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Quelle: Springer Loseblatt Systeme Praktische Umweltmedizin, Folgelieferung 2/2002
Hinweis: Der Artikel setzt bestimmte medizinische Kenntnisse voraus.
Wir danken dem Verlag für die Genehmigung der elektronischen Verwendung des Beitrages in unserem System.
In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD 10) wird
MCSPhänomen subjektiver Befindlichkeitsstörungen gegenüber einer Vielzahl chemischer Stoffe weit unterhalb ihrer toxikologischen Wirkschwelle; bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt.
Synonyme: Multiple Chemical Sensitivity-Syndrom (MCS-Syndrom), multiple Chemikaliensensitivität, multiple Chemikalienunverträglichkeit, multiple Chemikalienüberempfindlichkeit, vielfache Chemikaliensensitivität, Idiopathic Environmental Intolerances (IEI), idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten, idiopathische Umwelt-Unverträglichkeit, idiopathische Chemikaliensensitivität, Umweltkrankheit, Ökosyndrom im Diagnosenthesaurus erwähnt und mit der Schlüsselnummer T78.4 gekennzeichnet.
Im Systematischen Verzeichnis des ICD 10 steht unter T78.4:
Allergie, nicht näher bezeichnet
- Allergische Reaktion o.n.A.
- Idiosynkrasie o.n.A.
- Überempfindlichkeit o.n.A.
Diese Zuordnung des MCS-Phänomens zu T78.4 "Allergie, nicht näher bezeichnet" wird sowohl von vielen umweltmedizinisch tätigen Medizinern und Wissenschaftlern als auch von MCS-Selbsthilfeverbänden als unglücklich empfunden.
Die Erwähnung von
MCSPhänomen subjektiver Befindlichkeitsstörungen gegenüber einer Vielzahl chemischer Stoffe weit unterhalb ihrer toxikologischen Wirkschwelle; bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt.
Synonyme: Multiple Chemical Sensitivity-Syndrom (MCS-Syndrom), multiple Chemikaliensensitivität, multiple Chemikalienunverträglichkeit, multiple Chemikalienüberempfindlichkeit, vielfache Chemikaliensensitivität, Idiopathic Environmental Intolerances (IEI), idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten, idiopathische Umwelt-Unverträglichkeit, idiopathische Chemikaliensensitivität, Umweltkrankheit, Ökosyndrom im ICD-10-Diagnosenthesaurus bedeutet nicht, daß MCS eine Anerkennung als "durch Umweltnoxen bedingte Krankheit" erfahren hat. Von Betroffenenverbänden wird dies allerdings meist anders gesehen.
Aus der Zusammenfassung (korrigierter Nachdruck des Abschlussberichtes)
Quelle: www.apug.de/archiv/pdf/MCS_Studie_Folgevorhaben.pdf
"Im Rahmen der Studie wurden 291 Umweltambulanzpatienten aus zunächst 6, später 5 umweltmedizinischen Ambulanzen mit Standorten in Aachen, Berlin, Bredstedt, (Freiburg), Gießen, und München untersucht. Die Patienten waren zwischen 22 und 80 Jahre alt, im Mittel 48 Jahre, der Frauenanteil lag bei knapp 70%. Es handelte sich überwiegend um eine „anfallende Stichprobe“, die insbesondere für universitäre Umweltambulanzen repräsentativ erscheint. Die Datengewinnung erfolgte größtenteils im Jahr 2000 und im ersten Halbjahr 2003. Der Basisstudie liegt ein Querschnittdesign mit implementiertem Fall-Kontroll-Segment (MCS vs. Nicht-MCS) zugrunde. Zur Datengewinnung diente u. a. ein umweltmedizinischer Patientenfragebogen, ein Fragebogen zur psychosozialen Gesundheit und ein ärztlicher Basisdokumentationsbogen. Da MCS- Einstufungen einem beträchtlichen Urteilereinfluss unterliegen, wurde im Rahmen der Studie ein Scoringsystem zur formalen, computergestützten MCS-Fallcharakterisierung entwickelt und eingesetzt. Bei 251 Patienten (86% der Gesamtstichprobe) konnte ein computergestütztes standardisiertes psychiatrisches Interview (CIDI) durchgeführt werden. Darüber hinaus wurden die Patienten des Untersuchungsjahres 2000 nach einem Follow-up-Zeitraum von drei Jahren telefonisch zum Beschwerdenverlauf und zu anderen Merkmalen nachbefragt (Beteiligungsquote 83%). An einer Unterstichprobe von 205 Patienten wurden molekulargenetische Untersuchungen zur „Suszeptibilität bei MCS“ durchgeführt. Eine Teilstichprobe von 47 Patienten unterzog sich einem standardisierten Riechtest („Sniffin’ Sticks“). Eine ergänzende Pilotstudie zur Frage einer „neurogenen Entzündung bei MCS“ konnte an einer kleinen Unterstichprobe von 19 Patienten und einer ebenso großen Kontrollgruppe realisiert werden.
