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Kopflausbefall

Irgendwann bekommt fast jeder einmal Kopfläuse. Und sofort denkt man: "...bin ich nicht ganz sauber?"

Nein, auch gepflegte Köpfe kann es treffen. Die Kopflaus ist weit verbreitet und befällt überwiegend Kinder im Vor- und Grundschulalter. Der Kopflausbefall ist ganzjährig möglich, doch wird eine Häufung nach den Sommerferien beobachtet. Die Übertragung geschieht in der Regel über den vertrauten Umgang innerhalb der Familie oder zwischen Freunden, also über direkten Kontakt. Eine Übertragung durch Gegenstände wie Kämme, Kissen oder Mützen ist eher selten, da Läuse ihren Wirt ungern verlassen.

Läuse sind 2-3 mm große Parasiten. Sie sind von einer regelmäßigen Blutaufnahme abhängig und nisten sich auf der Kopfhaut des Menschen ein. Beim Blutsaugen (ca. 4-6 mal täglich) sondern Läuse Speichel ab, damit das Blut nicht gerinnt. Dieser Speichel verursacht einen Juckreiz.

Woran bemerkt man den Läusebefall?

Der wichtigste Hinweis ist der Juckreiz auf der Kopfhaut, der so stark ist, dass immer wieder gekratzt werden muss. Da die Läuse sehr flink sind, gelingt es selten, sie direkt zu finden. Vielmehr erkennt man ihre Eier (Nissen) an den Haarschäften, wo es besonders warm ist. Bevorzugte Stellen zur Eiablage sind die Schläfen, die Stellen hinter den Ohren und der Nacken. Allerdings muss man genau hinschauen (helles Licht, Lupe!), um die dunklen Eipakete  zu erkennen. Bei den weißlichen Nissen, die besser erkennbar sind, handelt es sich meist um leere Hüllen.

Der Kopf sollte nicht erst untersucht werden, wenn der Juckreiz bereits eingetreten ist, sondern sobald bekannt wird, dass Kopfläuse in Umlauf sind.

Was ist zu tun?

Es sollte rasch etwas gegen den Lausbefall getan werden, da Läuse sich sehr schnell weiterverbreiten. Zudem kann es zu Komplikationen kommen, da sich die Kratzwunden entzünden können.

Mittel gegen Kopflausbefall

Nur eine Behandlung mit speziellen Insektiziden kann die Läuse sicher vertreiben. Läusemittel sind - zumeist in flüssiger Form zum leichten Auftragen auf den Kopf - in der Apotheke erhältlich.

Mittel auf Lindanbasis (nicht mehr zugelassen)

Arzneimittel auf Lindanbasis (Jacutin Gel, Infectopedicul Lindan Gel und Delitex Haarwäsche N Gel) sind hierfür in Deutschland seit Januar 2008 nicht mehr zugelassen, es stehen jedoch genügend Alternativen zur Verfügung. Weitere Informationen dazu sind in der Apotheke erhältlich.

Weitere Mittel (Entwesungsmittelliste)

In der so genannten Entwesungsmittelliste des BVL werden folgende zugelassene Mittel genannt (Stand 20.6.2008):

 

Zugelassene Kopflausmittel
Name             Wirkstoff        Bemerkungen
 Jacutin Pedicul Spray *  Allethrin + PBO  1),  2)
 Infectopedicul *  Permethrin  
 Goldgeist Forte *  Pyrethrum + PBO  
 Mosquito Läuse-Shampoo *  Wirkstoffmischung  
 NYDA *  Dimeticon, Triglyc.  
 Jacutin Pedicul Fluid *  Dimeticon  

             * teilweise gesetzlich geschützte, eingetragene Warenzeichen ®

             1) Risiko einer Aufnahme der Inhaltsstoffe über die Lunge (blitz-arznei-telegramm 08.07.2009)

             2) Gefahr von Verpuffungen und Verbrennungen (blitz-arznei-telegramm 08.07.2009)

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung sollte streng nach der Gebrauchsanweisung vorgegangen werden, da sonst der Erfolg der Behandlung gefährdet ist. Die meisten zugelassenen Läusemittel wirken nur gegen die lebenden Formen der Laus, also gegen die Larven und ausgewachsene Läuse und nicht unbedingt gegen die Eier in den Nissen. Bis zum 7. oder 8. Tag nach der ersten Behandlung können deshalb noch Larven aus den Nissen schlüpfen. Daher ist es notwendig, nach 8 oder 9 Tagen eine Wiederholungsbehandlung durchzuführen. Bei dieser Behandlung werden alle Larven vernichtet, die seit der ersten Anwendung des Läusemittels geschlüpft sind.

Zusätzlich zur Behandlung mit einem Läusemittel sollte das Haar alle vier Tage (an den Tagen 1, 5, 9 und 13) mit einem speziellen Läusekamm ausgekämmt werden. Dieser sollte nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes einen Zinkenabstand von 0,2 Millimetern haben. Lange Zinken erleichtern das Durchkämmen von langem und/oder lockigem Haar. Vielen Läusemitteln liegt ein solcher Kamm bei, er ist aber auch in vielen Apotheken einzeln erhältlich.

