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Pyrethroide

Beschreibung

Pyrethroide sind Insektizide der vierten Generation. Sie sollten die toxikologisch und ökologisch bedenklicheren Insektizide der vorangegangenen Generationen ablösen, zu denen Organochlorverbindungen wie Lindan oder DDT, Organophosphate und Carbamate zählten. Pyrethroide sind synthetische Verbindungen, die sich vom natürlich vorkommenden Pyrethrum ableiten.

Pyrethrum kommt in den Blüten mehrerer Chrysanthemenarten vor, z.B. bei Chrysanthemum cinerariaefolium, C. roseum und C. coccineum. Die insektenbekämpfende Wirkung des Pyrethrums ist seit Jahrhunderten bekannt. Benannt nach dem ersten kommerziellen Chrysanthemenanbaugebiet, kam es früher als "Dalmatiner Pulver" auf den Markt.

Pyrethrum ist ein Substanzgemisch aus 6 GlossarInsektizidInsekten tötende Mittel zur Bekämpfung von Schadinsekten wirkenden Einzelstoffen (hauptsächlich Pyrethrin I und II, ferner Cinerin I und II sowie Jasmolin I und II). Nachteilig sind die hohe Licht-, Temperatur- und Luftempfindlichkeit des Pyrethrums und der vergleichsweise rasche Abbau durch entgiftende Enzyme im Organismus.

Durch die Entdeckung des Wirkungsverstärkers Piperonylbutoxid (PBO), der den Abbau im Organismus verlangsamt, konnte die Wirksamkeit des Pyrethrums auf das Dreißigfache gesteigert werden. Gezielte chemische Veränderungen am Grundgerüst der Pyrethrumbestandteile führten dann zu den mehr als 1.000 bekannten synthetischen Pyrethroiden, die sowohl eine größere Stabilität in der Umwelt, als auch eine um vieles höhere insektizide Aktivität aufweisen als das natürliche Pyrethrum.

In chemischer Hinsicht handelt es sich bei den Pyrethroiden um Ester zwischen der Chrysanthemumsäure oder deren Abkömmlingen und Alkoholen (beispielsweise 3-Phenoxybenzyl-Alkohol).

Einteilung

Nach ihrer chemischen Struktur werden Pyrethroide in sogenannte Typ I-Pyrethroide (z. B. Permethrin, Allethrin, Bioresmethrin) und Typ II-Pyrethroide (z. B. Cypermethrin, Deltamethrin) unterteilt. Typ II-Pyrethroide besitzen eine so genannte Alpha-Cyano-Gruppe, die den Typ I-Pyrethroiden fehlt.

Welche Symptome eine Vergiftung mit pyrethroidhaltigen Zubereitungen verursacht, hängt vom Pyrethroidtyp ab.

Beständigkeit

Je nach Beständigkeit in der Umwelt wird zwischen Kurzzeit- und Langzeitpyrethroiden unterschieden: Kurzzeitpyrethroide wirken nur einige Stunden bis Tage lang, während Langzeitpyrethroide wie z.B. Permethrin, Cypermethrin, Cyfluthrin und Deltamethrin über mehrere Wochen hinweg wirksam sind

Wirkmechanismus

Pyrethrum und Pyrethroide verfügen über einen gemeinsamen Wirkmechanismus: Sie blockieren die spannungsabhängigen Natriumkanäle in den Nervenmembranen. Sie wirken als Kontaktgifte, die beim Insekt eine starke Erregung, Lähmung und Tod hervorrufen. Pyrethroide zeichnen sich durch eine hohe Selektivität aus. Sie wirken auf Insekten (Kaltblüter !) ca. 4400-fach stärker als auf Menschen und warmblütige Tiere. Bei älteren "Insektizidgenerationen" ist dieser Unterschied wesentlich geringer: Er ist

  • 16-fach bei Carbamaten
  • 34-fach bei Organophosphaten und
  • 90-fach bei chlorierten Kohlenwasserstoffen

Pyrethroide sind somit für Menschen und warmblütige Tiere deutlich weniger giftig als für Insekten. Das hängt damit zusammen, dass Pyrethroide bei Warmblütern sehr rasch abgebaut werden und die Giftwirkung mit steigender Körpertemperatur abnimmt. Die Enzymausstattung des Menschen sorgt dafür, dass Pyrethroide gespalten werden. Insekten fehlen die hierfür erforderlichen Enzyme ("Hydrolasen"), sie bauen Pyrethroide durch Oxydation ab. Dieser Abbauweg wird durch den Wirkungsverstärker PBO blockiert.

