Basisinformationen zu Allergenen finden Sie unter Stoffgruppe "Allergen" und Auslöser "Allergene"
Latex ist der Milchsaft der Kautschukpflanze (Hevea brasiliensis). Nach Vulkanisierung und anderen Verarbeitungsschritten werden daraus Autorreifen, Kondome, Handschuhe und viele andere Produkte mehr produziert.
Etwa 70% aller Kautschukprodukte sind synthetisch hergestellt. Sie enthalten keine Proteine und lösen daher auch keine Allergien des Soforttyps aus. Allerdings sind Kontaktallergien möglich.
Im medizinischen Bereich werden vornehmlich Materialien aus Naturkautschuk verwendet. Wie oben beschrieben ist der Ausgangsstoff der Naturlatexprodukte der Milchsaft der tropischen Kautschukbäume. Dieser Milchsaft enthält 17 verschiedene Allergene. (Raulf-Heimsoth & Rihs, 2011).
Voraussetzung für eine Sensibilisierung gegen Naturlatex und allergische Reaktion ist der Kontakt mit naturlatexhaltigen Gegenständen. Diese Gegenstände sind vor allem im medizinischen Bereich anzutreffen. An erster Stelle sind hier OP-Handschuhe zu nennen.
Häufige Allergenkontakte über die Schleimhäute zum Beispiel über Katheterisierungen oder Schädigungen der natürlichen Hautbarriere durch Hauterkrankungen (Neurodermitis) ermöglichen Sensibilisierungen, ebenso der direkte Allergenkontakt über offene Wunden während operativer Eingriffe. Naturlatexhaltige Handschuhe werden aber auch in der Industrie und im Haushalt benutzt.
In der Regel ist die Latexallergie eine Soforttyp-Reaktion: nach Kontakt mit latexhaltigen Produkten kommt es innerhalb weniger Minuten zu einer Kontakturtikaria (Nesselsucht).
Wenn in einem Raum Latexhandschuhe verwendet werden, reagieren manche Patienten auch mit allergischem Schnupfen, allergischem Asthma bis hin zum allergischen Schock. (Altmeyer & Paech, 2011)
Typ-I-Allergien gegen Latexproteine haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vor allem Latexhandschuhe zeigten sich als die wichtigste Quelle für die Verbreitung von Latexallergenen. Latexhandschuhe wurden häufig mit Talkum oder Maisstärke gepudert. Diese Puder sind Allergenträger und ermöglichen die Übertragung des Allergens durch die Luft. Je mehr Allergene mit dem Puder in die Raumluft gelangen, desto mehr Beschäftigte sind gegen Naturlatex sensibilisiert.
Bereits Sensibilisierte sind allein schon durch den Aufenthalt in Räumen, die Latexallergene in der Luft enthalten, gefährdet (Allmers 1998).
Vor allem gepuderte Handschuhe waren schuld an der hohen Sensibilisierungsrate im Krankenhaus. Die Naturlatex-Allergie wurde die zweithäufigste Ursache berufsbedingten Asthmas in Deutschland.
Latexmaterialien kommen auch in sehr vielen Gegenständen des täglichen Lebens vor.
sind nur einige Produkte in Haushalt und Freizeit, die Latex enthalten können. Auslöser für eine Sensibilisierung sind diese Produkte nicht (Niggemann 1998, Chen 2002), für bereits Sensibilisierte und Latexallergiker können sie allerdings ein Risiko für die Entwicklung von Beschwerden darstellen.
30-40% aller Latexallergiker reagieren auch auf Nahrungsmittel allergisch. Die Proteine der Nahrungsmittel haben chemisch große Ähnlichkeiten zu den allergieauslösenden Proteinen des Latex, teilweise gleichen sie sich. Dieses Phänomen nennt sich Latex-Frucht-Syndrom.
Typische Nahrungsmittel dieses Latex-Frucht-Syndroms sind: Ananas, Avocado, Banane, Esskastanie, Feige, Kartoffel, Kiwi, Mango, Melone, Papaya, Paprika, Passionsfrucht, Pfirsich, Tomate und Walnuss.
Zusätzlich können luftgetragene Allergene wie zum Beispiel Bestandteile der Birkenfeige (Ficus benjamina, LINK) oder des Weihnachtssterns mit Naturlatexallergenen kreuzreagieren. Auch Pollen von einigen Gräser- bzw. Getreidearten und Beifuß können zu sekundären allergischen Reaktionen führen, die auf eine Latexallergie zurückzuführen sind (Raulf-Heimsoth & Rihs, 2011).
Durch gesetzliche Vorschriften und Vorbeugungsmaßnahmen bei Operationen ist es gelungen, die Allergenbelastung und das Sensibilisierungsrisiko deutlich zu senken (Rueff 1999).
Autorin: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: Juli 2011
Allmers, H.; Kirov, A.; Hagemeyer, O., Huber, H., Walther, J. W., Baur, X.: Latexsensibilisierung und Latexallergenkonzentration in der Luft. Allergologie 1996; 19: 68- 72.
Altmeyer, P., & Paech, V. (2011). Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Berlin: Springer-Verlag.
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Brehler, R.; Rütter, A.: Nahrungsmittelallergien bei Typ I- Sensibilisierung gegen Latex. Allergologie 1995; 18; 9: 379-382.
Chen, F.C; Buscher,U.; Niggemann, B.: Condoms are not a risk factor for sensitization to latex. Contraception 2002; 66; 6:439-441.
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GDV: Naturkatschuk. Retrieved Juli 19, 2011 from Transport-Informations-Service (TIS): http://www.tis-gdv.de/tis/ware/kautschuk/naturkautschuk/naturkautschuk.htm#informationen
Niggemann, B.; Kulig, M.; Bergmann, R.; Wahn, U.: Development of latex allergy in children up to 5 years of age - a retrospective analysis of risk factors. Pediatr Allergy Immunol 1998; 9; 1: 36-39.
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Sussman,GL; Beezhold, DH.; Kurup, VP.: Allergens and natural rubber proteins. J Allergy Clin Immunol 2002; 110 (2 Suppl): S33-39.