Quecksilber ist das einzige bei Raumtemperatur flüssige Metall. Es zählt zur Gruppe der Schwermetalle und ist in elementarem Zustand silbrig glänzend. Quecksilber kommt in drei verschiedenen Formen vor, die sich in ihrer Toxizität deutlich voneinander unterscheiden:
Im häuslichen Bereich kommt metallisches Quecksilber in Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten klassischer Bauart vor. Außerdem ist es in älteren Haushaltsgegenständen wie etwa Höhensonnen und Hg-Lampen enthalten. Thermostate in älteren Kaffeemaschinen und Haarfönen, sowie Neigungs- und Sicherheitsschalter in Klapptüren von älteren Kühltruhen und Waschmaschinen können ebenfalls Quecksilber enthalten. Manche Spezialbatterien (Knopfzellen) enthalten Quecksilberoxid. Früher kam Quecksilber auch bei der Spiegelherstellung zum Einsatz (hier liegt das Quecksilber gebunden, als Zinnamalgam vor).
Das für Zahnfüllungen verwendete Dentalamalgam ist eine
Legierungdurch Zusammenschmelzen mehrerer Metalle entstehender Stoff, der auch kleine Mengen von Nichtmetallen enthalten kann; keine neue chemische Verbindung erzeugend mit einem Quecksilbergehalt von ca. 50 Prozent. Die Zahl der Amalgamfüllungen ist jedoch rückläufig, da mehr und mehr auf andere Füllmaterialien ausgewichen wird.
In Ländern der Dritten Welt wird Quecksilber auch heute noch zur Edelmetallgewinnung verwendet. Dabei nutzt man seine Fähigkeit aus, andere Metalle unter Bildung von Amalgamen zu lösen.
Im Wohnbereich sind bis in die 70er Jahre hinein quecksilberhaltige Holzschutzmittel verwendet worden. Vereinzelt trifft man auf quecksilberhaltige Kosmetika wie etwa Bleichsalben oder Sommersprossensalben. Diese können einen beträchtlichen Quecksilbergehalt aufweisen und werden durchweg illegal vertrieben. Sie werden insbesondere von Menschen asiatischer und südosteuropäischer Herkunft verwendet.
Die neue Spielzeugrichtlinie der Europäischen Union vom 18. Juni 2009 sieht einen Migrationsgrenzwert von 94mg Quecksilber pro Kilogramm Spielzeug vor. Dies betrifft mechanisch abgeschabtes Spielzeugmaterial. Dies kann passieren, wenn Kinder das Spielzeug in den Mund nehmen und mit den Zähnen daran reiben.
Im Vergleich zur Richtlinie aus dem Jahr 1988 ist der Migrationsgrenzwert von 60mg/KG angestiegen. Aus Sicht des Gesundheitsschutzes ist diese Veränderung äußerst kritisch zu betrachten.
Organisches Quecksilber gelangt hauptsächlich durch den Verzehr von Fischen in den menschlichen Körper. Dabei sind alte Fische deutlich stärker mit Quecksilber belastet als junge, und Raubfische stärker als Friedfische.
Noch bis vor wenigen Jahren wurden quecksilberhaltige Wunddesinfektionsmittel angewandt, von denen derzeit nur noch das Merbromin zugelassen ist. Inzwischen gibt es jedoch weniger toxische und besser wirksame Lokalantiseptika, sodass auf quecksilberhaltige Desinfektionsmittel verzichtet werden kann.
Das quecksilberhaltige Thiomersal wird als Konservierungsmittel in Augentropfen, Kontaktlinsenflüssigkeiten, Impfstoffen und Desensibilisierungslösungen verwendet. Thiomersal besitzt ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum und wird auch in der Veterinärmedizin eingesetzt. Impfstofflösungen dürfen bis zu 0,1 Prozent Thiomersal enthalten.
Farben dürfen seit einem Jahrzehnt kein Quecksilber mehr enthalten. Auch als Schädlingsbekämpfungsmittel werden quecksilberhaltige Verbindungen nicht mehr verwendet.
Im folgenden werden Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung sowie die resultierenden gesundheitlichen Risiken für die drei Quecksilberformen (elementares Quecksilber, anorganische Quecksilbersalze, organische Quecksilberverbindungen) jeweils gesondert betrachtet.