Vorkommen/Verwendung

Pyrethroide finden Anwendung in der Landwirtschaft (Obst- und Gemüseanbau), in der Holz- und Forstwirtschaft sowie in der Zierpflanzenproduktion. Auf natürliche Weise gewonnenes Pyrethrum darf auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden. Im häuslichen Bereich werden Pyrethrum bzw. Pyrethroide verwendet:

  • als Holzschutzmittel
  • zur Textilausrüstung gegen Fraßschädlinge ("Eulanisierung" von Wollteppichen gegen Larven von Motten oder Teppichkäfern)
  • zur Textilausrüstung gegen Insekten und Parasiten (z.B. Permethinausrüstung von Uniformen der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen)
  • in Elektroverdampfern (gegen Fliegen und Mücken)
  • als Insektensprays und -strips (z.B. gegen Schaben, Pharao- und Hausameisen)
  • als Flohmittel (gegen Tierflöhe)
  • als Mittel gegen Kopfläuse ("Goldgeist forte", "Quellada P") und Skabies (z.B. InfectoScab®)

Pyrethroide werden auch im Flugverkehr angewendet. Entsprechend einer WHO-Empfehlung werden Flugzeuge bei Flügen in bestimmte Zielländer und bei ihrer Rückkehr mit pyrethroidhaltigen Mitteln entwest, um die Übertragung von Krankheiten (z.B. Malaria) zu verhindern.

Im Rahmen eines vom BgVV im Mai 1997 veranstalteten Sachverständigengesprächs wurde klargestellt, dass in Flugzeugen deutscher Fluggesellschaften in Gegenwart der Passagiere keine Schädlingsbekämpfungsmittel mit Langzeitpyrethroiden (z.B. Permethrin) angewendet werden. Der natürliche Wirkstoff Pyrethrum kommt dagegen zum Einsatz. Derzeit wird nach alternativen Verfahren zur Entwesung gesucht (Link: BgVV)

Gesundheitsrisiken

Pyrethroide werden über den Magen-Darm-Trakt und über die Haut relativ schlecht aufgenommen (resorbiert). Am effektivsten gelangen sie inhalativ, auf dem Weg über die Lunge in den Körper. Vom menschlichen Organismus werden Pyrethroide rasch wieder ausgeschieden und durch körpereigene Enzyme entgiftet.

Die Halbwertzeit liegt im Durchschnitt bei etwa einem halben Tag. Untersuchungen zur Verteilung und Speicherung von Pyrethroiden im Körper von Mensch und Tier haben gezeigt, dass diese Stoffe bei Warmblütern nicht gespeichert werden.

Viele Erkenntnisse zur Giftigkeit von Pyrethroiden stammen aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen, beispielsweise an Forstarbeitern, an Arbeitern mit Pyrethroidkontakt in der Verpackungsindustrie, an Schädlingsbekämpfern usw. Auch die Auswertung ärztlicher Meldungen bei Vergiftungen nach § 16e des Chemikaliengesetzes haben dazu beigetragen, toxische Wirkungen von Pyrethroiden bei akuter und chronischer Einwirkung zu charakterisieren (Michalak u. Mit., 1999).

Symptome bei Vergiftungen

Natürliches Pyrethrum und synthetisch hergestellte Pyrethroide sind in erster Linie neurotoxisch, sie wirken als Nervengifte. Bei akuter Einwirkung in entsprechend hoher Konzentration rufen sie vorwiegend Reizungen und Rötungen der Haut und Schleimhaut, Kribbeln und Jucken, Augenbrennen und Atemwegsreizungen hervor.

