
Histamin ist ein Botenstoff des Immunsystems. Vor allem in Mastzellen gelagert, wirkt Histamin über die Aktivierung eines Histaminrezeptors an den Zellen der Haut und Schleimhäute. Histamin wirkt auf diese Weise als Entzündungsmediator. Obwohl viele weitere Allergiemediatoren in die Auslösung allergischer Symptome eingebunden sind, bleibt Histamin einer der wichtigsten. Histamin wirkt an der Nase vor allem über H1-Rezeptoren. Die Rolle der sogenannten H2- und H3-Rezeptoren ist noch nicht völlig geklärt.
H1-Rezeptorenblocker oder H1-Antihistaminika sind Medikamente, die in der Lage sind, die Wirkung des Histamins auf der Ebene des Histaminrezeptors an den Zellen zu blockieren. Antihistaminika binden als Antagonisten an den Rezeptor, ohne dass sie am Gewebe eine entsprechende Reaktion hervorrufen.
Manche neueren Antihistaminika können auch anti-allergische Eigenschaften zusätzlich zu ihrer Rezeptorblockade entfalten, dies hängt aber vom eingesetzten Molekül und dem Erfolgsorgan ab. In den letzten 20 Jahren hat die pharmakologische Forschung Substanzen mit

Solche Antihistaminika werden als Antihistaminika der 2. Generation und 3. Generation bezeichnet.
Die meisten der neuen Antihistaminika zum Einnehmen haben einen schnellen Wirkeintritt innerhalb von 20 Minuten bis zu 2 Stunden. Die Wirkung kann bis zu 24 Stunden anhalten. Intranasale Antihistaminika (Nasensprays) haben einen noch schnelleren Wirkungseintritt, aber diese Medikamente müssen mindestens zweimal am Tag für eine dauerhafte 24-Stunden-Wirkung eingesetzt werden.
Es hat sich gezeigt, dass manche Lebensmittel in der Lage sind, die Aufnahme der oralen Antihistaminika zu verändern. Grapfruit-, Orangen- und Apfelsäfte können dazu führen, dass Antihistaminika weniger vom Körper aufgenommen werden und deshalb nur schwächer wirken können. Einige orale Antihistaminika werden über spezielle Stoffwechselwege in der Leber abgebaut und in aktive Abbauprodukte umgewandelt. Dieser Abbauweg ist wichtig und in viele andere Entgiftungs- und Abbaumechanismen von Medikamenten und Chemikalien einbezogen. Deshalb kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Auf diese Weise sind auch unbeabsichtigte Überdosierungen möglich.
Die Stimulation des H1-Histaminrezeptors durch Histamin an der Schleimhaut der Nase führt zu den klassischen Symptomen der allergischen Rhinitis wie Niesen, Nasejucken, wässrigem Schnupfen und verstopfter Nase bei Kindern und Erwachsenen. Diese Symptome können deshalb durch die Antihistaminika gut beeinflußt werden (siehe Abbildung 2). Allerdings sind orale Antihistaminika weniger wirksam gegen die Symptome der nasalen Verstopfung, weil hier andere Mediatoren und Histamin über H3 Rezeptoren Auslöser für das Symptom sind. Antihistaminika können ebenso Symptome wie Husten und das Engegefühl im Hals beeinflussen. Sie haben aber nur eine geringe Wirksamkeit gegen Asthmasymptome. Eine Studie mit dem Antihistaminikum Cetirizin konnte einen geringen Einfluß auf die Vorbeugung der Asthmaentwicklung bei Kindern mit Neurodermitis zeigen. Hier sind aber noch weitere Studien zu einer endgültigen Bewertung notwendig.
Die bedeutsamste Nebenwirkung der älteren Antihistaminika der ersten Generation ist die Sedierung, d.h. die müde machende, dämpfende und die Reaktionsfähigkeit einschränkende Wirkung. Leider ist die müde-machende und die Reaktionsfähigkeit einschränkende Wirkung nicht immer gleichartig miteinander kombiniert. Einige Patienten fühlen sich nicht müde, sind aber trotzdem in ihrer Reaktionsfähigkeit stark eingeschränkt. Dies stellt ein deutliches Risiko z.B. im Straßenverkehr dar. Die Antihistaminika ab der zweiten Generation sind insgesamt deutlich weniger sedierend.
Sehr stark in die Aufmerksamkeit geraten sind einige Antihistaminika, die mit Todesfällen durch Herzrhythmusstörungen nach Anwendung dieser Medikamente in Verbindung gebracht wurden. Diese Auswirkung auf den Herzrhythmus (Verlängerung des QT-Intervall) ist kein Effekt, der auf alle Antihistaminika zu übertragen ist. Er ist vor allem verbunden mit Terfenadin und Astimezol. Diese Medikamente sind in einigen Ländern aufgrund dieser Nebenwirkungen vom Markt genommen worden. Die meisten aber nicht alle älteren klassischen Antihistaminika (Antihistaminika der ersten Generation) können zusätzlich Nebenwirkungen haben, die nicht im Zusammenhang mit der H1-Rezeptoblockade stehen. Sie machen einen trockenen Mund, eine Herzbeschleunigung, Harnverhalten und stören die Nahsicht.
Autor: Dr. Sabine Schmidt, Kinderumwelt
letzte Aktualisierung: Januar 2008
AWMF (2007): Leitlinie Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen
Bousquet, J. et al.: Requirements for medications commonly used in the treatment of allergic rhinitis. Allergy 2003; 58; 3:192 - 197
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Allergische Rhinitis" der Sektion HNO: Allergische Rhinokonjunktivitis. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Allergo J 2003; 12:182-194.
Hilfreich:
Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.: Antihistaminika bei Allergien und Neurodermitis. Informationsreihe für Patienten. ISBN 3-931281-00-0, 1997, MedCom Publishing GmbH, Godesberger Allee 154, 53175 Bonn . Verfasser: Prof. Dr. med. Peter Altmeyer, Dipl.-Biol. Stephan Fischer.
www.medizinfo.de: Arzneimittelklassen www.medizinfo.de/arzneimittel/arzneimittelklassen/antihistaminika.shtml