Eingeatmete Quecksilberdämpfe werden über die Lunge zu ca. 80 Prozent aufgenommen. In seiner elementaren Form kann Quecksilber die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentabarriere passieren. Nach der
ResorptionAufnahme von Substanzen aus dem Inneren des Magen-Darmtrakts bzw. über die Haut oder die Lunge in das Blut über die Lunge wird das elementare Quecksilber in Erythrozyten, in der Leber und im Gehirn rasch zu anorganischen Quecksilberverbindungen (Hg2+) oxydiert. Hg2+-Ionen können die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentabarriere kaum noch passieren. Sie binden sich an schwefelhaltige Biomoleküle, beispielsweise an Glutathion, Hämoglobin und an Enzyme, deren Funktion auf diese Weise beeinträchtigt wird. Nicht oxydiertes elementares Quecksilber kann über die Lunge abgeatmet werden.
Aus dem für Zahnfüllungen verwendeten Dentalamalgam kann Quecksilber auf zwei Wegen weiter in den Körper gelangen: Zum einen geben die Füllungen Quecksilberdampf ab, zum anderen tragen auch Abrieb und Korrosionsvorgänge zur Quecksilberbelastung bei. Früher gelangten auf diese Weise zwischen 3,9 und 21 Mikrogramm Quecksilber pro Tag in den Körper, heute beträgt die Belastung zwischen 3 und 12 Mikrogramm (Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe 1999).
Nächtliches unbewusstes Zähneknirschen (Bruxismus) und Kaugummikauen können die tägliche Aufnahme um den Faktor 5 bis 20 erhöhen.
Verschlucktes metallisches Quecksilber wird aus dem Magen-Darm-Trakt praktisch nicht resorbiert. Quecksilber aus einem im Mund zerbrochenen Fieberthermometer ist daher toxikologisch unbedenklich. Dagegen kann aus Fieberthermometern ausgelaufenes Quecksilber verdampfen und besonders in kleinen, schlecht gelüfteten Räumen zu schweren Vergiftungen führen (Feer'sche Erkrankung bei Kleinkindern!).
Anorganische Quecksilbersalze werden aus dem Magen-Darm-Trakt zu etwa 2 – 15 Prozent resorbiert. Gut wasserlösliche Substanzen werden dabei besser aufgenommen als solche mit geringer Wasserlöslichkeit. Entsprechend variiert auch die Toxizität: So ist das kaum wasserlösliche Kalomel (Quecksilber-I-Chlorid) wesentlich weniger giftig als das gut lösliche Sublimat (Quecksilber-II-Chlorid).
Die höchsten Konzentrationen an anorganischen Quecksilbersalzen finden sich in der Niere. Dort binden sich die Quecksilberionen an das schwefelreiche
ProteinEiweiß Metallothionein. Auch in der Leber, der Hypophyse und einigen anderen Gehirnarealen reichert sich anorganisches Quecksilber an.
Die Ausscheidung der Quecksilberionen (Hg2+) erfolgt überwiegend über den Urin, bei hoher Zufuhr zusätzlich über den Stuhl.
Aufgrund ihrer hohen Fettlöslichkeit werden organische Quecksilberverbindungen aus dem Magen-Darm-Trakt zu über 90 Prozent resorbiert. Auch über die Haut und die Lunge werden sie gut aufgenommen. Organisches Quecksilber verteilt sich gleichmäßig im Körper, es kann die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentabarriere passieren. Organisches Quecksilber wird durch Mikroorganismen im Dickdarm zu Hg2+ umgewandelt, das dann mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Das verbleibende (nicht umgewandelte) organische Quecksilber wird resorbiert.
Etwa 90 Prozent des organischen Quecksilbers werden wieder über den Stuhl ausgeschieden. Daneben lagern sich organische Quecksilberverbindungen auch im Haar ein.
Die Halbwertszeit des organischen Quecksilbers im Blut beträgt 30 bis 70 Tage. In manchen Organen liegt sie möglicherweise im Bereich von Jahren. Die tägliche Aufnahme über Nahrungsmittel wird mit 3 Mikrogramm Quecksilber (vorwiegend als Methylquecksilber) abgeschätzt. Bei fischreicher Kost kann sie auf ca. 14 Mikrogramm pro Tag ansteigen.