Wirkungen auf das periphere Nervensystem stehen also im Vordergrund. Diese Empfindungen sind auf die exponierten Hautstellen begrenzt und bilden sich rasch wieder zurück, eine dauerhafte Schädigung wurde bisher nicht beobachtet. Bei chronischer Einwirkung werden das periphere und das zentrale Nervensystem beeinträchtigt, was sich unter anderem in Sensibilitätsstörungen, Kopfschmerz, Schwindel, Angst, Seh- und Hörstörungen, sowie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (Übelkeit) äußern kann (Michalak und Mitarb. 1999). In Tierexperimenten mit hohen Pyrethroid-Dosen sind abhängig vom Pyrethroid-Typ (s. unter "Beschreibung") verschiedene Vergiftungsbilder beobachtet worden:

  • Pyrethroide vom Typ I (beispielsweise Permethrin, Allethrin und Bioresmethrin) erzeugen ein so genanntes T-Syndrom. T steht hierbei für Tremor (Zittern). Es ist vorwiegend das periphere Nervensystem betroffen.
  • Bei Pyrethroiden vom Typ II (beispielsweise Cypermethrin und Deltamethrin) kommt es zum so genannten CS-Syndrom. Das Kürzel CS steht für Choreoathetosis und Salivation, d. h. für unkontrollierte Bewegungen und erhöhten Speichelfluss. Es ist vorwiegend das zentrale Nervensystem betroffen.

Beim Menschen sind diese Unterschiede nicht beschrieben worden.

Besondere Empfindlichkeit von Kindern

Möglicherweise sind Neugeborene und Kinder durch Pyrethroide stärker gefährdet als Erwachsene; entsprechende Hinweise kommen aus Tierversuchen. Dies könnte mit einem Mangel an Entgiftungsenzymen im Neugeborenenorganismus zusammenhängen.

Weitere Wirkungen

Neben den neurotoxischen Wirkungen des Pyrethrums und der Pyrethroide soll die lokale Wirkung von Pyrethrum als Kontaktallergen nicht unerwähnt bleiben. Sie wird möglicherweise durch Verunreinigungen mit Sesquiterpenlactonen verursacht. In der Arbeitsmedizin ist auch ein "Pyrethrumasthma" bekannt. Der Vergleich "Pyrethrum - Pyrethroide" zeigt hier anschaulich, dass Naturstoffe nicht automatisch "gut" und künstlich hergestellte Stoffe automatisch "schlecht" sind.

Belastung mit Pyrethroiden

Im Folgenden soll anhand einiger typischer Anwendungssituationen aufgezeigt werden, welche gesundheitlichen Auswirkungen eine Pyrethroidbelastung haben kann. Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass kommerzielle Mittel neben Pyrethroiden in der Regel noch weitere Wirkstoffe, sowie Lösemittel und Zusatzstoffe enthalten, die ebenfalls gesundheitsrelevant sein können. Über (denkbare) Wechselwirkungen der Wirkstoffe untereinander ist bisher wenig bekannt. Schließlich dürfen die Dauer der Exposition und die Menge der tatsächlich aufgenommenen Wirkstoffe/Schadstoffe nicht außer acht gelassen werden.

Pyrethroide in Holzschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln

Siehe auch Informationen zu Holzschutzmitteln. Nach dem Einsatz von pyrethroidhaltigen Schädlingsbekämpfungsmitteln im häuslichen Innenraum haben einige Anwender über gesundheitliche Beschwerden berichtet. Das Bundesgesundheitsamt bzw. das BgVV ist diesen Berichten 1993 in einer an Prof. Altenkirch vergebenen Studie nachgegangen. Neben der Tatsache, dass es sich oft um Fehlanwendungen der Mittel gehandelt hat, wurde folgendes festgestellt:

  • "Von insgesamt 23 untersuchten Patienten hatten 9 eine klinisch gesicherte völlig andersartige Diagnose, die keinen Zusammenhang mit einer Pyrethroid-Exposition aufwies.
  • In 8 Fällen wurde ein typisches Beschwerdebild, das heute in der Umweltmedizin als "vielfache Chemikalien-Überempfindlichkeit" (MCS = Multiple Chemical Sensitivity) bezeichnet wird, diagnostiziert.
  • Für 6 Fälle kann ein Zusammenhang zwischen den aufgetretenen gesundheitlichen Beschwerden und einer Pyrethroid-Exposition als wahrscheinlich angenommen werden.
  • Die vorliegenden Ergebnisse ergeben insgesamt keine Hinweise für eine langzeitige Erkrankung des peripheren und/oder zentralen Nervensystems durch Pyrethroide."

