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Haarausfall

Haarausfall kann ganz verschiede Ursachen haben. Bei Männern liegt es meistens an den Genen. Bei ihnen reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf ein Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron, das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT).  DHT lässt die Haarwurzel verkümmern, sodass am Ende das Haar ausfällt und auch kein neues mehr nachwächst. Auch Frauen können die Neigung zum Haarausfall erben, wenn auch weitaus seltener. Dieses Phänomen wird unter der Diagnose Alopecia androgenetica zusammengefasst.

Der Kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) äußert sich durch Haarverlust an klar abgegrenzten Bereichen des Kopfs. Ursache ist sehr wahrscheinlich eine Autoimmunreaktion.

Abgesehen von dem vererbten männlichen Haarausfall ist das „diffuse Effluvium“ die häufigste Form. Der Haarausfall verteilt sich über die gesamte Kopfhaut. Die Wachstumsphase ist verkürzt und das Haar durchläuft den Zyklus von Wachstum, Übergang und Ruhe- bzw. Ausfallphase schneller als gewöhnlich. Nach drei bis sechs Monaten kommt es zum Haarverlust. Untersucht man bei dieser Art von Haarausfall eine Probe mit ca. 50 Haarwurzeln im Trichogramm, so fällt eine erhöhte Anzahl von telogenen Haarwurzeln auf. In diesem Fall ist es oft schwer zu rekonstruieren, was die Schädigung verursacht hat.

Werden alle drei Haarzyklen gleichzeitig unterbrochen, so setzt der diffuse Haarverlust schon nach wenigen Tage oder Wochen ein. In diesem Fall ist unter dem Mikroskop an der Haarwurzel eine deutliche Schädigung zu erkennen. Die Anzahl der telogenen Haare verändert sich nicht oder kaum. Diese Form des Haarausfalls findet sich oft als Nebenwirkung einer Chemotherapie.

Diffuser Haarausfall – mögliche Ursachen

Die Ursachen für den diffusen Haarausfall sind vielfältig. Haarwurzeln reagieren in der Wachstumsphase sehr empfindlich auf ein vermindertes Nährstoffangebot. So kann eine strenge Diät unter 1000 kcal pro Tag zu Haarausfall führen. Gleiches tritt auf, wenn durch chronische Erkrankungen die Nährstoffaufnahme im Verdauungstrakt gestört ist. Weitere Gründe für einen übermäßigen Haarverlust können hormonelle Veränderungen wie nach einer Schwangerschaft oder hormonelle Erkrankungen sein. Dabei wird an Schilddrüsen- und Nebennierenstörungen gedacht, wobei die Untersuchungen kaum jemals wesentliche Störungen ergeben. Andere Auslöser sind Störungen im Eisenstoffwechsel, hohes Fieber, große Blutverluste, Erkrankungen der inneren Organe, Tumorerkrankungen, starker emotionaler Stress und verschiedene Medikamente. Dazu gehören gerinnungshemmende Medikamente, Beta-Blocker, Medikamente, die die Blutfette senken, Schilddrüsenmedikamente und manche Formen der „Antibabypille“.

Umweltnoxen

Haarausfall durch schwere Vergiftungen wird meist durch die Schwermetalle Thallium, Cadmium und Quecksilber ausgelöst. In Abhängigkeit von der aufgenommen Dosis und der Einwirkungsdauer fallen die Haare früher oder später aus. Hierbei gilt, dass ein umweltbedingter Haarausfall sehr unwahrscheinlich ist, wenn nicht weitere schwerwiegende Vergiftungserscheinungen vorliegen.

Thallium wird heute nur noch extrem selten als Nagergift eingesetzt. Früher fand es auch Verwendung in der Therapie gegen Syphilis, was regelmäßig zu einer Ausdünnung der Kopfbehaarung führte. Auch als Epilationsmittel wurde es früher eingesetzt. Heute kommt es nur noch vereinzelt zu Vergiftungsfällen, wenn Nahrungsmittel verunreinigt sind.

Cadmium

Empfindlichste Zeichen einer Cadmiumintoxikation sind Störungen der Nierenfunktion.

Aufgrund seiner Toxizität wird das Schwermetall aber immer weniger verwendet. Kommt es zu einer Vergiftung, so ist Haarausfall nur eine unter verschiedenen Vergiftungserscheinungen.