Wie eine Quecksilberbelastung sich auf die Gesundheit auswirkt, hängt davon ab, welche Quecksilberform (elementar, anorganisch, organisch) aufgenommen wurde, und ob die Aufnahme
akutplötzlich, schnell (bei Krankheiten meist mit einem heftigen Verlauf einhergehend) oder
chronischder meist schleichend einsetzende und lange andauernde Verlauf einer Erkrankung erfolgt. Letztlich ist neben der insgesamt zugeführten Quecksilbermenge auch die Konzentration in den einzelnen Zielorganen entscheidend.
Die Inhalation großer Mengen von Quecksilberdampf schädigt zunächst die Lunge. Als kritisch gelten Konzentrationen von mehr als 1 Milligramm Quecksilber pro Kubikmeter Luft. Sie können zu Husten, Atemnot und schwersten Entzündungen von Bronchien und Lunge führen. Die orale Aufnahme von anorganischen Quecksilbersalzen macht sich schnell durch Metallgeschmack und vermehrten Speichelfluss (Hypersalivation) bemerkbar. Im weiteren Verlauf kommt es zu Verätzungen des gesamten Magen-Darm-Traktes mit Erbrechen und Durchfällen. Als Folge treten schwere Elektrolytverschiebungen auf, die zum Schock führen können. Ferner kommt es zu akutem Nierenversagen. Später kommen zentralnervöse Krankheitszeichen hinzu. Die tödliche Dosis für einen Erwachsenen liegt bei ca. 1 bis 4 Gramm.
Früher galten beruflich exponierte Menschen – etwa Hutmacher, die mit quecksilbergebeizten Fellen und Filz arbeiteten – allgemein als verrückt ("Mad Hatter" aus Alice im Wunderland). Viele neuere Erkenntnisse über die chronische Quecksilbervergiftung stammen ebenfalls aus der Arbeitsmedizin.
Leitsymptome für eine lang andauernde inhalative Belastung mit Quecksilberdampf sind Tremor (beginnend mit feinschlägigem Fingerzittern), krankhaft gesteigerte Erregbarkeit und eine Entzündung der Schleimhaut der Zahnbögen (Gingivitis). In weiteren arbeitsmedizinischen Untersuchungen zur chronischen Quecksilberintoxikation wurden Schäden an verschiedenen anderen Organen beobachtet. Betroffen sind etwa das Zentralnervensystem mit einer Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und der Koordinationsfähigkeit, das sensorische System mit Störungen des Farbsehens, das periphere Nervensystem, die Niere mit einer Glomerulonephritis infolge der Bildung von Immunkomplexen. Selten kommt es auch zu einer Autoimmunerkrankung der Nieren. Darüber hinaus besteht die Gefahr der Sensibilisierung der Haut, allergische Reaktionen sind jedoch selten.
Untersuchungen bei amalgamverarbeitenden Zahnärztinnen haben gezeigt, dass bei mangelhaften Arbeitsbedingungen die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein kann.
Beim Kind führt die chronische
IntoxikationVergiftung zum - heute seltenen - Bild der Feer'schen Krankheit (Synonyma: Feer'sche Neurose, M. Selter-Swift-Feer, Akrodynie, Pink Disease). Offensichtlich ist der Organismus, insbesondere das Gehirn, bei Kleinkindern empfindlicher gegenüber relativ geringen Quecksilbermengen, als das bei Erwachsenen der Fall ist. Es hat wiederholt Fallberichte über Kleinkinder gegeben, die bereits bei Urinkonzentrationen unterhalb von 50 Mikrogramm pro Liter schwere Krankheitsbilder entwickelt haben.
Die Symptomatik wird von zerebralen, vegetativen und dermatologischen Symptomen geprägt: ausgeprägte Hypotonie, später Verweigerung von Gehen, Stehen und Sitzen, unlustiges, mürrisches, jämmerliches Verhalten, motorisch bedingte Apathie, Muskel- und Gliederschmerzen, Appetitverlust, Gewichtsabnahme, nächtliche Schlafstörungen, tags Somnolenz, vermehrtes Schwitzen, ausgeprägter Juckreiz, Blutdruckerhöhung, Lichtscheu; symmetrische Rötung (Akrodynie, Pink Disease) an der Nase und an Händen und Füßen (von Mühlendahl 1990 und 1991).

