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Mobilfunk

Als Anfang der neunziger Jahre die heutigen Mobilfunknetze an den Start gingen, hat wohl niemand vorhergesehen, in welch kurzer Zeit die neue Technologie sich flächendeckend durchsetzen würde. Im April 2008 überschritt die Zahl der Mobilfunkanschlüsse erstmalig die Marke von 100 Millionen. Längst hat sich das Handy vom Statussymbol zum Alltagsgegenstand gewandelt. Per Mobiltelefonat, Kurz- und Bildnachricht findet inzwischen ein Großteil der Kommunikation statt, und viele Menschen organisieren ihren privaten und beruflichen Alltag per Handy.

Langfassung als pdf-Datei

Langfassung "Mobilfunk und Gesundheit" als pdf-DateiDie Kinderumwelt hat in Zusammenarbeit mit dem Informationszentrum Mobilfunk e.V. eine Informationsbroschüre für Ärzte zum Thema "Mobilfunk und Gesundheit" herausgegeben. Inzwischen liegt die zweite, vollständig überarbeitete Auflage (Sachstand März 2009) vor.

In der Broschüre finden Sie Informationen zu den folgenden Themen:

  • Einleitung
  • Grundlagen des Mobilfunks
  • Elektromagnetische Felder im Mobilfunk
  • Einwirkung von Mobilfunkfeldern auf Lebewesen
  • Athermische Effekte
  • Übersichtsarbeiten zu „Mobilfunk und Gesundheit“
  • Wechselwirkung mit Medizintechnik
  • Grenzwerte und Grenzwertvorschläge
  • Exposition gegenüber Mobilfunkfeldern
  • Schutz empfindlicher Personengruppen
  • Risikowahrnehmung und -kommunikation
  • Mobilfunk und Umwelt
  • Fazit
  • Glossar und wichtige Adressen

>> Broschüre aufrufen (pdf-Datei, 900 KB)

Die Druckversion der aktuellen Broschüre ist kostenfrei erhältlich (Bezugsnachweise s.u.).

Schutz von Kindern und Jugendlichen und Umfang sinnvoller Prävention

Angesichts der zunehmenden Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder und Jugendliche wie auch neuer Telefoniergewohnheiten (infolge der Einführung von „home zones“ und „flat rates“) ist die Frage berechtigt, ob Kinder (hier: ab etwa 5 Jahren) und Jugendliche auf Mobilfunkfelder möglicherweise empfindlicher als Erwachsene reagieren.

Diese Frage wird in der Fachöffentlichkeit derzeit intensiv diskutiert. Dabei steht die Handynutzung im Vordergrund, da es hier zu einer meist kurzzeitigen, unter ungünstigen Telefonierbedingungen aber vergleichsweise hohen lokalen Exposition am Kopf kommen kann. Grundsätzlich dringen die beim Mobilfunk verwendeten Felder nur geringfügig in den Kopf ein, sie werden durch das Ohr, durch die Kopfhaut und Schädelknochen stark absorbiert. Die bei der Geburt vorhandene offene vordere Fontanelle ist in der Regel im Alter von zwei Jahren verschlossen. Daten zum altersabhängigen Kopfumfang und zur Schädeldicke zeigen, dass im Alter von etwa 5 Jahren diese beiden Parameter bereits weitgehend den Verhältnissen am Kopf eines Erwachsenen entsprechen. In Bezug auf Synapsenzahl und GlossarMyelinisierungBildung der aus Myelin gebildeten Nervenfaserhülle bestehen zwischen einem 5-jährigen Kind und einem Erwachsenen bestimmte Unterschiede, diese sind jedoch hauptsächlich quantitativer und nicht qualitativer Natur. Wenig ist bisher über etwaige Unterschiede in den dielektrischen Gewebseigenschaften zwischen dem Hirn eines Kindes und eines Erwachsenen bekannt.

Neuere Berechnungen aus Frankreich deuten darauf hin, daß die maximale Feldabsorption im kindlichen Kopf größer als bei Erwachsenen und damit größer als vermutet ist (Wiart et al. 2008). Allerdings spielen individuelle anatomische Unterschiede innerhalb der gleichen Altersklasse möglicherweise eine größere Rolle.

Mathematische Simulationen der Kopfexposition während eines Telefonats zeigen den Einfluß der Haltung des Telefons und der Elastizität der Ohrmuschel auf die Exposition. Wahrscheinlich unterscheiden sich Erwachsene und Kinder bezüglich der Gehirnregionen, die das Feld (noch) erreicht (Christ 2008).

