Das Wort Asthma kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt so viel wie Ersticken, Atemnot. Ursache ist eine gesteigerte Reaktionsbereitschaft der Atemwege, die besonders empfindlich auf verschiedene Reize reagieren.
Neueren Untersuchungen zufolge, gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen (Phänotypen) des Asthmas.
Entsprechend werden im Folgenden verschiedene Risikofaktoren für die Entwicklung eines Asthma bronchiale genannt. Außerdem werden die Grundlagen der Diagnostik und der Stufenplan zur medikamentösen Therapie erörtert. Dazu gehören auch die Aerosole, die den wichtigsten Baustein der medikamentösen Therapie darstellen. Hier gibt es einige Besonderheiten zu beachten.
Am bedeutendsten für eine erfolgreiche Behandlung ist jedoch die Therapietreue, dies gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.
Asthma ist leider nicht heilbar. Es ist eine chronische Krankheit, die das Kind ein Leben lang begleiten wird. Trotzdem gibt es gute Nachrichten: Ärzte und Forscher haben in den letzten Jahren eine Menge über das Asthma bronchiale hinzugelernt, sei es über die körperlichen (pathophysiologischen) Grundlagen, sei es über die Verbreitung in der Bevölkerung. Experten nennen das Letztere Epidemiologie.
Für die Therapie stehen neue Inhalationstechniken sowie neuartige Medikamente zur Verfügung. Und viele bewährte Substanzen weisen in moderner Darreichungsform kaum noch Nebenwirkungen auf, wie etwa Kortison zum Inhalieren statt in Tablettenform. Mehr Gewicht wird auf zusätzliche Maßnahmen wie das Vermeiden von Allergenen (Karenz) sowie die Asthmaschulung gelegt. Ärzte verschiedener Fachrichtungen arbeiten zusammen, um dem asthmakranken Kind zu helfen. Dies erfordert einen breiten Kenntnisstand.
Bei betroffenen Kindern ist die Schleimhaut der Atemwege (Bronchien) besonders empfindlich und sie reagiert im Übermaß auf bestimmte Reize (Hyperreagibilität). Solche Reize, man sagt dazu auch Auslöser, sind eigentlich oft harmlos und Alltagskontakte. Es können Infektionen, Allergien, aber auch seelische und körperliche Belastungen, bestimmte Wetterlagen (Nebel, Kaltlufteinbruch), Smog, oder Treibgase und Tabakrauch sein. Das
Immunsystemhochentwickeltes Abwehrsystem, das vor schädlichen Mikroorganismen der Außenwelt, aber auch vor abnormen Zellen des eigenen Körpers schützt setzt sich gegen diese Auslöser zur Wehr mit der Folge, dass sich die feinen Verästelungen der Atemwege in der Lunge verengen. Das hindert die Atemluft daran, die Lunge wieder zu verlassen, es entsteht Atemnot.
Die überwiegend anfallsartige Atemnot ist spontan oder nach Therapie vollständig oder teilweise umkehrbar. Im Schulalter stellt das Asthma bronchiale eine klinisch klar definierte, von der Lungenfunktion her gesehen gut abzugrenzende Erkrankung dar. Im Kleinkindalter dagegen wird die Diagnose durch mangelnde Untersuchungsmöglichkeiten und unzureichende experimentelle Daten erschwert. In dieser Altersgruppe verbirgt sich das frühkindliche Asthma bronchiale in einer Gruppe von Kindern mit dem Leitsymptom pfeifende Atmung (wheezing). Im Deutschen wird diese pfeifende Atmung auch "Giemen" genannt. Meist handelt es sich hierbei um Säuglinge und Kleinkinder, die ohne Grundkrankheit in der infektreichen Jahreszeit zwei- bis dreimal im Rahmen von Infekten eine obstruktive Bronchitis über mehrere Tage durchmachen und nach Abklingen des Infektes auch im weiteren Verlauf klinisch beschwerdefrei sind.
