Suchen nach:

Zur Startseite

Sie sind hier: Home » Stoffe & Auslöser » Tabakrauch

facebook wong myspace_de twitter_de del.icio.us

Tabakrauch

Beschreibung

Tabakrauch enthält ca. 4.800 verschiedene Stoffe, von denen etwa 70 erwiesenermaßen krebserzeugend sind. Dazu gehören u. a. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), N-Nitrosamine, Cadmium und Arsen. Toxische Inhaltsstoffe sind z. B. Kohlenmonoxid, Blausäure und Ammoniak.

Der vom Raucher eingeatmete Hauptstromrauch unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung vom Nebenstromrauch, der von der glimmenden Zigarette direkt in die Umwelt abgegeben wird. Die Ursache hierfür liegt in den unterschiedlichen Verbrennungstemperaturen in der Glutzone einer Zigarette.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, in welchen Mengen einige wichtige und bekannte Schadstoffe im Hauptstrom einer Zigarette enthalten sind. Ferner ist angegeben, um welchen Faktor der Nebenstrom stärker belastet ist als der Hauptstrom.

Stoff Hauptstrom(Mikrogramm pro Zigarette) Nebenstrom : Hauptstrom(Verhältniszahlen, gerundet)
Kohlendioxid  20.000 - 40.000  8 - 11
Kohlenmonoxid  10.000 - 23.000  3 - 5
Nikotin  1.000 - 2.500  3
Acetaldehyd *  500 - 1.200  -
Essigsäure  330 - 810  2 - 4
Methylchlorid *  150 - 600  2 - 3
Stickstoffmonoxid  100 - 600  4 - 10
Blausäure(Cyanwasserstoff)  400 - 500  0,1 - 0,3
Ameisensäure  210 - 490  2
Katechol  100 - 360  1
Hydrochinon *  110 - 300  1
Aceton  100 - 250  2 - 5
Toluol  100 - 200  6 - 8
Acrolein *  60 - 100  8 - 15
Phenol *  60 - 140  2 - 3
Formaldehyd *  70 - 100  0,1 - 50
Benzol *  12 - 48  5 - 10
Pyridin  16 - 40  7 - 20
Diethylnitrosamin *  0.025  < 40
Dimethylnitrosamin *  0.01 - 0.04  20 - 100
Staubpartikel (PAK-haltig *)  15.000 - 40.000  2

Nach: US-EPA 1993, Deutsche Forschungsgemeinschaft 1999 * krebserzeugend (siehe Text)

Die Stoffe im Hauptstrom des Tabakrauchs sind hier nach ihrer Menge geordnet. Die Position in der Tabelle sagt daher noch nichts über die von den einzelnen Substanzen ausgehende Gesundheitsgefährdung aus, macht aber deutlich, welche Schadstoffmengen in die Lunge und die Innenraumluft eingebracht werden.

Um eine Rangfolge der Schädlichkeit zu erstellen, müssten zusätzlich toxikologische Daten einberechnet werden. Stoffe mit erwiesener oder möglicher krebserzeugender Wirkung sind in der Tabelle mit einem Sternchen gekennzeichnet (Einstufung in die Kategorie III 1-2/"mit nennenswertem Beitrag zum Krebsrisiko", Kategorie III 3/"mit Anlass zur Besorgnis", vorläufige Einstufung der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe).

Die Tabelle macht auch deutlich, dass zahlreiche Schadstoffe im Nebenstrom um ein Vielfaches stärker vertreten sind als im Hauptstrom. Der Nebenstromrauch ist für die gesundheitsschädliche Wirkung des Passivrauchens verantwortlich (Zwangsmitrauchen).

Die folgende Aufstellung zeigt, welche Konzentrationen die aus dem Tabakrauch stammenden Schadstoffe in verschiedenen Innenräumen typischerweise erreichen.

