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Bienen- und Wespenstichallergie

Insektengiftallergie

In Mitteleuropa sind in den meisten Fällen Bienen und Wespen Auslöser für eine allergische Insektengiftreaktion. Hummeln, Hornissen, Ameisen und andere Insekten sind kaum für allergische Reaktionen verantwortlich.

Häufigkeit

Am häufigsten sind Menschen betroffen, die auch an anderen Allergien leiden oder wenn in der Familie jemand von einer Allergie betroffen ist.

Insektenstiche, zumeist Wespenstiche, sind im deutschsprachigen Raum die meisten Auslöser für eine anaphylaktische Reaktion. Etwa 2,5% der deutschen Wohnbevölkerung reagierte wenigstens mit einer leichten Allgemeinreaktion (siehe unten) auf einen Stich.

Im Kindesalter erleidet eins von hundert Kindern eine anaphylaktische Reaktion durch einen Wespenstich. 10 bis 25% aller Kinder sind sensibilisiert. Verglichen mit einer Pollen- oder einer Hausstaubmilbenallergie sind Allergien gegen Insektengift zwar selten, dafür sind sie aber nicht zu unterschätzen.

Die Allergene

Verantwortlich für die allergische Reaktion sind in unseren Breiten hauptsächlich die Allergene Phospholipase A, Mellitin und Hyaluronidase im Bienengift sowie Hyaluronidase, Phospholipase A und Phospholipase B im Wespengift. Da ein Teil des Allergenspektrums bei Bienen und Wespen gleich ist, können bei einzelnen Allergikern allergische Reaktionen sowohl nach Bienenstichen als auch nach Wespenstichen ausgelöst werden. Die Allergene der Hornissen entsprechen weitgehend denen der Wespen.



Symptome

Sticht eine Wespe oder Biene zu, gelangt ihr Gift in den Körper. Bei Insektengiftallergikern werden nun Histamin und andere Mittlersubstanzen freigesetzt, die eine allergische Reaktion auslösen.
Die Reaktionen werden je nach Schweregrad eingeteilt:



Lokalreaktion: Rötung und Schwellung an der Einstichstelle. Dies ist keine allergische Reaktion, sondern völlig normal.

Verstärkte Lokalreaktion: Erhebliche Rötung und Schwellung, die sich auf das ganze betroffene Körperteil ausdehnen kann und ihr Maximum erst Tage nach dem Stich erreicht.  Die Symptome klingen nach einigen Tagen bis zwei Wochen wieder ab.

Leichte Allgemeinreaktion: Von der Einstichstelle entfernter Ausschlag, Gesichtsschwellung, Juckreiz, leichte Übelkeit

Schwere Allgemeinreaktion: Zusätzlich zu den o.g. Symptomen: Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Kreislaufkollaps, Schüttelfrost (anaphylaktische Reaktion). Die Symptome setzen wenige Sekunden bis Minuten nach dem Stich ein. Dies ist ein Notfall!

Personen, die unter einem chronisches Herz-Kreislauf-Problem oder Asthma leiden, tragen ein erhöhtes Risiko für eine anaphylaktische Reaktion bei einer Bienengift- oder Wespengiftallergie.

Generell gilt, dass Menschen, bei denen nach einem Insektenstich eines der Symptome einer Allgemeinreaktion auftritt, einen Allergologen aufsuchen sollten, der über eine entsprechende Testung und Therapie entscheidet.

Diagnose

Um die richtige Diagnose stellen zu können, ist es wichtig das reaktionsauslösende Insekt zu identifizieren:

 

Biene

Wespe

Angriffsverhalten

eher friedlich, reagiert nur am Bienenstock aggressiv

eher „aggressiv“
Flugzeit vor allem von Frühling bis Spätsommer vor allem Sommer bis Spätherbst
Nahrung süße Pflanzensäfte und Pollen u.a. Früchte, Fleisch und Wurst
Stachel bleibt nach dem Stich in der Haut zurück bleibt NICHT in der Haut stecken
Vorkommen in der Nähe von Bienenstöcken, Blüten, Klee in der Nähe von Speisen und Abfall

Ein Allergietest auf Insektengifte sollte nur durchgeführt werden, wenn es nach einem Stich zu einer Allgemeinreaktion gekommen ist. Ein vorsorglicher Allergietest ist nicht sinnvoll, da zwar viele Menschen sensibilisiert sind, aber nicht allergisch reagieren. So könnte ein positiver Allergietest zu einer unnötigen Verunsicherung führen.

