Ab September 2009 werden Glühlampen stufenweise durch Energiesparlampen ersetzt, da deren Lichtausbeute etwa 5 x effizienter ist.
Dieser Ersatz wird von manchen Verbänden (z.B. Baubiologen), aber auch von einzelnen Medizinern kritisch gesehen. Kritikpunkte betreffen das von Energiesparlampen abgegebene Lichtspektrum, ihren Quecksilbergehalt und die Abstrahlung elektromagnetischer Felder.
Was sind Energiesparlampen, wie funktionieren sie?
Energiesparlampen (korrekte Bezeichnung: Kompaktleuchtstofflampen) sind kompakt gebaute Leuchtstoffröhren.
Leuchtstoffröhren funktionieren nach einem seit vielen Jahrzehnten bekannten Prinzip. In einem Glaskolben befindet sich neben der Edelgasfüllung (Argon, Krypton) auch eine geringe Menge Quecksilber (je nach Bauart 1.5 – 5 mg). Mittels einer Wechselspannung höherer Frequenz wird eine Gasentladung in Gang gebracht: der Quecksilberdampf beginnt - hauptsächlich im UV-Bereich - zu leuchten. Die Wechselspannung (Frequenz je nach Hersteller 25 - 70 kHz, bei dimmbaren Lampen meist 70 kHz) wird in einem Vorschaltgerät erzeugt. Ein auf der Innenseite des Glaskolbens aufgetragener Leuchtstoff sorgt dafür, dass das UV-Licht zu einem großen Teil in sichtbares Licht umgewandelt wird. Je nach Art des verwendeten Leuchtstoffs wird das abgegebene Licht eher als „warm“ oder „kalt“ empfunden. Ein Maß hierfür ist die so genannte Farbtemperatur. Daneben gibt es noch einen Index für die „Farbtreue“. Moderne Kompaktleuchtstofflampen erreichen Farbtreuewerte um 90 % (im Vergleich zur Glühlampe).
Sind Energiesparlampen gesundheitlich bedenklich ?
Antworten auf die eingangs genannten Kritikpunkte kommen unter anderem vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), vom Wissenschaftlichen Ausschuss "Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken" (SCENIHR) der Europäischen Kommission und vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit.
1. Lichtspektrum und Flimmern
Behauptung:
„Das ausgestrahlte Licht ist unnatürlich. Der hohe Blauanteil beeinflusst die Ausschüttung von Hormonen, insbesondere von Melatonin und Stresshormonen. Das Flimmern kann überdies Stressreaktionen, Migräne oder epileptische Anfälle auslösen“.
BfS: „Der Einsatz von Kompaktleuchtstofflampen für allgemeine Beleuchtungszwecke im Haushalt ist unter Strahlenschutzaspekten nicht bedenklich. Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die von den Lampen emittierte optische Strahlung sowie die elektrischen und magnetischen Felder die internationalen Grenzwertempfehlungen einhalten. Hinsichtlich mehrerer für den Strahlenschutz wichtiger Charakteristika unterscheiden sich Glühlampen und Kompaktleuchtstofflampen nur graduell. Beim direkten Blick in eine Lichtquelle kann das Auge durch den Blaulichtanteil einer Glühlampe sogar deutlich stärker gefährdet werden als durch die entsprechende Emission einer Kompaktleuchtstofflampe.“
Kinderumwelt: "Daylight"-Kompaktleuchtstofflampen besitzen einen ausgeprägten Peak im blauen Spektralbereich (ca. 435 nm). Ob der erhöhte Blauanteil dieser Lampen unter alltäglichen Gebrauchsbedingungen einen Einfluß auf die Unterdrückung der Melatoninproduktion in der Zirbeldrüse besitzt, wird kontrovers diskutiert. Ein Verbindungsglied könnte das Photopigment Melanopsin sein, das sich in retinalen Ganglienzellen des Auges befindet und blaues Licht der Wellenlänge 464 nm besonders gut absorbiert. Die Fortsätze (Axone) dieser Zellen stehen mit dem "Zeitgeber" im Gehirn in Kontakt.
SCENIHR: Der EU-Ausschuss SCENIHR weist auf die weitgehenden Ähnlichkeiten zwischen Kompaktleuchtstofflampen und klassischen Leuchtstoffröhren hin, die seit langem im Gebrauch sind. Allerdings könne bei einigen Marken von Kompaktleuchtstofflampen der Schutz vor UV-B und UV-C-Strahlung nicht ausreichend sein. Bei normalem Einsatz dieser Kompaktleuchtstofflampen als Deckenbeleuchtung könne aber eine Gefährdung durch UV-Anteile praktisch ausgeschlossen werden. Bei Lampen „auf Augenhöhe“ und in geringer Entfernung vom Auge könne Schneeblindheit und – bei entsprechend lang andauernder Expositon – auch eine Linsentrübung (Kataraktbildung) die Folge sein.
