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Nickelallergie

Nickel

Nickel ist ein Schwermetall und kommt als Bestandteil oder Verunreinigung in vielen Metallen und Edelmetallen vor. Es ist häufiger Auslöser von Kontaktallergien. Nach Hautkontakt mit nickelhaltigen Materialien kommt es bei Nickelallergikern zu ekzemartigen Hautreaktionen wie roter Hautfärbung, Jucken, Bläschenbildung, Nässen und geschwollener Haut.

Bevor es zu allergischen Symptomen kommt, muss wie bei jeder Kontaktallergie eine Sensibilisierung vorangegangen sein. Eine Sensibilisierung ist eine Auseinandersetzung des Immunsystems mit einem  Allergen. Eine Sensibilisierung kann im Allergietest nachgewiesen werden. Das Risiko einer Sensibilisierung hängt dabei neben der individuellen Empfindlichkeit (z.B. Vorschädigung der Hautbarriere), von der Sensibilisierungspotenz des Allergens sowie der Menge und der Konzentration ab. Körperflüssigkeiten katalysieren die Freisetzung von Nickel. Ohrlöcher sind in diesem Zusammenhang als Ursache für die Entstehung einer Nickelallergie gut bekannt. Neue Studien zeigen, dass beim Piercen ein besonders hohes Risiko besteht, gegenüber Nickel sensibilisiert zu werden. Kommt, wie bei Ohrlöchern oder Piercings, nickelhaltiger Schmuck direkt mit der Haut oder darunter liegendem Fett- und Knorpelgewebe in Kontakt, kann Nickel durch Schweiß, Urin oder Blutplama leicht herausgelöst werden.

Die "Stärke" der Nickelallergie variiert sehr unter den Betroffenen. Manche Menschen entwickeln schon nach kurzem Kontakt zu nickelhaltigen Gegenständen ein Ekzem, während bei anderen erst nach jahrelangem Tragen eines nickelhaltigen Schmuckstücks Hauterscheinungen auftreten.

Da Nickel sehr gut wasserlöslich ist, kommt es zu stärkeren Reaktionen, wenn der Betroffene schwitzt. Der Schweiß kann das Nickel in diesem Fall herauslösen.

Nähere Informationen zur Allergiereaktion finden Sie in den Artikeln „Kontaktallergie“ und „Allergie“.

Folgende Gegenstände (neben vielen anderen) können Nickel enthalten und Allergien auslösen:

  • Schmuck und Piercings (selbst Weißgold besteht nur zu 33 - 75 % aus Gold)
  • Verschlüsse an der Kleidung (Reißverschlüsse, Ösen)
  • Besteck, Kochgeschirr, Küchengeräte
  • Münzen, Feuerzeuge, Rasierapparate, Schlüssel, Griffe
  • Büroartikel
  • Zahnärztliche und ärztliche Instrumente, Prothesen, Zahnspangen
  • Nadeln
  • Brillengestelle
  • Elektrische Drähte
  • Kosmetika
  • Haarfärbemittel
  • Papier
  • Waschmittel
  • Farben
  • Mineralöl, Zement, Kunstdünger

Seit 1992 sind in Deutschland in der „Bedarfsgegenständeverordnung“ Grenzwerte für nickelhaltigen Schmuck festgelegt worden. Die Verordnung besagt, dass Produkte, die längere Zeit mit der Haut direkt in Kontakt kommen, in einer Woche nicht mehr als 0,5 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter freisetzen dürfen. Für Ohrstecker gilt ein Grenzwert von 0,2 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter pro Woche. Als Ersatz für Nickel in Schmuckstücken eignen sich Titan, Gold, Silber und Platin.

Es gibt jedoch immer wieder Produkte, die dieser Regelung nicht entsprechen. Vorsicht ist insbesondere bei Modeschmuck aus Urlaubsländern geboten, da in vielen südlichen Ländern keine Grenzwerte festgelegt sind.

Kurz nach ihrer Einführung gerieten die 1- und 2-Euro-Münzen in die Diskussion, da sie Nickel freisetzen. Für die Allgemeinbevölkerung besteht jedoch aufgrund der geringen Freisetzungsmenge und des nur kurzen Hautkontakts keine Gefahr. Euromünzen können aber bei beruflich exponierten Personen (z.B. Kassiererinnen) zu einer Allergie führen.

Nickel als Nahrungsmittelallergen

Manchen Allergikern machen selbst nickelhaltige Speisen zu schaffen. Sehr viele Nahrungsmittel enthalten in geringer Konzentration Nickel, denn Pflanzen nehmen Nickel über die Wurzeln aus dem Boden auf.

Sehr nickelhaltig sind vor allem Kakao, Schokolade, Nougatcremes, Kaffee, Soja, Hafer, Muscheln, Hülsenfrüchte, Cashewkerne, schwarzer Tee sowie alle Getreidesorten, insbesondere Vollkornprodukte.