Stoff Räume Konzentration(Mikrogramm pro Kubikmeter)
Acetaldehyd Restaurants 170 - 630
Acrolein Restaurants 30 - 100
Benzo(a)pyren Restaurants 0,002 - 0,76
Blausäure (Cyanwasserstoff) Wohnzimmer Büros Restaurants 8 - 120 3 - 49 50 - 150
Formaldehyd Wohnhäuser Büros 8 - 280 12 - 1.300
Kohlenmonoxid Büros Restaurants 1.160 - 3.830 580 - 11.480
Nikotin Büros Öffentliche Gebäude Restaurants Bars Privatwohnungen 0,8 - 37 1 - 37 1 - 80 7,4 - 110 1,6 - 21
Partikel Büros Privatwohnungen Restaurants 6 - 256 32 - 700 27 - 690
Stickstoffdioxid Arbeitsplätze Restaurants 68 - 410 40 - 190
Stickstoffmonoxid Arbeitsplätze Restaurants 50 - 440 17 - 270

Nach: Deutsche Forschungsgemeinschaft 1999

Die Anzahl der im Tabakrauch vertretenen Schadstoffe, ihre Konzentration und ihre Gefährlichkeit machen Tabakrauch zum Innenraumschadstoff Nummer eins. Vielfach handelt es sich um Schadstoffe, die auch in anderem Zusammenhang im Mittelpunkt des umweltmedizinischen Interesses stehen – wie etwa Formaldehyd aus Spanplatten, PAK im Parkettkleber, Benzol in verkehrsreichen Straßen, Toluol in der Innenraumluft usw.

Schließlich enthalten Tabakwaren Zusatzstoffe. Auf eine Initiative des Verbraucherschutzministeriums hin sollen diese Zusatzstoffe nun genauer untersucht und bewertet werden.

Auf eine spezielle Expositionssituation, nämlich das Rauchen/Passivrauchen im Auto, soll hier besonders hingewiesen werden: Hier können in kurzer Zeit Werte von toxischen und krebserzeugenden Substanzen erreicht werden, die einer Körperverletzung gleich kommen.

Zahlen zum Rauchen in der BRD

  • 5.900.000 Frauen (31%) und 9.000.000 Männer (39%) der Altersgruppe 18 - 59 Jahre sind regelmäßige oder starke Raucher.
  • Jährlich werden 370.000.000 Zigaretten, 3.000.000 Zigarren und 43.000 kg Feinschnitt-Tabak geraucht.
  • Etwa 50% der Kinder sind zuhause dem Nebenstromrauch/Passivrauch ausgesetzt.
  • Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei 13,7 Jahren.
  • Jeder fünfte in der Altersgruppe 12 - 25 Jahre raucht mehr als 20 Zigaretten täglich und gilt damit als tabakabhängig.
  • Durch Rauchen werden jährlich mehr als 110 000 Todesfälle in Deutschland verursacht, durch Passivrauchen etwa 3 300.
  • 300 - 400 passivrauchende Menschen sterben jährlich in Deutschland an Lungenkrebs.
  • Die Steuereinnahmen aus dem Verkauf von Tabakwaren beliefen sich in 2001 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 11,5 Milliarden Euro. Dazu kommen Steuereinnahmen aus der Werbe-, Zeitungs- und Druckindustrie.
  • Der Tabakanbau in Ländern der Europäischen Union wird mit dem Hundertfachen des Betrages gefördert, der von der EU für Aktionen gegen das Rauchen ausgegeben wird.

Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vom Februar 2011 zeigt, dass erfreulicherweise immer weniger Jugendliche zur Zigarette greifen. Danach rauchen 13 Prozent der 12- bis 17-jährigen. Im Jahr 2001 waren es noch 28 Prozent und damit mehr als doppelt so viele wie heute (BZgA 2011).

Gesundheitsrisiken

Aktives Rauchen

Tabakstrom in der Lunge. Quelle: G. W. Sybrecht/Deutsche Lungenstiftung e. V.
Tabakstrom in der Lunge
Bildnachweis

Die vom aktiven Rauchen ausgehenden Gesundheitsgefahren sind gut bekannt und werden an dieser Stelle nur kurz erwähnt. Nikotin ist stark suchterzeugend. Durch die im Rauch enthaltenen Substanzen werden Lunge, Herz und Blutgefäße geschädigt. Dadurch kann es zu chronischer Bronchitis kommen, zu einem Lungenemphysem (Wasseransammlung in der Lunge), zu Herzinfarkten, sowie zu Durchblutungsstörungen des Gehirns und der Beine ("Raucherbein").