Unsere Kenntnisse zur Gefährlichkeit organischer Quecksilberverbindungen stammen vorwiegend aus zwei Umweltkatastrophen: der illegalen Einleitung von Quecksilberverbindungen in die Minamatabucht (Japan) und der Massenvergiftung im Irak durch quecksilbergebeiztes Saatgut, das irrtümlich zur Brotherstellung verwendet wurde.
Organische Quecksilberverbindungen wirken hauptsächlich auf das Nervensystem. Es kommt zu Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Einschränkung des Sehfeldes), Hörstörungen (Hörverlust, Einschränkungen im Wortverständnis) und Sensibilitätsstörungen (Finger, Zehen), gefolgt von Problemen beim Gehen und der Armmotorik (s. Übersicht bei F. Schweinsberg, 2002).
Die Übergänge zwischen akuter und chronischer Vergiftung sind fließend. Während der Schwangerschaft aufgenommenes organisches Quecksilber beeinträchtigt die Kindesentwicklung. Die Auswirkungen auf das Ungeborene sind in mehreren Studien gut untersucht worden. Kinder weisen eine im Vergleich zu Erwachsenen 5 – 10-fach erhöhte Empfindlichkeit gegenüber organischem Quecksilber auf, die sich in motorischen und kognitiven Entwicklungsstörungen äußert:
"Erste Symptome waren verzögertes Gehen- und Sprechenlernen. Bei vier- bis siebenjährigen Kindern belasteter Mütter wurden Hörverluste, erhöhter Muskeltonus in den Beinen, gesteigerter Sehnenreflex (nur bei Jungen) und Ataxie festgestellt. Die empfindlichsten Reaktionen wurden bei Siebenjährigen in neurophysiologischen Tests beobachtet (...)." (Kommision Humanbiomonitoring 1999).
In zwei großen, auf den Färöer Inseln und den Seychellen durchgeführten Studien ist der Frage nachgegangen worden, welchen Einfluss der regelmäßige Konsum deutlich quecksilberbelasteter Fische und Meeresfrüchte (mittlerer Gehalt ca. 0,3 Milligramm pro Kilogramm Fisch) während der Schwangerschaft auf die Kindesentwicklung hat.
Die Färöer-Studie lieferte Hinweise darauf, dass es mit zunehmender Quecksilberkonzentration zu Entwicklungsdefiziten bei den Kindern kommt: Bei 7-Jährigen zeigten sich Auffälligkeiten in neuropsychologischen Tests, wenn der (Organo-)Quecksilbergehalt im Haar der Mutter 10 Milligramm pro Kilogramm überstieg. Veränderungen im Bereich von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Sprache traten bereits bei noch geringeren Werten auf. Warum derartige Entwicklungsstörungen in der Seychellen-Studie nicht beobachtet wurden, ist bisher nicht geklärt.
Quecksilber kann mit Hilfe der Kaltdampf-Atomabsorptionsspektrometrie selektiv und mit hoher Empfindlichkeit in Umweltproben, Körperflüssigkeiten und Gewebsproben analysiert werden. Es sind weitere Verfahren bekannt (beispielsweise die Emissionsspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma, die Neutronenaktivierungsanalyse und die inverse Voltammetrie), diese sind jedoch deutlich aufwändiger.
Wie hoch die Quecksilberbelastung des Körpers ist, kann anhand von Urin-, Blut- oder Haarproben bestimmt werden. Der gelegentlich im Zusammenhang mit der amalgambedingten Quecksilberzufuhr angeführte Speicheltest ist für diesen Zweck ungeeignet und kann höchstens Auskunft über die Qualität der Amalgamfüllungen geben.
Bei der Analyse des (Voll)-Blutes wird das Gesamtquecksilber gemessen, es werden also anorganische und organische Quecksilberverbindungen erfasst. Da anorganisches Quecksilber im Blut eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit besitzt, können hier vor allem Aussagen über aktuelle oder nur kurz zurückliegende Belastungen gemacht werden.
