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Selen

Vorkommen/Verwendung

Selen ist ein Halbmetall, das 1957 als essentielles Spurenelement erkannt wurde. Es muss dem Körper also in geringen Mengen mit der Nahrung zugeführt werden.

Selen ist essentieller Bestandteil des Enzyms Glutathionperoxydase und damit des antioxydativen Schutzsystems des Körpers. Daneben kommt Selen in den Typ1- bzw. Typ3- Thyronin-Deiodasen vor, die am Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone beteiligt sind. Neben diesen beiden selenabhängigen Enzymen sind noch weitere selenhaltige Proteine bekannt, deren biologische Wirkung aber noch nicht immer ganz klar ist.

Im Körper kommt Selen in der Oxydationsstufe +2 (Se2+) vor. Selen kann mit einer Reihe von Schwermetallen (beispielsweise Blei, Cadmium, Quecksilber, Zinn) Komplexe bilden und auf diese Weise entgiftend wirken.

Selen wird im wesentlichen aus der Nahrung aufgenommen. Selenquellen sind bestimmte Weizensorten (Vollkornweizen), Nüsse (v.a. Paranuss), Reis, Fleisch (Huhn, Schwein), Eier, Fisch, Zwiebeln, Knoblauch und Kohl. In der Kuhmilch findet man 5 bis 20 Mikrogramm pro Liter, in Käse 20 - 200 Mikrogramm pro Kilogramm. In Deutschland ist die Selenzufuhr über die Nahrung nicht optimal, sie wird als mittel bis gering eingestuft.

Gesundheitliche Wirkungen und Risiken

Selen und seine anorganischen Verbindungen werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bezüglich einer möglichen krebserzeugenden Wirkung in die Kategorie 3 B eingestuft. Zu dieser Kategorie gehören Stoffe, für die Anhaltspunkte für eine krebserzeugende Wirkung vorliegen - die Daten reichen für eine Einordnung in eine andere Kategorie aber nicht aus.

Manche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Selen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwermetallbelastungen und Krebserkrankungen schützt. Im Tierversuch hatte Selen eine entgiftende Wirkung in bezug auf Arsen, Barium, Blei, Cadmium, Quecksilber, Silber, Thallium und Zinn (A. Hahn und Mitarbeiter 2005). Ferner wird dem Selen ein positiver Einfluss auf die Immunabwehr zugeschrieben. Diese Studien sind bisher jedoch nicht abgesichert und bestätigt worden und sollten daher kritisch betrachtet werden.

Im Folgenden werden die Auswirkungen sowohl eines Selenmangels, als auch einer überhöhten Selenzufuhr betrachtet. Letztere kann etwa durch die Einnahme von selenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln im Rahmen der Selbstmedikation entstehen.

Selenmangel

In Deutschland und in weiteren westlichen Ländern ist die Selenversorgung über die Nahrung vermutlich nicht optimal (Kommission "Human-Biomonitoring" 2002). Bisher gibt es allerdings keine Hinweise dafür, dass dies zu einem Selenmangelsyndrom geführt hätte. Auf einen Selenmangel werden beispielsweise bestimmte Erkrankungen des Herz- und des Skelettmuskels zurückgeführt. Skelettmuskelschmerzen können so stark werden, dass das Gehvermögen eingeschränkt ist.

Die Kommission "Human-Biomonitoring" beim Umweltbundesamt nennt folgende Risikogruppen mit Neigung zu einem Selenmangel

  1. Gruppen mit dem Risiko eines ernährungsbedingten Selenmangels
    • reine Vegetarier (Veganer)
    • Menschen mit extrem einseitiger Ernährung, z.B. Alkoholiker
    • mit Sondernahrung ernährte Patienten
    • parenteral ernährte Patienten
    • Dialysepatienten
    • Hungerzustand
    • Anorexia nervosa
    • Bulimie
  2. Gruppen mit dem Risiko eines Selenmangels aufgrund von Verlusten
    1. Verluste über den Stuhl
      - bei schweren lang anhaltenden Diarrhöen (Durchfällen),
      - bei GlossarMaldigestionVerdauungsstörung (z.B. infolge eines Mangels an Verdauungsenzymen)
      - bei GlossarMalabsorptionStörung der Aufnahme von Nahrungsstoffen über die Darmschleimhaut (bei bestimmten Verdauungsproblemen),
      - bei Abführmittelmißbrauch .
    2. Verluste über den Urin
      - bei glomerulärem und tubulärem Nierenschaden mit Proteinurie,
      - bei bestimmten Nierenschäden mit Eiweißausscheidung,
      - bei negativer Stickstoffbilanz,
      - bei bestimmten Diabetesformen,
      - bei Therapien mit Medikamenten zur Förderung der Wasserausscheidung.
    3. Durch Blutverlust
      - bei starken hämorrhoidalen Blutungen,
      - vermehrte Regelblutungen.
    4. Verlust während der Stillzeit
      - bei lange währender Stillzeit.
         

Von einer Selenmangelernährung wird gesprochen, wenn die Zufuhr weniger als 20 Mikrogramm Selen pro Tag beträgt. Falls ein Selenmangel im Rahmen eines Biomonitorings festgestellt wurde, ist es sinnvoll, die Schilddrüsenfunktion zu kontrollieren, bevor der Selenmangel behandelt wird.

Überhöhte Selenzufuhr

Die Spanne zwischen einer Selenunterversorgung und einer Selenosis infolge überhöhter Zufuhr ist verhältnismäßig gering. Die Obergrenze für eine noch unschädliche Selenzufuhr liegt bei 400 Mikrogramm Selen pro Tag. Eine höhere Zufuhr kann bereits eine Selenosis verursachen.