Asthma hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das zeigten 1973 und 1988 epidemiologische Studien der Arbeitsgruppe um Burr. Untersuchungen vor und nach der Wiedervereinigung in Deutschland ergaben, dass sich die neuen Bundesländer beim allergischen Schnupfen und der atopischen Sensibilisierung an die alten Bundesländer anglichen. Das galt aber noch nicht für das Asthma bronchiale (von Mutius 1998). Inzwischen scheint sich in Deutschland der Trend umzukehren (Schlaud et. al. 2007).
Das Leben auf dem Bauernhof schützt vor Asthma, wie Studien ergaben. Sie zeigten, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, seltener einen allergischen Schnupfen, Asthma oder eine atopische Sensibilisierung aufweisen, als Kinder, die zwar auf dem Dorf, aber nicht auf einem Bauernhof leben (Ehrenstein, 2000). Woran das im Einzelnen liegt, ist bislang ungeklärt. Eine große Rolle scheinen die Bakterien zu spielen, mit denen sich der Organismus der Kleinen auseinandersetzt, wenn sie sich im Stall aufhalten. Das gilt insbesondere in den ersten zwölf Lebensmonaten. Auch die andere Ernährungsweise der Bauernfamilien und die höhere Zahl von Geschwistern, wodurch die Kleinen mehr Infektionen haben, könnten von Bedeutung sein.
In Deutschland liegt die Sterblichkeit (Mortalität) bei derzeit ein bis drei Kindern pro hunderttausend im Jahr. In vielen Ländern, zum Beispiel auch in den USA, steigt die Sterblichkeit in den letzten Jahren an. Als Risikofaktoren gelten neben einer starken bronchialen Überempfindlichkeit die mangelnde Bereitschaft, sich an die vom Arzt empfohlene Therapie zu halten (schlechte Compliance) und eine schlechte ärztliche Überwachung.
In den ersten Lebensjahren tritt bei einem großen Teil aller Kinder (15 bis 43 Prozent) eine obstruktive Atemwegserkrankung auf (Parks 1986; Strachan 1990). Nur ein kleiner Teil davon hat später ein Asthma bronchiale. Risikofaktoren hierfür scheinen zu sein:
Leider lässt sich die Prognose für das einzelne Kind nicht sicher voraus sagen.
Beim Asthma kommt es zu chronischen Entzündungen in der Schleimhaut der Atemwege. Untersucht man das Gewebe unter dem Mikroskop, findet man viele Botenstoffe, die bei Entzündungen auftreten, und trifft auf überproportional viele Zellen der Immunabwehr wie Mastzellen, Eosinophile, Lymphozyten,
MakrophagenBlutabwehrzellen, die Bakterien, Viren, geschädigte Zellen oder Antigen-Antikörper-Komplexe in sich aufnehmen und zerstören und Neutrophile.

Abbildung 1: Wichtige Entzündungszellen des Immunsystems
Darüber hinaus sieht man einen Verlust der oberflächlichen Hautschicht, erweiterte Blutgefäße, Wassereinlagerung in der Schleimhaut (Ödem) und ein Wachstum (Hypertrophie) der Drüsen unter der Schleimhaut und der glatten Muskulatur. Insgesamt wird die Schleimhaut durchlässiger, und es kommt zu einer überschießenden Reaktion der Bronchien gegenüber physikalischen, pharmakologischen, chemischen und infektiösen Reizen.

Abbildung 2: Akute Obstruktion
Feingewebliche Untersuchungen der Bronchialschleimhaut ergaben, dass die oben genannten Entzündungszellen selbst bei jenen Patienten vorkommen, die sich in Heilung befinden (Remission) oder ein leichtes Asthma haben. Zusätzlich findet durch die anhaltende Entzündung das so genannte Remodeling statt. Das heißt: die Wachstums- und unterste Zellschicht der Schleimhaut, die Basalmembran, verdickt, und in der Schleimhaut treten vermehrt Kollagenfasern auf. Die so umgebaute Schleimhaut schafft die Voraussetzung für die Überempfindlichkeit und auch für die andauernden Asthmasymptome. Erstaunlicherweise findet sich eine verdickte Basalmembran schon sehr früh in der Schleimhaut der Kleinkinder, die später ein anhaltendes Asthma bronchiale entwickeln. Es lassen sich außerdem vermehrt Eosinophile und Mastzellen bei denjenigen Kindern nachweisen, die später ein allergisches Asthma bronchiale entwickeln (Pohunek 1997; Stevenson 1997).
