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Provokationstestungen

Bei Provokationstestungen setzt man den Patienten dem verdächtigten Allergen direkt aus. Es gibt vier Möglichkeiten:

  1. die bronchiale: an den Atemwegen, das Allergen wird inhaliert,
  2. die nasale: an der Nasenschleimhaut,
  3. die konjunktivale: an der Bindehaut des Auges oder
  4. die orale Provokationstestung: das Allergen wird geschluckt.

Welcher Typ in Frage kommt, richtet sich nach den entsprechenden Reaktionen des Patienten. Wird zum Beispiel ein Nahrungsmittel verdächtigt, eine Nahrungsmittelallergie auszulösen, wird eine orale Provokationstestung durchgeführt.

Beschreibung

Der Patient wird unter genau festgelegten standardisierten Bedingungen steigenden Mengen des Allergens ausgesetzt und seine Reaktionen beobachtet. Bei allen Provokationsverfahren ist ein "Leerprobe" vorzuschalten, um bei überempfindlichen Schleimhäuten eine falsch positive Reaktion auszuschließen. Ein Provokationstest ist nur aussagekräftig, wenn in den letzten 3-5 Tagen keine Antihistaminika (Medikamente bei Allergien) eingenommen wurden.

Nichts für den Selbstversuch

Eine Provokation ist verständlicherweise kein ungefährlicher Test, da es auch zu deutlichen allergischen Reaktionen beim Patienten kommen kann. Deshalb werden Provokationstestungen nur unter klinischer Überwachung durchgeführt, so dass immer eine entsprechende Notfalltherapie eingeleitet werden kann. Der Test wird abgebrochen, sobald es zu den ersten typischen und eindeutigen allergischen Reaktionen kommt. Provokationstestungen stellen die sicherste Methode zum Allergienachweis dar. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn die zuvor durchgeführten Untersuchungen (z.B. Pricktest oder Blutuntersuchung) und die Symptome des Patienten eine eindeutige Diagnose nicht möglich machen. Gerade bei Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien oder auch bei pseudoallergischen Symptomen stellt die Provokation oftmals die einzige Möglichkeit dar, die Diagnose zu sichern.

Testmöglichkeiten

1. bronchial (oder inhalativ)
Zum Nachweis einer Sensibilisierung des Bronchialsystems wird der jeweilige Allergenextrakt als Inhalat verabreicht. Vor, sowie 10, 20 und 30 Minuten nach Gabe des Extraktes wird mit Lungenfunktionsmessungen eine Zunahme des Atemwegswiderstandes (Obstruktion) gemessen. Der Patient sollte zum Zeitpunkt des Tests keine Beschwerden wie Infekte mit Husten oder Atemnot haben.

2. nasal
Vor dem Test muss sich der Patient noch einmal gründlich die Nase schnäuzen. Danach werden Allergenextrakte auf die Nasenschleimhaut aufgebracht. Man kann den Extrakt auf die Schleimhaut auftropfen, oder mittels Pumpspray oder mit einem Stieltupfer auftragen. Bei einem positiven Ergebnis entwickeln sich Symptome wie Augentränen, Niesreiz oder Fließschnupfen.

Bewährt hat sich die so genannte Stieltupfermethode, obwohl die Schleimhäute durch den Tupfer zusätzlich gereizt werden können. Ein geeigneter Watteträger wird mit einem Allergenextrakt versetzt und in ein Nasenloch eingeführt. Der Stieltupfer wird etwa 10 - 15 Minuten bzw. bis zum Auftreten einer deutlichen klinischen Reaktion in der Nase belassen. Die Nase sollte bei dem Test möglichst frei sein. Pro Sitzung sollten maximal zwei Allergene getestet werden, sofern der Provokationstest mit dem ersten Allergen negativ ausfiel.

3. konjunktival
Am sitzenden Patienten wird in den Bindehautsack des einen Auges eine Kontrolllösung, in den Bindehautsack des anderen Auges 1 - 2 Tropfen des zu testenden Allergenextraktes geträufelt. Als positive Reaktion werden die Augen rot und die Bindehaut schwillt an. Dieser Test wird nur selten durchgeführt und nur dann, wenn der nasale Test kein Ergebnis brachte.

4. oral
Orale Provokationstests werden hauptsächlich zur Testung von Arzneimittel- und Nahrungsmittelallergien angewandt.

In einer Vorbereitungsphase streicht der Patient das verdächtigte Nahrungsmittel für mindestens 7 Tage aus seinem Speiseplan. Anschließend kommt es zur Provokation.

Das Allergen wird einen geschmackneutralen Brei aus Reis und Johannisbrotkernmehl gerührt und vom Patienten gegessen. Wenn nach 48 Stunden keine Reaktion auftritt, gilt die Provokation als negativ.

Eine ausführliche Beschreibung des Verfahrens finden Sie in einem extra Artikel: Orale Provokation zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie

Autor: Dr. Sabine Schmidt, Eva Theil

Aktualisierung: Judith Linnemann

Letzte Aktualisierung: Juli 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Lange, L. (2008): Praxis der oralen Nahrungsmittelprovokation im deutschsprachigen Raum. Pädiatrische Allergologie in Forschung und Praxis 11/1, 17-19.

Niggemann, B., Beyer, K., Erdmann, S., Fuchs, T., Kleine-Tebbe, J., Lepp, U., et al. (2011). Standardisierung von oralen Provokationstests bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergie. Allergo Journal (20), 149-160.

Przybilla, B., Bergmann, K.-Ch., Ring, J.: Praktische allergologische Diagnostik. Steinkopff Verlag Darmstadt 2000

Allergologische Grundlagen - Diagnostik. www.ifap.de/bda-manuale/allergie/grundlagen/diagnostik.html. Die BDA-Manuale stehen allerdings auf dieser Webseite nicht mehr zur Verfügung. Sachstand Juli 2009.

Weiterführende Literatur im Internet auch zum Herunterladen:

  • Detaillierte Informationen zur Durchführung von Provokationstesten (Positionspapiere) finden sich auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) Positionspapiere der DGAI


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