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Pollenallergie

Allergene in den Pollen bestimmter Bäume, von Gräsern und Roggen sowie einiger Kräuter machen besonders im Frühjahr und Sommer vielen Menschen in Form einer Pollenallergie zu schaffen. Auf Grund der unterschiedlichen Blütezeit der Pflanzen können Pollen von Februar bis Oktober allergische Reaktionen auslösen.

Am bekanntesten und häufigsten sind Allergien gegen Pollen der sogenannten frühblühenden Bäume Hasel, Erle und Birke sowie gegen Gräser und Getreidepollen. Nach dem Einatmen der Pollenkörner und Freisetzung der Allergene kommt es bei den empfindlichen Personen, die auf die entsprechenden Pollenallergene sensibilisiert sind, schnell zu einer starken allergischen Reaktion, einer allergischen Soforttypreaktion oder Typ I-Reaktion mit Beteiligung der IgE- Antikörper.

Symptome

Die Folge sind Niesreiz, rinnende Nasen, Nasenblockade (Stockschnupfen), und/oder roten Augen, Juckreiz und Fremdkörpergefühl in den Augen. Auch Hautausschläge oder Schwellungen vor allem im Gesicht können eine Folge von Pollenkontakt sein. Im Laufe der Zeit können weitere Allergien gegen andere Substanzen hinzukommen. Zusätzlich besteht das Risiko, dass sich ein allergisches Asthma entwickelt, ein so genannter Etagenwechsel auftritt - Husten und Atemnot sind hierfür die ersten Anzeichen.

Eine rechtzeitige Behandlung der Allergie kann dieser Entwicklung entgegenwirken (siehe spezifische Immuntherapie). Es ist auch möglich, dass Pollenallergiker auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren. Aufgrund einer ähnlichen Struktur der Allergene von Pollen und bestimmten Nahrungsmitteln kann es zum Oralen Allergie Syndrom kommen.

Häufigkeit

Pollenallergien im Kindes- und Erwachsenenalter nehmen in den letzten Jahren zu. Daten aus Ost- und Westdeutschland sowie weltweit zeigen dies (Spezialbericht Allergien 2000, European Allergy White Paper 1997, von Mutius 1998, Weißbuch Allergie in Deutschland 2000, Kinder- und Jugendgesundheitssurvey 2007) (siehe unten "Weitere Infos" unter "Häufigkeit").

Nicht eindeutig zu beantworten ist die Frage, warum Allergien und gerade Pollenallergien zunehmen. Ob die Anzahl von pollentragenden und -verbreitenden Pflanzen angestiegen ist, ist nicht klar. Dass der Pollengehalt in der Luft zunimmt, konnte aber verzeichnet werden.

Die Ursachen dafür sind ebenfalls noch nicht geklärt (Frei 1998). Diskutiert wird - gerade in den Städten - ein Zusammenhang mit zunehmendem "Stress" vor allem der Bäume durch Außenluft- und möglicherweise auch Bodenschadstoffe. Dieser Stress führt zu Veränderungen der Pollen und insbesondere der Stärke der Pollenallergene (Schinko 1994, Behrendt 2001, Emberlin 1998, Breiteneder 1998).

Somit ist es möglich, dass bei gleichbleibender Baumanzahl, sich die Pollen- und Allergenmenge, die von diesen Bäumen abgegeben wird, deutlich erhöht und somit für die Betroffenen eine stärkere Symptomatik provoziert wird. Gerade in städtischen Regionen wird hier eine Ursache für die Zunahme intensiverer Pollenbeschwerden gesehen.

Daneben spielen aber auch das Nährstoffangebot und bauliche Bedingungen für die Bäume eine Rolle (Helander 1997). Pflanzen geben ihre Pollen dann ab, wenn die klimatischen Gegebenheiten optimale Bedingungen für eine Verbreitung und Fortpflanzung bieten. Klimatische Veränderungen können somit auch Ursache für veränderten Pollenflug und Änderungen der Beschwerden von Pollenallergikern bedeutsam sein (Krämer 2001).

