Basisinformationen zu Allergenen finden Sie unter Stoffgruppe "Allergen" und Auslöser "Allergene"
Pferdehaar und –hautschuppen enthalten wichtige Allergene. Sie konnten auch im Hausstaub, in Reitkleidung und in Polstermöbeln von Reitern nachgewiesen werden (Guinnepain 2001, Schou 1997).
Patienten mit einer Pferdeallergie müssen nicht zwangsläufig Reiter sein. Auch ohne sehr intensiven Kontakt zu Pferden kann sich eine Pferdeallergie entwickeln, denn Pferdeallergene werden über die Luft und über die Kleidung verbreitet (Guinnepain 2001, Liccardi 2005). Das Risiko wächst aber mit der Menge an Allergenen, der man beruflich oder über Freizeit und Hobby ausgesetzt ist. Türkische Forscher fanden unter Gestütsmitarbeitern mehr Pferdehaarallergiker als in der Allgemeinbevölkerung (Tutluoglu et. al. 2002).
Ähnlich wie bei manchen Hunden und Katzen reagieren Sensibilisierte auf verschiedene Pferde und Pferderassen unterschiedlich stark allergisch. Einige Rassen werden als besonders allergenarm beschrieben, zum Beispiel das Bashkir-Pferd und Curly Horse, wobei man bei einer Untersuchung mehrerer Pferderassen herausfand, dass diese beiden Rassen die gleichen Allergene und vergleichbare Allergenmengen in Hautschuppen und Haaren haben wie andere (Felix 1996).
Die Autoren der Studie vermuten deshalb, dass bestimmte Rassen weniger haaren und sich weniger stark schuppen. Diese Pferde sind also nicht allergenfrei, sondern geben wohl zumindest zeitweise weniger Allergene ab. Das scheint auch beim Curly Horse so zu sein. Möglicherweise kommt es bei diesem Pferd mit veränderter Haarstruktur (die Haare sind rund, etwas feiner und öliger) zu einer geringeren Allergenfreisetzung. Ausgenommen sind die zwei bis zweieinhalb Monate nach Winterende, in denen die Pferde einen Haarwechsel haben (Curly Horse Research Council).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es unterschiedlich starke Reaktionen gegen verschiedene Pferderassen geben kann. Angeblich hypoallergene Pferderassen sind nicht allergenfrei. Auch bei diesen Pferden besteht ein Risiko, dass es zu starken allergischen Reaktionen kommt. Da Pferdehaar- und Pferdeepithel-Allergene zu den stärksten inhalativen Allergenen gehören, rät die Europäische Stiftung für Allergieforschung Pferdehaarallergiker vom Umgang mit Pferden jeder Rasse ab (Bergmann, Zuberbier 2009).
Patienten mit einer Pferdeallergie sollten den Kontakt zu Pferden meiden oder sich gezielter vor den Allergenen schützen – entweder durch ausreichend vorbeugende Medikamente oder indem sie Situationen aus dem Weg gehen, in denen besonders stark Allergen freigesetzt wird (zum Beispiel Reiten in der Reithalle, Striegeln des Pferdes). Wer aber unter einer sehr starken Pferdeallergie leidet, wird um Pferde einen Bogen machen müssen.
Autor: Dr. Sabine Schmidt
Aktualisierung: Judith Linnemann
Stand: Oktober 2009
Bergmann, Zuberbier: Stellungnahme von ECARF: Curly-Pferde und Pferdehaarallergie. 2009. Online verfügbar. Zuletzt abgerufen im März 2011.
Felix K, Ferrandiz R, Einarsson R, Dreborg S: Allergens of horse dander: comparison among breeds and individual animals by immunoblotting. J Allergy Clin Immunol 1996; 98; 1:169-71.
Guinnepain, M T.; Laurent, J.; Goubran-Botros, H.: Occult exposure to Equ C 1, the major horse allergen, in everyday life. Journal of Allergy and Clinical Immunology 2001; 107 (Suppl.2) :27.
Liccardi G et. al.: Sensitization to horse allergens without apparent exposure to horse. Eur Ann Allergy Clin Immunol. 2005 Nov;37(9):350-2.
Schou, C.: Animal Allergens. In: Allergy and Allergic Diseases. Kay, A B. (Hrsg.) Band 2, Kapitel 53, Seite 900-908. Blackwell Science Oxford 1997.
Tutluoglu B et. al.: Sensitization to horse hair, symptoms and lung function in grooms. Clin Exp Allergy. 2002 Aug;32(8):1170-3.