Nickel ist ein Schwermetall und kommt als Bestandteil oder Verunreinigung in vielen Metallen und Edelmetallen vor. Es ist häufiger Auslöser von Kontaktallergien. Nach Hautkontakt mit nickelhaltigen Materialien kommt es bei Nickelallergikern zu ekzemartigen Hautreaktionen wie roter Hautfärbung, Jucken, Bläschenbildung, Nässen und geschwollener Haut.
Bevor es zu allergischen Symptomen kommt, muss wie bei jeder Kontaktallergie eine Sensibilisierung vorangegangen sein. Eine Sensibilisierung ist eine Auseinandersetzung des Immunsystems mit einem Allergen. Eine Sensibilisierung kann im Allergietest nachgewiesen werden. Das Risiko einer Sensibilisierung hängt dabei neben der individuellen Empfindlichkeit (z.B. Vorschädigung der Hautbarriere), von der Sensibilisierungspotenz des Allergens sowie der Menge und der Konzentration ab. Körperflüssigkeiten katalysieren die Freisetzung von Nickel. Ohrlöcher sind in diesem Zusammenhang als Ursache für die Entstehung einer Nickelallergie gut bekannt. Neue Studien zeigen, dass beim Piercen ein besonders hohes Risiko besteht, gegenüber Nickel sensibilisiert zu werden. Kommt, wie bei Ohrlöchern oder Piercings, nickelhaltiger Schmuck direkt mit der Haut oder darunter liegendem Fett- und Knorpelgewebe in Kontakt, kann Nickel durch Schweiß, Urin oder
BlutplasmaBezeichnung für die Blutflüssigkeit ohne Blutzellen leicht herausgelöst werden.
Die "Stärke" der Nickelallergie variiert sehr unter den Betroffenen. Manche Menschen entwickeln schon nach kurzem Kontakt zu nickelhaltigen Gegenständen ein Ekzem, während bei anderen erst nach jahrelangem Tragen eines nickelhaltigen Schmuckstücks Hauterscheinungen auftreten.
Da Nickel sehr gut wasserlöslich ist, kommt es zu stärkeren Reaktionen, wenn der Betroffene schwitzt. Der Schweiß kann das Nickel in diesem Fall herauslösen.
Nähere Informationen zur Allergiereaktion finden Sie in den Artikeln „Kontaktallergie“ und „Allergie“.
Folgende Gegenstände (neben vielen anderen) können Nickel enthalten und Allergien auslösen:
Seit 1992 sind in Deutschland in der „Bedarfsgegenständeverordnung“ Grenzwerte für nickelhaltigen Schmuck festgelegt worden. Die Verordnung besagt, dass Produkte, die längere Zeit mit der Haut direkt in Kontakt kommen, in einer Woche nicht mehr als 0,5 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter freisetzen dürfen. Für Ohrstecker gilt ein Grenzwert von 0,2 Mikrogramm Nickel pro Quadratzentimeter pro Woche. Als Ersatz für Nickel in Schmuckstücken eignen sich Titan, Gold, Silber und Platin.
Es gibt jedoch immer wieder Produkte, die dieser Regelung nicht entsprechen. Vorsicht ist insbesondere bei Modeschmuck aus Urlaubsländern geboten, da in vielen südlichen Ländern keine Grenzwerte festgelegt sind.
Kurz nach ihrer Einführung gerieten die 1- und 2-Euro-Münzen in die Diskussion, da sie Nickel freisetzen. Für die Allgemeinbevölkerung besteht jedoch aufgrund der geringen Freisetzungsmenge und des nur kurzen Hautkontakts keine Gefahr. Euromünzen können aber bei beruflich exponierten Personen (z.B. Kassiererinnen) zu einer Allergie führen.
Wie oben beschrieben, ist Nickel der häufigste Auslöser für eine Kontaktallergie. Einige Allergiker reagieren auch auf nickelhaltige Speisen mit Ekzemen auf der Haut.
Quellen für orale Nickelexpositionen sind Tabakrauch, Sojabohnen, Kakao, Wallnüsse, Erdnüsse, Buchweizen und Spinat. Außerdem findet man erhöhte Nickelgehalte in weißen Bohnen, gelben Erbsen, Linsen, Brokkoli, Weißkohl, Wirsing, Spargel und Innereien wie Nieren.
Eine weitere wichtige Quelle ist Trinkwasser, welches über vier Stunden oder über Nacht in der Hausleitung stand. Für Nickelallergiker ist Fließwasser besser geeignet. Es ist daran erkennbar, dass es etwas kühler ist, als Standwasser. Betroffene sollten am Morgen oder nach mehr als vier Stunden Abwesenheit das Wasser so lange laufen lassen, bis es sich merklich kühler anfühlt.
