Ihr Kind oder auch Sie selbst oder ein anderes Familienmitglied haben Asthma bronchiale. Ein Arzt hat die Diagnose gestellt, und nun machen Sie sich natürlich Gedanken, was das für Ihr Kind, Sie und Ihre Familie bedeutet und wie die Zukunft mit dieser Krankheit aussehen wird.
So wie Ihnen geht es vielen anderen Familien auch, denn Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Sie tritt auch bei circa zwei bis vier Prozent der Erwachsenen im mittleren Alter auf. Vielleicht sind Sie aber auch froh, endlich zu wissen, warum zum Beispiel Ihr Kind nachts immer gehustet hat oder aufgewacht ist und nicht richtig Luft bekommen hat. Warum es, wenn andere Kinder nur Schnupfen hatten, immer eine “Bronchitis” mit Husten und Pfeifen oft über Wochen hinweg hatte. Warum es beim Sport nicht so mithalten konnte wie die anderen Kinder, öfter Pausen machen musste oder beim Fußball immer nur im Tor stehen durfte.
Mit der Diagnose ist es nun möglich, sich auf die Krankheit einzustellen, sie richtig zu behandeln und damit leben zu lernen. Die nachfolgenden Tipps sollen Ihnen etwas helfen, mehr über das Asthma bronchiale zu erfahren, und den richtigen Weg im Umgang mit dieser Erkrankung zu finden.
Charakteristisch für das Asthma ist die gesteigerte Reaktionsbereitschaft der Atemwege (des Bronchialsystems) auf die unterschiedlichsten Reize. Diese gesteigerte Reaktionsbereitschaft wird auch Überempfindlichkeit oder "Hyperreagibilität” genannt. Reize, die die Hyperreagibilität verstärken oder zu Symptomen des Asthmas führen, werden Auslöser genannt. Auslöser können unter anderem sein:

Der Kontakt mit Auslösern führt dazu, dass Vermittlersubstanzen freigesetzt werden, die an den Atemwegen zu drei entscheidenden Reaktionen führen können:

Die Bronchien verengen sich
Die Folge: Die Atemwege verengen sich, der Patient bekommt nur noch schlecht Luft und hat das Gefühl, ein Elefant stehe auf seiner Brust. Diese Reaktionen sind wieder rückgängig zu machen. Allerdings unterstützen die Vermittlerstoffe eine chronische Reizung und Entzündung der Schleimhaut und dadurch eine zunehmende Empfindlichkeit der Bronchien. Auf Dauer führen immer geringere Mengen eines Auslösers zu einer Asthmareaktion. Die Neigung des Bronchialsystems, überempfindlich zu reagieren, ist erblich und somit nicht heilbar. Gleiches gilt für die Anlage, mit einer chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut auf Auslöserreize zu reagieren.
Möglich und wichtig ist aber:
Wichtige Behandlungsschritte (Therapiebausteine) sind deshalb
Zusammen mit Ihrem Arzt sollten Sie schrittweise alle diese Behandlungsbausteine nutzen. Die Auslöser, die für den Erkrankten bedeutsam sind, sollten bekannt sein und soweit wie möglich vermieden werden. Manchen Auslösern kann man allerdings nicht aus dem Weg gehen (zum Beispiel Wetterwechsel, Wut, Ärger), bei manchen Auslösern ist die Vermeidung sogar nicht sinnvoll (Sport). Deshalb sollten Sie genau besprechen, welche einzelnen Schritte die geeigneten sind.
Da nicht alle Auslöser zu vermeiden sind, muss man versuchen, das Brochialsystem unempfindlicher zu machen. Dazu "bremst" man die chronische Entzündung. Dies ist heutzutage sehr gut möglich mit Medikamenten. Sie müssen zwar regelmäßig eingesetzt werden, um ihre Schutzwirkung optimal zu entfalten, stellen aber trotzdem kein Risiko für die Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Erwachsenen dar.
