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Birkenfeige

Die Birkenfeige (Ficus benjamina) gehört zur Pflanzenfamilie der Moraceae, zu der auch der Indische Gummibaum (Ficus elastica) oder der Feigenbaum (Ficus caria) gehören (Bircher 1995, Hausen 1997, Wikipedia). Die Birkenfeige ist eine beliebte Grünpflanze, die weite Verbreitung als Zimmerpflanze gefunden hat und häufig auch zur Dekoration von Büros, Krankenhäusern und öffentlichen Gebäuden verwendet wird.

Allergene der Birkenfeige

Bildquelle: www.pixelio.de
Die Allergene der Birkenfeige finden sich im Pflanzensaft und auf den Blättern. Der Pflanzensaft wird als „Latex“ bezeichnet. Die Allergene können auch im Staub der Blätter und auf dem Fußboden von Räumen gefunden werden, in denen sich die Pflanzen befinden. Im Pflanzensaft der Birkenfeige ließen sich 11 Allergene identifizieren. Drei dieser Allergene erfüllten die Kriterien eines Majorallergens (50Prozent der untersuchten Blutproben reagierten mit diesen Allergenen). Diese Allergene waren sehr stabil und ließen sich erst bei Temperaturen zwischen 60 bis 90 Grad Celsius durch Hitze zerstören (Axelsson 1990). Innerhalb der Ficusarten haben die Sorten mit vielen kleinen Blättern stärkere Allergene (Axelsson 1991).

Sehr starke Ähnlichkeit der Allergene (Kreuzreaktionen) bestehen:

  • zwischen den verschiedenen Ficusarten,
  • zwischen den Ficusarten und den Früchten des Feigenbaums (Ficus caria), den Feigen,
  • zwischen Fruchtenzymen (Papain) der Feige, die zum Beispiel auch in Kiwis, Ananas und Papaja zu finden sind (Diez-Gomez 1998, van Ginkel 1997) und
  • zwischen Ficusallergenen und Naturlatex (Brehler 1998, Hovanec-Burns 1994, van Ginkel 1997).

Allergiegefährdung durch Birkenfeigenallergene

Eine Typ I Allergie gegen Birkenfeige wurde zunächst im Rahmen von Berufsallergien bei Gärtnern und Floristen beobachtet (Axelsson 1985). Durch die ausgeprägte berufsbedingte Belastung mit Birkenfeigenallergenen haben Gärtner und Floristen das höchste Risiko einer Sensibilisierung. In den Untersuchungen von Axelsson (Axelsson 1987a, Axelsson 1995) sind circa ein Viertel der Beschäftigten dieser Berufsgruppen sensibilisiert, d.h. sie haben IgE-Antikörper gegen Birkenfeigen. Bei den meisten dieser Sensibilisierten traten Beschwerden eines allergischen Schnupfens und einer Bindehautentzündung (allergische Rhinokonjunktivitis) auf.

Neben der beruflichen Allergenbelastung haben Menschen mit einer verstärkten Allergieneigung und Patienten mit allergischen Erkrankungen (Atopiker) ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Birkenfeigen-Sensibilisierung. 359 Patienten einer Allergieklinik in Schweden, die Symptome einer Atemwegsallergie aufwiesen, wurden auf eine Birkenfeigen-Allergie untersucht. 56% waren Allergiker und ca. die Hälfte von ihnen hatte Kontakt mit Birkenfeigen. 13 dieser Patienten wiesen einen positiven Prick- und RAST-Test auf Birkenfeigen-Allergene auf. Für circa 6 Prozent der Allergiepatienten, die mit Birkenfeigen Kontakt haben, errechneten die Autoren ein Risiko, dadurch sensibilisiert zu werden. Ungefähr die Hälfte dieser Patienten entwickeln durch diese Sensibilisierung auch Allergiesymptome (Axelsson 1987b).

Auch Bircher fand in seiner Untersuchung bei 146 Patienten seiner Klinik in der Schweiz in 7,6 Prozent positive Reaktionen auf Birkenfeige (Bircher 1993, 1995). Wiederum 50 Prozent dieser Patienten hatten auch Symptome (Rhinokonjunktivitis, Asthma, Gesichtsödeme und Kontakturtikaria (Hautquaddeln durch Allergenkontakt) (Bircher 1993).

Birkenfeige- und Naturlatexallergie

Brehler konnte in seiner Untersuchung bei 346 Patienten einer Allergieklinik bei 23 (6,6 Prozent) eine Sensibilisierung gegen Ficus-Allergene nachweisen. 13 davon waren ebenfalls auf Naturlatex sensibilisiert. 10 (2,8 Prozent) nur auf Birkenfeige, nicht auf Naturlatex. 6 dieser 10 Patienten wiesen eine Birkenfeigenallergie mit Symptomen einer Rhinokonjunktivitis, Asthma oder Kontakturtikaria auf (Brehler 1998). Die Mehrzahl der Patienten mit Sensibilisierung gegen Birkenfeigen hatte eine Vorgeschichte mit Allergien (75 Prozent der nur gegen Ficus bzw. 92 Prozent der gegen Ficus und Naturlatex Sensibilisierten). Die nur gegen Birkenfeigen sensibilisierten Patienten waren alle Frauen (Brehler 1998).

Diagnosestellung

Die Hauttests werden mit frischer Latexmilch aus Ficus benjamina-Blättern durchgeführt. Dieser Extrakt kann bei einigen Patienten auch Hautreizungen hervorrufen, so dass auch die Bestimmung von IgE-Antikörpern gegen Ficus benjamina sinnvoll ist.

