Asbest und Künstliche Mineralfasern

Beschreibung

Asbest

Das griechische Wort "asbestos” (unauslöschlich, unvergänglich) bezeichnet die wichtigsten Eigenschaften dieses natürlich vorkommenden Minerals: Es ist nicht brennbar, chemisch beständig, fault und korrodiert nicht und eignet sich somit gut als Brandschutz- und Isoliermaterial.

Künstliche Mineralfasern

In der Umweltmedizin werden darunter glasige Fasern verstanden, die bei hoher Temperatur synthetisch erzeugt werden. Je nach Ausgangsmaterial bezeichnet man sie als Glaswolle, Steinwolle oder Schlackenwolle. Zu den glasigen Fasern gehören auch keramische Fasern. Kristalline Fasern bilden eine eigenständige Gruppe.

Vorkommen/Verwendung

Asbest

Im Baubereich kamen Asbestzementprodukte mit einem Asbestanteil von ca. 10 – 15% und vor seinem Verbot auch Spritzasbest (Asbestanteil > 60%) zum Einsatz. Im Asbestzement sind die Asbestfasern recht fest gebunden, während dies beim Spritzasbest nicht der Fall ist.

Asbestzement wurde vorwiegend zur Herstellung von Dach-, Fassaden- und Bauplatten sowie von Wasserleitungsrohren und Blumenkästen genutzt. Spritzasbest wurde zu Brandschutzzwecken und zur Hohlraumversiegelung verwendet. Die Bauindustrie verzichtet seit 1991 weitgehend auf den Einsatz von Asbestprodukten. Gelegentlich finden sich asbesthaltige Produkte noch im Haushalt, obgleich ihre Produktion längst eingestellt wurde. Es geht hier beispielsweise um Hitzeschilde aus Asbestpappe, Schweißpappen für Lötarbeiten, um Fußbodenbeläge mit Asbestunterlage ("Cushion-Vinyl-Fußbodenbelag") oder auch um Fußbodenplatten mit Asbest als Füllstoff (quadratische "Flexplatten" 25x25 oder 30x30 cm) (Stiftung Warentest 2002).  Cushion-Vinyl-Produkte wurden auch als Wandbelag verklebt. Nachtspeicheröfen, Bügeleisen und Toaster älteren Herstellungsdatums können gleichfalls Asbest enthalten. Eine Datenbank im Internet gibt Auskunft, ob ein Nachtspeicherofen möglicherweise asbestbelastet ist. Die für die Recherche notwendige Typenbezeichnung findet sich meist auf dem Typenschild. Als grobe Faustregel gilt, daß Nachtspeicheröfen, die nach 1977 hergestellt wurden, wahrscheinlich asbestfrei sind.

Relativ aktuell ist die Diskussion um den Asbestgehalt in Speckstein, einem Mineral, das in Schulen und Kindergärten zum gestalterischen Arbeiten verwendet wird.

Künstliche Mineralfasern

Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind die Wärme- und die Schalldämmung, beispielsweise zur Wärmeisolierung von Gebäuden, Rohrleitungen oder Warmwasserspeichern. Hier kommen künstliche Mineralfasern als Vliese, Filze, Matten oder auch als lose Mineralwolle zum Einsatz.

Gesundheitsrisiken

Allgemeines zu Mineralfasern

Mineralfasern können über die Atemluft in die Lunge gelangen und sich dort festsetzen. Dies geschieht jedoch nur bei sehr kleinen Faserdurchmessern, die nicht mehr als 3 Mikrometer betragen. Die Ablagerung in der Lunge ist bei Durchmessern zwischen 0,5 und 1 Mikrometer am größten. Für den Abtransport von Fremdpartikeln aus der Lunge sind so genannte Fresszellen (Makrophagen) verantwortlich. Je größer die Biobeständigkeit einer Mineralfaser ist, desto länger verbleibt sie in der Lunge.

Für den Blauasbest (Krokydolith) beträgt die Halbwertzeit etwa 700 Tage, für Fasern aus "alter” Steinwolle 300 Tage und für Fasern aus "neuer” Steinwolle nur noch 60 Tage. Gipsfasern, die als nicht krebserzeugend angesehen werden, weisen eine Halbwertzeit von weniger als 30 Tagen auf. Die Halbwertzeit gibt an, in welcher Zeit sich die Zahl der Fasern im Gewebe um die Hälfte verringert.

