Suchen nach:

Zur Startseite

Sie sind hier: Home » Krankheiten » Erdnussallergie

facebook wong myspace_de twitter_de del.icio.us

Erdnussallergie

Die Erdnussallergie ist eine Nahrungsmittelallergie gegen Allergene der Erdnuss, einer Hülsenfrucht (Näheres siehe unter "Erdnuss").

Bekannt ist, dass Erdnussallergene besonders starke allergische Reaktionen einer Erdnussallergie auslösen können. Bedrohlich sind vor allem allergische Reaktionen nach dem Verzehr erdnusshaltiger Speisen. Erdnussallergene sind hitzestabil. Es reichen bereits Mengen im Mikrogrammbereich aus, um Symptome der Erdnussallergie auszulösen. Oft kommt es zu Luftnot, Schleimhautschwellungen oder Kreislaufstörungen bis zur lebensbedrohlichen Anaphylaxie (siehe unten im Infokasten).

In den USA und England noch deutlich häufiger als bei uns

In Europa leiden, Schätzungen zufolge, 1,3 bis 8 Prozent der Kinder und 0,3 bis 2,4 Prozent der Erwachsenen an Nahrungsmittelallergien. Neben Hühnerei, Milch, Meeresfrüchten und Sellerie gehören Baum- und Erdnüsse zu den Hauptauslösern. In Großbritannien hat sich die Zahl der Erdnussallergiker von 1989 bis 1995 fast verdreifacht. In den USA schätzt man, dass 1,5 Millionen Menschen an Erdnussallergien leiden und 50- 100 Menschen pro Jahr an diesen Allergien sterben.

Auch in Deutschland sind Todesfälle durch Erdnussallergien bekannt. Es gibt allerdings keine genauen Daten über die Häufigkeit von Erdnussallergien. Da zur Zeit auch noch keine Daten darüber vorliegen, wie häufig schwere allergische (anaphylaktische) Reaktionen bei uns sind, lässt sich somit auch nicht sagen, wie häufig diese Reaktionen durch Erdnuss hervorgerufen werden.

Wie alle anderen Allergien, scheinen auch Erdnussallergien häufiger in westlichen Ländern aufzutreten, obwohl der Verzehr von Erdnüssen auch in Afrika und Asien verbreitet ist. In Amerika werden Erdnüsse vor allem roh oder geröstet verzehrt, wogegen es in vielen anderen Ländern üblich ist, sie zu kochen oder zu frittieren. Möglicherweise erhöht das Röstverfahren die Allergiegefahr.

Allergieentwicklung - Sensibilisierung

Eine kürzlich erschienene englische Studie zeigt, dass bei Kindern folgende Faktoren die Entstehung einer Erdnussallergie fördern können:

  • Ernährung mit Sojamilch,
  • Verwendung von erdnussölhaltigen Salben zur Behandlung von Ekzemen und/oder
  • eine familiäre Vorbelastung mit Erdnussallergien und Ekzemen (Lack 2003).

Ob es durch solche Erdnussallergene in der Muttermilch oder bereits im Mutterleib zur Sensibilisierung (d. h. zur ersten Bildung von IgE-Antikörpern gegen Erdnussallergene und zur Bereitschaft zur Erdnussallergie) kommt, ist noch nicht geklärt (Frank 1999).

ErdnüsseBei der Ernährung Ihres Säuglings sollten Erdnussprodukte aber auf jeden Fall gemieden werden. In England, wo die Erdnussallergie wesentlich häufiger ist als hierzulande, haben Studien aber gezeigt, dass 80 Prozent der Kinder schon im ersten Lebensjahr Erdnüsse bzw. erdnusshaltige Nahrungsmittel gegessen hatten (Sampson 1996). Natürlich kann es auch bei älteren Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen zur Entwicklung von Erdnussallergien kommen.

