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Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

Allgemeines zur Spezifischen Immuntherapie (SIT)

Subkutane Immuntherapie (SCIT)

Sublinguale Immuntherapie (SLIT)

Allgemeines zur Spezifischen Immuntherapie (SIT)

Eine Hyposensibilisierung, auch bekannt als Spezifische Immuntherapie (SIT), ist eine antigen-spezifische Therapie zur Behandlung von IgE-vermittelten Typ-I-Allergien.

Im Falle einer Allergie reagiert das Abwehrsystem überempfindlich auf Substanzen, auf Allergene, die normalerweise für den Körper keine Gefahr darstellen. Der allergische Organismus produziert Antikörper, um sich vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die die allergischen Beschwerden auslösen.
Die Symptome reichen von allergischem Schnupfen, Bindehautentzündung oder allergischem Asthma. Eine ausführliche Beschreibung der Erkrankung finden Sie hier.

Mit der Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt der Allergieauslöser in steigender Dosierung zugeführt, bis die überschießende Immunreaktion nicht mehr eintritt und das Abwehrsystem das Allergen toleriert. Die Antikörperproduktion wird minimiert oder gestoppt. Im Idealfall kann eine Hyposensibilisierung die Symptome einer allergischen Reaktion stark reduzieren oder ganz beseitigen. Darüber hinaus legen Studien nahe, dass es unter der SIT zu deutlich weniger neuen allergischen Reaktionen kommt, als unter der Therapie, die ausschließlich die Symptome der Allergie behandelt.

In der Forschung war lange umstritten, ob die Hyposensibilisierung einen Nutzen für den Patienten hat. Inzwischen konnte die Wirksamkeit nachgewiesen werden. In einem Positionspapier zur Allergenimmuntherapie von 1997 hat die GlossarWHOWorld Health Organization - Weltgesundheitsorganisation über 400 Studien zusammengetragen und bewertet. Danach ist die Hyposensibilisierung die wirksamste Behandlungsmethode in der Allergologie (WHO1997).

Die SIT eignet sich nicht für jede Allergie, da nicht für alle Auslöser die entsprechenden Extrakte verfügbar sind. Erhältlich sind Extrakte vieler in der Luft befindlicher Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze und manche Tierhaare. Zusätzlich stellen einige Pharmafirmen Bienen- und Wespengifte zur Hyposensibilisierung bereit. Bisher gibt es jedoch keine Präparate, die zur Behandlung einer Lebensmittelallergie eingesetzt werden könnten. Eine Übersicht aller zugelassenen Extrakte bietet das Paul-Ehrlich-Institut.

Es gibt zwei Formen der spezifischen Immuntherapie (SIT):

  • Die Subkutane Immuntherapie (SCIT)
  • Die Sublinguale Immuntherapie (SLIT)

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Subkutane Immuntherapie (SCIT)

Die SCIT ist die ursprüngliche Form der SIT. Hierbei werden den Betroffenen die Allergenextrakte unter die Haut (subkutan) in den Oberarm gespritzt. Ihre Wirksamkeit ist bei vielen Allergien belegt, unter anderem bei Pollen-, Hausstaub-, Tierhaar- und Insektengiftallergien. Auch bei Asthma bronchiale kann die SCIT Erfolge bringen.

Indikationen zur Therapie: (Quelle: Leitlinie)

  • Nachweis einer IgE-vermittelten Sensibilisierung und eindeutiger Zusammenhang mit klinischer Symptomatik
  • Verfügbarkeit von standardisierten bzw. qualitativ hochwertigen Allergenextrakten
  • Wirksamkeitsnachweis der geplanten SCIT für die jeweilige Indikation
  • Kontaktvermeidung mit dem Allergen nicht möglich 

Kontraindikationen:

  • Unzureichend behandeltes Asthma und/oder irreversible Atemwegsverengungen
  • Schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankung (außer bei Insektengiftallergie)
  • Behandlung mit ß-Blockern (lokal, systemisch)
  • Schwere Autoimmunerkrankungen, Immundefekte
  • bösartige Tumore mit aktuellem Krankheitswert
  • Unzureichende Therapietreue 

Die SCIT wird in zwei Formen unterteilt, in die Langzeit- und in die Kurzzeittherapie.