Aktive Raucher haben ein erhöhtes Risiko, an Lungen-, Kehlkopf-, Mundhöhlen-, Magen- und Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Auch Blasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs treten bei Rauchern häufiger auf. Diskutiert wird ein Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Leukämie sowie Dickdarmkrebs (Krebsinformationsdienst, 2000). Die kalifornische Umweltschutzbehörde EPA-CAL kommt nach einer Auswertung der publizierten Literatur zu dem Schluß, daß das Brustkrebsrisiko  durch Passivrauchen verdoppelt wird  (EPA CAL Oktober 2006).

Mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft führt zu einem niedrigeren Geburtsgewicht und erhöht das Risiko eines spontanen Aborts. Nachweislich werden beim mütterlichen Rauchen Nikotin, dessen Stoffwechselprodukt Cotinin und krebserzeugende Stoffe auf den Fötus übertragen (Lackmann et al. 1999).

Tabakrauch vor und nach der Geburt fördert die allergische Sensibilisierung, bei atopisch veranlagten Eltern ist das Risiko für das Neugeborene um das 7-fache erhöht.

Passivrauchen

Bei kurzfristiger Einwirkung kann Passivrauch die Augen-, Nasen- und Rachenschleimhäute reizen und zu Schwindel und Kopfschmerzen führen. Dauerhaftes Passivrauchen verdoppelt bis verachtfacht das Risiko von Säuglingen, am Plötzlichen Kindstod zu versterben. Kleinkinder, die regelmäßig "mitrauchen" leiden deutlich häufiger an Mittelohrerkrankungen und haben ein 50 - 70 Prozent höheres Risiko für Erkrankungen der unteren Atemwege oder Asthma.

Schadstoffe im Tabakrauch. Quelle: G. W. Sybrecht/Deutsche Lungenstiftung e. V.
Schadstoffe im Tabakrauch schädigen die Flimmerhärchen in den Bronchien und verringern ihre Reinigungsfähigkeit.
Bildnachweis

Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe hat 1998 den Passivrauch in die Schadstoffkategorie 1 aufgenommen und somit als "erwiesenermaßen krebserzeugend für den Menschen" eingestuft. Die Kommission betont, dass diese Einschätzung nicht allein auf den Ergebnissen epidemiologischer Studien beruht, sondern auch auf der biologischen Plausibilität einer solchen Wirkung, da beim Passivrauchen die gleichen krebserzeugenden Wirkstoffe wie beim aktiven Rauchen eingeatmet werden. Ein Schwellenwert für eine unbedenkliche Passivrauchbelastung ist nicht bekannt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg hat  im Jahr 2005 die Broschüre "Passivrauchen - ein unterschätztes Gesundheitsrisiko" veröffentlicht.

Die Wirkung einiger anderer Umweltschadstoffe wird durch Tabakrauch noch verstärkt. Bei bestimmten Schadstoffen wie Asbest oder Radon geschieht dies "überadditiv" – d.h. die Wirkung des Gemischs ist stärker als die Summe der Einzelwirkungen. Aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen ist bekannt, dass das Lungenkrebsrisiko eines asbestexponierten Rauchers zehnfach über dem Risiko eines asbestexponierten Nichtrauchers liegt. Ähnliche Ergebnisse liegen für das radioaktive Edelgas Radon vor.

Sonstiges

  • Rauchen ist eine häufige Ursache für Wohnungsbrände.
  • Falls Kleinkinder herumliegende Zigaretten und Zigarettenkippen aufnehmen, kauen und möglicherweise herunterschlucken, kann es zu einer akuten Nikotinvergiftung kommen. Schwere Vergiftungen sind allerdings selten (Clodius und Schimmelpfennig 1995).
  • Das Rauchen mittels Wasserpfeife ist nicht etwa weniger schädlich: das Wasser hält Schadstoffe kaum zurück, der abgekühlte Rauch dringt im Vergleich zur Zigarette tiefer in die Lunge ein und die Kohlenmonoxid-Aufnahme ist in der Regel höher (BfR 2007).

Analytik

Die Konzentration von Tabakinhaltsstoffen in der Innenraumluft zu bestimmen ist technisch zwar möglich, in der Praxis jedoch meist wenig sinnvoll, zumal da berücksichtigt werden muss, dass es für einige Schadstoffe (Formaldehyd, PAK, Benzol, Toluol usw.) im Innenraum noch andere Quellen geben kann. Eine genauere Aussage über die individuelle Tabakrauchbelastung erlaubt die Bestimmung der Nikotin-/Cotinin-Konzentration im Urin bzw. des Nikotins im Haar (siehe Biomonitoring).