Diagnosestellung

Wichtig ist die genaue Beobachtung der Beschwerden (Anamnese). Beim Heuschnupfen muss ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Allergenbelastung durch Pollenflug und Symptomen bestehen. Das Führen eines Symptomtagebuchs kann dabei sehr hilfreich sein. Allergietestungen müssen dann den Verdacht auf eine Sensibilisierung gegen die verdächtigten Pollen bestätigen. (Näheres zu entsprechenden Allergietests siehe unten)

Ein positiver Allergietest allein beweist nicht das Vorliegen einer Allergie. Anamnese und Testergebnis müssen zusammenpassen. Nur in fraglichen Fällen muss eine direkte Provokationstestung die Allergie nachweisen oder ausschließen. Dabei wird die Nasenschleimhaut oder die Bindehaut des Auges des Patienten kontrolliert mit dem verdächtigten Allergen in Kontakt gebracht und die auftretenden Reaktionen beobachtet.

Behandlung, Therapie

(siehe auch unter "Weitere Infos" - allgemeine Therapie der allergischen Rhinitis.)

Auslöservermeidung

Auslöservermeidung ist ein wichtiger Baustein der Therapie. Auslöservermeidung umzusetzen ist bei Pollenallergien allerdings nur in geringem Maße und oft nur individuell im häuslichen Bereich möglich.

  • Der Pollenflug weist regional und tageszeitlich unterschiedliche Konzentrationen auf. In den frühen Morgenstunden ist der Pollenflug auf dem Land am stärksten. In der Stadt erreicht er zunehmend höhere Werte in den Vormittagsstunden, in Großstädten wird das Maximum erst abends erreicht. Während dieser Zeit sollten die Fenster in den Wohnräumen geschlossen bleiben.
  • Bei starkem Pollenflug sollte der Aufenthalt im Freien, vor allem in offener Landschaft, vermieden werden. Spaziergänge im Laubwald sind empfehlenswert, da der Blütenstaub dort abgefiltert wird.
  • Regelmäßig, möglichst täglich, abends die Haare ausspülen.
  • Der Pollenallergiker sollte seine Urlaubsplanung so abstimmen, dass er in der Zeit, in der seine allergieauslösenden Pollen fliegen, in einer anderen Klimazone Urlaub macht. Pollenarme Luft findet der Betroffene auf Inseln, am Meer, in Hochgebirgslagen oder in waldigen Gebieten. Der Deutsche Wetterdienst erstellt täglich eine Pollenflugvorhersage, die Interessierte auf der Internetseite tagesaktuell abrufen können. Pollenflug.org bietet eine Vorhersage für ganz Europa an. Klicken Sie hierzu auf der Karte auf das gewünschte Land. Dies erleichtert Pollenallergikern die Reiseplanung.
  • Urlaub auf dem Bauernhof ist oft nicht günstig.
  • Feinstaub aus dem Straßenverkehr kann die Symptome bei Allergikern verschlimmern, indem sich die Staubteilchen an die Pollen haften und deren Wirkung verstärken.

Allein durch gartenbauliche Maßnahmen ist eine Pollenallergenfreiheit der Umgebung nicht zu erreichen. Pollen fliegen Kilometer weit. Andererseits ist aber zu empfehlen, dass für die Auswahl der in Städten zu pflanzenden Bäume auch allergologische Kriterien mit berücksichtigt werden und auf diese Weise, die Allergenbelastung nicht noch zusätzlich erhöht wird.

Medikamentöse Therapie

Pollenallergikern steht eine Vielzahl sehr wirksamer und nebenwirkungsarmer Medikamente zur Verfügung, um vorbeugende und Symptome bekämpfende Behandlungen durchzuführen. Prinzip der Therapie ist frühzeitig vorbeugend eine regelmäßige Schutztherapie mit Medikamenten durchzuführen. Näheres finden Sie in folgenden Artikeln in diesem Portal:

Beschreibungen der Therapie finden sich z.B. auch bei Netdoktor, bei Onmeda oder auch unter www.pollenstiftung.de.

Treten trotz des Schutzes Beschwerden auf, kann mit lindernden Therapien eingegriffen werden (s.u.).

