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Pseudoallergie

Eine Pseudoallergie beschreibt eine Unverträglichkeitsreaktion, deren Symptome einer klassischen allergischen Reaktion vom Soforttyp ähneln. Allerdings ist eine immunologische Reaktion mit Beteiligung der IgE-Antikörper nicht nachweisbar. Im Gegensatz zur „echten Allergie“, bei der die Reaktion oft schon nach wenigen Minuten einsetzt, treten die Symptome bei der Pseudoallergie mit einer Verzögerung von 4 oder mehr Stunden auf. Die Krankheitszeichen bleiben auch länger, als bei einer Allergie.

Die Unterscheidung zwischen einer „Pseudoallergie“ und einer „echten Allergie“ bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffenen nicht krank sind. Eine Pseudoallergie ist keine eingebildete Krankheit sondern kann genauso schwerwiegende Probleme machen, wie echte Allergien.

Die Ursachen

„Echte Allergie“

Im Fall einer IgE-vermittelten allergischen Reaktion, der „echten Allergie“, kommt es zur Bildung von IgE-Antikörpern (Sensibilisierung). Diese stimulieren die Mastzellen, die wiederum Histamin ausschütten. Das Histamin löst eine allergische Reaktion aus.

Pseudoallergie

Einige Stoffe sind in der Lage, die Mastzellen unspezifisch, also ohne Beteiligung von IgE-Antikörpern, zu aktivieren. In Folge dessen kommt es zu einer Histaminausschüttung und zur pseudoallergischen Reaktion.
Andere Nahrungsmittel enthalten freies Histamin. Dazu gehören einige Fischsorten wie Thunfisch und Sardellen. Im Falle einer Pseudoallergie gelangt das Histamin durch die Darmschleimhaut in den Körper. Wie bei einer „echten Allergie“ löst das Histamin eine pseudoallergische Reaktion aus. Zusätzlich können künstliche Nahrungsmittelzusatzstoffe wie Lebensmittelfarben, Konservierungsmittel, Verdickungsmittel, Aromastoffe und andere Fresszellen aktivieren. Durch diesen Mechanismus verändert sich das umliegende Gewebe was zu allergieähnlichen Erscheinungen führen kann.

Symptome

Am häufigsten zeigt sich eine Pseudoallergie durch folgende Symptome:

  • Juckende Quaddeln (Nesselsucht bzw. Urtikaria)
  • Quincke-Ödem
  • Schnupfen
  • Nasenpolypen (Polyposis nasi)
  • asthmatische Atembeschwerden
  • Magen-Darm-Symptome
  • Kreislaufreaktionen

Auch für die atopische Dermatitis (Neurodermitis) gibt es Hinweise, dass bei einzelnen Patienten Nahrungsmittelinhaltsstoffe die Symptomatik verschlechtern können. Ob es sich bei diesen Reaktionen um allergische oder pseudoallergische Reaktionen handelt, ist noch unklar (Reese et al. 2008). Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (daab) spielen bei einem Drittel der Kinder mit Neurodermitis echte, IgE-vermittelte, Nahrungsmittelallergien eine Rolle, wobei sich diese bis zum Schulalter wieder verlieren können. In verschiedenen Studien wurde jedoch herausgefunden, dass auch typische Pseudoallergene wie künstliche Nahrungsmittel und Zusatzstoffe die Neurodermitis verschlechtern können.

Die Häufigkeit klinisch bedeutsamer pseudoallergischer Reaktionen ist unklar. Die Daten aus der Literatur schwanken sehr stark (Reese et al. 2008).

Auslöser

Neben Medikamenten wie Schmerz- und Rheumamitteln (nicht-steroidale Antiphlogistika), Muskelrelaxantien und Röntgenkontrastmitteln, gelten insbesondere auch verschiedene Nahrungsmittelinhaltsstoffe als Pseudoallergene. Dazu gehören Zusatzstoffe wie Farb- und Konservierungsstoffe, aber auch natürlicherweise darin vorhandene Substanzen wie biogene Amine, Benzoesäureverbindungen und vermutlich Aromastoffe. Auch bestimmte Lebensmittel wie einige Fisch- oder Obstsorten können durch ihren hohen Histamingehalt zu Symptomen führen.

Diagnose

Bei einer Pseudoallergie ist das GlossarImmunsystemhochentwickeltes Abwehrsystem, das vor schädlichen Mikroorganismen der Außenwelt, aber auch vor abnormen Zellen des eigenen Körpers schützt nicht beteiligt, es bildet keine IgE-Antikörper. Daher führt eine Blutuntersuchung nicht zum Ergebnis. Auch Hauttests sind nicht zur Diagnose einer Pseudoallergie geeignet.