Biomonitoring

Leitsubstanz für die Abschätzung einer Tabakrauchexposition ist Nikotin. Nikotin kommt außer in Tabakblättern auch in manchen Nahrungsmitteln wie Tee, Tomaten, Kartoffeln und grünem Pfeffer vor, die Zufuhr über Nahrungsmittel kann jedoch gegenüber dem Tabakrauch meist vernachlässigt werden (Umweltbundesamt 1996).

Nikotin und sein Stoffwechselprodukt Cotinin können im GlossarBlutserumFlüssiger Teil des Blutes nach abgeschlossener Blutgerinnung und im Urin nachgewiesen und analytisch bestimmt werden, Nikotin zusätzlich auch im Haar. Nikotin wird vom Körper relativ rasch ausgeschieden, die Halbwertszeit beträgt nur etwa 0,5 bis 2 Stunden. Die Ausscheidung von Cotinin erfolgt dagegen etwas langsamer, die Halbwertszeit liegt hier zwischen 19 und 40 Stunden. Die Cotininanalyse im Serum oder - wie meist üblich - im Urin hat daher den Vorteil, dass eine Belastung mit Tabakrauch auch noch 1 - 3 Tage nach dem Ende der Exposition nachgewiesen werden kann.

Nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes im Rahmen des Umwelt-Surveys 1998 liegt der mittlere Nikotingehalt im Urin von Nichtrauchern (Nierauchern) unterhalb von 2 Mikrogramm pro Liter (Cotinin: weniger als 4 Mikrogramm pro Liter). Mit zunehmendem Zigarettenkonsum steigen der Nikotin- und der Cotiningehalt im Urin an und erreichen bei einem täglichen Konsum von mehr als 20 Zigaretten Werte von 1080 Mikrogramm Nikotin bzw. 2060 Mikrogramm Cotinin pro Liter (Becker und Seiwert 2002).

Um eine Dauerbelastung mit Passivrauch nachzuweisen, ist die Bestimmung des Nikotins im Kopfhaar am besten geeignet. Das Haar wirkt als sogenannter Passivsammler, da es Nikotin aus der Umgebungsluft absorbiert. Der Nikotingehalt im Haar von Nichtrauchern liegt unter 0,1 Mikrogramm Nikotin pro Gramm Haar, bei Passivrauchern liegt er etwa bei 0,8 Mikrogramm Nikotin pro Gramm Haar und bei aktiven Rauchern noch weit darüber.

Grenzwerte/Richtwerte/Vorsorgewerte

Ein bundeseinheitliches Nichtraucherschutzgesetz wurde in Deutschland bisher nicht verabschiedet. Ein Überblick über die (leider nicht einheitlichen) Landesregelungen findet sich hier.

Besserer Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz – das ist das Ziel der Änderung der Arbeitsstättenverordnung vom 31.07.2002, in der die Arbeitgeber nun ausdrücklich verpflichtet werden, nichtrauchende Beschäftigte wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch zu schützen. Das Jugendschutzgesetz verbietet sowohl die gewerbliche Abgabe von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren als auch Tabak- und Alkoholwerbung in Kinos vor 18 Uhr.

Am 22.3.2007 haben sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer auf einen weitgehenden Nichtraucherschutz in der Gastronomie, in Schulen, Kindergärten, Behörden, Discotheken und öffentlichen Verkehrsmitteln geeinigt, der am 1. August 2007 in Kraft getreten ist.

In einzelnen Bundesländern sollen aber Ausnahmen für kleine Eckkneipen, abgetrennte Räume in Gaststätten, Festzelte und Wiesengaststätten per Landesregelung möglich sein.

Vorbeugung/Sanierung

Die Weltgesundheitsorganisation, die Weltbank, die Europäische Kommission, Ärzteverbände und Nichtraucherinitiativen haben eine ganze Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, die das Rauchen eindämmen sollen. Sie betreffen:

  • Erhöhung der Tabaksteuern (D: 3. Stufe ab 1.9.2005 in Kraft)
  • Bekämpfung des illegalen Handels mit Tabakprodukten
  • Verbot von Tabakwerbung (gilt europaweit ab 1.8.05) und -sponsoring
  • Schaffung einer rauchfreien Umwelt
  • Produktregulierung und Verbraucherinformation
  • regulierte Abgabe und Vertrieb von Tabakwaren
  • schulische Tabakprävention
  • massenmediale Tabakprävention
  • Beratungs- und Behandlungsmaßnahmen zur Tabakentwöhnung.