Der Arzt stützt seine Diagnose auf die Vorgeschichte (Anamnese). Dazu wird er die Eltern fragen, wie, wann und wie häufig folgende Symptome auftreten:
Je genauer Eltern auf solche Symptome achten, desto besser kann der Arzt daraus seine Schlüsse ziehen. Sehr wichtig sind auch begleitende Fragen nach Allergien und allergischen Erkrankungen wie zum Beispiel chronische Rhinitis (Heuschnupfen) oder atopisches
EkzemNicht ansteckende Entzündung der Haut. (Neurodermitis/Atopie). Der Arzt wird von den Eltern wissen wollen, ob es in der Familie schon Allergiker gibt, denn mit jedem Elternteil, der eine Allergie hat, steigt die Wahrscheinlichkeit für das Kind, dass es ebenfalls Allergiker/Asthmatiker wird.
Wichtig sind für den Arzt auch Dinge wie Rauchen oder die Belastung durch Allergene von zum Beispiel Haustieren, das Vorhandensein von verarbeiteten Tiermaterialien wie Felle, Federn, Wolle Hausstaubmilben - insbesondere im Bett - sowie das Auftreten von Schimmelpilzen im häuslichen Umfeld.
Bei der körperlichen Untersuchung
Eine Laboruntersuchung ist notwendig, wenn nicht ganz sicher ist, dass das Kind tatsächlich an Asthma leidet. Normalerweise kann dies jedoch bereits durch die Anamnese, die körperliche Untersuchung und den Lungenfunktionstest geklärt werden. Bestandteile einer Laboruntersuchung sind ein großes Blutbild, die Untersuchung auf Immunglobuline (Ig) A, M, G, E sowie der Nachweis von Allergien mittels spezifischem IgE (s.u.).
Eine Röntgenuntersuchung etwa der Lunge in zwei Ebenen wird bei der Erstuntersuchung normalerweise nur bei Patienten mit atypischen oder zusätzlichen Symptomen in Erwägung gezogen.
Ein Lungenfunktionstest dient hauptsächlich dazu, das Maß der Überempfindlichkeit des Bronchialsystems festzustellen (Lindemann 1997). Am sinnvollsten ist der Lungenfunktionstest mittels Bodyplethysmographie. Erfahrene Untersucher können damit schon kleine Patienten ab drei Lebensjahren untersuchen. Die Bodyphlethysmographie wird nur vom Lungenfacharzt durchgeführt und meist auch nur, wenn andere Lungenfunktionsmessungen kein Ergebnis brachten.
Aussagekräftig ist auch die Aufzeichnung des Luftflusses beim Ein- und Ausatmen. Mittels der Fluss-Volumen-Spirometrie können auch geringe Veränderungen der Lungenfunktion und Verengungen der kleinen Atemwege dokumentiert werden.
Provokationstests auf dem Laufband oder an der kalten Luft sind wichtig, weil viele Patienten in Ruhe eine normale Lungenfunktion haben.
Da bei Kindern oft Allergien die Asthma-Symptome auslösen, macht der Arzt zudem spezielle Allergie-Tests. Zur Verfügung stehen hier Haut-Tests wie Prick-Test, Intracutantest, Epikutan-Test, Blut- Tests wie die oben schon genannten IgE oder Rast-Test, Auslass- oder Provokations-Tests, nasale oder inhalative Provokations-Tests (Berdel 1999).
Um eine Mucoviscidose (cystische
FibroseVermehrung des Bindegewebes CF) auszuschließen, kann der Arzt außerdem eine Iontophorese veranlassen. Mit diesem Verfahren misst man den Salzgehalt im Schweiß.