Prognose

Die Prognose der Erdnussallergie ist schlechter als dies bei anderen Nahrungsmittelallergien im Kindesalter (z. B. der Milch- oder Eiallergie) der Fall ist. Nur ca. 25Prozent der Kinder mit Erdnussallergie entwickeln im Laufe der Jahre eine Toleranz. Bei Allergien gegen Milch-, Ei, Soja, und Weizen können es bis zu 80 Prozent sein (Friedrichs 2003).

Neue Medikamente in der Erforschung

Die drei Säulen der Allergiebehandlung lauten: Meiden – Medikamente geben – Hyposensibilisieren. Das Erdnussallergen zu meiden ist aufgrund des verbreiteten und häufig versteckten Einsatzes der Nüsse leider kaum möglich, und Medikamente dienen fast ausschließlich der Behandlung bereits erfolgter allergischer Reaktionen.

Die Hoffnung für die Zukunft liegt daher auf der Entwicklung wirksamer Hyposensibilisierungsbehandlungen. Erste Studien hierzu zeigten aber noch zahlreiche Nebenwirkungen. Vielerorts forscht man derzeit danach, das Erdnussallergen so zu verändern, dass anaphylaktische Reaktionen bei der Hyposensibilisierung vermieden werden. Denkbar ist auch, gentechnisch veränderte Erdnüsse zu produzieren, die die bekannten Allergene nicht mehr enthalten. Nahrungsmittelallergikern könnte aber auch eine neue Substanz, TNX-901, helfen. Versuche mit diesem Antikörper, der gegen menschliche Allergie-Antikörper wirkt, zeigten, dass Patienten, die vorher bei einer halben Erdnuss allergisch reagierten, bis zu acht Erdnüsse tolerierten.

TNX-901 ist außerhalb der Forschung aber noch nicht verfügbar (Leung 2003). Eine vergleichbare Substanz (siehe Omalizumab) ist in den USA zur Behandlung von allergischem Asthma, aber nicht von Nahrungsmittelallergien zugelassen. Diese Einschränkung, der sehr hohe Preis sowie die Notwendigkeit regelmäßiger Injektionen begrenzen die Einsatzmöglichkeit.

Bessere Information notwendig

Die Erdnuss ist eines der gefährlichsten Nahrungsmittelallergene. Obwohl die Betroffenen sich bemühen, Erdnüsse zu meiden, treten häufig anaphylaktische Reaktionen auf. Nur bei jedem vierten jungen Erdnussallergiker verliert sich die Allergie im Lauf der Jahre wieder. Notfallpläne und eine bessere Information der Familien, Freunde und Lehrer sowie der Gastronomie über die Gefahren von Nuss- und anderen Nahrungsmittelallergien helfen in Zukunft hoffentlich, Todesfälle zu vermeiden.

Ein kleiner Erfolg ist die im Jahr 2005 verabschiedete EU-Allergen-Kennzeichnungsverordnung. Diese besagt, dass Lebensmittel, die Erdnussbestandteile enthalten, gekennzeichnet werden müssen, egal in welcher Menge die Erdnussbestandteile vorhanden sind. Dies gilt jedoch nur für verpackte Lebensmittel. Leider kann es immer noch vorkommen, dass Lebensmittel während des Produktionsablaufs unbeabsichtigt mit Erdnuss kontaminiert werden. Kontaminationen müssen nicht deklariert werden. Viele Hersteller geben mittlerweile jedoch Warnhinweise auf der Verpackung an ("Kann Spuren von Erdnuss enthalten").

Allgemeine Tipps für den Erdnussallergiker:

Als Eltern eines betroffenen Kindes oder als Betroffene(r) selbst sollten Sie deshalb folgendes beachten:

