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Krebserkrankungen bei Kindern

Krebserkrankungen stellen bei Kindern seltene Erkrankungen dar. In Deutschland gibt es eine weitgehend vollständige Erfassung aller bösartigen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen durch das Mainzer Kinderkrebsregister. In den letzten 15 bis 20 Jahren, seitdem die Meldung durch die Kinderärzte flächendeckend und recht komplett ist, liegt die GlossarInzidenzAnzahl der Neuerkrankungen in einer Bevölkerungsgruppe an einer bestimmten Krankheit während einer bestimmten Zeitspanne mit geringen Schwankungen bei etwa 14 Fällen pro 100 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr (siehe auch Abschnitt Häufigkeiten).

Wie bei allen Altersgruppen ist eine Krebserkrankung das Resultat aus genetischen und umweltassoziierten Faktoren. Kinder können aufgrund verschiedener Gegebenheiten empfänglicher für potentiell kanzerogene Einflüsse aus der Umwelt sein: verglichen mit Erwachsenen ist die Aufnahme und Speicherung verschiedener Schadstoffe größer, die Entgiftungsmechanismen sind noch nicht in gleicher Weise ausgebildet und es kann angenommen werden, dass die immunologische Überwachung sowie die Reparaturmechanismen noch nicht so effektiv sind -  bei einer höheren Proliferation stattdessen eventuell schnelleren Teilung/Wachstum von Zellen. Letztlich muss vermutet werden, dass in frühen Lebensstadien initiierte bösartige Veränderungen die Möglichkeit besitzen, sich über mehrere Jahrzehnte zu entwickeln.

In Europa stellen die Leukämien bei Kindern mit bis zu einem Drittel (und darunter zu 75% die akuten lymphatischen Leukämien (ALL)) die Hauptformen aller kindlichen Krebserkrankungen dar [EEA 2002, RKI 2008]. Glücklicherweise können in Ländern mit guter medizinischer Versorgung heute ca. 70% dieser Erkrankungen mit guten Heilungschancen therapiert werden.

Aufgrund ihrer relativen Häufigkeit wurde für Leukämien bei Kindern schon seit vielen Jahren ein Zusammenhang mit Umwelteinflüssen wie niederfrequente Magnetfelder [Wertheimer und Leeper 1979], verschiedenen Chemikalien oder ionisierender Strahlung vermutet. Insbesondere die akute lymphatische Leukämie weist dabei die Tendenz auf, sowohl räumlich als auch zeitlich in gewissen Clustern ("Häufungen") aufzutreten.

Die Ursache kann in Infektionen, chemischen oder physikalischen Einflüssen liegen; sie kann aber auch bestimmte sozio-ökonomische Verhältnisse reflektieren, oder bestimmte genetische Konstellationen innerhalb einer bestimmten Population. Eine Zusammenhangsanalyse stellt sich meist als sehr problematisch heraus. Selbst für die Exposition gegenüber Tabakrauch, dessen karzinogene Bestandteile die Plazenta überwinden können und sich im Blut des ungeborenen Kindes ansammeln, konnten in epidemiologischen Studien bisher keine konsistenten Zusammenhänge für eine Assoziation mit elterlichem Tabakrauchen gefunden werden [EEA 2002].  

Eindeutige kanzerogene Wirkungen sind bekannt aus mittlerweile historischen Berichten über die Anwendung von Röntgenstrahlung bei ungeborenen Kindern.

Die Schwierigkeit, einen Zusammenhang zwischen bestimmten Umwelteinflüssen und Krebserkrankungen bei Kindern zu belegen, sollte allerdings nicht zu dem Schluss verleiten, dass allgemein die Gefahr als gering einzuschätzen ist. Aus Tierversuchsstudien liegen umfangreiche Hinweise auf eindeutige Zusammenhänge bei bestimmten Expositionsszenarios vor, die allerdings in unserer Umwelt aufgrund der niedrigen Exposition glücklicherweise nicht auftreten.

Autoren/Quelle: W. Straff und K. E. v. Mühlendahl (2006): Umweltbelastungen und die Gesundheit von Kindern. Handbuch der Umweltmedizin, Kapitel V-18. Ecomed-Verlag, Landsberg.

Sachstand: November 2011 

Quellen und weiterführende Literatur

Adamson P, Law G, Roman E. Assessment of trends in childhood cancer incidence. Lancet 2005; 365(9461):753.

Deutsches Kinderkrebsregister (2008): www.kinderkrebsregister.de

ECNIS (Environmental Cancer Risk, Nutrition and Individual Susceptibility) - Network of Excellence  http://www.ecnis.org (zuletzt aufgerufen im November 2011)

European Environment Agency, GlossarWHOWorld Health Organization - Weltgesundheitsorganisation Regional Office for Europe. Children´s health and environment: A review of evidence. Environmental Issue report No 29, 8-223. 2002.  EEA. 

Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (2010): www.gekid.de

Kaatsch P. (2010): Epidemiology of childhood cancer.  Cancer Treat Rev. 36(4) S. 277-85.

Krebsinformationsdienst beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ): www.krebsinformationsdienst.de

Pollack IF (2011): Multidisciplinary management of childhood brain tumors: a review of outcomes, recent advances, and challenges. J Neurosurg Pediatr. 8(2):135-48. Review.

Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (2011): 1. Krebs in Deutschland (6. überarbeitete Auflage) und 2. Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland www.rki.de

Steliarova-Foucher E, Stiller C, Kaatsch P, Berrino F, Coebergh JW, Lacour B, Parkin M. Geographical patterns and time trends of cancer incidence and survival among children and adolescents in Europe since the 1970s (the ACCISproject): an epidemiological study. Lancet 2004; 364(9451):2097-2105.

W. Straff und K. E. v. Mühlendahl (2006) Umweltbelastungen und die Gesundheit von Kindern. Handbuch der Umweltmedizin, Kapitel V-18. Ecomed-Verlag, Landsberg.

Wertheimer N, Leeper E. Electrical wiring configurations and childhood cancer. Am J Epidemiol 1979; 109:273-284.

Weitere Infos zu diesem Thema:

Häufigkeiten

In den letzten 15 bis 20 Jahren, seitdem die Meldung durch die Kinderärzte flächendeckend und recht komplett ist, liegt die Neuerkrankungshäufigkeit in der Bevölkerung: Anzahl Neuerkrankter mit geringen Schwankungen bei etwa 14 pro 100 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr.

Einige Forscher berichten über eine Zunahme der Neuerkrankungsrate in Höhe von etwa 1 % pro Jahr in Europa [Steliarova-Foucher et al. 2004], was allerdings mit Hinweis auf Unterschiede in der Erfassung nicht unwidersprochen geblieben ist [Adamson 2005].

P. Kaatsch stellt in seiner Übersichtsarbeit (Frühjahr 2010) eine europaweite Inzidenzzunahme von 0.6 % bei Leukämien bis hin zu 1.8 % bei Weichteilsarkomen fest.

 

Stoffe und Auslöser

 

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