Es gibt eine ganze Reihe von Krankheiten der Atemwege, die gleiche oder ähnliche Symptome wie das Asthma bronchiale zeigen können:
Bei Erstdiagnostik sowie bei Patienten mit atypischen oder zusätzlichen Symptomen ist eine Röntgenuntersuchung der Thoraxorgane in Erwägung zu ziehen.
Lautet die Diagnose eindeutig Asthma, sind viele Eltern erst einmal vor den Kopf gestoßen. Doch die Klarheit hat große Vorteile. Je früher Asthma festgestellt und konsequent behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass das Kind beschwerdefrei und unbelastet leben kann. Legt der Arzt die Therapie fest, orientiert er sich am Schweregrad des Asthmas. Die Einteilung in Schweregrade hängt von den Asthmasymptomen, der Lungenfunktion und der Lebensqualität des kleinen Patienten ab.
Nach der aktuellen "Nationalen Versorgungsleitlinie" (2009) wird zwischen vier Schweregraden unterschieden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Empfehlungen kann hier beim Schweregrad I auch von intermittierender (von Unterbrechungen geprägter), wiederkehrender (rezidivierender) bronchialer Obstruktion (wheezing) gesprochen werden, da gerade solche sporadisch auftretenden Atmungsstörungen sehr unterschiedlich verlaufen können. Die Schleimhaut in den Atemwegen muss im Kleinkindalter auch nicht
chronischder meist schleichend einsetzende und lange andauernde Verlauf einer Erkrankung entzündet sein (bei den Schweregraden II bis IV ist sie das aber immer).
Derzeit lässt sich bei behandlungsbedürftiger wiederkehrender bronchialer Obstruktion eines Kleinkindes nicht sicher vorhersagen, ob
Asthma ist eine chronische Erkrankung, die ein Kind unter Umständen ein Leben lang begleiten wird. Das heißt: auch wenn das Kind über längere Zeit hinweg völlig beschwerdefrei war, kann plötzlich wieder ein Anfall auftreten. Aus diesem Grund raten die Ärzte häufig zu einer Dauertherapie, um Anfällen vorzubeugen. Sie wirkt aber nur, solange sie konsequent eingehalten wird. Zwei bis vier Mal am Tag inhalieren gehört dazu. Für die moderne Asthmatherapie haben sich Experten aus verschiedenen Ländern auf eine Art Stufenplan geeinigt, bei dem ein oder mehrere Medikamente verabreicht werden, je nachdem, wie ausgeprägt die Beschwerden sind.
Wichtigster Bestandteil ist ein Präparat, das der chronischen Entzündung vorbeugen soll. Dieses Dauermedikament wird auch Controller genannt, während das Präparat für den Notfall Reliever heißt.
In der Asthmaschulung werden Symbole für diese beiden Medikamentengruppen verwendet: für die Dauermedikamente ein grünes Quadrat, für die Bedarfsmedikamente ein roter Kreis (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bedarf- und Dauertherapiemedikamente
Eine genauere Beschreibung der einzelnen Medikamentengruppen beim Asthma bronchiale ist im pina-online-Buch Kap. 5.4.13 zu finden.
Generell gilt für die Behandlung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Einen Unterschied zwischen Säuglingen, Kleinkindern und Schulkindern gibt es bei der Therapie nicht, weil sich die Symptome bei ihnen nicht wesentlich unterscheiden – außer, dass die kleinen mehr an Husten denn an Atemnot leiden als die größeren Kinder. Entsprechend der Schweregradeinteilung gibt es vier Therapiestufen. Asthmaschweregrad und Therapiestufe müssen aber nicht übereinstimmen!