Wirkungsvolle Therapien gegen Asthma im Kindes- und Erwachsenenalter wurden in international einheitlichen Therapieplänen festgelegt und haben sich seit vielen Jahren bewährt. Asthma ist zwar bislang mit keiner zur Verfügung stehenden Therapie heilbar, aber Beschwerdefreiheit kann man gerade im Kindesalter fast immer erreichen, ohne dies mit einem hohen Nebenwirkungsrisiko zu bezahlen.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die angemessene antientzündliche Schutztherapie. Trotz einer guten und wirkungsvollen Schutztherapie kann es Situationen geben, in denen es doch zu Asthmasymptomen kommt, zum Beispiel, wenn besonders viele Auslöser zusammentreffen, ein starker Infekt besteht. Dann ist es erforderlich, die verengten Bronchien schnell wieder frei zu bekommen. Auch für diese Situation stehen wirkungsvolle und nebenwirkungsfreie Medikamente zur Verfügung.
Wichtige erste Maßnahmen können und sollten Sie zu Hause anwenden können. Dazu ist es notwendig zu erkennen, wann eine Verengung eingetreten ist, wie stark sie ist und welche Schritte im Einzelnen anzuwenden sind. Wie dies möglich ist und was in Therapiestandards empfohlen wird, können Sie unter Asthmatherapie allgemein unten nachlesen. Dies sind aber nur Empfehlungen. In jedem Einzelfall sollte die Therapie vor Ort mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Oft ist es im Praxisalltag allerdings nicht möglich, ausreichend lange Zeit für Gespräche zu finden, alle Fragen umfassend zu klären und die Anwendung aller Medikamente und Therapiehilfsmittel ausreichend oft zu üben. Deshalb haben sich, sicher auch in der Nähe Ihres Wohnortes, Asthmafachleute (Ärzte, Psychologen, Physio- und Sporttherapeuten und andere) zusammengefunden und führen Asthmaschulungskurse für Kinder und deren Familien durch. Vielleicht bietet sogar Ihr Kinderarzt mit seinem Team solche Kurse an. Fragen Sie ihn einfach danach. Auch für Erwachsene wird Asthmaschulung angeboten. Selbst wenn es für Sie nicht möglich sein sollte, an einem Asthmaschulungskurs teilzunehmen, können Sie sich gut über die Krankheit informieren, und auch Ihr Kind kann altersentsprechend lernen, mit seiner Krankheit sicher umzugehen. Viele Informationsbroschüren, Bücher, Computer-CDs oder auch Internetangebote stehen zur Verfügung (siehe die Linkliste in den Literaturquellen).
Wenn Sie den persönlichen Kontakt zu anderen Betroffenen suchen und den Austausch und die Unterstützung durch andere Patienten und betroffene Eltern finden möchten, sollten Sie sich einer Selbsthilfeorganisation in Ihrer Nähe anschließen oder selber eine Ortsgruppe gründen. Die bestehenden Organisationen stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Gut informiert und optimal behandelt zu sein, macht sicher und nimmt die Angst vor der Diagnose. Das Asthma ist dann nicht das einzig Wichtige in Ihrer Familie, alle können sich damit arrangieren. Haben Sie und Ihre Familie den Mut, sich mit all den aufkommenden Fragen gemeinsam auseinander zu setzen. Fragen Sie Ihren Arzt und nutzen Sie die Informations- und Hilfsangebote
Weitere Informationen zu Symptomen, Diagnostik und Vorbeugung: Siehe Info-Kasten am Ende dieser Seite.
