Basisinformationen zu Allergenen finden Sie unter Stoffgruppe "Allergen" und Auslöser "Allergene"
Latex ist der Milchsaft der Kautschukpflanze (Hevea brasiliensis). Nach Vulkanisierung und anderen Verarbeitungsschritten werden daraus Autorreifen, Kondome, Handschuhe und viele andere Produkte mehr produziert.
Etwa 70% aller Kautschukprodukte sind synthetisch hergestellt. Sie enthalten keine Proteine und lösen daher auch keine Allergien des Soforttyps aus. Allerdings sind Kontaktallergien möglich.
Im medizinischen Bereich werden vornehmlich Materialien aus Naturkautschuk verwendet. Wie oben beschrieben ist der Ausgangsstoff der Naturlatexprodukte der Milchsaft der tropischen Kautschukbäume. Dieser Milchsaft enthält allergene Substanzen, die in ihren unterschiedlichen Molekulargewichten (2- 200 KD) und in ihrer chemischen Struktur identifiziert wurden. Dabei wurden bereits 17 Allergene beschrieben (Raulf-Heimsoth & Rihs, 2011). Es werden nicht in jeder Gruppe der Erkrankten die gleichen Proteine als Hauptallergen gefunden. Aufgrund von vielen Operationen im frühen Lebensalter reagieren Kinder mit Myeleomeningocelen (offenem Rücken oder Spina bifida) am häufigsten auf die Allergene Hev b 1, Hev b 3 und Hev b 7 (Wagner 2001), während die Allergene Hev b 5, Hev b 6 und Hev b 7 gehäuft bei medizinischem Personal nachweisbar sind (Sussman 2002). Warum dies so ist, ist nicht eindeutig geklärt, steht am wahrscheinlichsten mit dem unterschiedlichen Sensibilisierungsweg in Zusammenhang.
Voraussetzung für eine Sensibilisierung gegen Naturlatex und eine allergische Reaktion auf Naturlatex ist der Kontakt mit naturlatexhaltigen Gegenständen. Diese Gegenstände sind vor allem im medizinischen Bereich anzutreffen; an erster Stelle sind hier OP-Handschuhe zu nennen.
Häufige Allergenkontakte über die Schleimhäute zum Beispiel über Katheterisierungen oder Schädigungen der natürlichen Hautbarriere durch Hauterkrankungen (Neurodermitis) ermöglichen Sensibilisierungen, ebenso der direkte Allergenkontakt über offene Wunden während operativer Eingriffe. Naturlatexhaltige Handschuhe werden aber auch in der Industrie und im Haushalt benutzt.
In der Regel ist die Latexallergie eine Soforttyp-Reaktion: nach Kontakt mit latexhaltigen Produkten kommt es innerhalb weniger Minuten zu einer Kontakturtikaria (Nesselsucht).
Wenn in einem Raum Latexhandschuhe verwendet werden, reagieren manche Patienten auch mit allergischem Schnupfen, allergischem Asthma bis hin zum allergischen Schock (Altmeyer & Paech, 2011).
Latexhandschuhe waren bekannt als Auslöser von Kontaktallergien. Sie enthalten die für die Gummiherstellung wichtigen Vulkanisationsbeschleuniger (Thiurame). Diese Kontaktallergene waren die Hauptursache für die Typ IV-Reaktion auf Latexhandschuhe.
Der Gehalt der Handschuhe an diesen Kontaktallergenen wurde in den letzten Jahren in der Herstellung aber stark begrenzt. Dies war eine wichtige vorbeugende Maßnahme. Dagegen haben Typ-I-Allergien gegen Latexproteine in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vor allem Latexhandschuhe zeigten sich wieder als die wichtigste Quelle für die Verbreitung von Latexallergenen. Durch den deutlich angestiegenen Verbrauch an Handschuhen seit der AIDS-Problematik hatte sich eine Änderung bei der Produktion von Latexhandschuhen ergeben.
Je nach Herstellungsverfahren ist das fertige Produkt der Naturlatexweiterverarbeitung reich oder arm an allergenen Proteinen. Werden die Rohmaterialien schneller verarbeitet, zum Teil schon in den Erzeugerländern, finden sich mehr Proteinreste in den Handschuhen als früher, als die Rohstoffe über längere Transportwege bis zur Weiterverarbeitung gebracht wurden. Je nach "Alterung" der Rohmaterialien und auch nach Anzahl der Waschungen der Handschuhe vor der Sterilisation ergaben sich unterschiedliche Latexproteingehalte. So ließen sich je nach Hersteller und Verarbeitungsart sehr große Unterschiede im Proteingehalt der Latexhandschuhe finden (Mäkinen-Kiljunen 1995). Neben dem Allergengehalt ist das Puder der Handschuhe ein entscheidender Allergenträger: Um den Tragekomfort zu erhöhen, wurden Latex-Handschuhe häufig mit Talkum oder Maisstärke gepudert. Diese Puder ermöglichen die aerogene Übertragung des Allergens. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Nachweis von Latex in der Raumluft und der Sensibilisierung der darin Beschäftigten. Bereits Sensibilisierte sind allein schon durch den Aufenthalt in Räumen, die Latexallergene in der Luft enthalten, gefährdet (Allmers 1998).