Hierbei handelt es sich um Maßnahmen, die auf ihre Wirksamkeit hin überprüft wurden. Einzelheiten sind in der Publikation von Annette Bornhäuser ("Gesundheit fördern - Tabakkonsum verringern") nachzulesen.

Auch der internationale Wettbewerb zum Nichtrauchen in Schulklassen „Be Smart – Don’t Start“  kann eine erfolgreiche Bilanz ziehen: Mehr als 11.000 Schulklassen mit 320.000 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland beteiligten sich in 2008/9 an Deutschlands größtem Programm zur Tabakkontrolle bei Jugendlichen. Fast zwei Drittel aller Teilnehmer hielten durch und blieben rauchfrei.

  • "elektronische Zigarette" : hier rät das BfR zur Vorsicht (Stellungnahme BfR 2008). Zum Funktionsprinzip der e-Zigarette und zur aktuellen Rechtslage siehe Wikipedia.
  • Ab Januar 2007 müssen frei zugängliche Zigarettenautomaten mit einem Chipkartensystem mit Alterskontrolle ausgerüstet sein. Leider erweist sich diese Maßnahme als wenig wirksam, da sie von den Jugendlichen durch Nutzung sozialer Netzwerke (Freunde usw.) leicht umgangen werden kann (S. Schneider et al. 2010).

Die Nationale Stillkommission hat im März 2001 Empfehlungen für stillende Mütter herausgegeben (Link). Nachweislich treten viele Stoffe aus dem Zigarettenrauch in die Muttermilch über und liegen dort zum Teil in gleicher Konzentration vor wie im mütterlichen Blut. Dazu gehören neben dem Nikotin auch krebserzeugende Stoffe wie beispielsweise Dioxine, Benzpyrene, Nitrosamine und Schwermetalle. Mütterliches Rauchen während der Stillzeit hat großen Einfluss auf das gestillte Kind. So ist beispielsweise das Saugvermögen beeinträchtigt, das Kind nimmt weniger stark an Gewicht zu, und Unruhe, Koliken und Erbrechen treten gehäuft auf. Darüber hinaus wird das gestillte Kind mit Passivrauch belastet. Die Nationale Stillkommission empfiehlt daher:

  • Ideal ist, während der Monate des Stillens nicht zu rauchen.
  • Wenn geraucht wird, sollte sich die Stillende darum bemühen, die Zahl der gerauchten Zigaretten möglichst gering zu halten. Ein sehr starker Konsum ist mit der Stillfähigkeit und dem Gedeihen des Kindes schlecht vereinbar.
  • Eingedenk der Tatsache, dass Rauchbestandteile passiv aufgenommen werden, sollte in der Nähe des Kindes nie geraucht werden.
  • Durch bewusste Rauchpausen vor dem Stillen kann die Mutter die Belastung der Milch mit einigen der schädlichen Stoffe reduzieren. Ein typisches Beispiel ist das Nikotin, dessen Konzentration in der Milch schon während einer rund einstündigen Rauchpause deutlich abnimmt.

Die Europäische Kommission veröffentlichte am 30. Januar 2007 ein "GRÜNBUCH - Für ein rauchfreies Europa: Strategieoptionen auf EU-Ebene".

Tabakkontrolle

Im März 2011 stellte die Vereinigung der europäischen Krebsorganisationen ECL die aktuellen Zahlen zur Tabakkontrolle vor. Deutschland belegt Platz 26 von 31 untersuchten Ländern, knapp vor Ungarn, Tschechien, Luxemburg, Österreich und Griechenland.

Großbritannien, Irland, Norwegen und Island sowie Tabakkontroll-Neuling Türkei führen die Liste an. Diese Länder haben erfolgreich zahlreiche Maßnahmen zum Schutz ihrer nichtrauchenden Bevölkerungsmehrheit umgesetzt.