Autor: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Mehr über Asthma nachlesen können Sie unter diesen Links, die wir für Sie ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengestellt haben:
Umfassende Patientenleitlinie Asthma im Medizinischen Wissensnetzwerk www.evidence.de der Universität Witten/Herdecke. Diese Patientenleitlinie (1/2004) richtet sich an Patienten mit Asthma und an deren Angehörige: www.patientenleitlinie.de Asthma
S2-Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter (AGAS) und der Gesellschaft für Pädiatrische Rehabilitation 2006: S2 leitlinie Asthma im Kindesalter
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA):
Informationen über chronische Erkrankungen und Vorschläge zum Umgang mit
chronischder meist schleichend einsetzende und lange andauernde Verlauf einer Erkrankung kranken Kinder und Jugendlichen in der Schule und zur Besprechung der Erkrankungen im Unterricht der Klassen 1 bis 10
www.bzga.de und Eingabe des Suchwortes "Asthma"
Gesellschaft für pädiatrischen Pneumologie (GPP) mit Leitlinie zur Asthmatherapie: www.paediatrische-pneumologie.eu/cms/website.php
Homepage der Gesellschaft Päd. Allergologie und Umweltmedizin (GPA) mit Leitlinien und freiwilligem Mitgliederverzeichnis: www.gpaev.de
Versorgungsleitlinie Asthma bronchiale Version Juli 2009: www.versorgungsleitlinien.de/themen
Zusammenfassende Site für Leitlinien in der Medizin: www.aezq.de
Internetangebot zum Thema Asthma www.luft-zum-leben.de (mit vielen Abbildungen zum Aufbau und Funktion der Atemwege, einem Asthma Tagebuch, Biowetter und einem Expertenforum. Mit dem "Asthma Fon" kann man sich per SMS an die tägliche Medikamenteneinnahme erinnern lassen oder täglich die Pollenflugvorhersage per SMS erhalten. Site der Firma GlaxoSmithKline GmbH)
Gesundheitsportal Onmeda (2008): Infos Atemwegserkrankungen
Gesundheitsportal Onmeda (2007): Asthma bronchiale
Internetangebot zum Thema Asthma mit interessanten Informationen (Site der Firma Zambon GmbH): www.asthma.de
Patientenschulungsangebote
Strukturierte und standardisierte Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter bieten die Mitglieder der "Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter e.V." im ganzen Bundesgebiet an. Um einen Ansprechpartner in Ihrer Region zu finden schauen Sie unter www.asthmaschulung.de
My-Air.TV :
Dieser Webauftritt ist für von Asthma betroffene Kinder und Jugendliche gestaltet worden. Er dient deren Betreuung und Nachschulung. https://my-air.tv/
Allergie Dokumentations-und Informationszentrum ADIZ Bad Lippspringe:
Mit Patiententipps, Pollenflugvorhersage und Hinweisen zu Asthmaschulungsangeboten für Erwachsene
www.adiz.de
Selbsthilfeorganisationen zum Bereich Allergie und Asthma
Selbsthilfeorganisationen halten viele interessante Informationsangebote bereit. Selbsthilfeorganisationen bieten aber vor allem die Möglichkeit des Austausches und der Unterstützung der Betroffenen untereinander. Leider gibt es noch keine alle Organisationen umfassende Informationsquelle. Wir können Ihnen hier nur eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit bieten.
Bitte fragen Sie auch zusätzlich in Ihren Gesundheitsämtern oder in Patientenberatungsstellen vor Ort nach.
Eine Auswahl (alphabetisch) (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Allergie-Verein in Europa (AVE) e. V.
-Verein zur Förderung der ganzheitlichen Behandlung allergischer Erkrankungen in Europa-
Allergie-Verein Europa
Allergiker Selbsthilfe e. V.
Thomas Weigert
Postfach 1665
Kelkheim
Tmweigert@aol.com
Allergie- und umweltkrankes Kind e.V. – Bundesverband Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.
Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland e.V. – Selbsthilfeorganisation für Neurodermitis-, Asthma und Allergiekranke Bundesverband Neurodermitiskranker
Deutsche Atemwegsliga e.V. Postfach 1280, 33175 Bad Lippspringe Tel: 05252/28601 Internet: www.atemwegsliga.de
Deutsche Lungenstiftung Lungenstiftung
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) e-mail: info@daab.de, Internet: www.daab.de
Deutscher Neurodermitis Bund e.V. Dt. Neurodemitis Bund
Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V. Atemwegsliga
Überblicksuche nach Selbsthilfeorganisationen
NAKOS-Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
NAKOS: Adressen von Selbsthilfegruppen: www.nakos.de/site/
Asthmahäufigkeit bei Kindern
Der KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey), eine repräsentative Untersuchung aus dem Jahr 2006 bzw. 2007 macht folgende Angaben:
4,7% der Kinder in Deutschland hatten nach Aussage der Eltern bereits mindestens einmal in ihrem Leben Asthma bronchiale. Dabei waren mehr Jungen (mit 5,5%) als Mädchen (3,9%) betroffen. Aktuell (d.h. in den letzten 12 Monaten) waren 3,0% aller Kinder von Asthma betroffen.
Eine ältere Quelle, das Weißbuch Allergie gibt ähnliche Häufigkeiten an. Zudem wird dort gesagt: "Über pfeifende Atemgeräusche im letzten Jahr berichten in den meisten Studien mehr als doppelt so viele Kinder..."
Somit ist davon auszugehen, dass bei vielen Kindern die Diagnose Asthma noch nicht gestellt wurde, und mehr Kinder von Asthma betroffen sind.
