
Pentachlorphenol (PCP) gehört zur Gruppe der Chlorphenole und damit zu den chlorierten Kohlenwasserstoffen.
Pentachlorphenol wirkt pilzhemmend (fungizid). Bis zum Inkrafttreten der PCP-Verbotsverordnung im Dezember 1989 wurden Pentachlorphenol und sein Natriumsalz in Holzschutzmitteln eingesetzt. Die Produkte, zu denen u. a. Xylamon, Xyladecor und Aidol zählen, wurden zunächst zur großflächigen, später nur noch zur kleinflächigen Holzbehandlung verwendet.
Meist enthielten die Holzschutzmittel noch weitere Biozide, wie etwa das
InsektizidInsekten tötende Mittel zur Bekämpfung von Schadinsekten wirkende Lindan. Vom Gesetzgeber wurde Holzschutz lediglich für tragende Konstruktionen vorgeschrieben. Dennoch wurden – in Unkenntnis der Gefährlichkeit – PCP-Mengen im Kilogrammbereich in Kindertagesstätten, Schulen und insbesondere in privaten Wohnräumen verstrichen. Derart "großzügig" behandelte Hölzer weisen an ihrer Oberfläche auch heute noch PCP-Konzentrationen von 1.000 Milligramm pro Kilogramm Holz und mehr auf.
Ein Teil des PCP, das aus der "Primärquelle" Holz ausgast, schlägt sich auf Einrichtungsgegenständen wie Teppichen, Gardinen und Vorhängen und Mobiliar nieder, so dass diese zu "Sekundärquellen" werden. Die Raumluft selbst ist kein Speichermedium für PCP.
Wenn die PCP-Konzentration in der Innenraumluft über 0,1 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt, deutet dies auf einen früheren Einsatz von PCP-haltigen Holzschutzmitteln hin. Meist finden sich in diesem Fall auch erhöhte PCP-Werte im Hausstaub (s. auch unter "Grenzwerte"). Wie hoch die Werte tatsächlich sind, hängt unter anderem von der Größe der behandelten Holzfläche und von der Lüftung ab.
Ein muffiger Geruch in feuchten Holzhäusern kann möglicherweise mit einer vorangegangenen PCP-Anwendung zusammenhängen. Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung in Braunschweig haben gezeigt, daß durch mikrobielle Abbauprozesse PCP in Chloranisole (insbesondere das 2,3,4,5-Tetraanisol) umgewandelt werden kann (Gunschera und Mitarbeiter 2004). Chloranisole sind sehr geruchsintensiv ("Korkgeruch von Weinen"), in den gefundenen Konzentrationen besitzen sie jedoch keinerlei gesundheitliche Bedeutung.
In manchen Ländern wird PCP auch heute noch in der Textil- und Lederindustrie verwendet. Daher werden immer wieder Fälle bekannt, in denen importierte, PCP-haltige Bedarfsgegenstände (z. B. Lederbekleidung) zu individuellen Belastungen führen (Heudorf 2000).
PCP wird über den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und die Haut gut aufgenommen und liegt im Blut an Plasmaeiweiße gebunden vor. In der Leber wird ein großer Teil des aufgenommenen PCP in die besser wasserlösliche Verbindung "PCP-Glukuronid" umgewandelt und in dieser Form über die Niere ausgeschieden.
Die biologische Halbwertszeit von Pentachlorphenol liegt im Bereich von 1 bis 3 Wochen. Sofern keine erneute Zufuhr erfolgt, verringert sich in dieser Zeit die PCP-Belastung des Körpers auf die Hälfte, nach der doppelten Zeit ist sie auf ein Viertel des ursprünglichen Wertes abgesunken. PCP wird im Körper offenbar nicht oder nur in geringfügigem Ausmaß gespeichert.