In einer neueren Studie (BMBF & IVA, 2001) wurde dem Fall zweier Probanden nachgegangen, die nach Deltamethrinanwendung im Innenraum über gesundheitliche Beschwerden berichtet hatten. Kurze Zeit nach der Schädlingsbekämpfungsmaßnahme beobachteten die Probanden ein Kribbeln, Jucken und Brennen der Haut sowie Trockenheit im Mund. Diese Symptome sind nach Einschätzung der Fachleute mit der Pyrethroidanwendung in Zusammenhang zu bringen. Nach 3 - 7 Tagen verschwanden sie wieder. In einem anderen Fall traten trotz hoher Pyrethroidbelastung des Körpers keine Symptome auf. Dies spricht dafür, dass nicht allein die Höhe der Belastung, sondern auch die individuelle Empfindlichkeit eine Rolle spielt.

Die genannte Studie kommt zu folgenden Schlussfolgerungen: "Nach einer Schädlingsbekämpfungsmaßnahme steigt die Pyrethroidkonzentration im Hausstaub und in der Raumluft erkennbar an, fällt im Laufe eines Jahres nahezu wieder auf die Ausgangswerte zurück. Die Pyrethroidkonzentrationen in der Raumluft bleiben stets sehr niedrig. Da die Luft der Hauptpfad für die Aufnahme der Pyrethroide ist, ist nur eine geringe Belastung der Bewohner zu erwarten. Die Konzentration von Pyrethroid-Metaboliten im Urin steigt nach einer Schädlingsbekämpfungsmaßnahme vorübergehend leicht an. ... Pyrethroidspezifische Symptome können vereinzelt bei Deltamethrin beobachtet werden, sind aber nur von kurzer Dauer. ... Beim Nervensystem der untersuchten Personen ergibt sich durch eine Pyrethroidbelastung in Innenräumen kein Hinweis auf eine neurotoxische Wirkung. Wichtige Parameter des Immunsystems weisen nach einer Schädlingsbekämpfungsmaßnahme keine abnorme Veränderungen auf. [Allerdings] besteht weiterer Forschungsbedarf" (BMBF & IVA 2001).

Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse hat das BgVV der Bundesregierung Vorschläge für gesetzliche Regelungen unterbreitet, die den Umgang mit pyrethroidhaltigen Schädlingsbekämpfungsmitteln im Haushalt betreffen. Ein Ziel ist es, künftig zu verhindern, dass Langzeitpyrethroide in Verbraucherhand gelangen.

Pyrethroide in Teppichen

Um Wollteppiche wirksam vor den Larven von Motten und Teppichkäfern zu schützen, ist eine Pyrethroidausrüstung der Teppichfaser immer noch Stand der Technik. Dies gilt für Teppiche mit einem Wollanteil ab 50 Prozent. Ein fachgerecht ausgerüsteter ("eulanisierter") Teppich enthält etwa 35 bis 210 Milligramm Permethrin pro Kilogramm Teppichfaser. Das GlossarInsektizidInsekten tötende Mittel zur Bekämpfung von Schadinsekten ist fest an die Teppichfaser gebunden und belastet die Raumluft nicht, da es praktisch nicht verdampft. Durch die Teppichnutzung kommt es allerdings zu einem gewissen Abrieb, sodass sich Permethrin im Hausstaub anreichern kann. Über die atembare Fraktion des Schwebstaubs kann es hierdurch zu einer geringen Pyrethroidbelastung kommen (BgVV 2000).

Im Rahmen des bereits erwähnten Forschungsprojekts "Pyrethroidexposition in Innenräumen" wurde untersucht, ob die Pyrethroidbelastung von Personen in Wohnungen mit permethrinhaltigen Teppichen höher ist als die der Allgemeinbevölkerung und ob verstärkt pyrethroidtypische gesundheitliche Beschwerden beobachtet werden. Die Ergebnisse werden nachfolgend kurz besprochen. Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich im Internet unter der Adresse http://www.pro-dis.info/.

