Die Werbung preist viele Hilfsmittel zur Allergenreduktion in Innenräumen an. Doch wer die Wahl hat, hat die Qual. Das gilt sowohl für das richtige
Encasingallergendichter Matratzenüberzug wie für Luftreinigergeräte und in besonderem Maße auch für den Staubsauger.
Die Antwort ist nicht einfach. Wie bei vielen Hilfsmitteln für Allergiker gibt es keine allgemein anerkannten, standardisierten Testmethoden, die von allen Herstellern verwendet werden. Das würde die Ergebnisse für Verbraucher leicht vergleichbar machen. Grundsätzlich wäre in Allergikerhaushalten die sinnvollste Lösung, auf Teppichböden zu verzichten und wischbare Böden zu verlegen (siehe Hausstaubsanierungsmaßnahmen in Wohnräumen). Die ist allerdings oft nicht realisierbar, vor allem nicht in Mietwohnungen.
Natürlich sind in Wohnungen ohne Teppichböden Staub und Allergene vorhanden. Deshalb ist auch bei diesen Böden regelmäßiges Reinigen, das Absaugen und Wischen der Böden, notwendig. Auf einen Staubsauger kann man also nicht verzichten. Das beste, um das Verteilen von Staub und Allergenen in die Luft zu vermeiden, sind Staubsauger, bei denen der Unterdruck außerhalb der Wohnung erzeugt und die Abluft nach draußen geleitet wird. Über ein Rohrsystem in den Wänden kann in den verschiedenen Räumen ein Schlauch mit Saugrohr angeschlossen werden. Dieses System kann man nachträglich in Wohnungen einbauen. Natürlich ist das teurer als die Anschaffung eines normalen Staubsaugers. Plant man einen Neubau, wäre eine entsprechende Anlage allerdings sinnvoll und günstig einzubeziehen (Ehrsberger 1992).
Grundsätzlich sollte man einen Staubsauger verwenden, der über ein verstärktes Filtersystem verfügt. Dabei kommen Mikrofeinfilter und so genannte S-Klasse-Filter oder High-efficiency-particulate-air-Filter (HEPA-Filter) zum Einsatz. Diese Filter sollen eine Filterleistung von mindestens 99,97 Prozent aufweisen und so viel Staub zurückhalten können, dass die durchschnittliche Staubkonzentration in der normalen Raumluft von 0,05 Milligramm Partikel pro Kubikmeter Luft nicht erhöht wird. Das diese Wirkung unter Laborbedingungen erreicht wird, konnte in einer aktuellen Studie mit Katzenallergenen gezeigt werden (Gore 2003). Leider ist das Allergenrückhaltevermögen im Haushaltsbetrieb nicht in dem Maße gegeben (Cejka 1994; test 1998, Gore 2003). Nach dem Saugen erhöhte sich z.B. in der Studie aus Großbritannien die Katzenallergenmenge in der Raumluft der untersuchten Wohnungen fast so stark wie bei der Verwendung eines alten Saugers ohne HEPA-Filter (Gore 2003).
Andere Studien konnten allerdings deutliche Vorteile für die HEPA-Filter-Sauger zeigen (de Blay 1998, Green 1999). Trotz dieser widersprüchlichen Daten stellen diese Filter die zur Zeit beste Lösung dar. Damit die Saugleistung optimal bleibt, ist es zusätzlich wichtig, den Staubsaugerbeutel häufig zu wechseln (test 1998, Green 1999).