Nach der "International Study on Asthma and Allergy in Childhood" , kurz ISAAC-Studie, die internationale Daten zur Häufigkeit allergischer Krankheiten im Kindesalter vergleicht, liegt Deutschland mit der Häufigkeit für Asthma im Mittelfeld. In Ländern wie Australien, England und den USA ist Asthma bei Kindern deutlich häufiger.
Vergleichdaten der ISAAC Studie Phase III 2002 bis 2003 zeigen sieben Jahre nach den Ergebnissen der Phase I einen weiteren Anstieg der Asthmahäufigkeit in vielen Ländern. Dies gilt vor allem für die Altersstfe der 6-7 Jährigen (ISAAC 2006).
Asthmahäufigkeit bei Erwachsenen
Aktuelle Daten zur Häufigkeit des Asthma bei Erwachsenen sind einer europäischen Studie zu entnehmen (ISAAC 1998). Die Häufigkeit von Asthma bei Erwachsenen im Alter von 22-44 Jahren beträgt ca. 2,1 – 4,4 Prozent. Auch in dieser Altersgruppe liegt die Zahl der Betroffenen mit Symptomen wie Giemen und pfeifender Atmung mit 13,3-21,1 Prozent deutlich höher (Spezialbericht Allergien 2000).
Quellen:
International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) Steering Committee: Worldwide variations in the prevalence of asthma symptoms: the International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC). Eur Respir J 1998; 12: 315 – 335.
Asher, M Innes; Montefort, Stephen; Björkstén; Bengt; Lai, Christopher KW; Strachan, David P.; Weiland, Stephan K.; Williams, Hywel. and Members of the ISAAC Phase Three Study Group: Worldwide time trends in the prevalence of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC Phases One and Three repeat multicountry cross-sectional surveys. The Lancet 2006; 368:733-743 (DOI:10.1016/S0140-6736(06)69283-0)
Schlaud, M., Atzpodien, K., Thierfelder, W. (2007): Allergische Erkrankungen. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). In: Bundesgesundheitsblatt Band 50. Heft 5/6, Mai/Juni 2007. 701-710.
Spezialbericht Allergien: Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Statistisches Bundesamt: Stuttgart: Metzler-Poeschel, 2000 ISBN 3-8246-0612-7. Weißbuch Allergie in Deutschland 2000 / Deutsche Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). – München: Urban und Vogel Medien- und Medizin-Verlagsgesellschaft ; 2000, ISBN 3-86094-128-3. (Zitat auf Seite 34).
Asthma ist bislang mit keiner zur Verfügung stehenden Therapie heilbar, aber Beschwerdefreiheit kann man gerade im Kindesalter fast immer erreichen, ohne dies mit einem hohen Nebenwirkungsrisiko zu bezahlen.
Allergieprävention, d. h. die Entstehung von Allergien zu verhindern, wäre die sinnvollste und beste Maßnahme. Die Prävention ist ein vordringliches Arbeitsfeld der Allergologie, weil die Entstehung von Allergien, vor allem aber die Entwicklung allergischer Erkrankungen und deren Verlauf beeinflussbar sind.
Das Thema Allergieprävention ist allerdings sehr komplex, und es gibt bisher keine vollkommen sichere und einfache Methode, der Allergieentstehung vorzubeugen. Kurze allgemeine Empfehlungen bringen wenig. Die betroffenen Familien brauchen eine Beratung, die auf ihre jeweilige persönliche Situation zugeschnitten ist, intensive Betreuung und Motivation durch allergologisch kompetentes Personal.
Ob ein Kind Allergiker wird oder nicht, ist in starkem Maße vom Erbgut vorgegeben. Insbesondere allergische Erkrankungen der Eltern sind ein Risikofaktor. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, und je häufiger gleiche Erkrankungen auftreten (zum Beispiel, wenn beide Elternteile Asthma haben), desto größer ist das Risiko für Kinder aus diesen Familien, ebenfalls eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Neben der Genetik haben aber auch umweltbedingte Faktoren Einfluss auf die Allergieentstehung.
Einen Überblick über Möglichkeiten der Allergieprävention bietet die ausführliche Information Allergievorbeugungund die neue Evidenzbasierte Leitlinie zur Allergieprävention des Aktionsbündnisses Allergieprävention abap.