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Benzylbenzoat

Dieser Text ist eine Archiv-Version. Benzylbenzoat ist seit 2009 als Biozid verboten. Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Kurzfassung.

Benzylbenzoat – Eigenschaften, Risiken

Benzylbenzoat oder Benzoesäurebenzylester (C14H12O2) kommt in Ölen der Zimtbaumrinde vor und in Perubalsam. Es wird in der Medizin, in der Parfum-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie zum Desinfizieren und Konservieren eingesetzt. Benzylbenzoat riecht nach Blumen und ist in konzentrierter Form ein dickflüssiges Öl. Es ist löslich in Alkohol, Äther, Benzol und Chloroform, jedoch nicht in Wasser und Glycerin.

Benzylbenzoat ist eine schwer flüchtige Substanz (VCI 1992, Lewis 1992). In der Medizin wird es hauptsächlich als Mittel gegen Krätze eingesetzt (v.Mühlendahl 1996). Die Konzentration in milbenabtötenden Zubereitungen (als Akarizid) liegt zwischen ein bis fünf Prozent, je nachdem, ob es sich um eine flüssige, schaum- oder pulverförmige Substanz handelt. In den Produkten sind je nach Hersteller neben dem Benzylbenzoat zum Beispiel enthalten (Produktinformationn Allergopharma, Innovall ): Tanninsäure 1% - Tre san® Lowal® Olefinsulfonat - Acarosan® Natriumlaurylsulfat - Acarosan® Konservierungsmittel und Emulgatoren - Acarosan®- Feuchtpulver, Tre san® Methacrylat- Copolymerisat - Acarosan®- Schaum

Die milbentötenden Produkte trägt man auf Polstermöbel, Teppiche, Matratzen und Textilien auf, reibt sie hinein und saugt sie nach einer Einwirkzeit und Trockenzeit wieder ab. Die Hersteller empfehlen, bei der Anwendung Handschuhe zu tragen oder danach die Hände zu waschen. Außerdem sollten empfindliche Personen die Mittel nicht selbst auftragen.

Zur Giftigkeit und dem Allergierisiko, das mit Benzylbenzoat in konzentrierter Form verbunden ist, gibt es Untersuchungen. Ebenso wie für die Fertigprodukte und ihre Einzelkomponenten. Benzylbenzoat hat bei sachgemäßer Anwendung keine Glossarakutplötzlich, schnell (bei Krankheiten meist mit einem heftigen Verlauf einhergehend) giftigen Wirkungen auf Menschen (VCI 1992). Bekannt sind haut- und schleimhautreizende Wirkungen. In der Stärke, in denen es als Präparat gegen Milben verwendet wird, reizt es aber deutlich geringer, als das Mittel gegen Krätze oder der reine Stoff. Zum Vergleich: Als milbentötendes Mittel hat es eine Konzentration von drei bis fünf Prozent gegenüber 10 bis 25 Prozent (Mittel gegen Krätze) oder der 100 Prozent reine Stoff (Lewis 1992).

Kontaktallergien gegen Benzylbenzoat sind in der Literatur bekannt, wenn auch sehr selten. Das Risiko, eine Allergie gegen Benzylbenzoat zu entwickeln, ist als gering anzusehen (Hansen 1987). Auch die Belastung der Raumluft wurde untersucht, nachdem man einen Teppich in einem 17 Quadratmeter großen Raum mit Acarosan® bei Temperaturen zwischen 25 und 75 Grad behandelt hatte. Gaschromatographisch konnte kein Benzylbenzoat in der Raumluft nachgewiesen werden (Allerg. Tät.Kinderärzte 1989).

Da die Anwendung für Haushalte von Hausstaubmilbenallergikern vorgesehen ist, ist eine Gruppe von besonders empfindlichen Personen betroffen. Das Risiko der Atemwegs- oder Hautreizung nach Kontakt mit Ekzemhaut ist größer. Unter diesem Aspekt sind die Empfehlungen der Hersteller zu sehen, die für die Anwendung besondere Empfehlungen geben (siehe weiter oben). Es gibt nur einen Fallbericht eines Patienten, bei dem Asthmasymptome ausgelöst wurden. Er hatte benzylbenzoathaltiges Teppichreinigungspulver verwendet, was mit einem stark unangenehmen Geruch verbunden war (Wolf 1992). Ein Einzelfall, bei dem auch die ursächlichen Zusammenhänge nicht eindeutig geklärt werden konnten. Somit ist von einer sehr guten Verträglichkeit auszugehen, auch nach Anwendung durch empfindliche Personen.

In der Bewertung der Akarizide, die auf dem Markt sind, müssen die weiteren Inhaltsstoffe der Präparate ebenfalls berücksichtigt werden. Ein Beispiel ist die Tanninsäure: Sie reizt nicht intakte Haut auch in Konzentrationen, die bei einer normalen Anwendung üblich sind. Es ist davon auszugehen, dass nach den bisher vorliegenden Untersuchungen und Erfahrungen mit Akariziden die Risiken für die Patienten und Anwender vergleichbar oder sogar geringer sind als durch andere Wasch- und Reinigungsmittel im Haushalt.

