Für die Behandlung der Neurodermitis steht eine Vielzahl von Arzneimitteln und Therapieverfahren zur Verfügung. Dazu zählen äußerlich anwendbare Lotionen, Cremes und Salben sowie auf den ganzen Körper wirksame Medikamente wie Säfte, Tropfen und Tabletten. Je nach Krankheitsphase kann das Behandlungsverfahren dem aktuellen Zustand angepasst werden.
Die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) empfiehlt folgendes Stufenschema:
Hauttrockenheit ist bei Neurodermitis ein häufiges Problem. Sie führt zu Juckreiz und Brennen. Reagieren die Betroffenen auf den Juckreiz mit Kratzen, kann dies einen Schub auslösen. Daher ist es erforderlich in dieser beschwerdearmen Phase die trockene Haut mit pflegenden und Feuchtigkeit spendenden Pflegemitteln zu versorgen und damit vor dem Austrocknen zu schützen. Die Salben, Cremes oder Lotionen sind meist frei von pharmazeutischen Wirkstoffen. Manche enthalten wasserbindende Substanzen wie Harnstoff.
Um einen Neurodermitisschub zu verhindern, sollten die Betroffenen Auslöser vermeiden. Als Auslöser sind bekannt:
Die Stufe 1 stellt die Basisversorgung eines jeden Neurodermitikers da.
Neben den Hautpflegeprodukten werden in dieser Stufe leichte Kortisonpräparate auf die Hautausschläge aufgetragen. Sie wirken entzündungshemmend und juckreizstillend. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind auch äußerlich anwendbare Calcineurin-Inhibitoren geeignet. Sie wirken auf die bei der Entzündung beteiligten weißen Blutkörperchen (T-Lymphozyten) und verhindern die Ausschüttung von Botenstoffen. Dadurch kommt die Entzündungsreaktion zum Erliegen. Nach der Leitlinie sind Kortisonpräparate zu bevorzugen.
Unterstützend können außerdem orale Antihistaminika zur Reduzierung des Juckreizes eingesetzt werden.
In dieser Stufe werden neben den Hautpflegeprodukten stärkere Kortisonpräparate auf die Haut aufgetragen, dort wo es angezeigt ist, kann man auch auf Calcineurin-Inhibitoren ausweichen.
In der vierten Stufe werden zusätzlich zu den in den Stufen 1-3 beschriebenen Maßnahmen, Tabletten mit Cyclosporin A eingesetzt, einem innerlich anwendbaren Calcineurin-Inhibitor.
Neben den oben beschriebenen Therapieverfahren können Erwachsene auch mit leichter UV-Bestrahlung behandelt werden. Aufgrund des Hautkrebsrisikos ist diese Maßnahme für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet. Außerdem tut den meisten Neurodermitikern ein Aufenthalt am Meer und Baden im salzigen Wasser gut.
Viele Neurodermitiker sind gleichzeitig Allergiker. Die Betroffenen sollten die Allergene möglichst meiden. Je nach Auslöser kommt für die Allergiker auch eine Hyposensibilisierung in Betracht.
Ein elementarer Bestandteil der Neurodermitistherapie ist die standardisierte Patientenschulung. Sie wird von der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V, kurz AGNES, angeboten. Die Schulung beinhaltet folgende Themen:
Informationen über AGNES finden sich im Internet unter www.neurodermitisschulung.de. Dort sind auch zur Neurodermitisschulung berechtigte Trainer zu finden.
Autorin: Judith Linnemann Stand: November 2010
Deutscher Allergie- und Asthmabund (daab): Was ist Neurodermitis? http://www.daab.de/was_ist_neur.php. Zuletzt aufgerufen im November 2010.
Neurodermitisleitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) et al. Online verfügbar. Zuletzt abgerufen im November 2010.