Die Leitlinie für die Therapie des Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter (nach Berdel 2004, siehe auch Versorgungsleitlinie Asthma bronchaile 2005) sieht folgenden Stufenplan vor:
Tabelle nach Berdel 2004 (Nationale Versorgungsleitlinien in Pädiatr. Allergologie, S. 10)
Medikamentöse Stufentherapie bei Kindern und Jugendlichen
| Stufe 4: schwergradig persistierend | |
| Bedarfstherapie: Inhalatives rasch wirksames ß2-Sympathomimetikum* |
Dauertherapie: Hohe ICS-Dosis plus inhalatives langwirksames Beta-2-Sympathomimetikum. falls keine Besserung eine der folgenden Optionen: - Montelukast - retardiertes Theophyllin - systemisches Corticosteroid (intermittierend oder dauerhaft) in der niedrigsten noch effektiven Dosis (Ausnahme: *****). |
| Stufe 3: mittelgradig persistierend | |
| Bedarfstherapie: Inhalatives rasch wirksames ß2-Sympathomimetikum* |
Dauertherapie: Mittlere ICS-Dosis, falls keine Besserung: - Dosissteigerung (um 50-100% = hohe ICS-Dosis = Stufe 4) - add-on lang wirksame ß2-Sympathomimetika**** - Montelukast - Theophyllin |
| Stufe 2: geringgradig persistierend | |
| Bedarfstherapie: Inhalatives rasch wirksames ß2-Sympathomimetikum* |
Dauertherapie: Therapie der 1. Wahl: Niedrig dosierte inhalative Kortikosteroide (ICS). Vorher Versuch mit Montelukast***** oder Cromonen (DNCG o. Nedocromil) für 4-8 Wo. möglich |
| Stufe 1: intermittierend | |
| Bedarfstherapie: Inhalatives rasch wirksames ß2-Sympathomimetikum* |
Dauertherapie: keine*** |
* Alternativen: Anticholinergika (z.B. Ipratropiumbromid, Teophyllin in Lsg., Anticholinergika evtl. auch in Kombination mit kurz wirksamen ß2-Sympathomimetika.
** Vor Dosissteigerung des ICS bzw. vor add-on-Therapie oder Gabe oraler Kortikosteroide: Vorstellung in einem allergologisch-pneumologischen Schwerpunkt (Praxis/Zentrum).
*** Eine vorübergehende anti-entzündliche Therapie z.B. bei rezidivierenden, infektgetriggerten Bronchialobstruktionen im Säuglings- oder Kleinkindesalter sowie bei kurzfristigem Allergenkontakt älterer Kinder (z.B. Birkenpollen, sporadischem Tierkontakt) ist möglich.
**** Im Vorschulalter kaum Wirksamkeits- oder Sicherheitsdaten, deshalb hier nur in Ausnahmefällen.
***** Bei Belastungsasthma als Monotherapie zugelassen, für Stufe 4 nicht zugelassen.
Diese Tabelle bedarf einiger zusätzlicher Erläuterungen:
Kombinationspräparate:
Der Arzt kann auch Kombinationspräparate verordnen. Für die Anfangstherapie beispielsweise können das ein Kortisonpräparat zum Inhalieren und ein lang wirksames Beta-2-Sympathomimetikum sein, während die weitere Dauertherapie allein mit Kortison zum Inhalieren bestritten wird.
Verläuft die Therapie stabil, ist eine Kontrolle nach drei bis sechs Monaten sinnvoll. Dabei misst der Arzt die Lungenfunktion (Peak-flow-Messung), und er befragt den kleinen Patienten und dessen Eltern, wie oft er welche Beschwerden hatte. Gegebenenfalls stuft der Arzt den Schweregrad des Asthmas neu ein. Bei stabilem Verlauf kann die Therapie stufenweise reduziert werden. Es sollte einmal im Jahr eine Lungenfunktionsmessung stattfinden. Häufig sind dabei zusätzliche Untersuchungen nötig, beispielsweise ein Belastungstest am Laufband, um die Überempfindlichkeit zu messen, weil die Lungenfunktion in Ruhe bei stabilem Verlauf oft unauffällig ist. Außerdem wird sich der Arzt zeigen lassen, wie der kleine Patient inhaliert, wenn sich die Beschwerden nicht verbessern sowie bei jeder Wiedervorstellung.
Die Therapie wirkt umso besser, je genauer sie auf den einzelnen Patienten zugeschnitten ist. Der Arzt legt sie in einer Art "Vertrag" fest. Den bekommt der Patient schriftlich mit nach Hause.
