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Kein Gesundheitsrisiko durch Dioxine in Futtermitteln

Lebensmittelkontrolleure haben Dioxine in Futtermitteln gefunden. Als Ursache wurden dioxinhaltige Industriefette identifiziert, die den Futtermitteln illegal zugemischt wurden. Eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher besteht nicht.

Der Begriff „Dioxine“ ist im alltäglichen Sprachgebrauch eine Sammelbezeichnung für über 200 ähnlich strukturierte chlorhaltige Verbindungen. Sie sind nur schwer abbaubar und können sich im Fettgewebe von Menschen und Tieren einlagern. Daher sind fetthaltige Produkte wie Eier besonders betroffen.

Im aktuellen Fall stellte das zuständige Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Nordrhein-Westfalen in zwei von sechs Eierproben maximal 6 pg (Pikogramm) Dioxine pro Gramm Fett fest. Der zulässige Grenzwert der Europäischen Union liegt bei 3 pg. Weitere Proben ergaben Messwerte zwischen 2,49 und 3,22 pg. Ein Pikogramm entspricht einem Billionstel (10-12) Gramm. Die betroffenen Betriebe dürfen zurzeit keine Produkte in den Handel geben.

Die Ministerien von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben die Codenummern der betroffenen Eier veröffentlicht. Sie lauten: 

Eiercode Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD) bis spätestens Bemerkungen
1-DE-0508762 28.01.2011  
2-DE-0312142 unbekannt  
2-DE-0312151 unbekannt  
2-DE-0350372 unbekannt Die Sperre des Betriebs ist wieder aufgehoben. Eier, die ab dem 12.01.2011 verkauft wurden, liegen unter dem Grenzwert. Eier mit einem MHD bis zum 18.01.2011 sollten nach Rat der Verbraucherzentralen nicht verzehrt werden, da eine Dioxinbelastung nicht auzuschließen ist.
2-DE-0350384 unbekannt  
2-DE-0355461 unbekannt  
2-DE-0508761 28.01.2011  
2-DE-0513912 20.01.2011 Eier mit einem MHD ab 21.01. sind nicht betroffen
3-DE-0312141 unbekannt  
3--0514411 20.01.2011 Eier mit einem MHD ab 21.01. und weiße Eier sind nicht betroffen.

Ein entsprechender Stempel findet sich auch auf jedem Ei. Experten raten vom Verzehr der belasteten Eier ab.

Das Bundesverbraucherschutzministerium hat eine Hotline eingerichtet: 0228 / 99 529-4000. Diese ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 14 Uhr erreichbar.

Akute Vergiftungserscheinungen sind beim Menschen nur nach gravierenden Unfällen wie dem Chemieunfall in Seveso 1976 beschrieben worden. Hier wurde eine unbekannte Menge an Dioxinen freigesetzt. Schätzungen reichen von ein paar hundert Gramm bis zu über 34 Kilogramm (Bertazzi, Berrnucci, Brambilla, Consonni, & Pesatori, 1998). Hautveränderungen, die als Chlorakne bekannt sind, sind die häufigsten Symptome einer solchen Vergiftung.

Im Tierversuch traten als Folge einer chronischen Vergiftung Störungen des Immun- und Nervensystems sowie des Hormonhaushaltes auf. Einige Dioxine können Krebs auslösen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu Dioxinen in Lebensmittel zusammengestellt.

Im aktuellen Fall besteht kein akutes Gesundheitsrisiko für die Verbraucher.

Weil Eier und Fleisch heute möglichst billig in Massenproduktion hergestellt werden, müssen auch die Futtermittelhändler ihre Preise so gering wie möglich halten. Hier ist es allzu verführerisch, dass teure Fett durch billige Industrieabfälle zu ersetzen. Es liegt also in der Hand des Verbrauchers, ob bereit ist für sichere Lebensmittel vom Landwirt um die Ecke etwas mehr Geld auszugeben.

Aktualisierung 27.01.2011: Viele Betriebe, deren Eier erhöhte Dioxinwerte aufgewiesen hatten, sind inzwischen wieder freigegeben. Eier mit folgenden Codes, die jetzt im Handel sind, unterschreiten die zulässigen Grenzwerte: 

  • 2-DE-0312151
  • 2-DE-0350372
  • 2-DE-0355461
  • 3-DE-0312141

Autorin: Judith Linnemann

Stand: 05.01.2011, Aktualisiert 06.01.2011, 11.01.2011, 14.01.2011, 27.01.2011

Quellen:

Bertazzi, P. A., Berrnucci, I., Brambilla, G., Consonni, D., & Pesatori, A. C. (1998). The Seveso Studies on Early and Long-Term Effects of Dioxin Exposure: A Review. Environmental Health Perspectives (EHP) , S2 (106).

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (2010): Remmel: "Neue Ergebnisse bestärken uns in unserem Vorgehen zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher". Pressemitteilung (05.01.2011)

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (2011): Neue Analyseergebnisse bei Dioxin-Eiern. Pressemitteilung (05.01.2011).

Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (2011): Dioxin in Futterfett der Fa. Harles und Jentzsch GmbH, Uetersen, Schleswig-Holstein. Online verfügbar (05.01.2011).

Umweltbundesamt (2010): Dioxine. Online verfügbar. Zuletzt abgerufen am 05.01.2011.

Verbraucherzentrale Niedersachsen (2011): Dioxin in Eiern: Der Skandal weitet sich aus. Online verfügbar (14.01.2011)

Bild: Andreas Morlok

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