Milbenabtötende Wirkung – Wirksamkeit

Benzylbenzoat-haltige Präparate haben auch im Alltagsgebrauch eine milbenabtötende Wirkung (Hayden 1992). In Kombination mit bestimmten Reinigungsmaßnahmen führen sie dazu, dass die Allergenmenge geringer wird (Wirthmüller 1996; Lai 1991, 2002). Für Matratzen ist dieser Effekt nicht belegt. Die Hersteller raten vor der Anwendung der Akarizide zu einer neuen Matratze. Benzylbenzoat war in Studien nicht wirksamer als Placebo (Rebmann 1996). Ist das Entfernen von Teppichböden nicht möglich, könnte die Anwendung von Akariziden eine Alternative darstellen. Die Präparate haben allerdings nur eine begrenzte Wirkung. Neue Milben wandern ein (Custovic 1996). Zwei bis vier Anwendungen pro Jahr sind deshalb nötig (Kniest 1991).

Benzylbenzoat alleine genügt nicht zur Hausstaubmilbensanierung.

Auch andere Substanzen wie ätherische Öle zum Beispiel aus dem Eukalyptus (angewendet als Waschzusatz Tovey 1997) oder dem Neembaum (näheres siehe Sanierungstipp "Neembaumöl") können die Menge an lebenden Milben reduzieren. Sie haben aber immer nur begrenzte Effekte. Außerdem muss man bei diesen Substanzen das Nutzen/Risiko-Verhältnis berücksichtigen.

Autor: Dr. Sabine Schmidt, Kinderumwelt gGmbH

Letzte Aktualisierung: Juni 2010

Quellen und weiterführende Literatur

Allergopharma Basisdokumentation Acarosan Schaum und Feuchtpulver.

Custovic, A.; Green, R.; Smith, A.; Chapman, M. D.; Woodcock, A.: New mattresses: how fast do they become a significant source of exposure to house dust mite allergens? Clin. Exp. Allergy 1996; 26:1243-1245.

Hansen, B. M.: Experimentelle Untersuchungen zum Nachweis einer möglichen sensibilisierenden Wirkung von Acarosan und seinen Bestandteilen. Universitäts-Hautklinik, Hamburg-Eppendorf, Allergie-Abteilung. 1987.

Hayden, M.; Rose, G.; Diduch, K.; Domson, P.; Chapman, M. ; Heymann, P.; Platts-Mills, T.: Benzyl benzoate moist powder: investigation of acaricidal [correction of acaricidal] activity in cultures and reduction of dust mite allergens in carpets. J. Allergy Clin. Immunol. 1992; 89 (2): 536-545.

Innovall Pharma: Tre san Produktinformation 9. 1992

Kniest, F.; Wolfs, B.; Vos, H.; Ducheine, B.; van Schayk-Bakker, M. ; de Lange, P. ; Vos, E.; van Bronswijk, J.: Mechanisims and patient compliance of dust-mite avoidance regimens in dwellings of mite-allergic rhinitis patients. Clin. Exp. Allergy 1991; 22: 681-689.

Lau S, Wahn J, Schulz G, Sommerfeld C, Wahn U.: Placebo-controlled study of the mite allergen-reducing effect of tannic acid plus benzyl benzoate on carpets in homes of children with house dust mite sensitization and asthma. Pediatr Allergy Immunol 2002; 13(1): 31-36.

Lau-Schadendorf, S.; Rusche, A. F.; Weber, A. K.; Buettner-Goetz, P.; Wahn, U.: Short-term effect of solidified benzyl benzoate on mite-allergen concentrations in house dust. J. Allergy Clin. Immunol. 1991; 87(1): 41-47.

Lewis, R. J.: Sax´s dangerous properties of industrial materials 8th edition, Volume II 1992; van Nostrand Reinhold New York.

Mühlendahl, K.-E. v.: Läuse und Krätze. Therapie heute, gestern und morgen. internist. prax. 1996; 36: 221-230.

onmeda (2010): Benzylbenzoat. http://medikamente.onmeda.de/Wirkstoffe/Benzylbenzoat/wirkung-medikament-10.html

Rebmann, H.; Weber, A.; Focke, I.; Rusche, A.; Lau, S.; Ehnert, B.; Wahn, U.: Does benzyl-benzoate prevent colonization of new mattresses by mites? Allergy 1996; 51: 876-882.

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft allergologisch tätiger Kinderärzte e.V. mit Bemerkungen: Einsatz von Acariziden. Allergologie 1989; 12 (10): 441-444.

Tovey, E. R.; Mc Donald, L. G.: A simple washing procedure with eucalyptus oil for controlling house dust mites and their allergens in clothing and bedding. J. Allergy Clin. Immunol. 1997; 100:464-466.

Verband der chemischen Industrie e.V.: Sicherheitsdatenblatt Benzylbenzoat. 1992.

Wirthmüller, B.; Pichler, W.: Einfluß einer Akaricid-unterstützten Hausstaubsanierung auf bronchiale Hyperreaktivität bei Hausstauballergikern. Allergologie 1996; 19 (6): 282-292.

Wolf, S. I.: Suffocating odor and asthma after Acarosan-powder carpet treatment. J. Allergy Clin. Immunol. 1992; 89 (2): 637-638.


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