Vor allem gepuderte Handschuhe sind Schuld an der hohen Sensibilisierungsrate im Krankenhaus gewesen. Die Naturlatex-Allergie wurde die zweithäufigste Ursache berufsbedingten Asthmas in Deutschland.
Latexmaterialien kommen auch in sehr vielen Gegenständen des täglichen Lebens vor.
sind nur einige Produkte in Haushalt und Freizeit, die Latex enthalten können.
Auslöser für eine Sensibilisierung sind diese Produkte nicht (Niggemann 1998, Chen 2002), für bereits Sensibilisierte und Latexallergiker können sie allerdings ein Risiko für die Entwicklung von Beschwerden darstellen.
30-40% aller Latexallergiker reagieren auch auf Nahrungsmittel allergisch. Die Proteine der Nahrungsmittel haben chemisch große Ähnlichkeiten zu den Allergie auslösenden Proteinen des Latex, teilweise gleichen sie sich. Dieses Phänomen nennt sich Latex-Frucht-Syndrom.
Typische Nahrungsmittel dieses Latex-Frucht-Syndroms sind: Ananas, Avocado, Banane, Esskastanie, Feige, Kartoffel, Kiwi, Mango, Melone, Papaya, Paprika, Passionsfrucht, Pfirsich, Tomate und Walnuss.
Zusätzlich können luftgetragene Allergene wie zum Beispiel Bestandteile der Birkenfeige (Ficus benjamina, LINK) oder des Weihnachtssterns mit Naturlatexallergenen kreuzreagieren. Auch Pollen von einigen Gräser- bzw. Getreidearten und Beifuß können zu sekundären allergischen Reaktionen führen, die auf eine Latexallergie zurückzuführen sind (Raulf-Heimsoth & Rihs, 2011).
Durch gesetzliche Vorschriften und Vorbeugungsmaßnahmen bei Operationen ist es gelungen, die Allergenbelastung und das Sensibilisierungsrisiko deutlich zu senken (Rueff 1999). Gepuderte Latex-Handschuhe sind durch puderfreie, allergenarme Latexhandschuhe oder andere geeignete Handschuhe nach TRGS 540 zu ersetzen. Unterhalb einer Exposition von 0,6 Nanogramm Allergen pro Kubikmeter Luft wurde kein Proband mit einer klinisch bedeutsamen Sensibilisierung gefunden, während bei höher Belasteten rund 16 Prozent naturlatexbezogene Symptome (Rhinitis, Atemnot) aufwiesen. Nach den Empfehlungen von Baur sollte daher der Allergengehalt 2 Gramm pro Gramm Gummi und am Arbeitsplatz 0,5 Nanogramm pro Kubikmeter Luft nicht übersteigen (Schäfer 2001).
Autorin: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: Juli 2011
Allmers, H.; Kirov, A.; Hagemeyer, O., Huber, H., Walther, J. W., Baur, X.: Latexsensibilisierung und Latexallergenkonzentration in der Luft. Allergologie 1996; 19: 68- 72.
Altmeyer, P., & Paech, V. (2011). Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin. Berlin: Springer-Verlag.
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Brehler, R.; Rütter, A.: Nahrungsmittelallergien bei Typ I- Sensibilisierung gegen Latex. Allergologie 1995; 18; 9: 379-382.
Chen, F.C; Buscher,U.; Niggemann, B.: Condoms are not a risk factor for sensitization to latex. Contraception 2002; 66; 6:439-441.
Fuchs, Th.: Gummi und Allergie. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen 1995
GDV: Naturkatschuk. Retrieved Juli 19, 2011 from Transport-Informations-Service (TIS): http://www.tis-gdv.de/tis/ware/kautschuk/naturkautschuk/naturkautschuk.htm#informationen
Niggemann, B.; Kulig, M.; Bergmann, R.; Wahn, U.: Development of latex allergy in children up to 5 years of age - a retrospective analysis of risk factors. Pediatr Allergy Immunol 1998; 9; 1: 36-39.
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Sussman,GL; Beezhold, DH.; Kurup, VP.: Allergens and natural rubber proteins. J Allergy Clin Immunol 2002; 110 (2 Suppl): S33-39.