Spezifische Immuntherapie – Hyposensibilisierung

Die akuten Beschwerden der Pollenallergie treten jedoch mit jeder neuen Pollenflugsaison erneut auf. Besser ist daher die eigentliche Ursache der Allergie mit einer spezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, zu bekämpfen.

In der Subkutanen Immuntherapie (SCIT) werden den Betroffenen die Allergenextrakte unter die Haut (subkutan) gespritzt. Ihre Wirksamkeit ist für viele Allergene belegt (Kleine-Tebbe et al. 2009)

Eine relativ neue Therapiemöglichkeit ist die sogenannte sublinguale Immuntherapie (SLIT). Dabei werden die Allergenextrakte als Spray, Tablette oder Tropfen unter die Zunge (sublingual) gegeben, dort eine Weile gehalten und dann geschluckt.

Die Wirksamkeit der SLIT ist für die allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen), ausgelöst durch Gräserpollen, in mehren Studien bewiesen. Für andere Allergene (Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze) sind die Belege noch sehr unzureichend. Zur Behandlung von allergischem Asthma liegen noch nicht genügend Studien für eine Einschätzung der Wirksamkeit vor. Wegen der notdürftigen Datenlage empfiehlt die Leitlinie zur Spezifischen Immuntherapie die SLIT nur dann einzusetzen, wenn die SCIT nicht in Frage kommt (Kleine-Tebbe et al. 2009).

Ausführliche Informationen zur spezifischen Immuntherapie finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Behandlungsmethoden, Prognose und Vorbeugung: Siehe Info-Kasten am Ende dieser Seite.

Autorinnen: Dr. Sabine Schmidt, Eva Theil

Aktualisierung: Judith Linnemann

Stand: Oktober 2010

Quellen und weiterführende Literatur

Behrendt H, Becker WM.: Localization, release and bioavailability of pollen allergens: the influence of environmental factors. Curr Opin Immunol 2001;13(6):709-15.

Breiteneder, H. und Scheiner, O.: Environmental pollution and pollen allergy - a possible link. Allergo J 1998; 7: 271 – 274.

Emberlin, J.: The effects of air pollution on allergenic pollen. European Respiratory Review 1998; 8: 164-167.

Frei, Th.; Oertmann, Ch.; Bergmann, K.-Ch.: Vergleich von Pollenflugdaten und pollenassoziiertem oralem Allergie-Syndrom. Allergologie1998;21 (3): 98-104.

Helander, M.L.; Savolainen, J.; Ahlholm, J. Effects of air pollution and other environmental factors on birch pollen allergens. Allergy 1997; 52 (12): 1207 –1214.

Hüttemann, U. (2006): Feinstaub und die gesundheitlichen Folgen. Gesundheitswesen 2006; 68

Kleine-Tebbe J, Bufe A, Ebner C, Eigenmann P, Friedrichs F, Fuchs Th, Huttegger I, Jung K, Klimek L, Kopp M, Lässig W, Merk H, Niggemann B, Rabe U, Saloga J, Schmid-Grendelmeier P, Sitter H, Virchow J C, Wagenmann M, Wedi B, Worm M: Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. In: Allergo J 2009; 18: 508-537.

Krämer, U.; Link, E.; Behrendt, H.: Geographische und zeitliche Trends der Birken-, Gras- und Beifußpollenbelastung in Deutschland. Pneumologie 2001; 55 (5): 229-230.

Reese, I. (2007): Pseudoallergische Reaktionen - eine aktuelle Standortbestimmung aus Sicht der Diätetik. Allergo Journal Sonderheft 1, 16. Jahrgang, September 2007, S. 45.

Schinko, H.A.E., Medinger, W., Hager, W.: Pollen, Pollenallergene und partikuläre Luftschadstoffe - Aspektewechsel. Allergologie 1994; 17 (11): 514-525.

Spezialbericht Allergien: Gesundheitsberichterstattung des Bundes - Statistisches Bundesamt: Stuttgart: Metzler-Poeschel, 2000 ISBN 3-8246-0612-7.

Stiftung Warentest: Atemberaubend. Test 3/2007, S. 90-93

UCB Institut of Allergy: European Allergy White Paper, UCB 1997.

von Mutius, E.; Weiland, S. K.; Fritzsch, C.; Duhme, H.; Keil, U.: Increasing prevalence of hay fever and atopy among children in Leipzig, East Germany. Lancet 1998; 351: 862-66.