Erste toxische Wirkungen treten bei einer Selenkonzentration im Serum ab 400 bis 800 Mikrogramm pro Liter auf. Eine übermäßige Selenzufuhr (beispielsweise infolge einer Selbstmedikation mit Selenpräparaten) macht sich häufig durch einen Knoblauchgeruch der Atemluft und des Körperschweißes bemerkbar. Daneben werden Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen und Veränderungen an Fingernägeln und Haaren (brüchige und weiche Nägel, bei starker Überdosierung auch Nagel- und Haarverlust) beobachtet.

Empfehlungen zur Selenzufuhr

Das amerikanische Institute of Medicine der US National Academies gibt 55 Mikrogramm Selen als optimale Tagesdosis für Erwachsene an (Stand 2005). Um Selenmangelzustände zu vermeiden, genügen vermutlich bereits 20 Mikrogramm Selen pro Tag für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt folgende Empfehlungen zur täglichen Selenaufnahme über die Nahrung (Stand: 2000):

  Lebensalter Selenaufnahme (Mikrogramm pro Tag)
Säuglinge 0 bis unter 4 Monate
4 bis unter 12 Monate
5 - 15
7 - 30
Kinder 1 bis unter 4 Jahre
4 bis unter 7 Jahre
7 bis unter 10 Jahre
10 bis unter 13 Jahre
13 bis unter 15 Jahre
10 - 40
15 - 45
20 - 50
25 - 60
25 - 60
Jugendliche und Erwachsene 15 Jahre und älter 30 - 70
Schwangere   30 - 70
Stillende   30 - 70

Ein besonderer Selenbedarf besteht während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Kleinkinder sollten nicht mehr als 40 Mikrogramm Selen pro Tag über die Trockenmilchnahrung erhalten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt in seiner Stellungnahme vom Februar 2006, dass aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes nicht mehr als 25 - 30  Mikrogramm Selen pro Tag durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden sollten.

Biomonitoring

Die Selenbestimmung kann im Urin erfolgen, jedoch ist die Bestimmung im Serum genauer. Die GlossarNachweisgrenzekennzeichnet denjenigen Meßwert, unterhalb dessen die genauesten jeweils zur Verfügung stehenden Nachweismethoden versagen liegt bei 0,1 bis 0,2 Mikrogramm Selen pro Liter GlossarBlutplasmaBezeichnung für die Blutflüssigkeit ohne Blutzellen, jedoch mit den Bluteiweißen bzw. Blutserum.

Die folgende Übersicht enthält Referenzwerte zum Selenstatus:

Population Selen im Serum/Plasma (Mikrogramm pro Liter)
Männer und Frauen 50 - 120
Kinder
0 - 1 Jahr
2 - 5 Jahre
5 - 10 Jahre
10 - 16 Jahre

33 - 71
32 - 84
41 - 74
40 - 82

Nach: Kommission "Human-Biomonitoring" 2002

Von einem suboptimalen Selenstatus wird gesprochen, wenn die Selenkonzentration im Serum von Erwachsenen unterhalb von 50 Mikrogramm pro Liter liegt. Ein Selenmangel liegt bei Werten unterhalb von 25 Mikrogramm pro Liter vor.

Vorbeugung

In der Bundesrepublik bleibt die Selenaufnahme hinter den Empfehlungen für eine optimale Versorgung zurück. Als Zielwert für Erwachsene gilt die tägliche Zufuhr von 55 bis 70 Mikrogramm Selen, also knapp 1 Mikrogramm Selen pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Andererseits ist in der Bundesrepublik ein Selenmangel, der sich klinisch bemerkbar macht, nicht bekannt. In dieser Situation sollte der Selenversorgung der Bevölkerung größere Aufmerksamkeit geschenkt werden, ohne allerdings unkritisch zu einer pauschalen Selensupplementierung zu raten.

Bei Verdacht auf einen suboptimalen Selenstatus sollte eine Bestimmung des Selens im Serum erfolgen, wobei Risikogruppen besonderes Augenmerk gilt.

Autoren: Dr. M. Otto, Prof. K. E. von Mühlendahl
 
Stand: März 2009
 
Nächste Aktualisierung: März 2010
Quellen und weiterführende Literatur

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BfR (2008): Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln www.bfr.bund.de/cd/10885

Bundesforschungsanstalt für Ernährung (2003) www.bfa-ernaehrung.de/Bfe-Deutsch/Information/e-docs/S1480.pdf (zuletzt aufgerufen im Februar 2006, Link im Sept. 2007 nicht mehr verfügbar)

DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft): MAK- und BAT-Werte-Liste 2006 , Mitteilung 42, Wiley-CH (2006) S. 112

Großklaus, R., und Ziegenhagen, R (2006): Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln - eine aktuelle Risikobewertung. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 49: 202-210

Hahn, A. und Mitarbeiter (2005): Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen. Ausgabe 2005 S. 33 ff. . BfR- Pressestelle, Berlin

Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2002): Selen und Human-Biomonitoring. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 45 (2); 190-195

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Ludewig, R. und K. Lohs (1991): Akute Vergiftungen. Gustav Fischer Verlag Jena

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Pizulli, A., u. A Ranjbar (2000): Selenium deficiency and hypothyroidism - a new etiology in the differential diagnosis of hypothyroidism in children. Biol Trace Element Res 77; 199-208

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Weitere Infos zu diesem Thema:

 

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