Wenn möglich und sinnvoll, verordnet der Arzt Kombinationspräparate. Für die Anfangstherapie beispielsweise können das ein Kortisonpräparat zum Inhalieren und ein lang wirksames Beta2-Sympathomimetikum sein, während die weitere Dauertherapie allein mit Kortison zum Inhalieren bestritten wird.
Die Asthmatherapie hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Punkten verändert und vor allem auch verbessert. Diesem Umstand ist wohl auch zu verdanken, dass seltener Fälle schwerster Verschlimmerung auftreten.
Die wichtigste Form der medikamentösen Behandlung ist die Inhalationstherapie. Um diese so wirkungsvoll und dabei so nebenwirkungsarm wie möglich zu gestalten, muss das Kind die richtige Inhalationstechnik lernen:
Der Atemstrom des Patienten sollte bei jedem Inhalationssystem überprüft werden. Dafür gibt es spezielle Messgeräte. Entsprechend sollte dann das Inhalationssystem ausgewählt werden, das sich am besten für das Kind eignet. So empfiehlt sich beispielsweise bei Säuglingen und Kleinkindern das Dosieraerosol mit Inhalationshilfe, bei Kindern ab etwa fünf Jahren der Autohaler®, Rotadisk®, Spinhaler® oder Novolizer® und ab sechs Jahren der Diskus® oder Turbohaler®.
Möglichst früh sollte man auf Pulverinhalationssysteme umsteigen, da der Wirkstoff hier besser aufgenommen wird als bei Dosieraerosolen. Allerdings verteilen die neuen FCKW-freien Dosieraerosole, in denen das Corticosteroid (Beclomethason) in Lösung gebracht wurde, den Wirkstoff ebenfalls sehr gut in der Lunge.
Zum Inhalieren mit einem Dosieraerosol ist stets eine großvolumige Inhalationshilfe mit Ventil (Spacer) nötig. Inhalieren über eine Maske schneidet deutlich schlechter ab als Inhalieren mittels Mundstück. Die Konsequenz: Spätestens ab dem dritten Lebensjahr sollten Eltern ihr Kind auf ein Mundstück umgewöhnen. Sehr verbreitet ist das Inhalieren mit einem elektrischen Gerät – im Vergleich zum Inhalieren über Dosieraerosol und Inhalationshilfe schneidet es aber nicht besser ab, sondern sogar eher schlechter, denn beim elektrischen Gerät dauert das Inhalieren länger. Dadurch besteht auf Dauer die Gefahr, dass der kleine Patient die Therapie nicht regelmäßig durchführt.
Die im April 2006 neu überarbeitete Patientenleitlinie gibt folgende Tipps:
Wichtig ist es auch, das Umfeld über die Krankheit zu informieren, damit auch andere Personen während eines akuten Notfalls helfen können.
Das Schlimmste ist die Ohnmacht, das Gefühl, dem Anfall ausgeliefert zu sein. Das muss nicht so bleiben, wie eine bundesweite Studie beweist. Bei knapp 500 kleinen Patienten, die mit ihren Eltern eine standardisierte Asthmaschulung besuchten, zeigte sich: Schon kleine Kinder sind sehr wohl dazu in der Lage, bewusst mit ihrer Krankheit umzugehen. Haben Sie gelernt, die Frühsymptome zu erkennen, können sie gezielt Schlimmerem vorbeugen, etwa indem sie rechtzeitig ihre Medikamente nehmen oder durch Atem- und Entspannungsübungen.
In der Asthmaschulung lernt das Kind, mit der Krankheit umzugehen, sie besser zu akzeptieren und ein normales Leben damit zu führen, zu dem beispielsweise auch regelmäßig Sport treiben gehört. Daneben lernt der kleine Patient in Rollenspielen, richtig auf die nicht immer adäquaten Kommentare von Mitschülern, Spielkameraden oder Lehrern zu reagieren. Das beugt Außenseitertum vor.