Asbestfasern

Die ständige Reizung des Lungengewebes durch abgelagerte Asbestfasern kann zu einer Asbestose und zu Krebserkrankungen der Lunge, des Rippen- und Brustfells (Pleura), sowie des Bauchfells (Peritoneum) führen. Die Asbestose ist als Berufskrankheit anerkannt und wird fast ausschließlich bei Asbestarbeitern beobachtet, die über viele Jahre hinweg hohen Asbestkonzentrationen am Arbeitsplatz ausgesetzt waren. Es handelt sich um eine GlossarFibroseVermehrung des Bindegewebes von Lunge und Pleura. Ebenfalls nach langer beruflicher Exposition können Lungenkrebserkrankungen entstehen. Das Risiko ist etwa um den Faktor 5 höher als in der Normalbevölkerung.

Rauchen erhöht bei asbestbelasteten Personen das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, zusätzlich um den Faktor 10. Schließlich können sich nach über 15jährigen – und zum Teil deutlich längeren – Latenzzeiten so genannte Pleuramesotheliome (Tumore des Bauch- und Rippenfells) entwickeln.

Die stärkste krebsauslösende Wirkung haben Asbestfasern mit mehr als 8 Mikrometer Länge und einem Durchmesser von weniger als 0,25 Mikrometer. Fasern über 5 Mikrometer Länge und mit einem Längen-Breiten-Verhältnis über 3 gelten als "kritische Fasern”:

Künstliche Mineralfasern

Zunächst kann angenommen werden, dass von jeder atembaren, hinreichend langen und dünnen Faser mit hoher Biobeständigkeit eine krebserzeugende Wirkung ausgehen kann. Bisherige epidemiologische Studien an Arbeitern, die mit der Produktion von Mineralfasern beschäftigt waren, kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Tierversuche, die allerdings oft mit einer sehr hohen Faserbelastung durchgeführt wurden, weisen auf eine kanzerogene Wirkung vieler künstlicher Mineralfasern hin. Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) hat alle vor 1997 hergestellten Fasern als prinzipiell krebsverdächtig eingestuft. Bei künstlichen Mineralfasern, die vor 1997 eingebaut wurden, kann es sich also möglicherweise um gesundheitlich bedenkliche Produkte handeln.

Ob eine tatsächliche Gefährdung vorliegt, hängt nicht nur vom einzelnen Produkt ab, sondern auch von der Höhe der Belastung. Eine Gleichsetzung mit der Asbestproblematik ist allerdings unzulässig: Künstliche Mineralfasern unterscheiden sich von Asbestfasern unter anderem im Hinblick auf die Feinstaubentwicklung und das Spaltverhalten. Hersteller von Dämmmaterialien auf der Basis künstlicher Mineralfasern haben zwischenzeitlich Produkte entwickelt, die als nichtkrebserzeugend eingestuft werden können.

Analytik

Asbest und künstliche Mineralfasern

Um die Faserkonzentration in der Luft zu bestimmen, wird eine bestimmte Luftmenge durch spezielle Filter geleitet. Anschließend wird mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops die Zahl der auf den Filtern abgeschiedenen Fasern bestimmt. Mit Hilfe der so genannten energiedispersiven Röntgenmikroanalyse wird auch die chemische Zusammensetzung der Fasern ermittelt.

Die Untersuchungen sind analytisch aufwendig und unterliegen in Abhängigkeit von der Raumnutzung großen Schwankungen. Bei Verdacht auf asbesthaltige Materialien ist es daher für den Verbraucher meist sinnvoller, eine Ortsbegehung durch fachkundige Personen und/oder eine Materialanalyse fraglicher Gegenstände zu veranlassen.

Biomonitoring

Ein Biomonitoring im üblichen Sinne ist bei Asbest und künstlichen Mineralfasern nicht möglich.

Grenzwerte/Richtwerte/Vorsorgewerte

Für Asbest im Innenraum existiert kein Grenzwert. Der Sanierungsbedarf richtet sich nach einem in der Asbestrichtlinie festgelegten Punktesystem. In die Bewertung der von der Asbestquelle ausgehenden Gefahr gehen dabei unter anderem die Asbestart, die Lage und der Zustand des Asbestprodukts und Angaben zur Raumnutzung ein.