Wie zu erwarten, stieg die Pyrethroidkonzentration im Hausstaub mit steigender Permethrinausrüstung im Teppich an. Allerdings waren Personen in Wohnungen mit stark permetrinausgerüsteten Teppichen nicht stärker mit Pyrethroiden belastet als die Allgemeinbevölkerung. Die Probanden berichteten vorwiegend über Beschwerden, die den Befindlichkeitsstörungen zuzuordnen sind. Es wäre zu erwarten gewesen, dass eine höhere Pyrethroidbelastung mit einer häufigeren Nennung dieser Befindlichkeitsstörungen einhergeht. Da dies nicht der Fall war, kommt das BgVV zu dem Schluss, dass "auf der Basis dieser neuen Daten ein gesundheitliches Risiko durch die Benutzung fachgerecht ausgerüsteter Teppiche nicht erkennbar" ist.

Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ist jedoch eine leicht verständliche Kennzeichnung von Wollteppichen, die mit Permethrin behandelt wurden, sinnvoll und anstrebenswert. Neuerdings wird gelegentlich die Meinung vertreten, dass die Pyrethroidausrüstung nicht nötig sei (Schmitz-Günther, Öko-Test 2002). Nach Auskunft des Deutschen Teppichforschungsinstituts in Aachen kann auf die Pyrethroidausrüstung jedoch höchstens bei offen ausliegenden, regelmäßig gepflegten Teppichen verzichtet werden. In der Mehrzahl der Wohnungen sind Teppiche jedoch mit Schränken, Tischen und Sitzgarnituren vollgestellt, so dass sie sehr wohl durch Motten- und Käferlarvenfraß bedroht sind. Die gelegentlich empfohlene vorbeugende Behandlung mit einem Neembaumwirkstoff (kein Pyrethroid !) ist gegenüber Käferlarven nicht wirksam.

Pyrethroide und Elektroverdampfer

In Elektroverdampfern werden Wirkstoffplättchen durch einen elektrischen Widerstand erwärmt. Auf diese Weise geben sie den Wirkstoff permanent an die Raumluft ab. Meist enthalten die Plättchen einen Pyrethrumextrakt oder die Pyrethroide Transfluthrin bzw. Bioallethrin. Elektroverdampfer sollten eigentlich nur verwendet werden, um bereits im Raum befindliche Insekten zu beseitigen, wobei der Raum anschließend gut gelüftet werden muss. In der Praxis werden die Verdampfer jedoch vielfach auch "zur Vorbeugung" eingesetzt.

Angesichts unschädlicher Alternativen (Fliegengitter, Moskitonetze) ist vom Einsatz der Geräte im Innenraum abzuraten. Insbesondere gilt das für ihre Nutzung in Kinder- und Schlafzimmern.

Pyrethroide und Kopflausmittel

Das sporadische Auftreten von Kopfläusen stellt den Arzt vor therapeutische Probleme: Insektizide können kaum nebenwirkungsfrei sein, wird doch von ihnen eine akute Giftigkeit - zumindest für die Parasiten - erwartet. Bei dem üblicherweise angewendeten Mittel ("Goldgeist forte") handelt es sich um gereinigten 25%igen Extrakt aus Pyrethrumpflanzen. Entsprechend der hierzu vorliegenden Firmeninformation erfolgt praktisch keine GlossarResorptionAufnahme von Substanzen aus dem Inneren des Magen-Darmtrakts bzw. über die Haut oder die Lunge in das Blut über die Haut.

Die Firmeninformation weist darauf hin, dass krebserzeugende oder erbgutschädigende Wirkungen beim natürlichen Pyrethrum nicht bekannt sind, und eine Anreicherung von Pyrethrum im Nervengewebe oder Gehirn nicht stattfindet. Pyrethrumextrakte und allethrinhaltige Präparate sind wirksam, und sie sind vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für die Behandlung, auch von Kindern, zugelassen. Sie sind wegen der geringen GlossarResorptionAufnahme von Substanzen aus dem Inneren des Magen-Darmtrakts bzw. über die Haut oder die Lunge in das Blut der Anwendung von Lindan-haltigen Mitteln vorzuziehen, da aus diesen nachweislich Lindan in messbaren Mengen über die Haut resorbiert wird (ohnehin sind seit Januar 2008 Arzneimittel auf Lindanbasis - Jacutin Gel, Infectopedicul Lindan Gel und Delitex Haarwäsche N Gel - nicht mehr zugelassen).