Im Angebot sind ferner Saugersysteme ohne Festfilter. Bei ihnen wird die angesaugte Luft mit einer Zentrifuge durch ein Wasserbad geleitet. Die ausgeblasene Luft wird angefeuchtet und soll von Staubpartikeln gereinigt und gleichzeitig auch von chemischen Stoffen befreit werden. Die Preise für die Geräte mit Zubehör belaufen sich zum Teil auf über 1500 Euro (Delphin®, Hyla®, Orky®, Rainbow®). Es gibt auch günstigere Sauger auf den Markt (zum Beispiel Vedasan®). Wird angesaugte Luft durch Wasser geleitet, können Teilchen und chemische Substanzen herausgefischt werden. Aber auch bei diesen Saugern werden wieder welche freigesetzt (Woodfolk 1991, Berdel 1998). Deshalb sind die Geräte oft zusätzlich mit HEPA-Filtern ausgerüstet. Einzelne Anbieter vertreiben mit dem Gerät milbenabtötende Präparate und ätherische Öle oder sie empfehlen deren Einsatz, was zu einer Belastung der Innenraumluft führen kann. Bleibt noch die Frage, ob die regelmäßige Anwendung des Gerätes (vor allem als Feuchtreiniger oder Luftreinigungsgerät) über längere Zeit zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit führt. Das wiederum verbessert die Wachstumsbedingungen für Milben und Schimmelpilze, was eher nachteilig wäre. Außerdem können sich im Feuchtigkeitsrest, der im Gerät bleibt, Schimmelpilze ansiedeln (Colloff 1995).
Öko-Test hat 1994 S-Klasse-Filter untersuchen lassen und negative Ergebnisse veröffentlicht (Cejka 1994). In diesem Artikel wurden die sonst für Staubsaugertestungen verwendeten Methoden, auch der Stiftung Warentest (test 1998), kritisiert. Es wurde kein Vergleich mit anderen Staubsaugertypen durchgeführt. Es gibt ein kurzes Zitat in einem weiteren Öko-Test-Heft (Breum 2000), in dem das Allergenrückhaltevermögen von einem Wasserstaubsauger (Rainbow) durch das TÜV-Institut Rheinland besser beurteilt wird als das von S-Klasse-Filter-Saugern. 1997 wurden konventionelle Staubsauger, ein Wasserstaubsauger (ohne HEPA-Filter) und eine zentrale Staubsaugeranlage verglichen, inwieweit sie die Menge an Milbenallergen in Matratzen reduzieren (Wickman 1997). Matratzen mit definierten Allergenmengen wurden gedrittelt, und die Staubsauger zur Verringerung der Milbenallergene auf diesen Matratzen eingesetzt. Es zeigten sich keine deutlichen Unterschiede in den Saugerleistungen.
Unbestritten ist, dass
Encasingallergendichter Matratzenüberzug die beste Methode ist, Allergene einer Matratze abzuschließen und dass das Absaugen von Matratzen keine effektive Methode zur Allergenreduktion ist. Es wurde nicht untersucht, inwieweit das Saugen die Allergenbelastung der Luft erhöht. Eine weitere Untersuchung verglich Schaum-, Schaum- und Papierfilter, Papier- und/oder elektrostatische Filter mit HEPA-Filtern. Auch ein Wasserfilter-Sauger, der ebenfalls mit einem HEPA-Filter ausgestattet war, wurde einbezogen. Die Autoren gingen der Frage nach, ob Katzenallergen beim Einsatz des Staubsaugers beim normalen Gebrauch im Alltag freigesetzt wird. Das Ergebnis zeigte, dass Sauger mit HEPA-Filter eindeutig von Vorteil sind. Sie gaben unter Alltagsbedingungen weniger Allergene ab. Der Wasserfilter-Sauger schnitt beim Test mit Katzenallergenen vergleichbar gut ab wie der getestete Staubsauger nur mit HEPA-Filter (de Blay 1998).