Aus der Arbeitswelt ist bekannt, dass akute PCP-Vergiftungen beim Menschen Fieber, allgemeine Mattigkeit, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Reizungen der Schleimhäute hervorrufen können (Kalberlah et al. 1999). Etwas anders sieht die Belastungssituation im Büro- und Wohnbereich aus. Die Anwendung von PCP-haltigen Holzschutzmitteln führt hier in der Regel nur zu einer geringgradigen PCP-Belastung, die jedoch über eine lange Zeit hinweg bestehen bleibt. Toxikologisch ist diese Belastung wesentlich schwieriger einzuschätzen, was zu zahlreichen Kontroversen geführt hat.
Von den Betroffenen werden meist unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Mattigkeit, verstärkte Infektanfälligkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen und Übelkeit angegeben. Viele von ihnen haben sich in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen und sind von dem Zusammenhang ihrer Erkrankung mit der Holzschutzmittelbelastung überzeugt. Dazu hat auch die Urteilsbegründung des Landgerichts Frankfurt im sogenannten "Holzschutzmittel-Prozess" beigetragen.
Einzelheiten zur gesundheitlichen Bedeutung einer PCP-Belastung im häuslichen Bereich enthält der Informationstext "PCP-Vergiftung".
PCP ist krebserzeugend und wurde von der MAK-Kommission in die Kategorie 2 eingestuft. In diese Kategorie fallen Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen anzusehen sind und für die Hinweise vorliegen, dass sie einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko leisten.
Die Frage, ob ein Wohnraum nennenswert mit PCP belastet ist, kann durch eine einfache Hausstaubanalyse oder eine Raumluftanalyse beantwortet werden. Eine PCP-Belastung kann zum Beispiel im Zusammenhang mit der Anwendung PCP-haltiger Holzschutzmittel oder durch PCP-haltige Einrichtungsgegenstände wie Teppiche oder Ledermöbel entstehen. Wenn die Analysen positiv ausfallen oder andere Hinweise auf eine frühere Anwendung von Holzschutzmitteln im Innenraum vorliegen, können Materialanalysen bei Sanierungsentscheidungen weiterhelfen. Das Probenmaterial muss dabei nach Vorschrift an der Oberfläche des Holzes entnommen werden. Häufig ist es sinnvoll, die Probe auch auf andere Holzschutzmittel hin analysieren zu lassen.
Der in Apotheken und Umweltbüros erhältliche "Biocheck PCP" ermöglicht die zerstörungsfreie Untersuchung von Gegenständen in Bezug auf ihre PCP-Freisetzungsrate. Die Probennahme erfolgt über 24 Stunden, das Meßergebnis hat jedoch lediglich orientierenden Charakter.
Weitere Empfehlungen zur PCP-Analytik enthält die Langfassung.
Die Körperbelastung mit PCP kann durch eine PCP-Bestimmung im Blutserum, im
BlutplasmaBezeichnung für die Blutflüssigkeit ohne Blutzellen, jedoch mit den Bluteiweißen und – mit gewissen Einschränkungen – im Urin ermittelt werden. Neue Daten zeigen, daß die Belastung deutlich rückläufig ist (Wiesmüller et al. 2007) und Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe (2009, S. 999).
Um die gesundheitliche Relevanz einer Belastungssituation beurteilen zu können, wird von der Kommission "Human-Biomonitoring" die PCP-Bestimmung im Serum empfohlen.
Die PCP-Bestimmung im Urin erlaubt es, die täglich aufgenommene PCP-Menge abzuschätzen. Um verwertbare Ergebnisse zu erhalten, müssen vom Arzt und vom Labor mehrere Dinge beachtet werden: Es sollte Morgenurin untersucht werden, der weder zu verdünnt noch zu konzentriert sein darf (Kreatiningehalt zwischen 0,5 und 2,5 Gramm pro Liter Urin).
Im Urin liegt neben "freiem PCP" auch das im Leberstoffwechsel erzeugte "PCP-Glukuronid" vor. Dieses muss vor der eigentlichen Analyse in einem speziellen Aufbereitungsschritt in freies PCP überführt werden.