Vorbeugung/Sanierung

Asbest

Zur Asbestsanierung und -entsorgung liegen eindeutige und ausführliche gesetzliche Vorschriften vor, auf die an dieser Stelle verwiesen wird (Asbestrichtlinie NRW, Bayerisches Landesamt für Umwelt: Infoblatt Asbesthaltige Abfälle vom Dez. 2009).

Eine unsachgemäße (private) Entfernung asbesthaltiger Materialien kann mit erheblichen Gesundheitsgefahren verbunden sein. Praktische Ratschläge aus Verbrauchersicht enthält die Publikation "Wohnen ohne Gift” der Stiftung Warentest (2002).

Zur Specksteinproblematik liegt ein eigener Informationstext vor.

Künstliche Mineralfasern

Die von künstlichen Mineralfasern ausgehende mögliche Gefährdung wird von Fachleuten als gering erachtet, sofern die Dämmmaterialien im Wohnbereich ordnungsgemäß angebracht wurden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sie sich im Innenraum hinter einer dichten Verkleidung aus Gipskarton, Holzpaneelen oder Folien befinden. Erhöhte Konzentrationen an künstlichen Mineralfasern finden sich dann, wenn Produkte aus Mineralwolle im Luftaustausch mit dem Innenraum stehen, beispielsweise bei abgehängten Decken ohne Rieselschutz.

Deutliche Erhöhungen findet man bei bautechnischen Mängeln und während der Verarbeitung von Mineralwolleprodukten im Innenraum.Grundsätzlich wird empfohlen, den Einbau derartiger Produkte von Fachfirmen vornehmen zu lassen. Falls Heimwerker Mineralwolleprodukte selbst verarbeiten wollen, sollten bestimmte Hinweise (TMSG 1999) beachtet werden.

Für nach 1997 eingebaute Produkte besteht kein Handlungsbedarf. Für Mineralwolldämmstoffe, die bereits vor 1997 in öffentliche Gebäude eingebaut wurden, liegt ein Handlungsschema vor (vgl. Fromme, Dybowski und Beyer 2002).

Ein Überblick über alternative Dämmstoffe findet sich z.B. in der Verbraucherzeitschrift Öko-Test (Heft 11/2005 und Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2008). Dort findet sich auch ein Hinweis auf Gütesiegel im Dämmstoffbereich.

Autoren: Prof. K. E. von Mühlendahl, Dr. M. Otto
 
Stand: Juni 2010
 
Nächste Aktualisierung: Juni 2011
Quellen und weiterführende Literatur

Bayerisches Landesamt für Umwelt (2004): Asbest (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

Bundesamt für Gesundheit (Schweiz) (2010): Asbest www.bag.admin.ch/themen/chemikalien/00228/00504/index.html?lang=de

Fromme, H., S. Dybowski und A. Beyer (2002): Künstliche Mineralfasern (KMF) in Gebäuden aus Sicht des Gesundheitsschutzes. In: Aktuelles 2/02 zum Springer Loseblatt-System "Praktische Umweltmedizin”. Hrsg.: A. Beyer, D. Eis. Springer Verlag

KAT Umweltberatung GmbH www.katumwelt.de/icheck/cbss1.htm#a6 (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

KAT Umweltberatung GmbH www.katumwelt.de/icheck/dokumente/asbestrichtlinie-nrw.htm (Asbestrichtlinie NRW) (zuletzt aufgerufen im Juni 2010)

Öko-Test: Dachdämmstoffe. Zeitschrift Öko-Test  Heft 11 (2005) S. 134 - 141 und "Jahrbuch Bauen, Wohnen, Renovieren für 2008.

Schneider, J., K. Rödelsperger, H.-J. Woitowitz (1998): Staub und Staubinhaltsstoffe/Asbest. In: Wichmann, Schlipköter, Fülgraff (Hrsg.) Handbuch Umweltmedizin. 13. Erg. Lfg. 5/98

Stiftung Warentest (2002): Wohnen ohne Gift: sanieren, renovieren und einrichten. Stiftung Warentest, Berlin; S. 74 ff

Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit (TMSG) Gefahrstoff-Information  Künstliche Mineralfasern (1999, 2. Auflage)

Weitere Infos zu diesem Thema:

 

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