Die hypothesengeleitete Datenauswertung ergab für das MCS-Phänomen kein charakteristisches Symptommuster, keinen systematischen Zusammenhang zwischen geklagten Beschwerden und angeschuldigten Noxen, keinen Hinweis auf eine besondere genetische Prädisposition der MCS-Patienten und keinen Beleg für eine eindeutige Störung des olfaktorischen Systems oder eine neurogene Entzündung. Die standardisierte psychiatrische Diagnostik (CIDI) ergab, dass Umweltambulanzpatienten signifikant häufiger unter psychischen Störungen leiden als die vergleichbare Allgemeinbevölkerung und dass die psychischen Störungen bei den meisten Patienten den umweltbezogenen Beschwerden weit vorausgehen." (Hervorhebung: ALLUM-Redaktionsteam).
Mücke und Lemmen (2008) weisen in ihrem Artikel "Gesundheitsrisiken durch Bioaerosole" auf die Rolle von Gerüchen im Sinne einer Konditionierung hin.
Gibt es hier Analogien und/oder Zusammenhänge ? Hierzu mag das Ergebnis einer Studie der Universität Mainz aus dem Jahr 2008 zur Elektrosensibilität von Interesse sein, die im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms durchgeführt wurde. Hier wurden elektrosensible Personen im Hinblick auf Begleitfaktoren bzw. -erkrankungen, wie z.B. Allergien und erhöhte Belastung mit bzw. Empfindlichkeit gegenüber Schwermetallen und Chemikalien (MCS) untersucht.
Ein EMF-spezifisches Beschwerdemuster konnte trotz der hohen Anzahl untersuchter Personen (130 Elektrosensible, 101 Kontrollen) nicht ermittelt werden. Bei einigen klinisch-chemischen Parametern fanden sich Unterschiede zwischen den Elektrosensiblen und den Kontrollpersonen, diese lagen aber innerhalb der Normbereiche und wurden von Ärzten als klinisch nicht bedeutsam eingestuft. Eine besondere Belastung mit Allergien und Chemikalien und eine verringerte Entgiftungskapazität der Leber wurde nicht beobachtet. Personen mit (selbstberichteter) Elektrosensibilität litten weitaus häufiger an so genannten somatoformen Störungen, d.h. an Störungen, für die keine oder keine adäquate körperliche Ursache gefunden werden kann.
Inzwischen liegen die Phase-II-Ergebnisse der MCS-Verbundstudie ("RKI-Studie") vor. Im Vorwort zum Heft 6/2005 der Zeitschrift "Umweltmedizin in Forschung und Praxis" resümieren Th. Eikmann und C. Herr:
"Weiterhin findet man bei den Patienten kein für das "MCS-Phänomen" charakteristisches Symptommuster; ebenso gelingt es nicht, einen Zusammenhang zwischen geklagten Beschwerden und angeschuldigten Noxen herzustellen; auch für die immer wieder vermutete besondere genetische Disposition der MCS-Patienten, Störungen des olfaktorischen Systems oder gar neurogene Entzündungen gibt es weiterhin keine wissenschaftlich fundierten Hinweise. Diese Ergebnisse stimmen im Wesentlichen mit den Erkenntnissen im internationalen Forschungsbereich überein. ... Konsens herrscht auf jeden Fall darüber, dass MCS-Patienten einen hohen Leidensdruck haben und der Hilfe im weitesten Sinne bedürfen."
Im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit wurde eine multizentrische Studie "Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen des MCS-Syndroms (Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit) bzw. der IEI (Idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeit) unter besonderer Berücksichtigung des Beitrags von Umweltchemikalien" durchgeführt. Die Koordination der beteiligten Institutionen, der Umweltmedizinischen Ambulanzen der Universitäten in Aachen, Berlin, Freiburg, Gießen, München und des Fachkrankenhauses in Bredstedt hatte das Robert Koch-Institut übernommen. Inzwischen liegt der Abschlußbericht zu dieser Studie vor.
"Nach wie vor ist das Beschwerdebild von
MCSPhänomen subjektiver Befindlichkeitsstörungen gegenüber einer Vielzahl chemischer Stoffe weit unterhalb ihrer toxikologischen Wirkschwelle; bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt.