Flimmereffekte treten dann auf, wenn die Lichtintensität bei niedriger Frequenz moduliert wird („schwankt“). Dies kann bei empfindlichen Personen zu Beschwerden führen. Handelsübliche moderne Kompaktleuchtstofflampen arbeiten bei hohen Frequenzen. Daher hält es der EU-Ausschuss nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit für äußerst unwahrscheinlich.
2. Quecksilber
„Bei Bruch der Lampe führt das enthaltene Quecksilber zu einer Belastung der Raumluft; insbesondere am Boden spielende Kleinkinder sind gefährdet. Zudem hat die anzunehmende unsachgerechte Entsorgung alter Kompaktleuchtstofflampen über den Hausmüll eine jährliche Umweltbelastung in Höhe von mehren hundert Kilogramm Quecksilber zur Folge“.
Tatsächlich enthalten Kompaktleuchtstofflampen wenige Milligramm Quecksilber und es ist grundsätzlich richtig, dass Kleinkinder oftmals eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Quecksilber aufweisen.
Um nun mögliche Gefahren beim Bruch einer Kompaktleuchtstofflampe im Innenraum richtig einschätzen zu können, mag der Vergleich mit einem zerbrochenen Quecksilber-Fieberthermometer angebracht sein. Hier wird bei einem Bruch etwa die 200 – 1000 fache Menge freigesetzt. So ärgerlich der Bruch einer Kompaktleuchtstofflampe auch sein mag – durch gutes Lüften werden etwaige Quecksilberspuren in der Raumluft rasch und sicher beseitigt.
Bezüglich der Ökobilanz sei auf den Wikipedia-Artikel verweisen. Demnach würde der Umwelteintrag über falsch entsorgte Kompaktleuchtstofflampen durch den Stromeinspareffekt und die damit verbundenen verminderten Quecksilberemissionen aus dem Betrieb von Kohlekraftwerken mindestens wettgemacht werden.
3. Abstrahlung elektromagnetischer Felder
„Kompaktleuchtstofflampen emittieren starke nieder- und hochfrequente elektromagnetische Felder“.
Antwort:
Das Bundesamt für Strahlenschutz zitiert hierzu eigene Untersuchungen und Messungen der schweizerischen Bundesämter für Gesundheit (BAG) und Energie (BFE), einer schweizerischen Verbraucherzeitschrift, der deutschen Stiftung Warentest und der deutschen Zeitschrift Öko-Test.
In praktisch allen Fällen wurden die gültigen Grenzwerte (vgl. z.B. ALLUM-Text zu elektromagnetischen Feldern im Haushalt) bei einem 30-cm-Abstand zur Kompaktleuchtstofflampe sicher eingehalten und oftmals um mehrere Größenordnungen unterschritten.
Das BfS resümert: “Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch niederfrequente elektrische und magnetische Felder, die in praxisrelevanten Entfernungen von Kompaktleuchtstofflampen auftreten, ist nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht zu erwarten“.
Diesem Fazit schließt sich unsere Kinderärztliche Beratungsstelle an.
Autor: Dr. M. Otto Stand: September 2009, Linkkorrektur im März 2010
Praktische Tipps zu Kompaktleuchtstofflampen:
Bundesamt für Strahlenschutz (25.08.2009): Informationen zu elektromagnetischen Emissionen von Kompaktleuchtstofflampen (Energiesparlampen). Online verfügbar. Abgerufen am 03.09.09
Lerchl A, Schindler C, Eichhorn K, Kley F, Erren TC (2009) Indirect blue light does not suppress nocturnal salivary melatonin in humans in an automobile setting. J Pineal Res. 2009 Sep Band 47(2) S. 143-6. Epub 2009 Jun 23.
Macchi MM, Bruce JN. (2004) Human pineal physiology and functional significance of melatonin. Front Neuroendocrinol. 2004 Sep-Dec Band 25(3-4) S. 177-95.
Pandi-Perumal SR, Srinivasan V, Maestroni GJ, Cardinali DP, Poeggeler B, Hardeland R. (2006) Melatonin: Nature's most versatile biological signal? FEBS J. 2006 Jul Band 273(13) S. 2813-38.
Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR) (Sept. 2008) Light Sensitivity. Online verfügbar. Abgerufen am 03.09.09
Wikipedia (2009): Kompaktleuchtstofflampe. Abgerufen am 03.09.09
Bildnachweis: www.pixelio.de, Autorin: Petra Morales