Basisinformationen zu Allergenen finden Sie unter Stoffgruppe "Allergen" und Auslöser "Allergene"
Latex ist feinst verteiltes Kautschuk in Wasser. Man unterscheidet zwischen Natur- und künstlichem (synthetischem) Kautschuk. Der Anteil an synthetisch hergestelltem Kautschuk beträgt etwa 70 Prozent. Im medizinischen Bereich werden vornehmlich Materialien aus Naturkautschuk verwendet.
Ausgangsstoff der Naturlatexprodukte ist der Milchsaft der tropischen Kautschukbäume (Hevea brasiliensis). Dieser Milchsaft enthält allergene Substanzen, die in ihren unterschiedlichen Molekulargewichten (2- 200 KD) und in ihrer chemischen Struktur identifiziert wurden. Dabei wurden bereits 11 Allergene beschrieben (Sussman 2002, Niggemann 2000).
Voraussetzung für eine Sensibilisierung gegen Naturlatex und eine allergische Reaktion auf Naturlatex ist der Kontakt mit naturlatexhaltigen Gegenständen. Diese Gegenstände sind vor allem im medizinischen Bereich anzutreffen; an erster Stelle sind hier OP-Handschuhe zu nennen.
Häufige Allergenkontakte über die Schleimhäute zum Beispiel über Katheterisierungen oder Schädigungen der natürlichen Hautbarriere durch Hauterkrankungen (Neurodermitis) ermöglichen Sensibilisierungen, ebenso der direkte Allergenkontakt über offene Wunden während operativer Eingriffe. Naturlatex-haltige Handschuhe werden aber auch in der Industrie und im Haushalt benutzt.
TypI-Allergien gegen Latexproteine haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Vor allem Latexhandschuhe zeigten sich wieder als die wichtigste Quelle für die Verbreitung von Latexallergenen. Latexhandschuhe wurden häufig mit Talkum oder Maisstärke gepudert. Diese Puder sind Allergenträger und ermöglichen die aerogene Übertragung des Allergens. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Nachweis von Latex in der Raumluft und der Sensibilisierung der darin Beschäftigten. Bereits Sensibilisierte sind allein schon durch den Aufenthalt in Räumen, die Latexallergene in der Luft enthalten, gefährdet (Allmers 1998).
Vor allem gepuderte Handschuhe sind schuld an der hohen Sensibilisierungsrate im Krankenhaus gewesen. Die Naturlatex-Allergie wurde die zweithäufigste Ursache berufsbedingten Asthmas in Deutschland. (Ein Link zu einer Liste von Latexhandschuhen mit ihren Allergengehalten findet sich unter den Quellenangaben.)
Latexmaterialien kommen auch in sehr vielen Gegenständen des täglichen Lebens vor. Eine umfangreiche Liste Naturlatex-haltiger Gegenstände findet sich bei Fuchs (1995) und auch auf der Internetseite der Latexallergie Informationsvereinigung (siehe Link unter den Quellenangaben).
sind nur einige Produkte in Haushalt und Freizeit, die Latex enthalten können. Auslöser für eine Sensibilisierung sind diese Produkte nicht (Niggemann 1998, Chen 2002), für bereits Sensibilisierte und Latexallergiker können sie allerdings ein Risiko für die Entwicklung von Beschwerden darstellen.
Es gibt auch Kreuzreaktionen zwischen Nahrungsmitteln und Latex. Kreuzallergie bedeutet, dass die allergische Reaktion bei einem Latexallergiker auch durch diese Früchte (im Rohzustand) hervorgerufen werden kann (Latex-Frucht-Syndrom). Zu diesen Nahrungsmitteln zählen Banane, Avocado, Esskastanie, Kiwi, Pfirsich, Melone, Mango, Ananas, Kartoffel, Tomate, Walnuss, Passionsfrucht und Feige (Brehler 1995). Vermutet wird, dass diese Reaktion durch ähnliche Eiweiße (Proteine) in unterschiedlichen Pflanzenfamilien, die auch in Proteinen des Naturlatex vorkommen, hervorgerufen wird (Blanco 2003).
Der Kontakt mit dem Ficus benjamina, der in die Pflanzenfamilie des Gummibaumes gehört und als Zimmerpflanze weit verbreitet ist, kann ebenfalls bei stark sensibilisierten Patienten zu Reaktionen führen (Brehler 1995, Schmidt 1998.)
Durch gesetzliche Vorschriften und Vorbeugungsmaßnahmen bei Operationen ist es gelungen, die Allergenbelastung und das Sensibilisierungsrisiko deutlich zu senken (Rueff 1999).
Allmers, H.; Kirov, A.; Hagemeyer, O., Huber, H., Walther, J. W., Baur, X.: Latexsensibilisierung und Latexallergenkonzentration in der Luft. Allergologie 1996; 19: 68- 72.
Blanco C.: Latex-fruit syndrome. Curr Allergy Asthma Rep 2003; 3; 1:47-53.
Brehler, R.; Rütter, A.: Nahrungsmittelallergien bei Typ I- Sensibilisierung gegen Latex. Allergologie 1995; 18; 9: 379-382.
Chen, F.C; Buscher,U.; Niggemann, B.: Condoms are not a risk factor for sensitization to latex. Contraception 2002; 66; 6:439-441.
Fuchs, Th.: Gummi und Allergie. Dustri-Verlag, München-Deisenhofen 1995
Niggemann, B.; Kulig, M.; Bergmann, R.; Wahn, U.: Development of latex allergy in children up to 5 years of age - a retrospective analysis of risk factors. Pediatr Allergy Immunol 1998; 9; 1: 36-39.
Niggemann, B.; Breiteneder, H. Latex allergy in children. Int Arch Allergy Immunol 2000; 121; 2: 98-107.
Rueff, F.; Przybilla B. : Soforttyp-Allergie gegen Naturlatex. Allergo Journal 1999; 5: 181-182.
Schmidt, S.: Bedeutung der Birkenfeige-Ficus benjamina als Innenraumallergen. Zeitschrift für pädiatrischen Allergologie 1998, 4
Sussman,GL; Beezhold, DH.; Kurup, VP.: Allergens and natural rubber proteins. J Allergy Clin Immunol 2002; 110 (2 Suppl): S33-39.
Wichtige und hilfreiche Informationen zu Latex und Latexallergie der Selbsthilfeorganisation für Latexallergiker L.A.I.V.e.V. (LatexAllergie-InformationsVereinigung) unter: www.laiv.de