay, D., Haw, S., Ayres, J. G., Fischbacher, C., & Pell, J. P. (2010). Smoke-free Legislation and Hospitalizations for Childhood Asthma. The New England Journal of Medicine (363), 1139-1145.