Zusammenfassung und vorbeugende Empfehlung

Die weite Verbreitung der Birkenfeige als Zimmerpflanze macht sie zu einem bedeutenden Innenraumallergen. Hauptrisikogruppen sind insbesondere Menschen mit berufsbedingtem Allergenkontakt und Allergiker. Unter den Allergiepatienten wiederum stärker die mit einer Sensibilisierung gegen Naturlatex und zwar wegen der Kreuzreagibilität zwischen Birkenfeige und Naturlatex. Bei Beschwerden, die an eine Hausstaubmilbenallergie denken lassen, sollte bei Patienten, die mit Birkenfeigen Kontakt haben, auch an eine mögliche Sensibilisierung dagegen gedacht werden (Schenkelberger 1998).

Bei bestehender Sensibilisierung ist die Entfernung der Pflanze aus der Wohnung die einzig sinnvolle Maßnahme. Zur Vorbeugung ist zu empfehlen, keinen Ficus benjamina im Schlafzimmer aufzustellen. Hausstaubsanierungsmaßnahmen sind ebenfalls wirksam zur Verringerung der Belastung mit Ficus benjamina-Allergenen (keine Pflanzen und kein Teppichboden im Schlafzimmer, regelmäßiges Lüften, Staubsaugen und -wischen. (Näheres siehe unter dem Auslöser "Hausstaubmilbe"). Auch wenn das Risiko einer Sensibilisierung gegen Birkenfeigen wesentlich geringer ist als das einer Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben oder Tiere, so sind doch Sensibilisierungen gegen Birkenfeige mit ca. 6%-7% in der Gruppe der Allergiker nicht zu vernachlässigen. Im Rahmen der Erhebung der Vorgeschichte sollte nach Kontakt mit Birkenfeigen gefragt werden. Die ideale Zimmerpflanze für Allergiker und insbesondere für Naturlatexsensibilisierte stellen Ficusarten sicherlich nicht dar (Axelsson 1987b, Schmid 1993).

Autor: Dr. Sabine Schmidt

Stand: Mai 2010

Nächste Aktualisierung: Mai 2011

Quellen und weiterführende Literatur

Axelsson, IG.; Skedinger, M.; Zetterstroem, O.: Allergy to weeping fig--a new occupational disease. Allergy 1985; 40; 6: 461-464.

Axelsson, IG.; Johansson, SG.; Zetterstroem, O.: Occupational allergy to weeping fig in plant keepers. Allergy 1987; 42; 3: 161-167.

Axelsson, IG.; Johansson, SG.; Zetterstroem, O.: A new indoor allergen from a common non-flowering plant. Allergy 1987; 42; 8: 604-611.

Axelsson, IG.; Johansson, SG.; Larsson, PH.; Zetterstroem, O.: Characterization of allergenic components in sap extract from the weeping fig (Ficus benjamina). International Archives of Allergy and applied Immunology 1990; 91; 2: 130-135.

Axelsson, IG.; Johansson, SG.; Larsson, PH.; Zetterstroem, O.: Serum reactivity to other indoor ficus plants in patients with allergy to weeping fig (Ficus benjamina). Allergy 1991; 46; 2: 92-98.

Axelsson, IG.: Allergy to Ficus benjamina (weeping fig) in nonatopic subjects. Allergy 1995; 50; 3: 284-285.

Bircher, AJ.; Wuethrich, B.; Langauer, S.; Schmid, P.: Ficus benjamina, ein perenniales Inhalationsallergen von zunehmender Bedeutung. Schweizerische Medizinische Wochenschrift.1993; 12; 22: 1153-1159.

Bircher, AJ.; Langauer, S.; Levy, F.; Wahl, R.: The allergen of Ficus benjamina in house dust. Clin Exp Allergy 1995; 25; 3:228-233.

Brehler, R.; Theissen, U.: Ficus benjamina Allergie. Hautarzt 1996; 47; 10:780-782.

Brehler, R.; Rütter, A.: Nahrungsmittelallergien bei Typ I-Sensibilisierung gegen Latex. Allergologie 1995; 18; 9: 379-382.

Brehler, R.; Abrams, E.; Sedlmayr, S.: Cross-reactivity between Ficus benjamina (weeping fig) and natural rubber latex. Allergy 1998; 53; 4: 402-406.

Diez-Gomez, ML.; Quirce, S.; Aragoneses, E.; Cuevas, M.: Asthma caused by Ficus benjamina latex: evidence of cross-reactivity with fig fruit and papain. Annals of Allergy Asthma, and Immunology 1998; 80; 1: 24-30.

Hausen, BM; Vieluf, IK.: Ficus benjamina aus: Allergiepflanzen, Pflanzenallergene. Hausen, Vieluf (Hrsg.) 2. Auflage. 1997 Ecomed, Landsberg: 441-442.

Hovanec-Burns, D.; Jaggi, K.; Corrao, M.; Ordonez, M.; Bragg, A.; Unver, E.: Cross-reactivity between latex and ficus allergens. J Allergy Clin. Immunol. 1994; 93: 283 (Abstract 725).

Schenkelberge,r V.; Freitag, M.; Altmeyer, P.: Ficus Benjamina - Das heimliche Allergen im Haus. Hautarzt 1998; 49; 1: 2-5.

Schmid, P.; Stoeger, P.; Wuethrich, B.: Severe isolated allergy to Ficus benjamina after bedroom exposure. Allergy 1993; 48; 6: 466-467.

van Ginkel, CJ.; Dijkstra, AT.; van Eyk, CL.; den Hengst, CW.; Bruijnzeel-Koomen, CA.: Allergie voor de Ficus benjamina: zowel op het werk als in huis. Nederlands Tijdschrift Voor Geneeskunde 1997; 141; 16: 782-784.

Modifiziert nach der Stellungnahme der Dokumentations- und Informationsstelle für Allergiefragen im Kindes- und Jugendalter DISA

Weitere Infos zu diesem Thema:

 

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