Eine Asthmaschulung deckt natürlich auch den großen Informationsbedarf der Patienten. Nach Umfragen im Rahmen der AIRLife-Studie hat ein großer Teil (72 Prozent) der asthmakranken Kinder einen Informationsbedarf, den sechs von zehn Kindern am liebsten mit anderen Kindern zusammen decken möchten, vier von zehn mittels Computer, vier von zehn mittels Gesprächen mit dem Arzt und zwei von zehn mittels Büchern oder Fernsehen (Mehrfachnennungen waren möglich). Ein klarer Beleg dafür, wie wichtig Asthmaschulungen sind. Die Wirksamkeit der Schulungen ist zudem durch umfangreiche Studien belegt (Lob-Corzilius 1997).
Die Schulungen sind für Kinder ab sechs Jahren und deren Eltern gedacht.
Wo werden Kinder, Jugendliche und ihre Eltern geschult?
Asthmaschulungsangebote der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter zu finden unter www.asthmaschulung.de.
Bei einer chronischen Erkrankung ist es sehr wichtig, gut über die Krankheit informiert zu sein und den Umgang mit der Krankheit zu erlernen. Sie sollten Beschwerden einschätzen können und die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente kennen. Es gibt einige Möglichkeiten, das Asthma regelmäßig zu Hause zu kontrollieren. Mit dem Peak-flow-Meter, einem einfachen Gerät können Sie selbst messen, mit welchem Spitzenfluss Sie ausatmen können. Zuerst wird so viel Luft wie möglich eingeatmet. Dann wird die Luft so kräftig wie möglich in das Mundstück des Peak-Flow-Meters ausgeatmet. Dabei wird ein Kolben im Inneren des Gerätes bewegt und die Anzeige zeigt den maximalen Luftstrom. Die Werte sollten Sie in einem Asthmatagebuch notieren und zum nächsten Arztbesuch mitbringen. In das Asthmatagebuch lassen sich auch andere die Krankheit betreffende Informationen eintragen. Sie erhalten Asthmatagebücher gegebenenfalls beim Arzt, bei der Deutschen Atemwegsliga oder als kostenlosen Download auf diversen Internetseiten. Ein Peak-Flow-Meter bekommen Sie oftmals bei der Asthmaschulung, können es aber auch selber kaufen.
Eine weitere so genannte Begleitmaßnahme ist die Sanierung der Umgebung. Möglichst viele relevante Allergene sollen dabei beseitigt werden. Dazu gehören die Sanierung des Bettes, das Vermeiden von Haustieren und von verarbeiteten Tiermaterialien (Felle, Wolle etc.) sowie das Beseitigen von Schimmelpilzbefall an den Wänden (Sanierungsmaßnahmen siehe unter "weitere Infos"). Ganz wichtig ist außerdem der Verzicht auf das Rauchen, der oft nur mit größter Mühe zu erreichen ist. Ein guter Ansatz ist die Kombination von Asthmaschulungen und Raucherentwöhnungskursen für die Eltern in einigen Rehabilitationskliniken.
Sinnvoll ist ferner die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Sie ist ab dem fünften, sechsten Lebensjahr möglich. Dazu wird dem Kind drei Jahre lang das Allergen in geschwächter Form verabreicht, damit sich der Körper langsam daran gewöhnt.
Weitere Informationen zu Symptomen, Diagnostik und Vorbeugung: Siehe Info-Kasten am Ende dieser Seite.
Berdel, D.: Nasaler Provokationstest. In: Wahn U., Seger R., Wahn V., Hrsg. Pädiatrische Allergologie und Immunologie. 3. Aufl. München; Jena: Urban und Fischer, 1999. S.:205-211
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Asthmahäufigkeit bei Kindern
Der KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey), eine repräsentative Untersuchung aus dem Jahr 2006 bzw. 2007 macht folgende Angaben:
4,7% der Kinder in Deutschland hatten nach Aussage der Eltern bereits mindestens einmal in ihrem Leben Asthma bronchiale. Dabei waren mehr Jungen (mit 5,5%) als Mädchen (3,9%) betroffen. Aktuell (d.h. in den letzten 12 Monaten) waren 3,0% aller Kinder von Asthma betroffen.