Einzelheiten zur Bewertung der persönlichen PCP-Messwerte enthält die Langfassung.
Das (ehemalige) Bundesgesundheitsamt hat 1993 einen Vorsorgewert für PCP in der Innenraumluft von weniger als 1 Mikrogramm pro Kubikmeter empfohlen (Bundesgesundheitsamt 1993). Einen entsprechenden Wert nennt auch die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes: Sie empfiehlt eine Sanierung, wenn die Raumluftkonzentration im Jahresmittel über 1 Mikrogramm PCP pro Kubikmeter liegt. Als Sanierungsziel werden Werte unterhalb von 0,1 Mikrogramm PCP pro Kubikmeter genannt.
Sofern in der sogenannten "Fraktion kleiner als 63 Mikrometer" des Hausstaubs mehr als 5 Milligramm PCP pro Kilogramm Staub gefunden werden, deutet dies auf eine PCP-Exposition hin, die über die Grundbelastung hinausgeht. Bei Überschreitung sollte nach möglichen Quellen gesucht werden. Manchmal wird auch der Gesamtstaub untersucht. Hier liegt der Referenzwert bei 2,3 Milligramm pro Kilogramm für die alten Bundesländer und bei 1,0 Milligramm pro Kilogramm für die neuen Bundesländer. Holz mit einem PCP-Gehalt von über 5 Milligramm pro Kilogramm gilt als belastet.
Hinweise hierzu enthält der Informationstext "PCP-Sanierung".
Bundesgesundheitsamt (1993): Bewertung der Luftqualität in Innenräumen. Bundesgesundhbl. 36:117-118
DIBt, Deutsches Institut für Bautechnik (1997): Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol (PCP)-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCP-Richtlinie). Mitteilungen des DIBt, 1/97, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
Gunschera, J. Fuhrmann F, Salthammer T, Schulze A, Uhde E (2004): Formation and
EmissionAussendung von Strahlen (z. B. Licht, radioaktive Strahlen oder Elektronen) sowie auch die in die Umwelt abgegebenen festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe oder Verbindungen sowie Geräusche, Strahlen, Wärme, Erschütterungen und ähnliche Erscheinungen of chloroanisoles as indoor pollutants. Environ Sci Pollut Res Int. 2004;11(3):147-51.
Innenraumlufthygiene-Kommission: www.umweltbundesamt.de/gesundheit/innenraumhygiene/irk.htm (zuletzt aufgerufen im August 2010)
Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes: Leitfaden für die Innenraumlufthygiene in Schulgebäuden. Umweltbundesamt (2000)
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (1997): Stoffmonographie Pentachlorphenol – Referenz- und Human-Biomonitoring-Werte (HBM). Bundesgesundhbl. 40 (6):212-222
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2004):Aktualisierung des Referenzwertes für Pentachlorphenol im Morgenurin. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 47 S. 499-502
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2009): Neue und aktualisierte Referenzwerte für Organochlorverbindungen im Vollblut von Kindern in Deutschland. Bundesgesundhbl. Band 52 Heft (10) S. 973 - 976
Salthammer, T (2001): Beurteilung der Belastung von Aufenthaltsräumen mit Pentachlorphenol anhand der PCP-Richtlinie. Umweltmed Forsch Prax 6 (2): 79-85
Stiftung Warentest (2002): Wohnen ohne Gift: sanieren, renovieren und einrichten. Stiftung Warentest, Berlin
Umweltbundesamt (2007): Kinder-Umwelt-Survey 2003/06 - KUS - Human-Biomonitoring. Stoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland. WaBoLu 01/07. www.umweltbundesamt.de
Wiesmüller GA, Eckard R, Dobler L, Günsel A, Oganowski M, Schröter-Kermani C, Schlüter C, Gies A, Kemper FH. (2007) The Environmental Specimen Bank for Human Tissues as part of the German Environmental Specimen Bank. Int J Hyg Environ Health. Band 210(3-4) (2007) S. 299-305. Epub 2007 Mar 21.