Gute Informations- und Beratungsangebote

Der Literatur- und Linkteil enthält zahlreiche Hinweise auf gute Informations- und Beratungsangebote zum Nichtraucherschutz, zur Tabakrauch-Prävention und zur Raucherentwöhnung. Dort finden sich auch Hinweise auf Initiativen, Netzwerke und Vereine, beispielsweise auf das bei der  Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG) angesiedelte "Netzwerk Nichtrauchen" oder auf die Materialien des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Autoren: Dr. M. Otto, Prof. K. E. von Mühlendahl

Stand: April 2011

Nächste Aktualisierung: April 2012

Quellen und weiterführende Literatur

Autorenkollektiv: Kind und Umwelt. Stellungnahme der Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e. V. Sozialpädiatrie 15 (1993) 248-250

Becker, K. und M. Seiwert (2002): Umwelt-Survey 1998 - GlossarHuman-BiomonitoringMessung eines Fremdstoffes (z. B. einer Chemikalie) und seiner Abbauprodukte im Körper des Menschen, z. B. im Blut, Urin, Haar oder im Fettgewebe Stoffgehalte in Blut und Urin der Bevölkerung in Deutschland. WaBoLu-Hefte 1/02. Umweltmedizinischer Informationsdienst 3/2002; 8-10

Bornhäuser, A. (2002): Prävention des Tabakkonsums. In Wichmann, Schlipköter, Fülgraff (Hrsg.) Handbuch der Umweltmedizin, 25. Erg. Lfg 9/2002. Ecomed Verlag, Landshut

Bundesamt für Gesundheit, Bern: www.bag.admin.ch/sucht/politik/tabak/d/ (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Bundesgesundheitsblatt (2010): Tabakprävention in Deutschland - Maßnahmen und Erfolge. Themenheft 02 (2010). S. 89 - 206 (Themenübersicht)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.rauchfrei-info.de/ (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (2011). Der Tabakkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2010. Ergebnisse einer aktuellen Repräsentativbefragung und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Clodius, C.-D. und W. Schimmelpfennig (1995): Anfrage: Bestehen durch weggeworfene Zigarettenkippen Gefahren für Boden bzw. Grundwasser und die Gesundheit von Kindern? Umweltmedizinischer Informationsdienst 2/1995, Umweltbundesamt Berlin; S. 27

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Gesundheit fördern - Tabakkonsum verringern: Handlungsempfehlungen für eine wirksame Tabakkontrollpolitik in Deutschland. Heidelberg 2002, www.tabakkontrolle.de (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchen - ein unterschätztes Gesundheitsrisiko, Heidelberg, 2005, www.tabakkontrolle.de (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) (2008): Leichter Einstieg - schwerer Ausstieg: Rauchende Kinder und Jugendliche in Deutschland. www.tabakkontrolle.de (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Europäische Kommission (2007): "GRÜNBUCH - Für ein rauchfreies Europa: Strategieoptionen auf EU-Ebene".

Helmut Greim (Hrsg.). Wiley-VCH-Verlag Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS): www.dhs.de (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Heudorf, U.: Passivrauchen und Erkrankungsrisiko bei Kindern - Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen. Pädiatrische Praxis 2001; 60:185-195.

Heudorf, U.; Schmidt, S.; Lob-Corzilius, Th.: Passivrauchexposition - das Kinderumweltthema Nr. 1. umwelt.medizin.gesellschaft 2002; 15: 217-223.

Junge, B. (1998): Rauchen und Lungenkrebs bei Frauen: Werden die Männer überholt? Bundesgesundhbl. 41, 11; 474-477

Kaiser, U. und G. Merkel (1996): Nachweis von Passivrauchbelastung durch Nikotinanalyse im Haar. Kinderarzt und Umwelt, Jahrbuch 1995/1996. Hrsg. K. E. von Mühlendahl, M. Otto. Alete Wissenschaftlicher Dienst, München; 234-238

Krebsinformationsdienst (2010): www.krebsinformation.de/body_rauchen_und_p..html (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Lackmann, G.-M. et al (1999): Tabakspezifische transplazentare Kanzerogene, Nikotin und Cotinin im Urin von Neugeborenen rauchender Mütter. Monatsschr. Kinderheilkd 147; 333-338.

Lampert, T, List, SM (2010): Gesindheitsrisiko Passivrauchen. Hrsg. Robert Koch-Institut Berlin. GBE kompakt 3/2010. Stand 18.06.2010

Miller MD, Marty MA, Broadwin R, Johnson KC, Salmon AG, Winder B, Steinmaus C.:  The association between exposure to environmental tobacco smoke and breast cancer: A review by the California Environmental Protection Agency. Prev Med. 2007 Feb Band 44(2) S. 93-106.