Die Analyse des Quecksilbers im Urin erfasst selektiv die Belastung mit anorganischem Quecksilber, da organische Quecksilberverbindungen über den Stuhl ausgeschieden werden. Bei hoher Belastung – etwa bei Menschen mit vielen Amalgamfüllungen – wird anorganisches Quecksilber zusätzlich über den Stuhl ausgeschieden (Schweinsberg 2002). Die Quecksilberkonzentration im Urin unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, sollte die Quecksilberbestimmung daher im 24-Stunden-Sammelurin oder zumindest im Morgenurin erfolgen. Der Urin sollte in Polyethylengefäßen gesammelt werden, da Glasgefäße unter Umständen Quecksilber absorbieren und so die Messwerte verfälschen können.
Der Mobilisationstest unter Verwendung eines Komplexbildners (meist DMPS, gelegentlich auch DMSA) erbringt keine Erkenntnisse, die über die normale Quecksilberbestimmung im Urin hinausgehen. Die Urinuntersuchung ist auch ohne Mobilisation empfindlich genug, um eine mögliche Quecksilberbelastung zu erkennen.
Organisches Quecksilber wird sehr gut in die Haarwurzel eingebaut, anorganisches Quecksilber dagegen nicht. Daher ist der Quecksilbergehalt des Haares ein gutes und selektives Maß für die Belastung mit organischem Quecksilber. Über eine streckenweise Analyse des Haars lassen sich auch länger zurückliegende Belastungen zuverlässig ermitteln.
Die Quecksilberkonzentration im Haar liegt etwa 250 bis 350fach über den entsprechenden Blutwerten. Allerdings ist die Qualitätskontrolle von Bestimmungen des Organoquecksilbergehaltes im Haar bisher schwierig, und es liegen noch keine Referenzwerte vor. Schließlich muss sichergestellt werden, dass eine von außen stammende Verunreinigung des Haars nicht erfasst wird.
Die nachfolgende Tabelle gibt Empfehlungen dazu, welche Körpermedien bei typischen umweltmedizinischen Belastungssituationen untersucht werden sollten.
| Vollblut | Urin | Haar | Speichel | |
| Elementares Quecksilber Beispiel: zerbrochenes Fieberthermometer |
+ | + | - | - |
| Dentalamalgame Beispiel: Amalgamfüllungen |
(+) Fischverzehr verfälscht! | + | - | - (*) |
|
Anorganische Quecksilbersalze Beispiel: Vergiftung mit Sublimat |
+ | + | - | - |
|
Organisches Quecksilber Beispiel: starker Fischkonsum |
+ | - | (+) | - |
+ geeignet (+) bedingt geeignet - ungeeignet
(*) der Speicheltest sagt höchstens etwas über die Qualität der Amalgamfüllungen aus
Selen: Das essentielle Spurenelement Selen ist in der Lage, Quecksilber in Form eines Quecksilber-Selen-Eiweißes zu binden und damit in eine toxikologisch unwirksame Form zu überführen.
Die optimale Selenzufuhr liegt bei 1 Mikrogramm Selen pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. In Deutschland wird sie nach einer Schätzung der Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe jedoch nicht erreicht. Risikogruppen mit Neigung zu einem ernährungsbedingten Selenmangel sind unter anderem reine Vegetarier (Veganer), Alkoholiker (bei einseitiger Ernährung), Patienten mit diätetischen Beschränkungen, Dialysepatienten und Hungernde.
Durch starke Blutverluste, Nierenschäden oder durch sehr langes Stillen geht dem Körper Selen verloren. Auch hierdurch kann ein Selenmangel entstehen. Insbesondere bei diesen Personengruppen ist es daher sinnvoll, neben der Quecksilberbelastung auch den Selenstatus zu überprüfen. Hierfür wird der Selengehalt des Blutserums gemessen.
Die persönlichen Quecksilber-Biomonitoring-Werte können sowohl mit Referenzwerten als auch mit sogenannten HBM-Werten verglichen werden. Referenzwerte geben an, wo die obere Grenze der "allgemeinen Grundbelastung" in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Untersuchung liegt. Sie sagen nichts über eine mögliche Gesundheitsgefährdung aus, helfen aber, überdurchschnittlich belastete Personen zu identifizieren.