Synonyme: Multiple Chemical Sensitivity-Syndrom (MCS-Syndrom), multiple Chemikaliensensitivität, multiple Chemikalienunverträglichkeit, multiple Chemikalienüberempfindlichkeit, vielfache Chemikaliensensitivität, Idiopathic Environmental Intolerances (IEI), idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten, idiopathische Umwelt-Unverträglichkeit, idiopathische Chemikaliensensitivität, Umweltkrankheit, Ökosyndrom und seine Abgrenzung gegen andere gesundheitliche Störungen unklar. Ungeklärt ist auch, ob chemische Stoffe aus der Umwelt Auslöser für
MCSPhänomen subjektiver Befindlichkeitsstörungen gegenüber einer Vielzahl chemischer Stoffe weit unterhalb ihrer toxikologischen Wirkschwelle; bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt.
Synonyme: Multiple Chemical Sensitivity-Syndrom (MCS-Syndrom), multiple Chemikaliensensitivität, multiple Chemikalienunverträglichkeit, multiple Chemikalienüberempfindlichkeit, vielfache Chemikaliensensitivität, Idiopathic Environmental Intolerances (IEI), idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeiten, idiopathische Umwelt-Unverträglichkeit, idiopathische Chemikaliensensitivität, Umweltkrankheit, Ökosyndrom sind."
Bornschein S, Hausteiner C, Pohl C, Jahn T, Angerer J, Foerstl H, Zilker T. (2008) Pest controllers: a high-risk group for Multiple Chemical Sensitivity (MCS) ? Clin Toxicol (Phila). Band 46(3) S. 193-200.
Bornschein S, Hausteiner C, Römmelt H, Nowak D, Förstl H, Zilker T. (2008) Double-blind placebo-controlled provocation study in patients with subjective Multiple Chemical Sensitivity (MCS) and matched control subjects. Clin Toxicol (Phila). Band 46(5) S. 443-9.
De Luca,Ch., Raskovic, D., Pacifico, V., Jeffrey Chung Sheun Thai and Korkina, L. (2011): The Search for Reliable Biomarkers of Disease in Multiple Chemical Sensitivity and Other Environmental Intolerances (Review). Int. J. Environ. Res. Public Health 2011, 8, 2770-2797
Eikmann, Th. und Herr C.: Wie soll es mit dem "Phänomen" der Multiplen Chemikaliensensitivität (MCS) weitergehen ? Welche Hilfe kann dem Patienten gegeben werden ? Umweltmed Forsch Prax 10 (2005) 357-358
Eis D.: Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) und ähnliche Symptomkomplexe: Springer Loseblatt Systeme Praktische Umweltmedizin Folgelieferung 2/2002
Eis, D. et al. : Multizentrische Studie zur Multiplen Chemikalien-Sensitivität (MCS) - Phase II der deutschen MCS-Verbundstudie ("RKI-Studie"). Umweltmed Forsch Prax 10 (2005) 359-376
Eis D, Helm D, Mühlinghaus T, Birkner N, Dietel A, Eikmann T, Gieler U, Herr C, Lacour M, Nowak D, Pedrosa Gil F, Podoll K, Renner B, Andreas Wiesmüller G, Worm M. (2008): The German Multicentre Study on Multiple Chemical Sensitivity (MCS). Int J Hyg Environ Health. 2008 Oct Band 211(5-6) S. 658-81. Link
Mücke, W. und Lemmen, Ch. (2008): Gesundheitsrisiken durch Bioaerosole. In: Handbuch der Umweltmedizin (Hrsg: Wichmann, Schlipköter und Fülgraff) 40. Erg. Lieferung 12/2008.S. 56-57
Umweltbundesamt (2003): www.umweltbundesamt.de/gesundheit/effekte/mcs/fach.htm
Umweltbundesamt (2005): www.umweltbundesamt.de/gesundheit/publikationen/index.htm#mcs
Umweltbundesamt (2010): www.umweltbundesamt.de/gesundheit/effekte/mcs.htm
Wiesmüller GA, Niggemann H, Weissbach W, Riley F, Maarouf Z, Dott W, Kunert HJ, Zerres K, Eggermann T, Blömeke B. (2008) Sequence variations in subjects with self-reported multiple chemical sensitivity (sMCS): a case-control study. J Toxicol Environ Health A. Band 71(11-12) S. 786-94.
Witthöft M, Rist F, Bailer J. Evidence for a specific link between the personality trait of absorption and idiopathic environmental intolerance. (2008) J Toxicol Environ Health A. Band 71(11-12) S. 795-802.
Zucco GM, Militello C, Doty RL (2008) Discriminating between organic and psychological determinants of multiple chemical sensitivity: a case study. Neurocase. 2008;14(6) S. 485-93.
Gesicherte Angaben zur Häufigkeit liegen nicht vor (siehe obigen Artikel von Dr. Dieter Eis , S. 9).
MCS-Falldefinition nach Cullen 1987
Weitere Informationen: www.bfr.bund.de/cm/232/umweltassoziierte_gesundheitsstoerungen.pdf
Ähnlichkeiten mit dem Chronic-Fatigue-Syndrom und Abgrenzung: siehe www.cfs-portal.de