Zur Kopflausbehandlung kommen auch alternative Möglichkeiten in Betracht: Läuse können nach der stammesgeschichtlich schon sehr alten Methode beseitigt werden: man sucht sie heraus und zerdrückt sie. Bei langen und unübersichtlichen Haaren kann ein kurzer Haarschnitt zumutbar sein, der dann auch die Entfernung der Nissen mit einem feinen Kamm (Läusekamm) erleichtert. Festsitzende Nissen sollen nach einer Kopfwäsche mit 2,5%igem Essig (Speiseessig, 1 : 1 verdünnt) leichter entfernbar sein.

Es gibt weitere Methoden, bei denen auf Pyrethrum/Pyrethroide und auf Lindan verzichtet wird, deren nachhaltige Wirkung aber nicht belegt ist. Die Hamburger Verbraucherzentrale empfahl vor einigen Jahren:

"Rapsöl: Eine Emulsion aus 250 ml Rapsöl mit 12,5 ml Wasser und 30 g Emulgator (Fluidlecithin) herstellen. Gründlich ins Haar einmassieren und einige Stunden wirken lassen. Anschließend gründlich auswaschen und mit dem Nissenkamm auskämmen. Behandlung muß am 1., 3. und 8. Tag erfolgen. Saunabesuch: Aufgrund der hohen Temperaturen (etwa 80 Grad) werden Nissen und Läuse abgetötet. Aufenthaltsdauer etwa 15 Minuten, muß zwei- bis dreimal wiederholt werden. Schwebehaube (800 Watt): Durch die hohen Temperaturen werden die Läuse und Nissen nach etwa 35 Minuten abgetötet. Um die Flucht der Läuse zu verhindern, ist eine Duschhaube notwendig. 800 Watt werden benötigt, um eine ausreichende Temperatur zu erzielen. Es können bis 65 Grad erreicht werden, was als zu heiß empfunden werden kann. Dann eine Stufe tiefer schalten, Hals und Nacken mit Handtuch bedecken".

Das Umweltbundesamt (J. Herrmann 1995) weist darauf hin, dass diese Methoden zum Beispiel für Maßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen nicht geeignet sind:

  • Zu Rapsöl liegen keine Erkenntnisse zur Wirksamkeit gegen Kopfläuse vor.
  • Beim Saunabesuch wird die zur Abtötung erforderliche Lufttemperatur unmittelbar auf der Kopfhaut nicht erreicht, da der Körper durch Schweißproduktion gegenreguliert.
  • Warmlufthauben: nach Erfahrungen des Umweltbundesamtes ist die Einwirkung von Warmluft (45 bis 46 Grad Celsius) über eine Stunde hinweg im Bereich der Kopfhaut ausreichend, die Läusepopulation einschließlich der Nissen zu töten. Allerdings wird bei Temperaturen oberhalb von 48 Grad die Kopfhaut geschädigt. Temperaturen oberhalb von 65 Grad führen zu Verbrennungen.

So wird man letztlich doch immer wieder auch Insektizide zur Kopflausbekämpfung einsetzen müssen. Dann wird wahrscheinlich gegen eine Behandlung mit einem pyrethroidhaltigen Shampoo nichts einzuwenden sein. 

Das Robert Koch-Institut empfiehlt ein kombiniertes Vorgehen mit chemischen, physikalischen und mechanischen Mitteln: RKI-Ratgeber für Ärzte.

Analytik

Pyrethrum, Pyrethroide und der Wirkungsverstärker PBO (Piperonylbutoxid) können im Hausstaub und in Materialproben von Teppichen, Textilien, Holz etc. bestimmt werden. Bei Hausstaubanalysen sollte aus Gründen der Vergleichbarkeit die so genannte "< 2 mm-Fraktion " untersucht werden. Im Rahmen der vom Umweltbundesamt durchgeführten Umweltsurveys wurden in zufällig ausgewählten Haushalten durchschnittlich 0,22 Milligrammm Permethrin pro Kilogramm Hausstaub gefunden - mit steigender Tendenz im Jahresvergleich.

