Seit Jahrzehnten ist schon bekannt, dass von Zecken und ihren Stichen eine Gefahr für den Menschen ausgeht. Doch erst seit den 80er Jahren wird diese Gefahr bewusst wahrgenommen. Die wohl wichtigsten durch Zecken übertragbaren Krankheiten in Deutschland sind die Lyme-Borreliose und FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).
Zecken gehören zu den Spinnentieren und sind bis zu 4 mm groß. Sie sind blutsaugende Parasiten mit Beißwerkzeugen und einem Saugrüssel. Unter den weltweit rund 650-800 Zeckenarten ist der in unseren Breiten bekannteste Vertreter die Schildzecke „gemeiner Holzbock“. Schildzecken halten sich meist im Gestrüpp, in hohem Gras oder im Unterholz auf. Sie befinden sich auf Höhe des potentiellen Wirtes und werden abgestreift, wenn dieser durch das Gras wandert. Zecken sind meist zwischen März und Oktober aktiv. In Höhen oberhalb von 1000 Metern kommen sie nicht vor.
Viele interessante Informationen zu Zecken finden sich in der interaktiven Darstellung bei www.zecken.de.
Zecken sind Blutsauger. Um dieses zu gewinnen, stechen sie oberflächlich in die Haut ihres Wirtes, geben ein Sekret ab, das unter anderem gerinnungshemmend und betäubend wirkt und „lecken“ das austretende Blut auf. Nach dem Blutsaugen können Zecken bis zu 3 cm groß sein.
Die meisten Zeckenstiche bleiben ohne Folge, Zecken können jedoch zum Überträger von Viren und Bakterien werden. Sie können also durch ihren Stich die verschiedensten Infektionskrankheiten auf den Menschen und alle möglichen Wirbeltierarten übertragen. Einige Erreger wie FSME-Viren befinden sich in dem Speichel der Zecke. Andere, unter anderem die Spirochäten, die Borreliose auslösen, befinden sich in ihrem Darm.
Die Erreger, die sich im Darm einer infizierten Zecke befinden, werden nicht unbedingt sofort, sondern mitunter erst nach einigen Stunden (bei der Borreliose zum Beispiel in der Regel in einem Zeitfenster von 8 bis 24 Stunden nach dem Einstich) auf den Menschen übertragen. Deshalb sollte eine Zecke rasch entfernt werden. Die sich im Speichel einer Zecke befindlichen Erreger hingegen gelangen direkt mit dem Stich in den Körper des Wirtes. Die richtige Entfernung einer Zecke wird hier gezeigt.
10-30% aller Zecken sind mit dem Borreliose-Erreger infiziert, bis zu 5% der Zecken in Risikogebieten tragen den FSME-Erreger in sich.
Die Lyme-Borreliose ist in Deutschland die am häufigsten von Zecken übertragene Krankheit.
Erreger der Lyme-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi, von dem in Europa mehrere Subtypen auftreten. Diese werden häufig von Zecken übertragen und kommen in allen Teilen Deutschlands sowie in Städten und ländlichen Gebieten vor. Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts liegt die Wahrscheinlichkeit, nach einer in Deutschland erlittenen Zeckenattacke an Borreliose zu erkranken, bei 1 zu 300 und steigt mit der Dauer des Saugaktes. Die Borreliose unterliegt zwar auch dem Infektionsschutzgesetz, sie ist jedoch nur in den neuen Bundesländern meldepflichtig.
Nicht jede Borreliose verläuft schlimm: Etwa 80% der Infektionen verlaufen unbemerkt. Wenn die Zecke innerhalb von 24 Stunden bemerkt und sachgerecht entfernt wird, kommt es meist nicht zu einer Übertragung.