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Langzeittherapie

Die Langzeittherapie gliedert sich in zwei Phasen. Die Anfangsphase startet nach der Allergiesaison. Im Fall einer Gräserpollenallergie beginnt die Therapie im Herbst, reagiert der Patient auf frühblühende Bäume, wird im Sommer begonnen.
In dieser Anfangsphase erhält der Betroffene wöchentlich eine Injektion über einen Zeitraum von vier Monaten. In diesem Therapieabschnitt wird die zunächst niedrige Allergendosis langsam gesteigert, bis die optimale Höchstdosis erreicht ist. Diese ist von Patient zu Patient unterschiedlich hoch und wird vom behandelnden Arzt festgelegt. 

Nach der Aufbauphase schließt sich eine Fortsetzungsbehandlung an. In dieser Zeit ist in der Regel nur noch alle sechs Wochen eine Spritze erforderlich. Während dieser Zeit "lernt" das Immunsystem, langfristig auf das Allergen normal zu reagieren. Die Behandlung muss konsequent über drei Jahre fortgeführt werden.

Für die Langzeit-Immuntherapie stehen moderne, molekular standardisierte Präparate zur Verfügung. Sie werden zur Behandlung von Allergien, hervorgerufen durch Pollen, Milben, Tierhaare, Schimmelpilze sowie Insektengifte, eingesetzt.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Langzeittherapie im Vergleich zu den Alternativen Kurzzeittherapie und SLIT die höchste Wirksamkeit aufweist. Bei den meisten Betroffenen bessern sich die Beschwerden bereits nach einem Jahr deutlich und die Patienten benötigen wesentlich weniger Medikamente. Es gibt auch Hinweise, dass das Risiko für weitere Allergien und Asthma gesenkt werden kann.

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Kurzzeittherapie

Die Kurzzeittherapie ist für viele Allergiker eine attraktive Alternative. Sie kann noch kurz vor Beginn der entsprechenden Pollensaison durchgeführt werden.

Auch bei der Kurzzeittherapie erhält der Allergie-Patient das Beschwerden auslösende Allergen in steigender Dosierung. Der Pollenextrakt wird dem Betroffenen über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen mittels sieben Injektionen unter die Haut in wöchentlichen Abständen verabreicht.

Studien belegen, dass viele Patienten eine deutliche Besserung der Beschwerden bis hin zur Symptomfreiheit erreichen. Für einen länger anhaltenden Therapieerfolg empfiehlt es sich, die Behandlung in den beiden darauf folgenden Jahren vor der Allergiesaison zu wiederholen.

Die Kurzzeittherapie ist leider nur Pollenallergikern möglich. Patienten, die auf Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Tierhaare oder Insektengifte reagieren, müssen auf die Langzeittherapie zurückgreifen.

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Nebenwirkungen

Unerwünschte Wirkungen treten während einer SCIT relativ häufig auf. Dies ist zu erwarten, da dem Körper einer Substanz in hoher Konzentration zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert. In Studien zur SCIT bei Heuschnupfen zeigten sich bei etwas 60% der Teilnehmenden Reaktionen wie ein leichter Ausschlag an der Einstichstelle. Etwa 20% reagierten mit stärkeren allergischen Reaktionen oder asthmaähnlichen Symptomen, die eine Behandlung mit Antihistaminika notwendig machten.

Ein anaphylaktischer Schock während der Therapie ist äußerst selten. In den Studien zur SCIT trat bei weniger als ein Prozent der Betroffenen diese Reaktion auf.

Aufgrund der möglichen unerwünschten Begleitreaktionen sollte die SCIT nur von einem allergologisch weitergebildeten Arzt durchgeführt werden. Zur Sicherheit muss der Patient nach der Injektion mindestens eine halbe Stunde in der Praxis bleiben.

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Bewertung

Weil die subkutane Immuntherapie in vielen Studien untersucht und die Wirksamkeit belegt ist, wird sie in Fachkreisen als Goldstandard angesehen.

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Sublinguale Immuntherapie (SLIT)

Eine noch relativ neue Behandlungsmöglichkeit ist die sublinguale Immuntherapie. Dabei wird der Extrakt als Tropfen, Tablette oder Spray unter die Zunge (sublingual) gegeben, dort eine Weile gehalten und dann geschluckt.