Pricktest

Kam es zu einer anaphylaktischen Reaktion, so sollte in der ersten Woche nach dem Stich ein Allergietest mit dem verdächtigten Insektengift erfolgen. Üblicherweise wird der Arzt einen Pricktest veranlassen. Beim Pricktest wird das verdünnte Insektengift in steigender Dosierung auf die Haut aufgetragen und mit einer kleinen Lanzette in die Haut gepiekst (engl. to prick: pieksen, einstechen). Anschließende Quaddeln an der Teststelle auf der Haut zeigen die Reaktionen des Körpers an. War der erste Test negativ, sollte er nach vier bis sechs Wochen wiederholt werden.

Der Pricktest mit Bienen- und Wespengift sollte nur von erfahren Allergologen durchgeführt werden. Dieser muss in der Lage sein bei einer möglichen Überreaktion entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. War die Stichreaktion lebensbedrohlich so kann eine stationäre Durchführung des Tests sinnvoll sein.

Bestimmung des spezifischen IgE im Blut

Zusätzlich kann der Arzt die spezifischen Antikörper im Blut des Patienten nachweisen lassen. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass es, abgesehen von der Blutentnahme, kein Risiko für den Patienten bedeutet. Allerdings ist der Test weniger empfindlich als der Pricktest. Zur Sicherung der Diagnose sollte der Bluttest in der ersten Woche nach dem Stich und ein zweites Mal etwa vier bis sechs Wochen noch einmal vorgenommen werden.

Diagnostische Verfahren werden nur eingesetzt, wenn eine Hyposensibilisierung in Erwägung gezogen wird.

Therapie

Nach einem Insektenstich muss ein eventuell steckengebliebener Stachel möglichst rasch entfernt werden. Am besten ist es, den Stachel mit dem Fingernagel wegzukratzen. Das verhindert, dass sich der Giftsack in die Haut entleert.

Lokale Reaktionen

Reagiert die Haut „nur“ mit einer starken Schwellung so hilft eine Kältekompresse diese einzudämmen. Antihistamintabletten lindern zusätzlich. Außerdem kann der Arzt ein Kortisongel verordnen, um die Reaktion zu lindern.
Bei einem Stich im Mundraum sollte dieser sofort mit Eiswürfeln gekühlt werden, um ein Anschwellen der Atemwege zu verhindern. In diesem Fall ist es ratsam einen Arzt zu konsultierten.

Schwere Allgemeinreaktion, anaphylaktischer Schock

Notfallbehandlung
Reagiert der Patient mit systemischen Symptomen, so sollte sofort ein Notarzt informiert werden. Für zukünftige anaphylaktische Reaktionen wird der Arzt den Patienten mit einer Notfallapotheke ausstatten. Diese besteht aus:

  • einem Autoinjektor mit Adrenalin
  • Kortisonsaft
  • Antihistaminikum
  • bei Asthmatikern zusätzlich ein schnell wirksames Spray zum Weiten der Bronchien.

Kortison und Anithistaminikum sollten sofort nach dem Stich in der vorgeschriebenen Dosis eingenommen werden, der Autoinjektor (z.B. Anapen® oder Fastjekt®) wird bei den ersten Symptomen injiziert.

Zur Weiterbehandlung sollte ein Notarzt gerufen werden. Weitere Informationen zur Notfallbehandlung eines anaphylaktischen Schocks finden Sie hier.

Das Notfallset muss der Patient immer bei sich tragen. Für Schule und Kindergarten gibt es vorbereitete Notfallpläne. Diese Pläne sollen mit dem behandelnden Arzt ausgefüllt und dann mit Erziehern und Lehrerinnen besprochen werden. Im Internet sind diese Pläne zum Download als pdf-Datei zu finden unter: Pina Aktion Allergie/Asthma & Schule Kapitel 14.
Außerdem hilft eine Anaphylaxie-Schulung (AGATE) (www.anaphylaxieschulung.de und www.aktionsplan-allergien.de) Ängste abzubauen.

Spezifische Immuntherapie/Hyposensibilisierung
Patienten, die schon einmal mit einem allergischen Schock auf einen Insektenstich reagiert haben, sollten sich einer Spezifischen Immuntherapie (SIT) unterziehen. Das gleiche gilt für Menschen, die viel mit Bienen oder Wespen in Kontakt kommen (z.B. Imker) und auf einen Stich „nur“ mit Übelkeit reagiert haben.

