Allergische Reaktionen treten oft unerwartet und plötzlich auf. Insbesondere bei Nahrungsmittel-, Latex-, Insektengiftallergie, einer Hyposensibilisierungsbehandlung und auch nach Medikamentenkontakt kann es zu gefährlichen, sehr starken allergischen Reaktionen kommen, die unter dem Begriff
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) zusammengefasst werden. Bei Kontaktallergien kommt es nur sehr selten zur Anaphylaxie.
Zudem gibt es verschiedene Verstärkungsfaktoren, die in Verbindung mit dem eigentlichen Auslöser zu einer
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) führen können. Körperliche Belastung kann so ein Faktor sein. Weitere Verstärkungsfaktoren sind Medikamente, akute Infektionskrankheiten, Stress, warme Temperaturen, Alkoholgenuss und hormonelle Faktoren.
Es gibt Warnzeichen einer beginnenden Anaphylaxie, die der Patient kennen muss, um noch frühzeitig zu reagieren. Häufigste Anzeichen sind (Niggemann 2002):
Deutlichere Zeichen sind dann bereits
Anaphylaktische Reaktionen ereignen sich sehr schnell nach Kontakt mit dem Allergen. Deshalb muss auch sehr schnell gehandelt werden (s.u.). Das Maximum der Symptome wird – wenn man dem Allergen nicht weiter ausgesetzt ist – nach ca. 30-60 Minuten erreicht. Ein anaphylaktischer Schock wird in vier Schweregrade eingeteilt. Eine Verstärkung der Symptome von Grad I hin zu Grad IV ist unter Umständen sogar innerhalb von nur wenigen Minuten möglich. Glücklicherweise sind solche sehr ausgeprägten anaphylaktischen Reaktionen selten.
Häufiger kann es auch im Zusammenhang mit Allergenkontakt durch Angst- und Stressreaktionen zu einer sogenannten vasovagalen Reaktion (das Blut sackt weg) kommen. Die Unterscheidung ist für den Behandler wichtig. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist der Pulsschlag, der bei vasovagalen Reaktionen eher langsam oder normal ist, bei der
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) aber schnell ist (Tachykardie).
Bei Reaktionen nach einer Hyposensibilisierungsbehandlung oder auf Medikamente in der Klinik sind die notwendigen Therapiemaßnahmen sofort verfügbar, und somit kann das Risiko einer starken anaphylaktischen Reaktion deutlich verringert werden. Treten anaphylaktische Reaktionen außerhalb einer ärztlichen Überwachung auf, gilt es, ruhig und besonnen zu handeln und Notfallmaßnahmen zu beachten (s.u.).
Die Vorbeugung ist die beste Therapie. Der Kontakt mit den Auslösern starker allergischer Reaktionen sollte gemieden werden. Lassen Sie sich genau beraten, welche Möglichkeiten der Allergenvermeidung es für Sie gibt. Bei der Insektengiftallergie gilt es, weitere Stiche zu vermeiden, wofür es auch einige sehr hilfreiche Tipps gibt: Pina-Online-Buch: Kapitel 9 Abschnitt 5.
Für einige Patienten bietet sich als sinnvollste Lösung die Durchführung einer Hyposensibilisierung an, um das Risiko einer
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) am effektivsten zu reduzieren. Bei Nahrungsmittelallergien ist es wichtig zu wissen, wo die Allergene, oft auch versteckt, enthalten sein können.
Gute gezielte Beratung ist wichtig. Nicht immer lassen sich damit alle Reaktionen verhindern. Diese sind aber glücklicherweise nicht immer so schwer, dass es zum Vollbild eines anaphylaktischen Schocks kommt. Erste Warnzeichen zu erkennen und wahrzunehmen, ist wichtig.
Die Therapie muss sofort einsetzen. Zunächst geht es darum, die weitere Allergenzufuhr zu stoppen und zu vermindern. So kann zum Beispiel nach einem Bienenstich versucht werden, den Giftsack so zu entfernen, dass er nicht noch zusätzlich ausgedrückt wird. Anschließend sind allgemeine Erste Hilfe Maßnahmen anzuwenden:
Ist der Arzt eingetroffen, können dann, je nach Stärke der Reaktion, Medikamente gegeben werden, um die Reaktion abzustoppen. Bei bekannter hochgradiger Allergie und Allergenen, die nur schwer zu meiden sind (Insektengift, Erdnuss), kann es sinnvoll sein, die Patienten mit einem medikamentösen Notfallset auszustatten. Die Patienten müssen die richtige Handhabung dieses Notfallsets genau lernen und die richtige Anwendung immer wieder üben.