Mons, U. und Gleich, F. (2011): Tabakrauchbelastung in der deutschen Gastronomie - vor und nach der Einführung der Nichtraucherschutzgesetze. Umweltmed. Forsch Prax Band 16 Heft 5 S. 337

Nationale Stillkommission (2001):  Stillen und Rauchen – Ratgeber für Mütter bzw. Eltern. Zuletzt aufgerufen im März 2011.

Umweltbundesamt (2002): Umwelt-Survey 1998 Band III: Human-Biomonitoring. Stoffgehalte im Blut und Urin der Bevölkerung in Deutschland. S. 209 ff.

US-EPA (1993): www.epa.gov/nceawww1/ets/pdfs/etsch3.pdf (zuletzt aufgerufen im April 2011)

 Weltnichtrauchertag: www.weltnichtrauchertag.de/ (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Nützliche Materialien und Adressen:

Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) "Ich bekomme ein Baby. Ratgeber für Schwangere und ihre Partner. Rauchfrei für mein Baby" 3. Aufl. 1999 (erhältlich bei der BZgA, Ostmerheimer Str. 220, 51109 Köln)

Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit: www.aerztlicher-arbeitskreis.de/ (zuletzt aufgerufen im April 2011)

"Be smart - Don't start". Präventionsinitiative des IFT-Nord u.a. für 6.-8. Schulklassen. www.besmart.info/

Bundesärztekammer (März 2011): Therapieempfehlung Tabakabhängigkeit (vollständige Überarbeitung der 1. Auflage von 2001), (zuletzt aufgerufen im April 2011)

BZgA "Ja, ich werde rauchfrei" 1998 Broschüre

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) "Die Luft anhalten oder: Warum rauchen Frauen?" 1996 (erhältlich bei der DHS, Westring 2, 59065 Hamm)

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) "Tabakabhängigkeit: eine Information für Ärzte" 1994 (erhältlich bei der DHS, Westring 2, 59065 Hamm)

Deutsche Krebshilfe - zahlreiche Broschüren (erhältlich bei der Deutschen Krebshilfe e. V., Buschstr. 32, 53113 Bonn) und im Internet unter www.krebshilfe.de/wir-informieren.html (zuletzt aufgerufen im April 2011)

Haustein, Knut-Olaf (2001): Tabakabhängigkeit. Gesundheitliche Schäden durch das Rauchen. Deutscher Ärzteverlag

Horn, W.-R. (2001): "Rauchen bringt's!?" Beratungsleitfaden zur Tabakprävention in Kinder- und Jugendarztpraxen". (Erhältlich über die Geschäftsstelle des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Email: bvkj.buero(at)uminfo.de)

Isensee, B. und Hanewinkel, R.: Evaluation der Tabaksteuererhöhung vom 1. Januar 2003. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 47 (2004) S. 771-779

Pott, E., P. Lang und J. Töppich (2003): Gesundheitsziel: Tabakkonsum reduzieren. Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 46 (2); 150-155

Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen: www.svr-gesundheit.de/Startseite/Startseite.htm (zuletzt aufgerufen im August 2010)

Schneider, S. et al. (2010): Die kartenbasierte Alterskontrolle an Zigarettenautomaten. Bundesgesundheitsblatt (2010): Tabakprävention in Deutschland - Maßnahmen und Erfolge. Themenheft 02 (2010) S. 178 - 185.

Tabakatlas Deutschland 2009, Steinkopf Verlag ISBN 978--37985-1882-7

Umweltbundesamt (2007): Kinder-Umwelt-Survey 2003/06 - KUS - Human-Biomonitoring. Stoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland. WaBoLu 01/07. www.umweltbundesamt.de

Weltgesundheitsorganisation und Koalition gegen das Rauchen (1999): "Raucherentwöhnung leichter gemacht: Empfehlungen für Gesundheitsberufe"

WHO-Kollaborationszentrum "Tabakkontrolle" (Leitung: Dr. M.Pötschke-Langer), DKFZ Heidelberg, www.tabakkontrolle.de

Weitere Infos zu diesem Thema:

 

Besucher, die diese Seite gelesen haben, interessierten sich besonders für folgende Themen:

Andere Besucher

Sitemap | Impressum | Editorial Policy | Patientenberatung | Datenschutzerklärung