Seit der Indikationseinschränkung für Amalgam und in Zusammenhang mit ästhetischen Ansprüchen der Patienten werden zunehmend zahnfarbene Füllungsmaterialien gewünscht und auch verwendet.
Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen „direkten“ und „indirekten“ Materialien. Erstere können aufgrund ihrer Plastizität direkt im Mundraum angewendet werden, während letztere (Inlays, Kronen) zunächst im Labor gestaltet werden müssen. Bekannte „direkte“ Materialien sind Glasionomerzemente und Composites (auch: Komposit).
Glasionomerzemente bestehen aus Copolymerisaten der Polyacrylsäure in Verbindung mit anderen organischen Säuren sowie aus Calcium-Aluminium-Silikatglas. In der Abbindereaktion lösen die Säuren Calcium und Aluminium aus dem Silikatglas heraus. Innerhalb weniger Minuten entsteht zunächst ein Calcium-Polycarboxylatgel und dann in den folgenden 24 Stunden durch Aluminiumeinlagerungen das wasserunlösliche Calcium-Aluminium-Carboxylat.
Glasionomerzemente sind aufgrund ihrer Zusammensetzung gut verträglich und stehen nicht im Verdacht, Allergien auszulösen. Sie sind weitgehend zahnfarben und leicht zu verarbeiten. Glasionomerzemente geben kleine Mengen an Fluoridionen ab und können auf diese Weise einer sekundären Karies vorbeugen. Nachteile sind ihre geringe Haltbarkeit (maximal 3 – 4 Jahre) und ihre Abnutzung durch Kaubelastung. Bei größeren Füllungen nimmt die Bruchfestigkeit ab. Solche Füllungen sind auch nicht polierbar.
Composites bestehen zu 80 – 90% aus glaskeramischen Füllstoffen (z.B. Quarze), die in eine Kunststoffmatrix eingebettet sind. Zur Herstellung der Kunststoffmatrix werden meist Dimethacrylate verwendet (Basismonomere: z.B. BisGMA, UDMA) und Co-Monomere, (z. B. TEGDMA, HEMA). Ferner sind noch photo- oder thermoreaktive Stoffe zur Einleitung der Polymerisation, sowie Beschleuniger und Stabilisatoren enthalten. Pigmente und schweratomige Beimengungen sorgen für den gewünschten Farbton und eine Röntgenopazität. Das Composite wird direkt in die Kavität verfüllt und unter Lichteinwirkung ausgehärtet. Compositefüllungen sind in der Verarbeitung recht arbeits- und zeitaufwändig, ihre Haltbarkeit wird mit 6 bis 8 Jahren angegeben. Compositefüllungen können der natürlichen Zahnfarbe angeglichen werden. Als Nachteile sind mögliche allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe dieses Zahnwerkstoffs zu nennen, die allerdings eher den Behandler und seine Assistenz als den Patienten betreffen. Die früher vermutete Schädigung der Pulpa durch eine vom Randspalt ausgehende Sekundärkaries sowie durch Reaktionsteilnehmer der Polymerisationsreaktion (Reichl et al. 2007) tritt nach heutiger Erfahrung sehr selten auf.
Autor: Henrike Rodeck
Stand: Oktober 2008, ergänzt im September 2011
Nächste Aktualisierung: September 2012
Reichl et al. (2007): Taschenatlas der Pharmakologie für Zahnmediziner. Georg Thieme Verlag.
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz (September/Oktober 2011): Aktuelle Entwicklungen in der Zahnheilkunde. Band 54 Heft 9/10 S. 1005 - 1110.
Wikipedia: Komposit http://de.wikipedia.org/wiki/Komposit_(Zahnmedizin) (aufgerufen im Juni 2011).