Suchen nach:

Zur Startseite

Sie sind hier: Home » Archiv » Untersuchung zu östrogenähnlichen Substanzen im Mineralwasser gibt Rätsel auf

Untersuchung zu östrogenähnlichen Substanzen im Mineralwasser gibt Rätsel auf

Mineralwasser gilt als rein und naturbelassen.

Umso überraschender erscheinen die Ergebnisse der Wissenschaftler Martin Wagner und Jörg Oehlmann von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, die Mitte März 2009 veröffentlicht wurden.

Die Forscher untersuchten Mineralwässer unterschiedlicher Herkunft und Verpackung. Genetisch modifizierte Hefezellen im „Reagenzglas“ sollten ihnen anzeigen, ob das Wasser Stoffe mit östrogenähnlicher Wirkung enthält. In zwölf von 20 untersuchten Mineralwässern fand sich eine erhöhte Östrogenaktivität. Mehrere Wässer waren unbelastet, der Maximalwert lag bei 75,2 Nanogramm Östrogenäquivalenten pro Liter Mineralwasser. Ob PET-Flaschen stärker als Glasflaschen belastet sind, ist nicht sicher. Die Autoren deuten dies an, aus den veröffentlichten Daten ist dies jedoch nicht genau ersichtlich.

Viele Dinge kann die Studie nicht erklären. So ist zum Beispiel unklar, um welche Umweltstoffe es sich bei den östrogenaktiven Substanzen handeln könnte. Gleiches gilt für die Herkunft: stammen die Stoffe aus der Mineralwasserquelle selbst (sehr unwahrscheinlich), geraten sie während der Abfüllung in das Wasser oder werden sie aus den Verpackungsmaterialien herausgelöst? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diskutiert in seiner Stellungnahme vom 18. März, ob Verschlussdeckel als Quelle für die Kontaminanten in Frage kommen. Spielen möglicherweise Reinigungs- und Desinfektionsmittel in den Abfüllanlagen eine Rolle?

Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh. Hierfür müssten die chemische Identität der Stoffe und ihre Konzentrationen bekannt sein.

Der Hefetest wurde bisher selten für obige Fragestellung genutzt. Es ist auch noch nicht ganz klar, in wieweit die Ergebnisse dieses Tests auf reale physiologische Verhältnisse anwendbar sind. Ferner müsste die Frage der Resorbierbarkeit der Einzelstoffe im Magen-Darm-Trakt geklärt werden.

Eine ähnlich angelegte, im Oktober 2008 veröffentlichte Studie aus Italien fand in 90 Prozent aller untersuchten Mineralwasserproben keine östrogenartige Aktivität.

Februar 2011: Das BfR hat erneut zu Untersuchungen zu hormonähnlichen Wirkungen von in natürlichen Mineralwässern vorkommenden Substanzen Stellung genommen (Link).  Die in verschiedenen (auch neueren) Studien nachgewiesenen Substanzen liegen in einer Konzentration vor, die viel zu gering ist, um eine hormonähnliche Wirkung hervorzurufen. Allerdings fanden sich auch Stoffe, für die bisher keine Daten bezüglich einer solchen Wirkung vorliegen.

Fazit:

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ergibt sich für den Verbraucher kein Grund, auf Mineralwässer in PET-Flaschen zu verzichten. Dies wird in der Stellungnahme des BfR vom 2.2.2011 nochmals bestätigt. Alternativ können Verbraucher auf Leitungswasser zurückgreifen, welches in Deutschland fast überall von sehr guter Qualität ist.

Autoren: Dr. M. Otto, Judith Linnemann
Stand:     24.03.2009, ergänzt am 28.5.09 und am 9.3.2011

Literatur:

Wagner, M.; Oehlmann, J. (2009): Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles. Environmental Science and Pollution Research.

Pinto, B.; Reali, D. (2008): Screening of estrogen-like activity of mineral water stored in PET bottles. International Journal of Hygiene and Environmental Health, Band 212 S. 228 - 232

Bundesinstitut für Risikobewertung (2009): Hormonell wirkende Substanzen in Mineralwasser aus PET-Flaschen. Information Nr. 006/2009 des BfR vom 18. März 2009 zu einer Studie der Universität Frankfurt am Main. Online verfügbar unter: Mineralwasser

Bundesinstitut für Risikobewertung (2011): BfR bewertet Untersuchungen zu hormonähnlichen Wirkungen von in natürli-chen Mineralwässern vorkommenden Substanzen. Stellungnahme Nr. 007/2011 des BfR vom 2. Februar 2011.  Link

Bildnachweis: www.pixelio.de, Autor: BirgitH

Sitemap | Impressum | Editorial Policy | Patientenberatung | Datenschutzerklärung