Eine ärztliche Aufsicht nach der Einnahme ist nicht notwendig, da bei dieser Therapieform ein deutlich geringes Risiko für schwere Nebenwirkungen besteht. Häufigste Begleiterscheinungen sind lokale Reaktionen der Schleimhäute wie Kribbeln im Mund, Juckreiz an der Mundschleimhaut oder leichte Übelkeit (Kopp 2009).

Je nach Hersteller erfolgt die Therapie in ein oder zwei Phasen. In der zweiphasigen Form steigert der Allergiker über 10 Tage täglich die Allergendosis. In der anschließenden Fortsetzungsbehandlung nimmt der Patient die erforderliche Höchstdosis täglich oder zweitäglich ein. Mit der SLIT können die wichtigsten Allergien behandelt werden, Insektengifte sind davon ausgeschlossen.

Besonders Berufstätigen oder Menschen mit Spritzenangst kommt diese Therapieform zugute.

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Bewertung

Die sublinguale Immuntherapie ist ein relativ neues Verfahren und die Langzeitwirkung ist noch nicht hinreichend belegt. In verschiedenen Studien kristallisiert sich aber heraus, dass die Therapie nur solange wirkt, wie der Patient das Präparat kontinuierlich einnimmt.

Zur Anwendung bei Kindern ist im Fachjournal Pädiatrische Allergolgie vor kurzer Zeit eine Übersichtsarbeit zu verschiedenen Studien erschienen. Die Wirkung der SLIT, insbesondere die Langzeitwirkung, kann hier nicht abschließend nachgewiesen werden.

Problematisch stellte sich in den Studien auch die Therapietreue der Patienten dar. Rund dreißig Prozent der Betroffenen brechen die Behandlung vorzeitig ab. Die SCIT wird jedoch nur von nur zehn Prozent der Patienten nicht beendet. Als Gründe geben die Studienteilnehmer Ineffektivität und Kosten der Therapie an.

Für die subkutane Immuntherapie weist eine Reihe von Studienergebnissen darauf hin, dass es zu weniger Neusensibilisierungen kommt, als unter einer rein symptomatischen Therapie. Ähnliche Effekte konnten für die SLIT nicht gezeigt werden. Darüber hinaus ist nicht sicher, ob die SLIT die Entwicklung von Asthma verhindern kann.

Daher bleiben weitere Studien mit der SLIT abzuwarten, ob diese Therapieform gleichwertig neben der SCIT stehen kann.

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Autorinnen: Eva Theil, Sabine Schmidt

Aktualisierung: Judith Linnemann

Stand: August 2010

Quellen und weiterführende Literatur

Klimek, L.: SCIT versus SLIT – pro sublinguale Immuntherapie. Allergo Journal 2007, 16, Sonderheft 1, S43-S44.

Kleine-Trebbe, J. et al. (2007): Aktueller Stellenwert der sublingualen Immuntherapie bei allergischen Krankheiten. Pädiatrische Allergologie 10, 4/2007, 18-26.

Kopp, Matthias V. (2009): Der Stellenwert der sublingualen Immuntherapie im Kindesalter. In: Pädiatrische Allergologie, 11/12, 4/2008-1/2009.

Renz H. : Das WHO-Positionspapier zur spezifischen Immuntherapie. ALLERGO J. 1999; 8: 239-244.

Weltgesundheitsorganisation (WHO): Allergen immunotherapy: therapeutic vaccines for allergic diseases. Online verfügbar unter: http://eaaci.net/media/PDF/W/275.pdf

Williams A. et al. (2007): Additional benefit of a third year of specific grass pollen allergoid immunotherapy in patients with seasonal allergic rhinitis. Allerg Immunol (Paris) 2007, 39, 123-126.

 XX World Allergy Congress (WAC) (2007): ECRIT-Studie. Bangkok/Thailand, Dezember 2007

www.sublinguale-immuntherapie.de/

Weiterführende Links:

Pina-Allergiebuch Kapitel 13

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI): Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen.Allergo J 2009; 18: 508-37. Im Internet unter: Leitlinie

 


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