Für orale Provokationen gibt es mehrere Gründe: Zum einen reicht oft die Anamnese nicht aus, um zu klären, ob ein vermutetes Nahrungsmittel wirklich der Auslöser von Symptomen ist. Haut- und Serumtestungen können zwar positiv sein, für einen Beweis der Ursächlichkeit bedarf es aber dann einer Provokation, wenn die Vorgeschichte nicht ganz eindeutig ist. Da sich Nahrungsmittel meistens aus mehreren Zutaten zusammensetzen, ist es manchmal schwierig, den eindeutigen Auslöser der Allergie anders festzustellen als durch eine Provokation. Damit die Patienten nicht unnötig auf verdächtigte Lebensmittel verzichten müssen, trägt somit nur ein Provokationstest zur Klärung bei.
Vorraussetzung ist, dass der Provokationstest in einer symptomarmen, möglichst stabilen Phase der Erkrankung durchgeführt wird. Um das zu erreichen, kann eine gute Vorbereitung helfen. Antihistamintabletten oder Kortisontabletten müssen mindestens drei Tage vor dem Test abgesetzt werden. Bitte besprechen Sie sich mit Ihrem Arzt.
Die Ergebnisse einer positiven Reaktion sind Basis einer Ernährungsberatung durch eine dafür qualifizierte Fachkraft.
Manchmal leiden Patienten unter vielen Allergien oder haben eine starke Neurodermitis. Dann lassen sich meistens nicht die Lebensmittel herausfiltern, die im Verdacht stehen, die Symptome zu verschlimmern. In diesem Fall müssen die Patienten sich sieben bis 14 Tage lang mit einer oligoallergenen Basisdiät ernähren. Sie besteht bei Säuglingen aus einer speziellen hypoallergenen Milchnahrung. Alle anderen Patienten ernähren sich in dieser Zeit mit Nahrungsmitteln, die üblicherweise keine Allergie auslösen. Diese sind zum Bespiel:
Ob der Patient diese Nahrungsmittel verträgt sollte er vorher in einem Gespräch mit dem Arzt abklären. Außerdem sollte das Blut auf Antikörper gegen die Nahrungsmittel der Basisdiät untersucht werden.
Tritt unter der oligoallergenen Basisdiät keine Besserung der Symptome ein, dann ist eine Nahrungsmittelallergie höchst wahrscheinlich nicht für die Beschwerden verantwortlich. In diesem Fall muss auch kein Provokationstest durchgeführt werden.
Zur Vorbereitung ist die oligoallergene Basisdiät selten wirklich notwendig. Meistens lassen sich über Gespräche und Ernährungsprotokolle (Anamnese) die verdächtigen Nahrungsmittel herausfiltern.
Sind ein oder mehrere verdächtige Lebensmittel identifiziert, muss der Betroffene mindestens sieben Tage lang das verdächtige Allergen strickt meiden. Allerdings sollten extrem strenge Kostformen vermieden werden, da sie bei längerer Dauer zu einer Unterversorgung führen können.
Die Auslassungsdiäten können die Patienten zu Hause durchführen. Der Provokationstest sollte dagegen nur unter ärztlicher Aufsicht, möglicherweise sogar in einer allergologischen Klinik durchgeführt werden, da es selten zu unerwartet heftigen Reaktionen kommen kann, auf die entsprechend reagiert werden muss.
Bitte machen Sie deshalb auf keinen Fall eigene Provokationsversuche ohne ärztliche Aufsicht!
Die orale Provokation sollte so weit wie möglich standardisiert ablaufen, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Idealerweise wird die Provokation doppelblind durchgeführt. Dies gilt insbesondere für Nahrungsmittel deren Streichung aus dem Speiseplan einen gravierenden Einschnitt darstellen würde. Beispiele sind Milch bei Kindern oder Grundnahungsmittel bei Erwachsenen. Eine Provokation ist dann doppelblind, wenn weder der betroffene Patient, noch der Arzt wissen, ob in der verabreichten Speise das Allergen vorhanden ist oder nicht. Somit werden zufällige oder psychosomatische Reaktionen ausgeschlossen. Fachleute kürzen dieses Verfahren mit DBPCFP (Double blind placebo controlled food provocation) ab.
In der Testphase erhält der Patient Flüssigkeiten oder Breie, die beispielsweise aus Reis und Johannisbrotkernmehl hergestellt sind. Johannisbrotkernmehl ist weiß, manchmal leicht beige und geschmacksneutral. In diese Basislösung wird das Allergen in steigender Dosierung untergemischt.
Die Beurteilung der Reaktion erfolgt nach jedem Testessen. Eventuell sind hierfür weitere Untersuchungen nötig z.B. Inspektionen der Haut und des Mund-Nase-Rachenraums sowie Lungenfunktions-Messungen zur Untersuchung des Luftstroms der Lunge.
Wenn nach 48 Stunden keine Reaktion auftritt, gilt die Provokation als negativ.
Bei Patienten, die schon einmal auf ein eindeutig identifiziertes Nahrungsmittel mit einem allergischen Schock reagiert haben, sollte der Test nicht durchgeführt werden. Folgte die Reaktion aber auf ein zubereitetes Lebensmittel mit mehreren Zutaten, so ist der Test trotz des Risikos empfehlenswert.
Die DBPCFP ist mit großer Mühe verbunden, manchmal ist sogar ein mehrwöchiger stationärer Aufenthalt nötig. In vielen Fällen ist der Aufwand aber notwendig um erstens schwere allergische Reaktionen zukünftig zu vermeiden. Zweitens hilft die DBPCFP auch unsinnige Diäten zu unterlassen, da diese zu erheblichen Mangelzuständen führen können und die Lebensqualität der Betroffenen unnötig belasten.
Patienten mit einer gesicherten schweren Nahrungsmittelallergie sollten ein Notfallset mit einer entsprechenden Schulung erhalten (Anaphylaxie-Schulung nach AGATE).
Autorin: Judith Linnemann
Stand: Juli 2011
Niggemann, B., Beyer, K., Erdmann, S., Fuchs, T., Kleine-Tebbe, J., Lepp, U., et al. (2011). Standardisierung von oralen Provokationstests bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie. Allergo Journal (20), 149-160.
Wikipedia. (06. Juni 2011). Johannisbrotbaum. Abgerufen am 14. Juli 2011 von http://de.wikipedia.org/wiki/Johannisbrotbaum