Die Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe hat folgende Referenzwerte für Quecksilber festgelegt:
| Urin(Mikrogramm pro Liter) | Urin(Mikrogramm pro Gramm Kreatinin) | Vollblut (Mikrogramm pro Liter) | |
| Kinder (6-12jährig), ohne Amalgam (**) | 0,7* | 1,0* | --- |
| Kinder (6-12 Jahre), Fischkonsum bis 3x pro Monat (**) | --- | --- | 1,0 |
|
Erwachsene (25-69 Jahre), Fischkonsum bis 3x pro Monat |
--- | --- | 2,0 |
Für die Einschätzung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen hat die Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe ein HBM-Wert-Konzept entwickelt.
Der HBM-I-Wert entspricht derjenigen Konzentration eines Umweltschadstoffes, bei deren Unterschreitung eine gesundheitliche Beeinträchtigung nach aktuellem Wissensstand nicht zu erwarten ist. Bei Überschreitung des Wertes sollte die Messung überprüft und ggf. nach der Quelle gesucht und diese saniert werden.
Der HBM-II-Wert ist ein Interventions- oder Maßnahmenwert. Wird er überschritten, ist eine relevante gesundheitliche Beeinträchtigung möglich. Daher sollte der Betroffene entsprechend umweltmedizinisch betreut werden, und es sollten umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um die Exposition zu verringern.
Die Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe hat für Quecksilber folgende Werte festgelegt:
| Untersuchungs-medium | HBM-I-Wert | HBM-II-Wert | |
| Kinder und Erwachsene | Urin** | 5 Mikrogramm pro Gramm |
20 Mikrogramm pro Gramm |
| Kinder und Erwachsene* | Vollblut*** | 5 Mikrogramm pro Liter | 15 Mikrogramm pro Liter |
* abgeleitet für Frauen im gebärfähigen Alter. Die Anwendung wird auch für die anderen Gruppen empfohlen. ** Beurteilung der internen Belastung mit anorganischem Quecksilber *** Beurteilung der Belastung mit anorganischem und organischem Quecksilber
Trinkwasserverordnung (TrinkwV) 2001 (gültig ab 01.01.2003): 0,001 Milligramm Quecksilber pro Liter Trinkwasser
Schadstoff-Höchstmengenverordnung (SHmV), 1988, Fassung der Änderungsverordnung vom 03.03.1997: 1 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht für essbare Teile von Raubfischen und Aal 0,5 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht für essbare Teile von allen anderen Fischarten
Der Grenzwert für die Aufnahme von Quecksilber wird mit
PTWIProvisional Tolerable Weekly Intake - vorläufig duldbare wöchentliche Aufnahmemenge angegeben.
Basierend auf epidemiologischen Studien hat der Gemeinsame Sachverständigen Ausschuss der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN und der
WHOWorld Health Organization - Weltgesundheitsorganisation die höchst zulässige Aufnahme von organischem Quecksilber auf 1,6 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche begrenzt.
Die Europäische Kommission hat diesen Wert für Gesamtquecksilber übernommen (Europäische Kommission 2006).
Embryonen/Foeten und Kinder stillender Mütter sind in besonderem Maße durch Organoquecksilber (Methylquecksilber) gefährdet. Eine spezielle Empfehlung für diese Personengruppe kann aufgrund der unzureichenden Datenlage jedoch nicht ausgesprochen werden.
Laut PTWI-Wert darf ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener pro Woche höchstens 300 Mikrogramm Gesamtquecksilber aufnehmen, davon neuerdings höchstens 100 Mikrogramm Methylquecksilber. Die amalgambedingte Quecksilberbelastung wird von der Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe auf 3 - 12 Mikrogramm Quecksilber pro Tag geschätzt, also 21 - 84 Mikrogramm pro Woche. Bei Abwesenheit anderer Quecksilberquellen wird der PTWI-Wert somit zu maximal 28 Prozent ausgeschöpft.
Der wöchentliche Verzehr von 200 Gramm eines Raubfisches mit gerade noch zulässiger Quecksilberbelastung (1 Milligramm pro Kilogramm laut Schadstoff-Höchstmengenverordnung, größtenteils als Methylquecksilber vorliegend) schöpft die gemäß PTWI-Wert tolerierbare wöchentliche Zufuhr beinahe aus.
1997 hat die amerikanische Umweltschutzbehörde (EPA, Environmental Protection Agency) die maximal tolerierbare Methylquecksilberzufuhr auf 0,1 Mikrogramm Methylquecksilber pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt. Das entspricht 0,7 Mikrogramm Methylquecksilber pro Kilogramm Körpergewicht und Woche und liegt somit deutlich niedriger als der PTWI-Wert der WHO.