Weißbuch Allergie in Deutschland 2004 / Deutsche Gesellschaft für Allergieund klinische Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). – München: Urban und Vogel Medien- und Medizin-Verlagsgesellschaft ; 2004, ISBN 3-89935-182-37.

Weitere Infos zu diesem Thema:

Häufigkeiten

Nach Angaben des KiGGS (Kinder- und Jugendgesundheitssurvey) aus den Jahren 2006 und 2007 litten 10,7% der Kinder in Deutschland bereits einmal in ihrem Leben an Heuschnupfen.
Jungen (mit 12,5%) erkranken scheinbar häufiger als Mädchen (mit 8,9%).

8,7% der Kinder hatten in den letzten 12 Monaten, das heißt akut Heuschnupfen (Jungen: 10,0%, Mädchen: 7,4%). Bei Mädchen scheint sich Heuschnupfen etwas später zu manifestieren oder wird erst später diagnostiziert.

(Quelle: Schlaud, M., Atzpodien, K., Thierfelder, W. (2007): Allergische Erkrankungen. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). In: Bundesgesundheitsblatt Band 50. Heft 5/6, Mai/Juni 2007. 701-710.)

Bei Erwachsenen wurde in verschiedenen epidemiologischen Studien eine Häufigkeit zwischen 13 und 24 % festgestellt. Bei 30% der Patienten entwickelt sich innerhalb von 10 Jahren ein Asthma bronchiale.

(Quelle:
Weißbuch Allergie in Deutschland 2004 / Deutsche Gesellschaft für Allergieund klinische Immunologie (DGAI), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA), Deutschen Akademie für Allergologie und Umweltmedizin (DAAU). – München: Urban und Vogel Medien- und Medizin-Verlagsgesellschaft ; 2004, ISBN 3-89935-182-37.)

Mögliche Symptome

  • Atemnot, Luftnot
  • Augentränen
  • Bindehautrötung, Konjunktivitis
  • Fließschnupfen
  • Gesichtsschwellung, Quincke Ödem
  • Giemen, Pfeifen
  • Husten
  • Juckreiz
  • Kopfschmerz
  • Lichtscheu
  • Lippenschwellung
  • Quaddeln an der Haut
  • Schnupfen
  • Stockschnupfen

Diagnostik

Stoffe und Auslöser

Behandlung - Therapie

unkonventionelle Behandlungsmethoden

Prognose

Unter ausreichender Therapie und vorallem durch die spezifische Immuntherapie kann die Pollenallergie gut beherrscht werden.

Vorbeugung

Allergieprävention, d.h. die Entstehung von Allergien zu verhindern, wäre die sinnvollste und beste Maßnahme. Die Prävention ist ein vordringliches Arbeitsfeld der Allergologie, weil die Entstehung von Allergien, vor allem aber die Entwicklung allergischer Erkrankungen und deren Verlauf beeinflussbar sind.

Das Thema Allergieprävention ist allerdings sehr komplex und es gibt bisher keine vollkommen sichere und einfache Methode der Allergieentstehung vorzubeugen. Kurze allgemeine Empfehlungen bringen wenig. Die betroffenen Familien brauchen eine Beratung, die auf ihre jeweilige persönliche Situation zugeschnitten ist, intensive Betreuung und Motivation durch allergologisch kompetentes Personal.

Ob ein Kind Allergiker wird oder nicht, ist in starkem Maße vom Erbgut vorgegeben. Insbesondere allergische Erkrankungen der Eltern sind ein Risikofaktor. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, und je häufiger gleiche Erkrankungen auftreten (zum Beispiel, wenn beide Elternteile Asthma haben), desto größer ist das Risiko für Kinder aus dieser Familien, ebenfalls eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Neben der Genetik haben aber auch umweltbedingte Faktoren Einfluss auf die Allergieentstehung.

Einen Überblick über Möglichkeiten der Allergieprävention bietet die ausführliche Information Allergievorbeugung und die neue Evidenzbasierte Leitlinie zur Allergieprävention des Aktionsbündnisses Allergieprävention abap.