Immer wieder ist in den Medien zu hören, die Kinder seien heutzutage übergewichtig, unbeweglich und nicht gesund. Dabei wird mit allerhand unterschiedlichem Zahlenmaterial argumentiert, es gibt jedoch nur unzureichende Informationen über die Verbreitung von Krankheiten und das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung unter 18 Jahren. Es wurden zwar viele Studien publiziert, doch nur wenige waren repräsentativ für ganz Deutschland. Dies wollte das Robert Koch-Institut mit dem Projekt KiGGS ändern.
KiGGS – das ist die Abkürzung für den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey. Im Folgenden erfahren Sie, was es mit diesem Survey auf sich hat und wie gesund unsere Kinder nun wirklich sind.
Der KiGGS ist eine bundesweite Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Gesundheit (BMG) und dem Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es ist die bislang größte repräsentative bundesweite Studie zur Gesundheit der heranwachsenden Generation. Ziel dieses Surveys war es, umfassende und bundesweit repräsentative Informationen zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen zu erheben.
Seit Mai 2003 wurden drei Jahre lang Daten zur Gesundheit der Kinder gesammelt. Die Beteiligung war sehr gut: zwei von drei angeschriebenen Kindern und Jugendlichen nahmen teil. Insgesamt wurden somit Daten von 17.641 Kindern und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren erfasst.
Die Untersuchungen wurden in 167 Städten und Gemeinden (Sample Points) durchgeführt. Die Jungen und Mädchen im Alter von 0 bis17 Jahren wurden zufällig aus den Melderegistern der Einwohnermeldeämter ausgewählt.
Informationen und Daten wurden auf drei Wegen erfasst:
Neben der Hauptstudie mit fast 18.000 Teilnehmern, gibt es folgende kleinere Zusatzuntersuchungen, die nur Stichproben der Teilnehmer untersuchen und sich auf einen Schwerpunkt konzentrieren:
Die aus den Studien gewonnen Daten können Schwachstellen aufzeigen und so neuen Präventions- und Interventionsansätzen dienen. Die teilnehmenden Kinder konnten davon profitieren, in einem Alter untersucht zu werden, für das keine Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen sind.
Die Ergebnisse des KiGGS wurden im Mai 2007 sehr ausführlich im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht (Band 50, Heft 5/6).
An dieser Stelle finden Sie zusammenfassend die wichtigsten Ergebnisse:
>> Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum
>> Übergewicht und Adipositas
>> Essstörungen
>> Ernährungsverhalten
>> Allergische Erkrankungen
>> Sexuelle Reifung
>> Jodversorgung
>> Perinatale Einflussfaktoren auf die spätere Gesundheit
>> Sport und Bewegung
>> Verhaltensauffälligkeiten
>> Durchimpfung
>> Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen
>> Fazit
Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum kann zu schwerwiegenden Konsequenzen für ein Individuum, aber auch zu hohen gesellschaftlichen Kosten führen. Die Einstellungen zu Tabak, Alkohol und Drogen werden schon in der Kindheit erworben und meist das ganze Leben lang beibehalten. Tabak, Alkohol und Drogen enthalten psychoaktive Substanzen, die zur Abhängigkeit führen können. Auch Jugendliche können Alkohol, Zigaretten und Drogen bereits als Mittel dazu sehen, Aufgaben und Schwierigkeiten zu bewältigen. Um dem riskanten Konsum Jugendlicher vorzubeugen, werden zunächst Daten zur Verbreitung des Konsums in der Generation der Jugendlichen benötigt. Diese liefert nun der KiGGS.
6813 Jungen und Mädchen im Alter von 11-17 Jahren sowie deren Eltern wurden befragt. Es wurden Fragen nach dem Konsum der jeweiligen Substanzen und nach dem Einstiegsalter gestellt. Die Angaben wurden mit allgemeinen Angaben wie Schulform und Alter in Beziehung gesetzt.
Rauchverhalten:
20,5 % der 11-17-jährigen Jungen und 20,3 % der gleichaltrigen Mädchen rauchen. Bereits unter den 11-12-jährigen Jungen und Mädchen sind etwa 2 % regelmäßige Raucher, 1,4 % bzw. 0,9 % davon rauchen täglich. Die Zahl der Raucher, aber auch deren Anzahl an gerauchten Zigaretten steigt mit dem Alter. Die 17-jährigen Raucher wurden in der Studie gefragt, seit wann sie regelmäßig rauchen. Aus den Antworten konnte ein durchschnittliches Einstiegsalter von 14,2 Jahren abgeleitet werden. Im KiGGS wurde deutlich, dass das Rauchverhalten eines Jugendlichen stark vom Rauchverhalten seiner Freunde abhängig ist. Auch die Schulform scheint eine wichtige Rolle hinsichtlich des Rauchvehaltens zu spielen. Jungen und Mädchen, die eine Hauptschule besuchen, rauchen 4,6- bzw. 3,4mal häufiger als Schüler des Gymnasiums. Jugendliche mit Migrationshintergrund rauchen seltener.