Im folgenden soll aufgezeigt werden, welche Vorbeugungs- und Sanierungsmaßnahmen bei einigen typischen Belastungssituationen getroffen werden sollten.
Nach dem Zerbrechen von Fieberthermometern, Barometern oder Blutdruckmessgeräten auf Quecksilberbasis kann es zu einer Luftbelastung mit Quecksilber kommen. Der betreffende Raum sollte daher gut durchgelüftet werden - ggf. über Wochen hinweg. Die Quecksilberkügelchen sollten, soweit sichtbar, eingesammelt und bis zur Entsorgung als Sondermüll in einem Gefäß unter Wasser aufbewahrt werden. Kontaminierte Flächen können mit speziellen quecksilberabsorbierenden Mitteln (beispielsweise Mercurisorb) behandelt werden.
Es ist nicht ratsam, Quecksilber mit dem Staubsauger zu entfernen, da das Metall hierdurch großflächig im Raum verteilt werden kann. Quecksilberdampf ist schwerer als Luft. Kleinkinder, die am Boden spielen, sind in solchen Räumen besonders gefährdet.
Im Juli 2007 beschloss das Europaparlament eine Richtlinie, die Quecksilber in Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten verbietet. Alle EU-Länder müssen diese Richtlinie bis Ende 2008 umgesetzt haben. Das Verbot gilt nur für neue Geräte. Bereits gebrauchte Messinstrumente sind nicht betroffen.
Fachgerecht gelegte Amalgamfüllungen tragen normalerweise nur geringfügig zur Quecksilberbelastung des Körpers bei. Durch Polieren erzeugt der Zahnarzt an der Oberfläche jeder neuen Amalgamfüllung eine Oxydschicht, die die Quecksilberabgabe minimiert. Daher stellen fachgerecht gelegte und polierte Amalgamfüllungen in den allermeisten Fällen kein Gesundheitsrisiko dar.
Selten werden allergische Reaktionen vom Typ IV oder lichenoide Reaktionen (weißliche Verfärbungen) der Mundschleimhaut beobachtet.
Ob Amalgamfüllungen als Ursache für eine bestehende erhöhte Quecksilberbelastung des Körpers (siehe "Biomonitoring") in Frage kommen, kann nur der Zahnarzt feststellen. Anhand von Korrosion und Abrieb kann er Rückschlüsse auf die klinische Qualität der Füllung ziehen.
Die Quecksilberbelastung beim Legen oder Entfernen von Amalgamfüllungen kann durch geeignete zahnärztliche Maßnahmen (Absaugen, Kofferdamm usw.) minimiert werden. Aus Vorsichtsgründen sollten während der Schwangerschaft, während der Stillzeit und bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen keine Amalgamfüllungen gelegt bzw. entfernt werden.
Regelmäßiges Kaugummikauen kann die Oxydschicht der Amalgamfüllungen beschädigen. Daher sollte auf allzu häufigen Kaugummigenuss verzichtet werden. Die beste Vorbeugung gegenüber einer amalgambedingten Quecksilberbelastung ist natürlich die Kariesprophylaxe.
Im Internet findet sich eine gute Zusammenfassung der Amalgamdiskussion unter der Adresse www.kzbv.de/m41.htm
Zur "Entgiftung" mittels Chelatbildnern (beispielsweise DMPS) nimmt die Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe wie folgt Stellung:
"Nach den hier vorliegenden Erkenntnissen sieht die Kommission keine Indikation für die Anwendung von Chelatbildnern im umweltmedizinischen Bereich, z. B. auch nicht nach der Entfernung von Amalgamfüllungen. Weder die Wirksamkeit noch die Harmlosigkeit dieser Substanzen ist in der Umweltmedizin ausreichend belegt. Dies gilt insbesondere auch für den Einsatz von Chelatbildnern als Diagnostikum (Mobilisationstest)."