  • Überprüfen Sie beim Einkauf immer die Zutatenliste der Produkte und meiden Sie Produkte, die Erdnussbestandteile enthalten bzw. enthalten können.
  • Folgende Begriffe der Zutatenliste können auf die Verwendung von Erdnüssen hinweisen: Erdnuss, Erdnusseiweiß, Erdnussmus, Erdnussbutter, Erdnusscreme und Erdnussöl. Pflanzliches Eiweiß, Fett und Lecithin (E  322) können auch Erdnuss enthalten. Dies muss aber auf der Veroackung angegeben werden.
  • Vorsicht: Vorfrittierte Lebensmittel (z.B. Pommes frites, Röstis, Kartoffelplätzchen, Chicken McNuggets, Fast Food etc.) können Erdnussbestandteile enthalten.
  • Schokolade, Gebäck, Müsli und Trockenfrüchte sind oft mit Nussspuren kontaminiert. Oft wird eine mögliche GlossarKontaminationdie Verunreinigung von Räumen, Gegenständen, Lebensmitteln, Boden, Luft und Wasser u. a. durch Mikroorganismen, Giftstoffe oder radioaktive Substanzen von den Herstellern jedoch angegeben.
  • Loser Ware wie Wurst oder Brot muss keine Zutatenliste beigefügt werden. Insbesondere Backwaren können Erdnussbestandteile enthalten oder mit diesen kontaminiert sein, da in vielen Bäckereien Erdnüsse verwendet werden - Hersteller befragen!
  • Erdnüsse werden häufig in der asiatischen/mexikanischen und afrikanischen Küche verwendet (z. B. Erdnusssoße).
  • Erdnusskontaminationen können überall dort auftreten, wo Erdnüsse verwendet werden, also in Restaurants, Bäckereien, Fleischereien, Eisdielen, Fast-Food-Ketten etc., so dass bei hochgradiger Allergie vom "Essen außer Haus" abgeraten wird.
  • Bei Kindernahrungsmitteln können sich Erdnussbestandteile verbergen, diese sind dann jedoch gekennzeichnet.
  • Kaltgepresste Öle anderer Pflanzen (Sonnenblumenöl etc.) können mit Erdnussbestandteilen kontaminiert sein, da kleine Ölmühlen oft für unterschiedliche Öle genutzt werden.

Bei hochgradiger Erdnussallergie: 

  • Raffiniertes Erdnussöl wird in der Regel vertragen. Eine Reaktion bei hochgradiger Allergie kann allerdings nicht ausgeschlossen werden.
  • Im Extremfall kann sogar ein Kuss zu einer allergischen Reaktion führen, wenn der Partner zuvor Erdnüsse gegessen hat. Sprechen Sie daher unbedingt auch mit Ihrem Partner über Ihre Allergie. Eine Wartezeit von einigen Stunden und das Essen einer erdnussfreien Mahlzeit sind die effektivsten Methoden, um die Allergene im Speichel zu elemenieren. Kaugummi kauen, Mundspühlungen oder Zähneputzen reichen nicht aus.
  • Erdnussölbestandteile dienen auch anderen Verwendungszwecken: Vitaminpräparate (z. B. Vitamin D), Badeöl oder Cremes, Shampoo sowie Bleichmittel, Klebstoffe und Linoleum.

Hilfreich ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Der Anschluss an eine Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein.

Bundesweit agierende Selbsthilfegruppen finden Sie unter: NAKOS-Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen: Nakos

Lebensmittelauswahllisten

Es gibt in der Literatur (z. B. vom Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie 2003und 2006) eine Lebenmittelauswahlliste für erdnussfreie Diät. Fragen Sie Ihren Arzt danach. Eine solche Liste allein ist aber meist nicht ausreichend hilfreich.

Sinnvoll und wichtig ist eine Diät- und Ernährungsberatung am besten von in Allergiefragen erfahrenen Ernährungsfachkräften, damit eine optimale Nahrungsmittelauswahl der notwendigen erdnussfreien Diät, angepasst an die speziellen Ernährungsvorlieben des Betroffenen erfolgen kann.

