Eine vor einigen Jahren entdeckte PAK-Quelle im Wohnumfeld sind Parkettkleber auf der Basis von PAK-haltigem Bitumen und Teerölen. Sie wurden zuerst in dem von US-Streitkräften benutzten Wohnungen in Frankfurt/Main gefunden. Später wurde deutlich, dass derartige Parkettkleber auch in anderen Bundesländern verwendet wurden. Ab Mitte der siebziger Jahre wurden jedoch andere Kleber benutzt.
Die Stoffgruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK, engl.: PAH) umfaßt mehrere hundert Einzelsubstanzen. Die Verbindung Benzo(a)pyren (Abkürzung: BaP) dient als Leitsubstanz. PAK kommen auch in der Nahrung und im Zigarettenrauch vor.
PAK besitzen für den Menschen nur eine geringe akute Giftigkeit. Unter den Langzeitwirkungen ist besonders die krebserzeugende Wirkung einiger Vertreter dieser Substanzgruppe von Bedeutung. Nach Inhalation von PAK erhöht sich demnach hauptsächlich das Lungenkrebsrisiko, nach dermaler Aufnahme vor allem das Hautkrebsrisiko. Dass der PAK-Gehalt des Tabakrauchs einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung von Lungenkrebs leistet, gilt als sicher.
Die "Agency for Toxic Substances and Disease Registry" (ATSDR, eine mit toxikologischen Bewertungen befaßte amerikanische Behörde) nennt folgende Personengruppen als Risikogruppen (ATSDR 1990):
Die nachfolgenden Empfehlungen betreffen die aktuelle Problematik PAK-haltiger Parkettkleber (vgl. hierzu auch das unter Vorbeugung/Sanierung angegebene Ablaufschema).
Falls eine Sichtprüfung des Parketts einen Hinweis auf eine "dunkle Klebermasse" ergibt, die vor der Mitte der 70er Jahre eingebracht wurde, ist es sinnvoll, diese auf die Leitsubstanz Benzo(a)pyren und ggf. auch auf polychlorierte Biphenyle (eine andere Schadstoffgruppe) untersuchen zu lassen. Diese Untersuchungen werden von umweltanalytisch zertifizierten Labors vorgenommen.
Es ist auch möglich, den Benzo(a)pyren-Gehalt im Hausstaub bestimmen zu lassen. Dies ist allerdings nur in Einzelfällen sinnvoll, beispielsweise
Fachleute empfehlen hierfür, 4 – 7 Tage alten Staub durch Kehren (!) zu gewinnen, da mit dem Staubsauger größere Partikel aufgenommen werden, die das Ergebnis verfälschen.
Wer lediglich wissen möchte, ob er persönlich durch PAK im Parkettkleber besonders belastet ist, sollte ein Biomonitoring durchführen lassen. Dieses ist aussagekräftiger als eine Hausstaubuntersuchung.
Als Leitsubstanz für die Belastung des Körpers mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen wird ein Abbauprodukt, das sogenannte 1-Hydroxypyren, im Urin bestimmt. Die Hydroxypyren-Ausscheidung im Harn ist ein zuverlässiger und empfindlicher Parameter zur Abschätzung der Belastung mit PAK.
Im Jahr 2005 wurde von der HBM-Kommission ein Referenzwert für die Hydroxypyren-Ausscheidung der Allgemeinbevölkerung festgelegt (Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe 2005, 2009).
Für nicht aktiv rauchende Kinder (Alter: 3 - 14 Jahre) und nicht aktiv rauchende Erwachsene (Alter 18 - 69 Jahre) beträgt der Referenzwert 0,5 Mikrogramm Hydroxypyren pro Liter Urin. Raucher müssen mit etwa doppelt so hohen Hydroxypyrengehalten rechnen. Einzelheiten hierzu siehe PAK-Basistext.
Sofern sich ein Parkett als PAK-belastet herausgestellt hat, hängt der Sanierungsbedarf im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: 1. vom Benzo(a)pyrengehalt des Klebers und 2. vom Zustand des Parketts.