Eine ältere Quelle, das Weißbuch Allergie gibt ähnliche Häufigkeiten an. Zudem wird dort gesagt: "Über pfeifende Atemgeräusche im letzten Jahr berichten in den meisten Studien mehr als doppelt so viele Kinder..."
Somit ist davon auszugehen, dass bei vielen Kindern die Diagnose Asthma noch nicht gestellt wurde, und mehr Kinder von Asthma betroffen sind.
Nach der "International Study on Asthma and Allergy in Childhood" , kurz ISAAC-Studie, die internationale Daten zur Häufigkeit allergischer Krankheiten im Kindesalter vergleicht, liegt Deutschland mit der Häufigkeit für Asthma im Mittelfeld. In Ländern wie Australien, England und den USA ist Asthma bei Kindern deutlich häufiger.
Vergleichdaten der ISAAC Studie Phase III 2002 bis 2003 zeigen sieben Jahre nach den Ergebnissen der Phase I einen weiteren Anstieg der Asthmahäufigkeit in vielen Ländern. Dies gilt vor allem für die Altersstufe der 6-7 Jährigen (ISAAC 2006).
Asthmahäufigkeit bei Erwachsenen
Aktuelle Daten zur Häufigkeit des Asthma bei Erwachsenen sind einer europäischen Studie zu entnehmen (ISAAC 1998). Die Häufigkeit von Asthma bei Erwachsenen im Alter von 22-44 Jahren beträgt ca. 2,1 – 4,4 Prozent. Auch in dieser Altersgruppe liegt die Zahl der Betroffenen mit Symptomen wie Giemen und pfeifender Atmung mit 13,3-21,1 Prozent deutlich höher (Spezialbericht Allergien 2000).
Quellen:
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Schlaud, M., Atzpodien, K., Thierfelder, W. (2007): Allergische Erkrankungen. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). In: Bundesgesundheitsblatt Band 50. Heft 5/6, Mai/Juni 2007. 701-710.
Spezialbericht Allergien: Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Statistisches Bundesamt: Stuttgart: Metzler-Poeschel, 2000 ISBN 3-8246-0612-7. Weißbuch Allergie in Deutschland 2000 / Deutsche Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). – München: Urban und Vogel Medien- und Medizin-Verlagsgesellschaft ; 2000, ISBN 3-86094-128-3. (Zitat auf Seite 34).
Asthma ist bislang mit keiner zur Verfügung stehenden Therapie heilbar, aber Beschwerdefreiheit kann man gerade im Kindesalter fast immer erreichen, ohne dies mit einem hohen Nebenwirkungsrisiko zu bezahlen.
Allergieprävention, d. h. die Entstehung von Allergien zu verhindern, wäre die sinnvollste und beste Maßnahme. Die Prävention ist ein vordringliches Arbeitsfeld der Allergologie, weil die Entstehung von Allergien, vor allem aber die Entwicklung allergischer Erkrankungen und deren Verlauf beeinflussbar sind.
Das Thema Allergieprävention ist allerdings sehr komplex, und es gibt bisher keine vollkommen sichere und einfache Methode, der Allergieentstehung vorzubeugen. Kurze allgemeine Empfehlungen bringen wenig. Die betroffenen Familien brauchen eine Beratung, die auf ihre jeweilige persönliche Situation zugeschnitten ist, intensive Betreuung und Motivation durch allergologisch kompetentes Personal.
Ob ein Kind Allergiker wird oder nicht, ist in starkem Maße vom Erbgut vorgegeben. Insbesondere allergische Erkrankungen der Eltern sind ein Risikofaktor. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, und je häufiger gleiche Erkrankungen auftreten (zum Beispiel, wenn beide Elternteile Asthma haben), desto größer ist das Risiko für Kinder aus diesen Familien, ebenfalls eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Neben der Genetik haben aber auch umweltbedingte Faktoren Einfluss auf die Allergieentstehung.
Einen Überblick über Möglichkeiten der Allergieprävention bietet die ausführliche Information Allergievorbeugung und die neue Evidenzbasierte Leitlinie zur Allergieprävention des Aktionsbündnisses Allergieprävention abap.