Quecksilber kann ebenfalls zu Haarausfall führen. Auch heute noch können Quecksilbervergiftungen durch berufliche oder private Exposition vorkommen. Auch hier gilt, dass ein Haarausfall nur dann auftritt, wenn es gleichzeitig deutliche weitere Krankheitszeichen gibt. Die aus Zahnamalgam freigesetzten Quecksilbermengen reichen nicht aus, um einen Haarausfall zu verursachen.

Weitere Haarausfall auslösende Substanzen sind: Arsen, Borate, DDT, Hexachlorcyclohexan, Linolsäure, Ölsäure, Selen.

Eine neuere Studie aus dem Jahr 2007 legt einen Zusammenhang zwischen Tabakrauch und verfrühtem männlichem Haarausfall nah. In der Untersuchung fragten die Forscher die Teilnehmer nach ihren Rauchgewohnheiten und wann der Haarausfall zuerst aufgetreten war.

Es zeigte sich, dass die Haare umso schneller ausfielen, je intensiver die Probanden geraucht hatten. Dieses Ergebnis ist unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Alter und Familienanamnese. Als mögliche Ursache vermuten die Forscher eine verminderte Durchblutung der Haarfollikel, DNA-Schäden an den Follikelzellen oder eine Störung des Hormonhaushalts durch das Rauchen (Su, Chen 2007).

Tabakrauch gehört zu den wichtigsten Umweltnoxen im Innenraum.

Physikalische Faktoren 

Auch Glossarionisierende Strahlungenergiereiche Strahlung, die Moleküle in Ionen spalten kann kann Haarausfall verursachen. Ab einer Dosis von etwa 3,8 Gray (Gy) stellt sich drei Wochen nach der Bestrahlung ein diffuser Haarverlust ein. Zu einem Wiederwachstum kommt es nach ca. vier bis zwölf Wochen. Diese Dosis wird aber nur bei gezielten radioonkologischen Behandlungen erreicht.

Bei Strahlendosen von mehr als 8 Gy kann es zu einem dauernden Verlust der Haare kommen. Die Haarwurzeln gehen zugrunde.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nur wenige und fast keine aktuellen Studien vorliegen, die einen Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen und Haarausfall belegen. Dies gilt insbesondere für Schadstoffeinwirkungen in kleiner Dosis über einen langen Zeitraum.

Bei der Arbeitsgemeinschaft medizinischer wissenschaftlicher Fachgesellschaften (AWMF) gibt es keine Leitlinien für Haarausfall (Alopecie).

Empfehlungen:

Jede Form von Haarausfall sollte beim Hautarzt abgeklärt werden.

Wenn alle möglichen Ursachen wie Nährstoff- oder Mineralienmangel, Hormonstörungen, Autoimmunerkrankungen, Karzinome oder innere Erkrankungen ausgeschlossen sind, bleiben die Ursachen für den diffusen Haarausfall meist ungeklärt.

Als wenig hilfreich erweisen sich Haaranalysen auf Schwermetalle. Denn selbst auffällige Konzentrationen an Cadmium, Kupfer, Blei oder Quecksilber lassen nicht zwangsläufig auf eine Vergiftung schließen. Auch äußere Einflüsse wie Schwimmbadwasser oder Haarpflegeprodukte verändern das Ergebnis der Haaranalyse.

Entscheidend für Haarausfall ist der Zustand der Haarwurzeln. Durch eine ausgewogene Ernährung kann eine optimale Versorgung der Haare gewährleistet werden.

Autorin: Judith Linnemann, K. E. von Mühlendahl

Stand: Juni 2010

Quellen und weiterführende Literatur

Literatur:

Mühlendahl, Karl Ernst von; Ständer, Hartmut; Traupe, Heiko (1999): Haarausfall und Umwelteinflüsse. Dtsch Arztebl; 96(23): A-1571 / B-1339 / C-1238. Online verfügbar: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/pdf.asp?id=17686. Zuletzt abgerufen am 20.05.2010.

Randall VA, Ebling FJ (1991): Seasonal changes in human hair growth. Br J Dermatol. 1991 Feb;124(2):146-51.

Su, Chen (2007): Association of Androgenetic Alopecia With Smoking and Its Prevalence Among Asian Men. A Community-Based Survey. In: Archives of Dermatology 143(11):1401-1406. Online verfügbar unter: http://archderm.ama-assn.org/cgi/content/abstract/143/11/1401 (zuletzt abgerufen am 20.05.2010).

Weitere Infos zu diesem Thema:

Mögliche Symptome

  • Abgeschlagenheit
  • Ekzem (gerötete, schuppende auch nässende entzündliche Hautveränderung)
  • fleckiger Hautausschlag, Exanthem
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