Eine Raumluftanalyse ist nur bis ca. drei Tage nach der Anwendung pyrethroidhaltiger Mittel sinnvoll, da die Wirkstoffe aufgrund ihres niedrigen Dampfdrucks praktisch nicht verdampfen. Nachweis und Analyse von Pyrethroiden sind vergleichsweise aufwändig und bleiben daher entsprechend qualifizierten Labors vorbehalten. Ein Schnelltest ist nicht verfügbar.

Biomonitoring

Der Nachweis von Pyrethroiden im Blut gelingt meist nur wenige Stunden nach der Aufnahme, da die Substanzen rasch abgebaut werden. Eine Blutuntersuchung ist daher in der Regel nicht sinnvoll.

Die meisten der im Haushalt vorkommenden Pyrethroide verfügen über ein gemeinsames "chemisches Grundgerüst". Beim Abbau dieses Grundgerüsts im Körper entstehen 3 typische Stoffwechselprodukte, die im Urin nachgewiesen werden können. Diese Stoffwechselprodukte tragen komplizierte Namen, die meist mit 3PBA, Cl2CA und Br2CA abgekürzt werden.

Referenzwerte für die Allgemeinbevölkerung

Die derzeit gültigen Referenzwerte für Pyrethroidabbauprodukte, welche sich aus der Grundbelastung der Bevölkerung mit Pyrethroiden ergeben, liegen für

  • cis-CL2CA       bei 1 Mikrogramm pro Liter Urin
  • trans-CL2CA   bei 2 Mikrogramm pro Liter Urin
  • 3-PBA             bei 2 Mikrogramm pro Liter Urin

(Quelle: Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2005)).

Referenzwerte für Kinder

Basierend auf den Daten des Kinder-Umwelt-Surveys (2003 / 2006) liegen jetzt Referenzwerte für Pyrethroidmetabolite im Urin von Kindern vor.

Sie wurden von der Kommission "Human-Biomonitoring" (2009) abgeleitet und sind zahlenmässig mit den oben genannten Referenzwerten für die Allgemeinbevölkerung identisch.

Grenzwerte/Richtwerte/Vorsorgewerte

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das (damalige) Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV, jetzt BfR) haben für Pyrethrum und einige Pyrethroide Werte für die duldbare tägliche Gesamtaufnahme (angegeben in Mikrogramm pro Kg Körpergewicht und Tag) festgelegt:

  • Pyrethrum: 50 Mikrogramm/kg/d
  • Permethrin: 50 Mikrogramm/kg/d
  • Deltamethrin: 10 Mikrogramm/kg/d

Für Lebensmittel gelten die Bestimmungen der Höchstmengenverordnung (siehe Literatur/Links).

1992 hat das ehemalige Bundesgesundheitsamt einen Orientierungswert für Pyrethroide im Hausstaub in Höhe von 1 Milligramm pro Kilogramm Staub angegeben. Dieser Wert wurde nicht toxikologisch abgeleitet – hat also keinen Bezug zur Gesundheit –, sondern stellte die damalige analytische Erfassungsgrenze dar. Er ist heute nicht mehr gültig. Derzeit gibt es keine verbindlichen Beurteilungsmaßstäbe für Pyrethroidmessergebnisse im Hausstaub (BgVV 2000).

Vorbeugung/Sanierung

Holzschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel

Oft sind Schädlinge im Innenraum ein nach außen sichtbares Zeichen für Mängel in der baulichen Gestaltung der Wohnung und in der Wohnraum- bzw. Küchenhygiene. Die Vorbeugung beginnt also damit, Lebensmittel geschützt zu lagern, Abfälle geeignet aufzubewahren und zu entsorgen und die Wohnung regelmäßig und gründlich zu reinigen. Das bedeutet konkret:

  • Lebensmittel in geeigneten Behältnissen unter Verschluss halten
  • Speisereste und Abfälle in geschlossenen Abfalleimern unterbringen
  • Lebensmittelvorräte regelmäßig auf Befall hin kontrollieren
  • Küche, Vorrats- und Wohnräume regelmäßig auch in Winkeln und Ecken reinigen
  • Türen geschlossen halten
  • Fliegengitter an Fenstern anbringen
  • Zugangswege und Brutstellen für Schädlinge mit baulichen Maßnahmen versperren
  • Anbringen von Insektenfallen (z.B. Lockstoff-Klebefallen)

