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Kolophonium

Kolophonium ist ein natürliches oder auch industriell hergestelltes und verändertes Harzgemisch aus Nadelhölzern (Koniferen). Wichtige Bestandteile sind Abietinsäure, Laevopimarsäure und Dehydroabietinsäure. Daneben enthält Kolophonium noch weitere Inhaltsstoffe in geringerer Konzentration. Kolophonium findet wegen seiner guten Klebeeigenschaften vielfätige Einsatzgebiete, deshalb beläuft sich die weltweite Produktion auf Millionen von Tonnen.

Kolophonium ist ein Kontaktallergen. Die Sensibilisatoren im Kolophonium stellen nicht die einzelnen Harzsäuren oder deren chemisch modifizierte Abkömmlinge, sondern Oxidationsprodukte beider Stoffgruppen dar.

Hauptsächliches Vorkommen

  • Papierleim
  • Klebebänder
  • Isolierband
  • Heftpflaster
  • Sikkativ
  • Kitt
  • Lacke, Farben
  • Filzschreiber
  • Linoleum
  • Gummiartikel
  • Boden- u. Möbelpolituren
  • Lederpflege
  • Antigleitmittel für Böden, Geräte und Hände
  • Geigenbogenharz
  • Streichhölzer
  • Kaugummi
  • Seifen, Kosmetika, Haarpflegemittel
  • Desinfektionsmittel
  • Wäschesteifer
  • Schmiermittel
  • Dichtungsmittel
  • Schneideöl, Korrosionsschutzmittel, Lötzinn
  • Sägemehl
  • Brauereipech.

Risikoberufe

  • Baugewerbe: besonders Holzverarbeitung
  • Bodenleger
  • Maler
  • Metall- und Gummi-verarbeitende Industrie
  • Fotografen
  • Drucker
  • Kosmetikerinnen, Pflegeberufe
  • Zahnärzte und Zahnarztpersonal
  • Sportler
  • Tänzer und Musiker

Aufgrund der vielseitigen Anwendung von Kolophonium ist es für den Patienten oft nicht einfach, den verantwortlichen Kontakt herauszufinden. In Fallberichten wurden Sensibilisierungen oder Reaktionen gegen Kolophonium in Klebstoffen, Kosmetika (wie Mascara, Lippenstift), Präparaten zur Warzenentfernung, Depilatorien oder Kaugummis beschrieben. Auch aerogen (über die Luft) kann Kolophonium in seltenen Fällen Kontaktallergien auslösen.

Zur Diagnostik wird der Epikutantest eingesetzt. Positive Reaktionen werden dabei relativ häufig gefunden.

Ein Problem ist, dass unterschiedliche Typen von Kolophonium und Stoffe, die aus Kolophonium in abgewandelter Form bestehen, sehr unterschiedlich stark als Allergen wirken können. Dies könnte unterschiedlich starke Reaktionen bei kolophoniumhaltigen Produkten erklären. Einzelne Komponenten des Kolophoniums sind keine Allergene und können deshalb trotz Sensibilisierung gegen Kolophonium vertragen werden, wie zum Beispiel die reine Abeitinsäure. Kreuzreaktionen mit Terpentin, Perubalsam, Holzteer sind möglich.

Eine spezielle Frage:

Linoleumböden und Kolophoniumallergie

Linoleum besteht vor allem aus pflanzlichem Leinöl. Daneben kommt das Naturharz Kolophonium zum Einsatz. Ein Gemisch aus ca. 80 Prozent Leinöl und 20 Prozent Harzen wird rund 20 bis 24 Stunden verkocht und so vorpolymerisiert. Als Zusätze dienen geringe Mengen an Calcium, Eisen oder Mangansalzen. Der Linoleumzement wird abschließend mit Holz- und Korkmehl, Kreide und anderen mineralischen Füllstoffen sowie Farbpigmenten vermischt. Die Mischung wird auf ein Jutegewebe aufgewalzt,und die so erhaltenen Bahnen für zwei bis vier Wochen bei 100 Grad Celsius zur Aushärtung gelagert. Um die Pflege zu erleichtern, wird die Oberfläche mit wäßrigen Acrylatmischungen bestrichen. Daneben gibt es aber auch einen Linoleumboden, an dessen Oberfläche unbehandelt ist und nach dem Einbau geölt und gewachst werden muss, damit er widerstandsfähiger und beständiger ist. Linoleum hat viele gute Eigenschaften.

Ist ein Linoleumboden ein Risiko bei Kolophoniumallergie?

In der Literatur findet sich zu Allergien und Linoleum nur wenig. Aushärtung und Versiegelung reduzieren das Risiko für die Freisetzung von Kolophonium aus dem Boden. Meist gibt es Berichte von Problemen durch Ausgasungen und Luftbelastungen durch die Versiegelungen (Malmberg 2000) bei nicht ausreichender Lüftung (Kimmel 2000). Es gibt einen Fallbericht einer Frau mit Kolophoniumallergie, bei der es durch den kolophoniumhaltigen Linoleumfußboden zu einer Verschlechterung eines Gesichtsekzems kam (Karlberg 1996). Somit ist eine Reaktion nicht völlig auszuschließen, aber sicher sehr selten, da sonst  mehr Berichte und Daten zu finden wären.

Autor: Dr. Sabine Schmidt

Stand: März 2010
Quellen und weiterführende Literatur

Henriks-Eckerman ML, Suuronen K, Jolanki R. (2008): Analysis of allergens in metalworking fluids. Contact Dermatitis. 2008 Nov;59(5) S. 261-7.

Karlberg, AT.; Gafvert, E.; Meding, B.; Stenberg, B.: Airborne contact dermatitis from unexpected exposure to rosin (colophony). Rosin sources revealed with chemical analyses. Contact Dermatitis. 1996; 35 (5): 272-278.

Kayser, D.; Schlede, E. (Hrsg.): Chemikalien und Kontaktallergie - Eine bewertende Zusammenstellung. Kapitel 5 Kolophonium. Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin. MMV Verlag München 1997.

Kimmel, R.; Dartsch, PC.; Hildenbrand, S.; Wodarz, R.; Schmahl, FW.: Mangelhafte Lüftung als Auslöser von Befindlichkeitsstörungen in einer Grundschule. Gesundheitswesen. 2000; 62 (12): 660-664.

Malmberg, B.; Leanderson, P.; Nilsson, A.; Flodin, U.: Powdering floor polish and mucous membrane irritation in secondary school pupils. Int Arch Occup Environ Health. 2000; 73 (7): 498-502.

http://www.alles-zur-allergologie.de/Allergologie/Artikel/3929/Allergen,Allergie/Kolophonium.html

Weitere Infos zu diesem Thema:

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