Ausschließlich das Weglassen des verdächtigten Stoffes und die anschließende Provokation eignen sich, um die Diagnose sicher zu stellen. Das Verfahren ist recht aufwendig. Wenn die Symptome nicht lang anhalten und nicht erneut auftreten, kann man auf eine Diät zur Diagnosestellung verzichten.

Ziehen sich die Beschwerden jedoch über mehrere Wochen hin, ist eine vierwöchige pseudoallergenarme Kost empfehlenswert. Bei einer chronischen GlossarUrtikaria(Nesselsucht) ein sehr häufig in Erscheinung tretendes Reaktionsmuster der Haut, das durch Quaddeln gekennzeichnet ist und durch verschiedenste innere und äußere Reize ausgelöst werden kann. sind mögliche Diäterfolge allerdings erst nach zwei bis drei Wochen zu erwarten. In sehr schwierigen Fällen kann eine Kartoffel-Reis-Diät über einen begrenzten Zeitraum hilfreich sein. Diese sollte aber nur nach Absprache mit einem Arzt durchführt werden. Insbesondere bei Kindern kann diese Ernährungsform schnell zu Mangelerscheinungen führen. Erst wenn die Beschwerden unter der pseudoallergenarmen Diät abgeklungen sind, kann durch eine gezielte Provokation mit den verdächtigen Auslösern begonnen werden. Manchmal führt die Diät auch zu einer Heilung (Reese et al. 2008). Eine genaue Beschreibung des diagnostischen Vorgehens findet sich in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Tipps für Patienten mit Pseudoallergie gegen Lebensmittelinhaltsstoffe

Überprüfen Sie immer beim Einkauf die Zutatenliste der Produkte und meiden Sie Waren, die Zusatzstoffe und/ oder natürliche Pseudoallergene enthalten.

Hinweise auf mögliche Pseudoallergene in der Zutatenliste von Lebensmitteln: E100 – E1518, Farbstoff, Konservierungsstoff, Geliermittel, Verdickungsmittel, Feuchthaltemittel, Emulgator, Geschmacksverstärker (Glutamat), Antioxidationsmittel, Trennmittel, Überzugsmittel, Süßungsmittel/ Süßstoff, Backtriebmittel, Festigungsmittel, Mehlbehandlungsmittel, modifizierte Stärke, Schaummittel, Schaumverhüter, Schmelzsalz, Stabilisator, Aroma(-stoffe).

Lücken und Tücken der Kennzeichnungsverordnung

Folgende Lebensmittel können Zusatzstoffe enthalten, ohne dass diese deklariert sind:

  • unverpackte, verarbeitete Lebensmittel (z.B. Brot, Kuchen, Kekse, Wurst, Feinkostsalate)
  • Kartoffelprodukte (Kroketten, Pommes frites, vorgeschälte Kartoffeln etc.)
  • viele alkoholische Getränke
  • Schokolade, Pralinen etc.
  • Lebensmittel mit zusammengesetzten Zutaten (z.B. Fruchtzubereitung in Joghurt)

Daneben sind auch Unverträglichkeitsreaktionen gegen natürliche Stoffe (Laktoseintoleranz, Histaminintoleranz - Histaminose usw.) möglich.

Eine umfassende und individuelle Ernährungsberatung ist wichtig.

Autorin: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann

Stand: August 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Quellen und weitere Details

Deutscher Allergie- und Asthmabund: Neurodermitis und Ernährung. Zuletzt aufgerufen im August 2011.

Lebensmittelauswahl bei Pseudoallergie. In: Zur Nahrungsmittelallergie: Diätvorschläge und Positionspapiere für Diagnostik und Therapie. Herausgegeben von Thomas Werfel und Imke Reese. 2003 Dustri Verlag Dr. Karl Feistle, München-Deisenhofen. ISBN 3-87185-335-6.

Reese I et al. (2008): Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudoallergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft Allergologie und klinische Immunologie, dem Ärzteverband Deutscher Allergologen und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie . Online verfügbar. Zuletzt abgerufen im August 2011.

Wüthrich, B: Zur Nahrungsmittelallergie: Begriffsbestimmung, Diagnostik, Epidemiologie, Klinik.
Schweizer Medizinische Wochenschrift 1996, 126, S.770-776

Weitere Infos zu diesem Thema:

Mögliche Symptome

  • Augentränen
  • Bindehautrötung, Konjunktivitis
  • Ekzem (gerötete, schuppende auch nässende entzündliche Hautveränderung)
  • fleckiger Hautausschlag, Exanthem
  • Gesichtsschwellung, Quincke Ödem
  • Husten
  • Juckreiz
  • Lippenschwellung
  • Quaddeln an der Haut
  • Schnupfen
  • Stockschnupfen
  • Übelkeit

Diagnostik

Stoffe und Auslöser

Behandlung - Therapie