Eine weitere wichtige Quelle ist Trinkwasser, welches über vier Stunden oder über Nacht in der Hausleitung stand. Nickelallergiker sollten Fließwasser bevorzugen. Es ist daran erkennbar, dass es etwas kühler ist, als Standwasser. Betroffene sollten am Morgen oder nach mehr als vier Stunden Abwesenheit das Wasser so lange laufen lassen, bis es sich merklich kühler anfühlt.

Daneben können Nahrungsmittel durch die Verarbeitung mit Nickel kontaminiert werden. Fertiggerichte können zum Beispiel mit nickelhaltigen Geräten produziert worden sein. Auch Metalltöpfe geben geringe Mengen des Allergens in die Nahrung ab. Insbesondere die Säure von Tomaten, Kaffee, Zitrusfrüchten oder Rhabarber kann Nickel aus dem Metall herauslösen.

In Folge dessen können Ekzeme an Händen, Ellenbeugen, Augenlidern, Hals, Nacken und Innenseite der Oberschenkel auftreten. Auch abgeheilte Ekzeme können durch eine orale Nickelexposition wieder aufflammen.

Patienten, deren Ekzeme auch ohne Hautkontakt zu Nickel weiterhin bestehen, wird eine nickelarme Diät (unter Anleitung von Arzt und Ernährungsberaterin) empfohlen. Diese sollte jedoch erst nach einem positiven Nickelallergietest eingeleitet werden. Ob diese allerdings das Kontaktekzem verringern wird, ist wissenschaftlich noch umstritten (M. Kolossa-Gehring 2008).

Therapie

Die Basis einer jeden Behandlung ist das Meiden der Allergieauslöser. Mit speziellen Tests aus der Apotheke können Betroffene im Zweifelsfall ganz einfach selber prüfen, ob bestimmte Gegenstände Nickel enthalten (Nickelnachweis mit Dimethylglyoxim).

Im akuten Stadium wird das GlossarEkzemNicht ansteckende Entzündung der Haut. kurzfristig mit entzündungshemmenden Salben behandelt. In der Regel enthalten diese unterschiedliche Mengen an Kortikoiden. Kurzfristig angewendet und dünn aufgetragen sind Kortikoide nicht schädlich. Nach wenigen Tagen klingt das GlossarEkzemNicht ansteckende Entzündung der Haut. ab.

Beim chronischen Nickel-Ekzem muss sich die in ihrem Aufbau und Gleichgewicht stark gestörte Haut erst wieder normalisieren. Nach einer anfänglichen Kortikoidbehandlung helfen auch andere, die Haut beruhigende Wirkstoffe bei der Abheilung.

Informationen für Betroffene

Unter www.nickelfrei.de erhalten Betroffene und andere Ratsuchende viele nützliche Informationen rund um das Thema "Nickel" und können sich in einem Forum austauschen.

Autorin: Eva Theil (Ergänzungen: Dr. M.Otto, J. Linnemann)

Stand: August 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Alles-zur-Allergologie.de: Nickel. www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/4089/Nickel/nickel.html

Altmeyer, P., Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum: Nickelallergie. www.derma.de/Bochum/470.0.html

Bär, F. (2008): Dauerhafter Körperschmuck - Informationen und Empfehlungen zum Schutz vor Allergien und Infektionen. FLUGS-Informationsdienst. http://www.helmholtz-muenchen.de

BGFA (2004): Nickelallergie durch Euromünzen.
www.bgfa.ruhr-uni-bochum.de/publik/info0204/euro.php

Bundesinstitut für Risikobewertung (2008): Piercind kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen. Stellungnahme Nr. 046/2008 des BfR. www.bfr.bund.de/Nickel

Deutsches Grünes Kreuz (2008) www.dgk.de/gesundheit/allergie-haut.html

Erdmann S M, Merk H F: Hämatogenes Kontaktekzem durch Nahrungsmittel. In: Allergo Journal 2010; 19: 264-271.

Gesundheitpro.de: Nickelallergie. www.gesundheitpro.de/Immunsystem/A050829ANONI012986

Sharma Ashimav Deb (2007): Relationship between nickel allergy and diet. IJDVL 73, 5, 307-312

 

Weitere Infos zu diesem Thema:

Häufigkeiten

Nickel ist die häufigste Ursache für eine Kontaktallergie. Es wird vermutet, dass 15-20% der Frauen und ca. 4% der Männer gegen Nickel sensibilisiert sind. Dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer wird unter anderem damit begründet, dass Frauen öfter nickelhaltigen Schmuck tragen.

Mögliche Symptome

  • Bläschen
  • Ekzem (gerötete, schuppende auch nässende entzündliche Hautveränderung)
  • Juckreiz

Diagnostik

Stoffe und Auslöser

 

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