Wichtig ist, dass die PAK-Freisetzung in den Innenraum unterbunden wird. Die Arbeitsgemeinschaft der Bauministerien der Länder hat hierzu Hinweise erarbeitet ("Hinweise für die Bewertung und Maßnahmen zur Verminderung der PAK-Belastung durch Parkettböden mit Teerklebstoffen in Gebäuden (PAK-Hinweise)", ARGEBAU 2000).
Das folgende Prüfschema entstammt diesen Hinweisen in der Fassung vom April 2000.
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Als expositionsmindernde Maßnahmen (siehe Ablaufschema) gelten beispielsweise häufiges Staubsaugen bei geöffnetem Fenster und unter Verwendung geeigneter Staubsaugerfilter, ferner das feuchte Wischen des Parketts und schließlich – bei sehr schlechtem Parkettzustand – das Abdecken des Parketts durch geeignete Sperrfolien.
Diese Maßnahmen sind lediglich als "Erste Hilfe" zu verstehen und können eine Entscheidung in Bezug auf Parkettreparatur, Parkettüberbau oder Totalsanierung nicht ersetzen.
Gute Hinweise und Entscheidungshilfen hierzu enthält die Broschüre "Wohnen ohne Gift" der Stiftung Warentest (2002).
Angerer, J. (1999): Das Biological Monitoring bei der Beurteilung der Belastung/Beanspruchung durch PAH-Aufnahme in Wohnungen mit teerhaltigem Parkettkleber. Umweltmed Forsch Prax 4 (2); 65 - 72
ARGEBAU (2000): Hinweise für die Bewertung und Maßnahmen zur Verminderung der PAK-Belastung durch Parkettböden mit Teerklebstoffen in Gebäuden (PAK-Hinweise). Fassung April 2000. Umweltmedizinischer Informationsdienst 2/2000
ATDSR 1990, zitiert , zit. nach Frijus-Plessen, Kalberlah 1999, www.atsdr.cdc.gov/phs/phs.asp?id=120&tid=25 (zuletzt aufgerufen im dezember 2011)
DGPT: Stellungnahme der Sektion Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) zur möglichen Gesundheitsgefährdung durch erhöhte Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) im Trinkwasser www.tox-online.de/2000/paks.html (zuletzt aufgerufen im Dezember 2011)
Frijus-Plessen, N. und F. Kalberlah (1999): Benzo(a)pyren. In: Gefährdungsabschätzung von Umweltschadstoffen. Hrsg. Th. Eikmann, U. Heinrich, B. Heinzow, R. Konietzka. Erich Schmidt Verlag, S. 1 - 26
Heudorf, U. und J. Angerer (1998): Humanbiomonitoring auf PAK-Metaboliten im Urin von Kindern aus Wohnungen mit PAK-haltigem Parkettkleber. Umweltmed Forsch Prax 3 (5); 266 - 274
Kommission Human-Biomonitorung (2005, 2009): Referenzwerte für PAK www.umweltdaten.de/gesundheit/monitor/tab-pak-metabolite_2009.pdf (zuletzt aufgerufen im Dezember 2011)
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2009): Neue und aktualisierte Referenzwerte für Metabolite von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im Urin von Kindern in Deutschland. Bundesgesundhbl. Band 52 Heft (10) S. 969 - 972
Pott, F. und U. Heinrich (1992): Staub und Staubinhaltsstoffe/Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH). In: Handbuch der Umweltmedizin. Hrsg. H.-E. Wichmann, H.-W. Schlipköter, G. Fülgraff, Ecomed Verlag
Stiftung Warentest (2002): Wohnen ohne Gift: sanieren, renovieren und einrichten. Stiftung Warentest, Berlin; 65 - 71
Umweltbundesamt (2007): Kinder-Umwelt-Survey 2003/06 - KUS - Human-Biomonitoring. Stoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland. WaBoLu 01/07. www.umweltbundesamt.de (zuletzt aufgerufen im Dezember 2011)
Umweltportal der Stadt Gelsenkirchen: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Parkettklebern (2008) umweltportal.gelsenkirchen.de/PAK.asp (zuletzt aufgerufen im Dezember 2011)
WHO (2000): Air quality guidelines. 2. Ausgabe.
WHOWorld Health Organization - Weltgesundheitsorganisation Regional Publications, European Series, No. 91, S. 92 - 96.