Zur Erleichterung der Behandlung mit dem Läusekamm wird zuvor auf das Haar eine handelsübliche Haarpflegespülung aufgetragen. Danach sollte das Haar sorgfältig Strähne für Strähne vom Ansatz bis zu den Haarspritzen ausgekämmt werden. Nach jeder Strähne muss der Kamm auf einem Küchenpapier abgestreift werden. Sollte sich darauf eine Larve oder Laus befinden, muss die Strähne weitere Male ausgekämmt werden, bis keine Laus oder Larve mehr sichtbar ist.

Begleitend sollten alle benutzten Kleidungsstücke, Kämme, Kissenbezüge etc. entweder bei mindestens 60 Grad gewaschen oder für zwei Wochen in einem luftdichten Sack verpackt werden, um alle Läuse abzutöten.

Rechtliches

Wenn bei Kindern Kopfläuse entdeckt werden, haben sie sich meist schon in der ganzen Gruppe oder Schulklasse ausgebreitet. Es ist daher wichtig, die Kindergarten- bzw. Schulleitung zu informieren, wenn ein Kind unter Lausbefall leidet. Eine Person mit Kopflausbefall darf erst wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, wenn sie behandelt wurde und eine Weiterverbreitung der Läuse durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Dies ist schon nach der ersten Behandlung mit einem Läusemittel und dem Durchkämmen mit einem Läusekamm gewährleistet.

Weitere Informationen

Weitere Informationen rund um das Thema Kopfläuse und den Möglichkeiten zu ihrer Bekämpfung finden Sie im ALLUM-Informationstext "Pyrethroide und Kopflausbekaempfung", unter: www.bzga.de und bei der Deutschen Pediculosis Gesellschaft e.V.  Auch der Wikipedia-Text ist sehr informativ.

Das Robert Koch-Institut hat im September 2009 seine Empfehlungen zur Kopflaustherapie überarbeitet und empfiehlt nun ein kombiniertes Vorgehen mit chemischen, physikalischen und mechanischen Mitteln.

Das erscheint auch deshalb sinnvoll, da Kinderärzte jetzt erste Resistenzen gegen bestimmte Kopflausmittel auf Permethrinbasis festellen (Bialek et al., 2009). Die Resistenz ist in erster Linie auf einen verzögerten Wirkungseintritt des Permethrins zurückzuführen. Da Läuse aber "seßhaft" sind, werden resistente Läuse  in den allermeisten Fällen dennoch abgetötet (Bialek Interview 2009).

Autoren: Wibke Wachtel, Eva Theil, M.Otto

Aktualisierung: Judith Linnemann

Sachstand : Oktober 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Schaad, U.B.(1997): Pädiatrische Infektiologie, 2. Auflage, Hans Marseille Verlag GmbH München

arznei-telegramm (8.07.2009): www.arznei-telegramm.de/abo/b090708.php3 VORSICHT DESINFORMATION: UNGEBETENE RATSCHLÄGE ZUR KOPFLAUSTHERAPIE www.arznei-telegramm.de/abo/b090708.php3?knr=073085%2F318353&name1=FSME-IMMUN

BfArM - Mitteilung vom 12.01.2009: Entflammbarkeitsrisiko von Dimethicon und Cyclomethicon haltigen Antiläusemitteln www.bfarm.de/cln_103/DE/Medizinprodukte/riskinfo/empfehlungen/Entflammbarkeit_Antilaeusemittel.html

Bialek, R. et al. (2005): Studie zur Therapie der Pediculosis capitis (Kopflausbefall) mit 0.5 % Permethrin. Kinder- und Jugendarzt 36 , S. 197 - 202

Bialek, R. et al. (2009) Mutationen im Gen des spannungsgesteuerten Natriumkanals von Kopfläusen bei Kindern mit klinischer Permethrinresistenz in Norddeutschland. Kinder- und Jugendarzt 40, S. 241 - 243

Bialek, R (Interview 2009): Permethrin gegen Kopfläuse sicher wirksam und eindeutig unbedenklich. Kinder- und Jugendarzt Band 40 Heft 8 S. 551.

Dtsch Arztebl (2006): NYDA L gegen Kopfläuse und Nissen. Band 103 (17): A-1171, Autorenkürzel EB Link

Deutsche Pediculosis-Gesellschaft e.V. www.pediculosis-gesellschaft.de/html/behandlung.html (aufgerufen im August 2010)

Richling, I. & Böckeler, W. (2008): Lethal effects of treatment with a special dimeticone formula on insects (Orthoptera, Ensifera: /Acheta domestica/ and Anoplura, Phthiraptera: /Pediculus humanus/) - Insights into physical mechanisms. Arzneimittelforschung Band 58 (5) S. 248-254

Robert Koch-Institut (2009): Kopflausbefall (zuletzt aufgerufen im Oktober 2011)

Stiftung Warentest (2008) Lausige Zeiten. Zeitschrift TEST (Septemberheft 2008), S. 88 - 91).

www.bzga.de (zuletzt aufgerufen im August 2010)

Wikipedia wikipedia.org/wiki/Kopflaus#Bek.C3.A4mpfung

Weitere Infos zu diesem Thema:

Häufigkeiten

Aufgrund einer fehlenden Meldepflicht liegen genaue Daten zur Häufigkeit nicht vor.

Mögliche Symptome

  • Juckreiz

Behandlung - Therapie

 

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