Daneben können Nahrungsmittel durch die Verarbeitung mit Nickel kontaminiert werden. Fertiggerichte können zum Beispiel mit nickelhaltigen Geräten produziert worden sein. Auch Metalltöpfe geben geringe Mengen des Allergens in die Nahrung ab. Insbesondere die Säure von Tomaten, Kaffee, Zitrusfrüchten oder Rhabarber kann Nickel aus dem Metall herauslösen. In Untersuchungen zeigten sich hierbei Nickelkonzentrationen von 52mg pro Liter Nahrung, die durchaus eine Kontaktallergie auslösen können. In Folge dessen können Ekzeme an Händen, Ellenbeugen, Augenlidern, Hals, Nacken und Innenseite der Oberschenkel auftreten. Auch abgeheilte Ekzeme können durch eine orale Nickelexposition wieder aufflammen.
In mehreren Studien erhielten Patienten mit einer diagnostizierten Nickelkontaktallergie 2,2 bis 20 mg Nickelsulfat oral. Bei knapp 50 Prozent der betroffenen Patienten führte dies in der Untersuchung zu einem Ausbruch oder Verschlimmerung eines vorhanden Handekzems mit Verdickung der Oberhaut und Bläschenbildung (dyshidrotisches Handekzem) (Bedello et al 1985; Veien et al 1987; Veien & Menné 1990). Bekamen die Patienten weniger als 2,5mg Nickelsulfat, so zeigte sich kaum eine Hautreaktion (Jordan & King 1979).
Angesichts einer üblichen Nickelaufnahme von lediglich 0,1 bis 0,6mg pro Tag ist eine nickelarme Kost sehr umstritten (Burrows 1992, Möller et al 1999). Andererseits können die Betroffenen mit einem vermehrten Konsum nickelreicher Lebensmittel durchaus relevante Spitzenwerte erreichen (Veien 1997).
In einer Studie von Kaaber et al (1978) führte eine nickelarme Ernährung bei der Hälfte der betroffenen Patienten zu einer Verbesserung des dyshidrotischen Handekzems. Auch in den Studien von Veien et. al. gingen Ekzeme unter einer nickelarmen Kost zurück. Bei allen diesen drei Studien ist aber zu beachten, dass sie nicht doppelblind durchgeführt wurden. Die Betroffenen wussten also, dass sie nickelarme Kost erhielten. Ein Placeboeffekt ist nicht ausgeschlossen (Erdmann, Merk 2010).
Die Basis einer jeden Behandlung ist das Meiden der Allergieauslöser. Mit speziellen Tests aus der Apotheke können Betroffene im Zweifelsfall ganz einfach selber prüfen, ob bestimmte Gegenstände Nickel enthalten.
Im akuten Stadium wird das
EkzemNicht ansteckende Entzündung der Haut. kurzfristig mit entzündungshemmenden Salben behandelt. In der Regel enthalten diese unterschiedliche Mengen an Kortikoiden. Kurzfristig angewendet und dünn aufgetragen sind Kortikoide nicht schädlich. Nach wenigen Tagen klingt das
EkzemNicht ansteckende Entzündung der Haut. ab.
Beim chronischen Nickel-Ekzem muss sich die in ihrem Aufbau und Gleichgewicht stark gestörte Haut erst wieder normalisieren. Nach einer anfänglichen Kortikoidbehandlung helfen auch andere, die Haut beruhigende Wirkstoffe bei der Abheilung.
Unter www.nickelfrei.de erhalten Betroffene und andere Ratsuchende viele nützliche Informationen rund um das Thema "Nickel" und können sich in einem Forum austauschen.
Autorin: Eva Theil, Judith Linnemann
Stand: August 2011
Alles-zur-Allergologie.de: Nickel. www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/4089/Nickel/nickel.html
Altmeyer, P., Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum: Nickelallergie. www.derma.de/Bochum/470.0.html
Bär, F. (2008): Dauerhafter Körperschmuck - Informationen und Empfehlungen zum Schutz vor Allergien und Infektionen. FLUGS-Informationsdienst. http://www.helmholtz-muenchen.de
Bedello, P.G., M. Goitre, and D. Cane et al., "Nickel: Aptene ubiquitario", Gior It Derm Vener, 120: 293-296 (1985).
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www.bgfa.ruhr-uni-bochum.de/publik/info0204/euro.php
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Bundesinstitut für Risikobewertung (2008): Piercind kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen. Stellungnahme Nr. 046/2008 des BfR. www.bfr.bund.de/Nickel
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Nickel ist die häufigste Ursache für eine Kontaktallergie. Es wird vermutet, dass 15-20% der Frauen und ca. 4% der Männer gegen Nickel sensibilisiert sind. Dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer wird unter anderem damit begründet, dass Frauen öfter nickelhaltigen Schmuck tragen.