Auch die Handhabung eines Notfallsets ist nicht ungefährlich und ist deshalb nur, wenn eine wirklich Bedrohung vorliegt und der Umgang sicher gekonnt wird, eine wirkliche Hilfe. Ist ein Notfallset vorhanden, sollte sofort und schon vor Eintreffen des Notarztes mit entsprechenden Maßnahmen begonnen werden.
Für Schule und Kindergarten gibt es vorbereitete Notfallpläne. Diese Pläne sollen mit dem behandelnden Arzt ausgefüllt und dann mit Erzieherin und Lehrern besprochen werden. Gut informiert können kritische Situationen besser gemeistert und Angst gemindert werden.
Im Internet sind diese Pläne zum Download als pdf-Datei zu finden unter: Pina Aktion Allergie/Asthma & Schule Kapitel 14.
Ergänzend dazu hat die Arbeitsgemeinschaft
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) Training und Edukation (AGATE) ein standardisiertes und evaluiertes Trainingsprogramm entwickelt. Hier lernen Betroffene und Eltern von anaphylaxiegefährdeten Kindern Strategien zur Allergenvermeidung sowie Hintergründe zur Anaphylaxie. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Notfallselbstbehandlung, die durchzuführen ist, bevor der Notarzt kommt.
Das wichtigste Element hier ist die Handhabung des Autoinjektors: wann und wie wendet man ihn an?
Außerdem lernen die Betroffenen ihre nächste Umgebung zu informieren und welche Angaben man bei einem Notruf machen muss.
Auch für die Betreuer von Kindern und Jugendlichen hat die Arbeitsgruppe
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) ein Schulungsprogramm entwickelt. Es befasst sich unter anderem mit der problematischen rechtlichen Situation und mögliche Lösungswegen.
Schulungszentren, die eine Anaphylaxie-Schulung nach dem AGATE-Trainingsprogramm anbieten, finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) Training und Edukation (AGATE).
Autorin: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: Januar 2012
Klein, F. (2011). AGATE - mehr Sicherheit bei Anaphylaxierisiko. Allergo Journal , 20 (4), 184-185.
Lange, L., & Niggemann, B. (2012). AGATE-Anaphylaxieschulungen für Betreuungspersonal von Kindern. Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis , 15 (1), 26-27.
Niggemann, B., Wahn, U.: Pädiatrische Allergologie auf einen Blick. 2. Auflage; UNI-MED Verlag AG Bremen - London - Boston 2002.
Niggemann, B.:
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) im Kindes- und Jugendalter. In: Pädiatrische Allergologie 1/2007, S. 6-10.
Przybilla B, Ring J, Ruëff F:
Anaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) Klinisches Bild und Diagnose. Der Hautarzt. Volume 58, Number 12, 1025-1031.
Ring et al. (2007): Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen. Leitlinie der DGAKI, ÄDA, GPA und DAAU. Allergo Journal 6, 2007, S. 420-434.
Ring J, Grosber M, Möhrenschlager M, Brockow K: Anaphylaxis: acute treatment and management. Chem Immunol Allergy. 2010;95:201-10.
Weißbuch Allergie in Deutschland 2000 / Deutsche Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutsche Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). – München: Urban und Vogel Medien- und Medizin-Verlagsgesellschaft; 2000, (ISBN 3-86094-128-3).
Es ist noch nicht ausreichend untersucht, wie häufig die Anaphylaxie in der Allgemeinbevölkerung ist. Deshalb sind auch keine genauen Häufigkeitsangaben möglich. Es wird geschätzt, dass insgesamt 1-15 % der Menschen bereits einen anaphylaktische Schoks erlitten haben. Bekannt ist, dass 0,8 –5 Prozent anaphylaktische Reaktionen nach Bienen- und Wespenstichen auftreten.
Mit schneller Einleitung der richtigen Notfalltherapie sehr gut.
Die Vorbeugung ist die beste Therapie. Der Kontakt mit den Auslösern starker allergischer Reaktionen sollte vermieden werden. Lassen Sie sich genau beraten, welche Möglichkeiten der Allergenvermeidung es für Sie gibt.