Die Infektionen, die zu einer Erkrankung führen, lassen sich in Stadien einteilen:
Im 1. Stadium (nach 5-29 Tagen) tritt häufig eine sich ausbreitende Hautrötung rund um die Einstichstelle herum auf. Diese Wanderröte ist ein sehr deutliches Zeichen für das Vorliegen einer Borreliose-Infektion, ist aber nur bei ca. 50% der Infizierten zu sehen. In diesem Stadium verspricht eine Antibiotika-Behandlung eine hohe Heilungsquote.
Im 2. Stadium (nach bis zu 12 Wochen) verursacht die Ausbreitung der Erreger im Körper grippeartige Symptome. Außerdem können Organe, Gelenke und Muskeln befallen sein, was Schmerzen und Beschwerden verursacht. Auch Sehstörungen und Herzprobleme können auftreten.
Wenn sie unbehandelt bleibt, kann die Borreliose in einigen Fällen auch fortschreitend und langwierig verlaufen. Das heißt, dass sie über Jahre hinweg immer wieder zum Vorschein kommt. In der Regel treten dann schwere Erkrankungen auf, die sich im Laufe der Jahre zunehmend verschlimmern, zwischendurch aber auch lange Zeit verschwunden sein können. Diese chronische Infektion gilt als 3. Stadium.
Die unterschiedlichen Erregertypen scheinen verschiedene Krankheitsbilder auszulösen. Bei einem Teil der Patienten sind fast nur die Gelenke betroffen, bei anderen kommt es hauptsächlich zu neurologischen Störungen. Wieder andere Patienten haben Herzprobleme. Viele Borreliose Patienten klagen über eine unerträgliche Erschöpftheit und Müdigkeit, die sich auch durch ausreichend Schlaf nicht beseitigen lässt.
In einigen Fällen zeigt eine Lyme-Borreliose so klare Symptome und Zusammenhänge, dass die Diagnose allein durch die Anamnese (Befragung) vom Arzt gestellt werden kann. Die Diagnose kann jedoch auch schwierig werden. Denn da die Symptome oft zeitlich verzögert auftreten, erinnern sich die Patienten oft gar nicht daran, von einer Zecke gestochen worden zu sein. Zudem können die Symptome sehr unspezifisch sein.
Die vom Arzt durch die Anamnese und die körperliche Untersuchung gestellte Diagnose kann mit Bluttests im Labor bestätigt werden. Diese werden zum Beispiel gemacht, wenn die typische Wanderröte fehlt. Bei diesen Bluttests wird das Blut auf Antikörper gegenüber Borrelien-Proteinen untersucht. Es wird zunächst ein Suchtest durchgeführt, dessen Ergebnis wird danach mit einem Bestätigungstest noch einmal geprüft. Die Tests können jedoch nicht zeigen, ob ein Patient nur die Erreger im Körper trägt oder tatsächlich erkrankt ist.
Die Aussagekraft solcher immunologischer Tests hängt von dem Stadium der Erkrankung ab. Im ersten Stadium ist ein Test meist unnütz, da oftmals noch keine Antikörper gebildet wurden.
Die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. hat im November 2010 eine Stellungnahme "Klinisch gesteuerte rationale Borreliose-Diagnostik" veröffentlicht, die sich an die Fachöffentlichkeit und an gut informierte Betroffene wendet (DAKJ 2010, download).
Wird aufgrund der Symptome (nicht allein aufgrund der Laborwerte) eine Lyme-Borreliose diagnostiziert, sollte ärztlicherseits eine Behandlung mit geeigneten Antibiotika erfolgen.
Der FSME-Virus gehört zu den Flaviviren und wird von Zecken übertragen. In Deutschland ist der Nachweis von FSME-Viren meldepflichtig.
Für die Frühsommer-Meningoenzephalitis existieren Risiko- und Hochrisikogebiete, in denen bis zu 5% der Zecken mit dem Virus infiziert sind. In Deutschland gelten die meisten Landkreise Baden-Württembergs und Bayerns sowie einzelne Kreise in Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen als Risikogebiete. Hochrisikogebiete sind der Schwarzwald in Südbaden, die Bergstraße und die Gegend um Passau.