Fischverzehr ist einerseits ernährungsphysiologisch sinnvoll, andererseits bringt der Fischkonsum eine merkliche Belastung mit organischem Quecksilber mit sich. Insbesondere während einer Schwangerschaft sollte durch den Verzehr junger Fische, die lebensmittelrechtlich überwacht werden, die Organoquecksilberbelastung minimiert werden. Junge Fische enthalten weniger Quecksilber als alte Fische. Friedfische sind zudem deutlich weniger belastet als Raubfische.
Quecksilberhaltige Wunddesinfektionsmittel (Merbromin) sollten nicht mehr verwendet werden. Es sind besser wirksame quecksilberfreie Mittel verfügbar.
Autismus und neurodegenerative Erkrankungen im Zusammenhang mit Impfungen, insbesondere auch mit dem Quecksilbergehalt von Impfstoffen, ist in den letzten Jahren ein immer wieder auftauchendes Diskussionsobjekt gewesen. Auch heute wird von informierten Eltern gelegentlich nach Quecksilber in Impfstoffen gefragt. In der Tabelle ist der Stand vom Dez. 2005 wie auch die Situation im Jahre 2000 wiedergegeben. Heute ist nur in d bzw. D-Impfstoff von Chiron-Behring und im Td-Impfstoff Merieux von Sanofi Thiomersal enthalten. Ein Ersatz durch quecksilberfreie Präparate ist möglich und aus umweltmedizinischer Sicht zu empfehlen.
Im Juli 2007 beschloss das Europaparlament eine Richtlinie, die Quecksilber in Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräten ab April 2009 verbietet. Alle EU-Länder müssen diese Richtlinie bis Ende 2008 umgesetzt haben. Das Verbot gilt nur für neue Geräte. Bereits gebrauchte Messinstrumente sind nicht betroffen.
Bis 2011 soll ein Vertragswerk ausgearbeitet werden, das einem Quecksilberverbot nahekommt. Ein generelles Verbot ist unrealistisch, dafür ist die industrielle Bedeutung des Schwermetalls zu groß und nicht immer läßt es sich durch unbedenkliche Stoffe ersetzen. Beispielsweise enthalten Energiesparlampen geringe Mengen an Quecksilber. Daher wird ein mehrstufiges Vorgehen angestrebt: wo dies machbar ist, soll Quecksilber verboten werden. In Industrieprozessen, wo dies nicht möglich ist, sollen die eingesetzten Quecksilbermengen minimiert werden.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) begrüßt in seinem Umweltgutachten 2008 die Europäische Quecksilberstrategie, fordert aber zugleich weitergehende Maßnahmen.
Autoren: Dr. M. Otto, Prof. K. E. von Mühlendahl
Aktualisierung: Judith Linnemann
Eis, D. (1997): DMPS-Mobilisationstest auf Quecksilber. In: Beyer, A., Eis, D. (Hrsg.): Praktische Umweltmedizin, 2. Erg.-Lfg. 97, Aktuelles Apr.-Jul. 97, S. 12-19, Springer Verlag, Berlin - Heidelberg - New York
EU-Info.Deutschland: Quecksilberhaltige Fieberthermometer künftig in der EU verboten. www.eu-info.de/dpa-europaticker/118529.html
Europäische Kommission (2006): Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 Der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. Online verfügbar unter: Verordnung (zuletzt abgerufen am 12.03.2009).
Fachinformation "Umwelt und Gesundheit": Quecksilber und Amalgam (Stand 1998): www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_55_quecksilber_amalgam.pdf (zuletzt aufgerufen im August 2009)
Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe des Umweltbundesamtes Berlin: (1999). Stoffmonographie Quecksilber - Referenz- und Human-Biomonitoring-Werte (HBM). Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 42 (6): 522-532
Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe des Umweltbundesamtes Berlin: (2002). Selen und Human-Biomonitoring. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 45 (2): 190-195
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2005): Neue und aktualisierte Referenzwerte für Schadstoffgehalte in Blut und Urin von Kindern - Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 48 (11) 1308-1312
Öko-Test (Frankfurt/Main) Heft 06/2006: Piks sauber www.oeko-test.de
Richtlinie 2009/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2009 über die Sicherheit von Spielzeug. Online verfügbar. Zuletzt abgerufen am 23.09.09.
von Mühlendahl, K. E., U. Oberdisse, R. Bunjes und S. Ritter (1995): Vergiftungen im Kindesalter. Ferdinand Enke Verlag Stuttgart; S. 201 und 295
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