Die SIT mit Bienen oder Wespengift ist allerdings nicht ganz ungefährlich und wird daher nicht leichtfertig durchgeführt. Sie wird im Sommer im Rahmen einer zwei- bis fünftägigen stationären Schnell- oder Ultra-Rush-Hyposensibilisierung begonnen. Sie kann auch im Herbst rein GlossarambulantBehandlung leichterer medizinischer Fälle in der Arztpraxis oder in einer Krankenhausambulanz. begonnen und dann weiter geführt werden. Hierbei wird schnell die Erhaltungsdosis erreicht, die etwa drei (evtl. auch 5) Jahre lang GlossarambulantBehandlung leichterer medizinischer Fälle in der Arztpraxis oder in einer Krankenhausambulanz. weitergeführt wird. Während der Erhaltungsphase sind die Betroffenen im begrenzten Maße vor weiteren anaphylaktischen Reaktionen geschützt. Trotzdem sollte das Notfallset weiterhin mitgeführt werden!

Stichprovokation
Im Einzelfall kann stationär mit einem bewusst herbeigeführten Bienen- oder Wespenstich getestet werden, ob die verabreichte Erhaltungsdosis der Hyposensibilisierung ausreichenden Schutz bietet. Dies ist nur ausnahmsweise notwendig und darf nur von sehr erfahrenen Allergologen durchgeführt werden.

Weitere Informationen zu Symptomen, Diagnostik und Vorbeugung: siehe Info-Kasten am Ende dieser Seite.



Autorinnen: Eva Theil, Dr. Sabine Schmidt


Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: September 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Fischer, P.J. (1996): Allergien bei Kindern und Jugendlichen. Rowohlt-Verlag

Forster, J. (2007): Insektenstich-Allergie – Biene und Wespe. In: Pädiatrische Allergologie 1/2007, S. 14-15

Hemmer, W. (2009). Kreuzreaktionen zwischen Hymenopterengiftallergenen. Allergo Journal , 18 (5), 359-372.

Przybilla, B., Ruëff, F., Walker, A., Räwer, H.-C., Aberer, W., Bauer, C. P., et al. (2011). Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespenallergie. Leitlinie der DGAKI, ÄDA, GPA, DDG, DGKJ, ÖGAI, SGAI. Allergo Journal , 20 (6), 318-339.

Trautmann, A. (2006). Allergiediagnose, Allergietherapie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

www.anaphylaxieschulung.de

Pina-Allergiebuch Kapital 9

Pina Aktion Allergie/Asthma & Schule Kapitel 14.

Informationen aus der Site Kinderaerzte im Netz

Information Insektengiftallergie DAAB

Bildquelle Biene: Anita Stöwesand / pixelio.de

Bildquelle Wespe: Marvin Siefke / pixelio.de

 

 

 

Weitere Infos zu diesem Thema:

Mögliche Symptome

  • Atemnot, Luftnot
  • Bewußtlosigkeit
  • Bläschen
  • Gesichtsschwellung, Quincke Ödem
  • Giemen, Pfeifen
  • Husten
  • Juckreiz
  • Kopfschmerz
  • Lippenschwellung
  • Quaddeln an der Haut
  • Übelkeit

Diagnostik

Stoffe und Auslöser

Behandlung - Therapie

Prognose

Nach einer Hyposensibilisierung ist das Risiko ausreichend sicher gesenkt, auf weitere Stiche eine schwere anaphylaktischen Reaktion zu erleiden.

Vorbeugung

Es ist kaum möglich, Insektenstiche zu 100% zu vermeiden, es gibt jedoch einige Tipps, die helfen, Bienen und Wespen fern zu halten:

  • Keine süßen Getränke und Speisen draußen verzehren. Nicht aus einer Getränkedose trinken, da Bienen und Wespen sich gern darin verstecken.
  • Nicht barfuss im Freien laufen.
  • Nicht nach Insekten schlagen oder sie verscheuchen, das macht sie angriffslustig. Lieber ganz ruhig bleiben.
  • Abfalleimer und Fallobst locken Wespen und Bienen an und sollten daher gemieden werden.
  • Süße Parfums sollten vermieden werden, denn auch sie locken Insekten an.
  • Insektengitter vor den Fenstern helfen zu vermeiden, dass Bienen und Wespen in die Wohnräume gelangen.

 

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