Aus der Zusammenschau der Ergebnisse eines WHO-Workshops zum Thema „Sensitivity of Children to Electromagnetic Fields“ (Istanbul, Juni 2004), zweier FGF-Workshops im November 2006 und 2008 zum gleichen Thema, der Einschätzung von Fachgremien (Gesundheitsrat der Niederlande, Independent Expert Group on Mobile Phones (IEGMP ) und Fachwissenschaftlern  lassen sich keine belastbaren Daten oder plausible Verdachtsmomente ableiten, die für eine besondere Empfindlichkeit von Kindern gegenüber mobilfunkbedingten Feldern sprächen. Das ist auch das Fazit der Stellungnahme "Mobilfunk und Kinder" der Strahlenschutzkommission, die am 5./6. Dezember 2006  verabschiedet wurde.

Da allerdings bisher nur wenige Studien zu dieser Thematik vorliegen, besteht Forschungsbedarf, u.a. zur Frage eines Zusammenhangs zwischen Handynutzung und Hirntumoren. In der Interphone-Studie werden Kinder nicht als eigene Untergruppe betrachtet, allerdings ist nun eine "Interphone-kids-Studie" (MobiKids) in Vorbereitung.

Wenn die Kinderärztliche Umweltmedizinische Beratungsstelle (Kinderumwelt) und auch das  Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zu einer bedachtsamen Nutzung von Mobiltelefonen durch Kinder und Jugendliche raten, geschieht dies aus präventivmedizinischen Gründen heraus, eine wissenschaftliche Grundlage für diese Empfehlung gibt es derzeit nicht.

Dagegen gibt es nach allen vorliegenden Kenntnissen keine Gründe, den Aufenthalt von Kindern und Jugendlichen in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen einzuschränken.

Autoren: Dr. M. Otto Prof. K. E. von Mühlendahl

Stand: Juni 2010

Nächste Aktualisierung: Juni 2011

Bezugsnachweis:

Die Broschüre "Mobilfunk und Gesundheit - eine Information für Ärzte" (73 S., Sachstand März 2009) kann beim Informationszentrum Mobilfunk e.V. kostenlos angefordert werden. 

In Einzelfällen verschickt die gemeinnützige Kinderumwelt GmbH Exemplare gegen Einsendung eines adressierten, mit 1.45 Euro frankierten Rückumschlags im Format B 5.

Quellen und weiterführende Literatur

Quellen und vertiefende Literaturangaben finden Sie in unserer Broschüre.

Zusätzliche Literatur (Juni 2009):

Bernhardt, J.: Elektrosmog, Handys, Solarien usw. - Gesundheitsrisiken durch Strahlung ? (2005) Bundesgesundheitsbl. - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 48 : 63 - 75

Bundesamt für Strahlenschutz (2008): Broschüre "Das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm" (Stand: 17.06.2008)

Cardis, E. et al (2008): Distribution of RF energy emitted by mobile phones in anatomical structures of the brain Phys. Med. Biol. Band 53 S. 2771-2783

DMF (2008): Deutsches Mobilfunk-Forschungsprogramm (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

Europäische Kommission (19.06.2006) Stellungnahme zu elektromagnetischen Feldern   //ec.europa.eu/health/ph_risk/committees

Informationen zu DECT-Telefonen: www.bag.admin.ch (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

Ökotest  zu DECT-Telefonen: Heft 5 (2007) S. 114-117

Kommission "Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin" (2006): Parameter des roten Blutbildes bei Exposition durch Mobilfunkanlagen. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 49; 833 - 835

Strahlenschutzkommission SSK  (2006). Mobilfunk und Kinder.  Stellungnahme der Strahlenschutzkommission vom 5./6. Dezember 2006

Strahlenschutzkommission SSK  (2009). Biologische Relevanz der Energiedeposition im mikroskopischen Bereich durch Felder des Mobilfunks. Stellungnahme der Strahlenschutzkommission vom 14. Mai 2009

SCENIHR (2009): Health Effects of Exposure to GlossarEMFelektromagnetische Felder (19.01.2009) http://ec.europa.eu/health/ph_risk/committees/04_scenihr/docs/scenihr_o_022.pdf

Weltgesundheitsorganisation Factsheet No. 304 vom Mai 2006 (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

Weltgesundheitsorganisation (Juli 2005) Clarification statement

Wiart J, Hadjem A, Wong MF, Bloch I. (2008) Analysis of RF exposure in the head tissues of children and adults. Phys Med Biol. 2008 Jul 7;53(13):3681-95. Epub 19. Juni 2008 (s.a. frühere Studien dieser Arbeitsgruppe)

Ralf Wölfle. www.ralf-woelfle.de/elektrosmog/allgemein/kinder.htm

Weitere Infos zu diesem Thema:

 

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