Autor: Dr. Sabine Schmidt, Aktualisierung: Judith Linnemann

Stand: September 2010

Nächste Aktualisierung: September 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Weiterführende Links:

Interessante Site mit Hintergrundinformationen und Tipps zur GlossarAnaphylaxieschwere, lebensbedrohliche, generalisierte den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion (Hypersensitivitätsreaktion) und schweren Nahrungsmittelallergien aus Canada mit speziellen Angeboten auch für Kinder und Jugendliche (leider nur auf Englisch): www.anaphylaxis.org

Info und Frageforen des aid infodienst, Verbraucherschutz Ernährung Landwirtschaft e.V. aid-Info

Aktionsplan Allergien des BMELV (2007): Erdnüsse. www.aktionsplan-allergien.de

Buchart, Karin; Frömel, Wolfgang: Nahrungsmittelallergie endlich im Griff. Praktischer Leitfaden zum Umgang mit Nahrungsmittelallergien und –intoleranzen. Januar 2001; 1. Auflage; ISBN 3-8311-1242-8
siehe unter: Leitfaden Nahrungsmittelallergie

Lebensmittel Intoleranz Datenbank der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung: Lebensmittelintoleranzdatenbank

AKE (German Nut Council) www.erdnuss-info.de/Wirtschaft/deutsch.html

Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes im Internet: Info DAAB

Quellen:

Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie: Lebensmittelauswahl bei Erdnussallergie In: Werfel, Th.; Reese, I. et al: Zur Nahrungsmittelallergie: Diätvorschläge und Positionspapiere für Diagnostik und Therapie. Dustri Deisenhofen 2003, Seiten 37-39.

W. Burks. Peanut allergy. Lancet (2008) Band 371 S. 1538-1546

Diätetik in der Allergologie von Thomas Werfel und Imke Reese von Dustri (Broschiert - September 2006)

Frank, L.; Marian, A.; Visser, M.; Weinberg, E.; Potter, P. C.: Exposure to peanuts in utero and in infancy and the development of sensitization to peanut allergens in young children. Pediatric Allergy and Immunology 1999; 10: 27-32.

Kaufmann-Horlacher, I. (2005): Deklarationspflicht – wie wird sie in der Praxis gehandhabt? www.landwirtschaft-mlr.baden-wuerttemberg.de

Lack, G.; Fox, D.; Northstone, K.; Golding, J.; Longitudinal Study of Parents and Children Study Team: Factors associated with the Development of Peanut Allergy in Childhood. NEJM 2003, 348: 977-985.

Leung, D. Y; Sampson, H. A.; Yunginger, J. W.; Burks, A. W .Jr; Schneider, L. C., Wortel, C. H.; Davis, F. M.; Hyun, J. D.; Shanahan, W. R .Jr.; Longitudinal Study of Parents and Children
Study Team.: Effect of anti-IgE therapy in patients with peanut allergy. N Engl J Med. 2003 Mar 13; 348(11): 986-993.

Maloney JM, Chapman MD, Sicherer SH. Peanut allergen exposure through saliva: assessment and interventions to reduce exposure. J Allergy Clin Immunol 2006; 118:719-24.

Friedrichs, F.; Schönfelder, A.: Die Erdnusss - ein gefährliches Allergen. Pina News für Eltern, Ausgabe 7/2003

Sampson, H.A.: Managing peanut allergy. BMJ 1996; 312: 1050-1051.

Weitere Infos zu diesem Thema:

Häufigkeiten

nicht genau bekannt (siehe Text)

Mögliche Symptome

  • Atemnot, Luftnot
  • Augentränen
  • Bewußtlosigkeit
  • Gesichtsschwellung, Quincke Ödem
  • Giemen, Pfeifen
  • Lippenschwellung
  • Quaddeln an der Haut
  • Zungenbrennen

Diagnostik

Stoffe und Auslöser

Prognose

Eine Immuntherapie bei Erdnussallergie könnte in ca. fünf Jahren verfügbar sein

Literatur: W. Burks. Peanut allergy. Lancet (2008) Band 371 S. 1538-1546

 

WeiterempfehlenEmpfehlen Sie diese Seite einem Freund weiter!

Ihre Daten werden ausschließlich für das Versenden dieser Empfehlung verwendet und von uns nicht an Dritte weitergegeben. >> Weitere Hinweise zum Datenschutz

 

*erforderliche Angaben

Sitemap | Impressum | Editorial Policy | Patientenberatung | Datenschutzerklärung