Auch nach Ausschöpfung aller genannten Möglichkeiten kann der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln - auch unter dem Aspekt der Seuchenabwehr – gelegentlich unabwendbar sein. Dann sollte die Behandlung ausschließlich von Fachleuten vorgenommen werden (Sachkundenachweis!). Zudem sollten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um die GlossarKontaminationdie Verunreinigung von Räumen, Gegenständen, Lebensmitteln, Boden, Luft und Wasser u. a. durch Mikroorganismen, Giftstoffe oder radioaktive Substanzen von Lebensmitteln, Textilien, Vorhängen, Teppichen, Möbeln und Kosmetika zu vermeiden.

Fachleute sind in der Lage, der Resistenzentwicklung bei den Schädlingen durch die Auswahl geeigneter Mittel vorzubeugen. Durch entsprechende Ausbringungstechniken (Spot- und Barriereverfahren) können sie außerdem die Gesamtbelastung so gering wie möglich halten. Nichtfachleute sollten Langzeitpyrethroide im Innenraum generell nicht selbst anwenden.

Bei Fragen zur Anwendung pyrethroidhaltiger Holzschutzmittel im Innenraum möchten wir auf den Informationstext "Holzschutzmittel" verweisen.

Pyrethroide und Haustiere

Kinder sollten unbedingt davon abgehalten werden, in zu engen Kontakt mit dem frisch mit Insektenbekämpfungsmitteln behandelten Fell von Haustieren zu treten. Eine entsprechende Warnung hat die beim damaligen BgVV (jetzt: BfR) angesiedelte "Zentrale Erfassungsstelle für Vergiftungen, gefährliche Stoffe und Zubereitungen, Umweltmedizin" ausgesprochen.

Pyrethroide in Teppichen

Auf die Pyrethroidausrüstung (Eulanisierung) von Wollteppichen kann nur in seltenen Fällen verzichtet werden, etwa bei offen ausliegenden Teppichen, die regelmäßig gereinigt werden. Auch dann wird jedoch ein möglicher Befall durch Motten- und Teppichkäferlarven in Kauf genommen. Eine Kennzeichnung pyrethroidausgerüsteter Teppiche ist sinnvoll! Allergiker sollten überlegen, ob der Teppichboden im Innenraum nicht besser durch leicht zu reinigende Bodenbeläge wie Fliesen, Laminat oder Parkett ersetzt werden sollte.

Pyrethroide und Elektroverdampfer

Angesichts unschädlicher Alternativen (Fliegengitter, Moskitonetze) ist vom Einsatz von Elektroverdampfern im Innenraum, insbesondere in Kinder- und Schlafzimmern abzuraten.

Pyrethroide und Kopflausmittel

Das Robert Koch-Institut empfiehlt ein kombiniertes Vorgehen mit chemischen, physikalischen und mechanischen Mitteln: RKI-Ratgeber für Ärzte.

Fazit:

  • Pyrethrium und Pyrethroide besitzen hervorragende Anwendungseigenschaften als Pflanzen-, Vorrats- und Holzschutzmittel, als Human- und Tierarzneimittel, als Entwesungsmittel und als Textilschutz.
  • Unsachgemäßer Gebrauch von pyrethroidhaltigen Insektiziden kann zu akuten Gesundheitsbeschwerden führen. Vor einem leichtfertigen Einsatz wird daher gewarnt.
  • Bei sachgemäßer Anwendung (Wollteppichausrüstung) und gelegentlichem Gebrauch (z.B. zur Tierfloh- und Kopflausbekämpfung) sind gesundheitliche Schäden nach derzeitigem Wissen nicht zu befürchten.
  • Die Verwendung von Elektroverdampfern im Innenraum stellt eine unnötige und vermeidbare Belastungsquelle dar.

Autoren: Dr. M. Otto, Prof. K. E. von Mühlendahl 

Stand: Dezember 2010
 
Nächste Aktualisierung: Dezember 2011
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