Eine Karte der FSME-Risikogebiete mit ausführlichen Informationen (pdf-Datei) finden Sie hier.
Bei einem Großteil (ca. 70-90%) der Infizierten verläuft die Infektion unbemerkt, 10-30% der Infizierten erkranken. Nach 7-14 Tagen zeigen sich bei den erkrankten Personen grippeähnliche Symptome und Fieber, die sich jedoch wieder zurückbilden.
Bei wiederum 10% der symptomatischen Patienten kommt es nach ca. einer Woche zu einem erneuten Fiebergipfel. Zudem treten Zeichen einer Hirnhautentzündung auf, die mit sehr starken Kopfschmerzen, Erbrechen und Hirnhautreizung einhergeht und in der Folge zu Lähmungen und Bewusstlosigkeit führen kann. Die Symptome können monatelang anhalten, aber auch dann kann die Krankheit noch völlig ausheilen. In einigen Fällen jedoch bleiben Schäden und Defizite wie Lähmungen, Gleichgewichts- und Hörstörungen, Epilepsien sowie Konzentrationsschwäche zurück. Erkrankte Personen sind nicht ansteckend.
Eine ursächliche Behandlung der FSME ist nicht möglich. Ist eine Erkrankung eingetreten, werden die Symptome behandelt.
Es gibt jedoch eine aktive Impfung als vorbeugende Maßnahme. Sie wird für alle Personen empfohlen, die sich in Risikogebieten aufhalten und durch ihr Verhalten einen Kontakt zu Zecken möglich machen und bei denen somit das Risiko für einen Zeckenstich besteht (z.B. längerer Aufenthalt in Wald und Wiesen).
Die Impfung gegen FSME ist ein Totimpfstoff. Er enthält FSME-Viren, die keine Krankheit mehr auslösen können. Zur Herstellung des Impfstoffs wird das Virus in angebrüteten Hühnereiern vermehrt, anschließend mit Formaldehyd inaktiviert und durch Zentrifugation konzentriert. Der Impfstoff wird gespritzt.
Wie oft muss man impfen?
Die FSME-Impfung besteht aus drei Injektionen. Die ersten beiden Impfungen werden innerhalb von ein bis drei Monaten verabreicht, die dritte Spritze folgt nach neun bis zwölf Monaten. Der Schutz beginnt in der Regel etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung und hält bei Personen unter 60 Jahren etwa fünf Jahre an. Ältere Menschen sollten schon nach drei Jahren eine Auffrischungsimpfung erhalten.
Für eine kurzfristige Immunisierung kann man die zweite Impfung schon nach einer Woche geben, die dritte folgt dann zwei Wochen später. Der Impfschutz besteht in diesem Fall erst nach der dritten Impfung und hält nur 12 bis 18 Monate an. Für einen Langzeitschutz von fünf Jahren muss daher nach 12 Monaten eine vierte Impfung erfolgen.
Für die Erhaltung des Impfschutzes genügt nach der Grundimmunisierung eine Impfung alle fünf Jahre.
Impfungen für Kleinkinder?
Die Impfung ist für Kinder ab dem 1. Lebensjahr möglich. Jedoch führt die Immunisierung bei Kindern unter drei Jahren häufiger zu Fieber als bei älteren Kindern. Die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) empfiehlt bei ein- oder zweijährigen Kindern die Notwendigkeit einer Impfung mit dem Arzt zu besprechen.
Dem Robert Koch-Institut wurden im Fünfjahreszeitraum von 2001 bis 2005 über 1000 FSME-Fälle gemeldet, hierunter waren nur 21 Kinder, die noch keine fünf Jahre alt waren.
Kinder, die noch keine zwei Jahre alt sind, halten sich für gewöhnlich nicht im Gestrüpp, im hohen Gras oder im Unterholz auf. Ein Zeckenbiss ist daher in dieser Altersgruppe relativ unwahrscheinlich. Ausnahmen sollten mit dem impfenden Kinderarzt besprochen werden.