In einem Vergleich von zwölf Staubsaugern mit und ohne HEPA-Filter wurden die Filter nicht nur im Neuzustand, sondern auch nach sechs sowie 18 Monaten Gebrauch verglichen. Untersucht wurde die Freisetzung von Hundeallergen unter Labor- und Alltagsbedingungen. Das Ergebnis zeigte, dass die HEPA-Filter auch nach 6 und 18 Monaten noch keine Hundeallergene freisetzten. Nur bei einem Staubsauger trat ein Leck auf. Bei diesem Staubsauger war der Filter nicht, wie empfohlen, gewechselt worden (Green 1999). Mittlerweile wurden einige Verbrauchertests veröffentlicht, die unterschiedliche Wasserstaubsauger und Sauger mit anderen Funktionssystemen untersuchten: ÖkoTest-Magazin untersuchte acht Wasserstaubsauger, die alle als nicht empfehlenswert eingestuft wurden. Das Allergenrückhaltevermögen war bei allen unzureichend und sie zeigten alle eine deutliche Verkeimung (Öko-Test 1995). Der Test wurde wegen der nicht den realen Haushaltbedingenden entsprechenden Staubbelastungen kritisiert. Die Stiftung Warentest hat im April 2000 auch eine Untersuchung durchgeführt. Sie verglich Staubsauger mit herkömmlichen Filtersystemen (neun Geräte) mit alternativen Filterangeboten (zwei Geräte).
Die Ergebnisse sprachen für die herkömmlichen Sauger mit guten Filtersystemen.
Auch in den Folgejahren hat sich die Stiftung Warentest erneut mit dem Thema Spezialstaubsauger für Allergikerhaushalte befasst. Die acht Spezialstaubsauger, die untersucht wurden, filterten meist schlechter als herkömmliche Staubsauger. Die Ergebnisse sind im Web abrufbar: Testergebnis 2004 und Testergebnis 2006.
Nicht alle Wasserstaubsauger verwenden das gleiche Bauprinzip, Zentrifugengröße, Wasserbehältersystem oder Zusatzfilter und sind somit nicht alle vergleichbar. Gewährleistet werden muss aber, dass das Risiko der Verkeimung und Schimmelpilzbesiedlung durch das Geräteprinzip ausgeschlossen wird bzw. dem Verbraucher bekannt ist. Ein aktueller Test von 8 Staubsaugern mit Hepa-Filtern durch Öko-Test zeigt sehr gute bis befriedigende Ergebnisse für die untersuchten Sauger (Öko-Test 2004).
Wenn möglich, sollte man in Neubauten oder Häusern eine zentrale Staubsaugeranlage einbauen. Wischbare Böden statt Teppich sind ebenfalls von Vorteil und senken die Allergenbelastung der Wohnung. Aber auch diese Böden müssen regelmäßig gereinigt, sprich abgesaugt und gewischt werden. Auf einen Staubsauger kann man also nicht verzichten. Am besten nimmt man dazu einen Staubsauger mit HEPA-Filter oder S-Klasse-Filter. Ein weiteres Plus sind doppelwandige Staubsaugerbeutel. Unverzichtbar ist, dass Beutel und Filter häufig gewechselt werden (Angaben der Hersteller berücksichtigen). Standardisierte Vergleichstestungen zwischen HEPA-Filter- und Wasserfilter-Saugern mit HEPA-Filter bezüglich der Saugleistung und Allergenfreisetzung zeigen keine eindeutigen Vorteile für die getesteten Wasserstaubsauger. Aus den vorliegenden Studien ergibt sich bisher keine Notwendigkeit, die deutlich höheren Kosten für Wasserfilter-Sauger zu investieren. Für das Geld, das sie kosten, könnte man unter Umständen auch den Fußbodenbelag durch einen pflegeleichten ersetzen. Dazu kommt bei Wasserstaubsaugern das Risiko, dass es bei längerem Gebrauch und bei nicht optimaler Trocknung zu einer Schimmelpilzbesiedlung kommen könnte.
Eine milbenabtötende Wirkung scheinen Dampfstrahlreiniger zu besitzen (Htut 2001, Boer de 1996), möglicherweise durch die zusätzliche Hitzewirkung. Untersuchungen an Teppichstücken, die nur feucht gereinigt wurden, zeigten allerdings: Die Teppiche waren nach drei Monaten wieder ebenso starke besiedelt wie vor der Reinigung (de Boer 1996).
Autor: Dr. Sabine Schmidt, Kinderumwelt gGmbH
Letzte Aktualisierung: September 2007
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