Pflanzenschutzmittel spielen in unserer Gesellschaft, die in ihrer Mehrheit qualitativ hochwertige und gleichzeitig preiswerte Lebensmittel fordert, eine nicht wegzudenkende Rolle.
Schädlingsbekämpfungsmittel wiederum sind für die Bekämpfung von Schädlingen, die eine Gefahr für für die menschliche Gesundheit darstellen, die lästig sind oder Schäden am Wohnumfeld verursachen, wichtig.
Aus umweltmedizinischer Sicht ist meist nicht der "Gebrauch an sich", sondern die nicht sachgemäße Anwendung problematisch, sei es in der Landwirtschaft, im Garten oder im privaten Haushalt.
Nach ihrer chemischen Struktur können vier große (Wirk)stoffgruppen unterschieden werden:
Vielfach kommen in fertig konfektionierten Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln Wirkstoffkombinationen zum Einsatz. Darüber hinaus enthalten die Mittel oftmals Wirkverstärker, Formulierungshilfen und Lösemittel.
siehe einzelne Stoffgruppen (Pyrethroide, weitere Gruppen in Vorbereitung )
Nicht der Schadstoff "an sich", sondern erst die vom Körper aufgenommene Menge kann zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung beitragen.
Beim "klassischen" Biomonitoring von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln werden diese Stoffe sowie ihre Stoffwechselprodukte ("Metabolite") im Blut, Serum und Urin gemessen.
Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, werden an eine Biomonitoring-Untersuchung hohe methodische Anforderungen gestellt. Die Probennahme und die analytische Bestimmung der Fremdstoffe im Blut, im Urin oder in anderen Matrices müssen nach anerkannten und geprüften Verfahren erfolgen.
Wer sich dafür näher interessiert: siehe www.allum.de/noxe/schadstoffe-in-der-umwelt-_-was-kann-biomonitoring-leisten.html und das eLearning-Modul zu HBM.
Wie können die erhaltenen Analyseergebnisse - egal, ob sie aus einem individuellen Monitoring oder der Untersuchung einer Gruppe stammen - bewertet werden?
Für viele Stoffe gibt es Referenzwerte und für einige wichtige Stoffe und Stoffklassen auch sogenannte Human-Biomonitoring-Werte.
Oftmals gelten diese Werte für eine bestimmte Altersgruppe und ein bestimmtes Geschlecht.
Basierend auf den Daten des Kinder-Umwelt-Surveys (2003 / 2006) liegen jetzt für Kinder Referenzwerte für eine Reihe von Wirkstoffmetaboliten aus Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln vor. Sie wurden von der Kommission "Human-Biomonitoring" (2009) abgeleitet.
Referenzwerte für Metabolite von Organochlorverbindungen im Vollblut von Kindern der Altersgruppe 7 - 14 J. in Deutschland
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Stoffname |
Personengruppe | Bezugsjahr | Referenzwert* |
| ßHCH | Kinder 7 - 14 J. | 2003-2006 | 0,1 |
| HCB | Kinder 7 - 14 J. | 2003-2006 | 0,2 |
| DDE | Kinder 7 - 14 J. | 2003-2006 | 0,7 (alte BL) |
| DDE | Kinder 7 - 14 J. | 2003-2006 | 1,4 (neue BL) |
( * alle Angaben in Mikrogramm pro Liter Blut, Quelle: Kommission "Human-Biomonitoring" (2009), BL = Bundesländer)
Referenzwerte für Metabolite von Organophosphaten im Urin von Kindern der Altersgruppe 3 - 14 J. in Deutschland
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Stoffname (Metabolit) |
Abkürzung | Personengruppe | Bezugsjahr | Referenzwert* |
| Dimethylphosphat | DMP | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 75 |
| Dimethylthiophosphat | DMTP | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 100 |
| Dimethyldithiophosphat | DMDTP | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 10 |
| Diethylphosphat | DEP | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 30 |
| Diethylthiophosphat | DETP | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 10 |
( * alle Angaben in Mikrogramm pro Liter Urin, Quelle: Kommission "Human-Biomonitoring" (2009) )
Referenzwerte für Pyrethroidmetabolite im Urin von Kindern der Altersgruppe 3 - 14 J. in Deutschland
| Stoffname (Abk.) | Personengruppe | Bezugsjahr | Referenzwert* |
| cis-Cl2CA | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 1 |
| trans-Cl2CA | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 2 |
| 3-PBA | Kinder 3 - 14 J. | 2003-2006 | 2 |
( * alle Angaben in Mikrogramm pro Liter Urin, Quelle: Kommission "Human-Biomonitoring" (2009) )
Hinweis:
Referenzwerte sind statistisch abgeleitete Werte und haben keinen direkten Bezug zur Gesundheit.
Wie sind Überschreitungen/Unterschreitungen zu interpretieren ?
Die für eine gesundheitliche Beurteilung erforderlichen HBM-Werte (HBM I und HBM II) liegen für die betrachteten Stoffgruppen (Organochlorverbindungen, Organophosphate, Pyrethroide) derzeit nicht vor.
Grundsätzlich sollte durch geeignete vorbeugende Maßnahmen angestrebt werden, daß der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln im Wohnbereich erst gar nicht notwendig ist.
Sinnvolle Maßnahmen sind z.B.:
Sollte der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln ausnahmsweise doch einmal erforderlich werden, sollten diese nur durch qualifizierte Schädlingsbekämpfer (Nachweis der Fachkunde einfordern !) ausgebracht werden.
Weitergehende Informationen: siehe www.allum.de/noxe/biologische-schaedlinge-und-laestlinge.html
Autor: Dr. M. Otto
Stand: Dezember 2010
Nächste Aktualisierung: Dezember 2011
BfR (2010): Fragen und Antworten zu Pflanzenschutzmittel-Rückständen in Lebensmitteln. Aktualisierte FAQ des BfR vom 29.11.2010 (Link). Zuletzt abgerufen im März 2011.
GSF (2010) (jetzt: Helmholtz Zentrum): Informationsstelle Humanbiomonitoring (der Dienst wurde eingestellt).
Kommission "Human-Biomonitoring" des Umweltbundesamtes (2009): Neue und aktualisierte Referenzwerte für Schädlingsbekämpfungsmittel: Organophosphat- und Pyrethroid-Metabolite im Urin von Kindern in Deutschland. Bundesgesundhbl. Band 52 Heft (10) S. 964 - 968
Kommission
Human-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe beim Umweltbundesamt (2010): www.umweltbundesamt.de/gesundheit/monitor/definitionen.htm. Zuletzt abgerufen im März 2011.
Wikipedia: Pflanzenschutzmittel http://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzenschutzmittel. Zuletzt abgerufen im März 2011.