Weitere Informationen: Häufig gestellte Fragen an die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut)
In unseren Breiten wurden - wenn auch sehr selten - folgende Erreger und durch Zecken übertragene Infektionskrankheiten gefunden:
Weltweit übertragen Zecken noch mehr als 50 weitere Krankheiten. Neben dem Menschen können auch Tiere nach einem Zeckenstich erkranken.
Bevor die Zecke ihre Nahrung aufnimmt, spritzt sie Speichel in ihr Opfer hinein. Für das
Immunsystemhochentwickeltes Abwehrsystem, das vor schädlichen Mikroorganismen der Außenwelt, aber auch vor abnormen Zellen des eigenen Körpers schützt des Nahrungsopfers ist dieser ein Fremdkörper, so dass allergische Reaktionen auftreten können.
Empfehlungen zur Vorbeugung finden Sie im Info-Kasten am Ende der Seite.
Autor: Eva Theil, B.Sc. of Health Communication, Dr. M. Otto, J. Linnemann
Stand: Mai 2011
Nächste Aktualisierung: Mai 2012
Adlhoch, C. und Poggensee, G. (2010): Lyme-Borreliose: ein Situationsbericht aus den sechs östlichen Bundesländern 2007 - 2009. UMID Heft 2 (2010) S. 5 - 8
Auswärtiges Amt (Gesundheitsdienst) (2007): Borreliose-Merkblatt. www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Gesundheitsdienst/Symposien/XIII/Kimmig.pdf
Borreliose- und FSME-Bund Deutschland (2007): Zeckenstich – Was nun? www.bfbd.de/de/zeckenstich-was-nun.html
Bundesinstitut für Risikobewertung (2001): Kurze Beschreibung bedeutender durch Zecken übertragener Krankheiten. www.bfr.bund.de/cd/542
Bundesverband Zeckenkrankheiten e.V.: Durch Zecken übertragbare Krankheiten. www.bzk-online.de/index.php?content=krankheiten
DAKJ Nov. 2010): Stellungnahme "Klinisch gesteuerte rationale Borreliose-Diagnostik. siehe www.dakj.de (linker Rahmen). Abgerufen im Februar 2011.
Deutsches Ärzteblatt (2007): Zeckengefahr verbreiteter, früher und intensiver denn je. http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=27871
Hofmann, F (2011): Impfindikation der FSME-Impfung bei Kleinkindern. In: Kinder- und Jugendarzt 42 (4), S. 238.
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Robert Koch-Institut (2006): FSME: Zum aktuellen Vorkommen in Deutschland. In: Epidemiologisches Bulletin 17, 28.04.2006, S. 128-139
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Robert Koch-Institut (2007): Informationen und Links zur Borreliose. www.rki.de/cln_151/Zecken
Stiftung Warentest (2008): Wirkstoffe von Zeckenmitteln www.test.de/themen/gesundheit-kosmetik
Stiftung Warentest (2008): Test Zeckenmittel (Mai 2008) www.test.de/presse/filmmaterial/zeckenschutzmittel/
Wikipedia-Artikel zum Thema Zeckenstich: http://de.wikipedia.org/wiki/Zeckenstich
Wikipedia-Artikel zum Thema Lyme-Borreliose: http://de.wikipedia.org/wiki/Lyme-Borreliose
Wikipedia-Artikel zum Thema FSME: http://de.wikipedia.org/wiki/Frühsommer-Meningoenzephalitis
FSME: Im Jahre 2001 wurden 22 Fälle gemeldet, im Jahr 2005 waren es bereits 432 Fälle und im Jahr 2006 stieg die Zahl auf 546 Fälle an. In den letzten Jahren wird in Deutschland ein leichter Abfall der FSME Erkrankungen beobachtet. So wurden in 2009 insgesamt 313 Fälle an das RKI gemeldet (Quelle: Epidemiologisches Bulletin 17/2010).