Erschreckend ist, dass nach Daten des KIGGS mehr als ein viertel der Nichtraucher mehrmals wöchentlich Tabakrauch ausgesetzt ist. Auch die Passivrauchbelastung steigt mit dem Alter, da ältere Jugendliche zunehmend dem Passivrauch Gleichaltriger (z.B. in Kneipen und Diskotheken) ausgesetzt sind.
Alkoholkonsum:
Von den 11-17-jährigen haben 64,8 % der Jungen und 63,8 % der Mädchen bereits Alkohol getrunken. Gaben von den 11-jährigen noch 19,6 % (Jungen) bzw. 11,7% (Mädchen) an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben, sind es bei den 17-jährigen über 95 %. Fast 40 % der Jungen und 22 % der Mädchen gelten als regelmäßige Alkoholkonsumenten. Schon bei den 11-Jährigen trinken 6,5 % der Jungen und 4,4 % der Mädchen mehrmals pro Woche Alkohol.
Jungen trinken somit regelmäßiger als Mädchen. Zudem trinken sie lieber Bier und Spirituosen als Mädchen, Mädchen lieber Sekt und Wein. Jugendliche mit Migrationshintergrund trinken seltener Alkohol. In der Elternbefragung zeigte sich, dass viele Eltern den Alkoholkonsum ihrer Kinder unterschätzen.
Drogenkonsum:
Die meistkonsumierte illegale Droge ist in Deutschland Haschisch, bzw. Marihuana. 9,2 % der 11-17-jährigen Jungen und 6,2 % der Mädchen haben Erfahrungen damit, wobei unter 14-jährige es erst selten probiert haben. Andere illegale Drogen wurden je nach Substanz von ca. 0,5 - 0,8 % der Befragten bereits einmal genommen, spielen damit eine untergeordnete Rolle.
Insgesamt ist zu sehen, dass Alkohol und Tabak bei Jugendlichen weit verbreitet sind, illegale Drogen hingegen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die Ergebnisse des KiGGS sind vergleichbar mit den Ergebnissen anderer Studien. Daraus folgt, dass es bezüglich Alkohol und Tabak viel mehr Präventionsmaßnahmen geben müsste, die schon bei den 10-11-jährigen ansetzen sollten. Daneben sind strukturelle Maßnahmen notwendig, die den Zugang zu Alkohol und Tabak erschweren, wie Steuererhöhungen und Werbeverbote.
Übergewicht und Adipositas im Kindesalter stellen langfristig ein Risiko für die Gesundheit dar, da sie zu schwerwiegenden Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen und Krankheiten des Gelenk- und Skelettsystems führen können.
Folgende Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas werde zurzeit diskutiert:
Die Datenlage zum Übergewicht unter deutschen Kindern war jedoch bisher uneindeutig.
Mit den Ergebnissen des KiGGS liegen nun erstmals repräsentative bundesweite Zahlen zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen aller Altersgruppen vor.
Die Daten wurden durch die Messung von Gewicht und Größe der Teilnehmer und Bestimmung des jeweiligen Perzentils erfasst. Bei Kindern und Jugendlichen gelten altersbezoge Zahlen für den BMI, weil das Wachstum berücksichtigt werden muss. Es gibt dafür Tabellen mit alters- und geschlechtsabhängigen Perzentilen. Übergewicht liegt vor, wenn der BMI zwischen dem 90. und 97. Perzentil für das jeweilige Alter liegt. Es handelt sich um Adipositas, wenn der BMI-Wert das 97. Perzentil übersteigt.
Den Messungen zufolge sind 15 % der Kinder und Jugendlichen übergewichtig und 6,3 % adipös, also schwer übergewichtig. Dabei stieg die Zahl der übergewichtigen Kinder (auf Basis der Referenzdaten von 1985-1999) um 50 % und die Zahl der adipösen Kinder auf das doppelte.
Die Zahl der Übergewichtigen steigt mit dem Alter. Ein starker Anstieg ist im Grundschulalter zu verzeichnen. Von den untersuchten 14-17-Jährigen haben schon 17 % ein zu hohes Gewicht. Zudem sind Kinder mit niedrigem Sozialstatus sowie Migrationshintergrund häufiger betroffen, ebenso Kinder von Eltern, die selbst übergewichtig sind. Dies liegt vermutlich an der gleichen genetischen Disposition, aber auch an innerhalb der Familie ähnlichen Lebens- und Essgewohnheiten.
Jungen und Mädchen sind gleich häufig von Übergewicht betroffen, hier gibt es keine Unterschiede.
Das Vorhandensein einer Essstörung wurde in der KiGGS-Studie anhand eines Fragebogens mit fünf recht allgemeinen Fragen erfasst. Bei zwei „positiven“ Antworten wurden Hinweise auf eine mögliche Essstörung gesehen. Dabei zeigten 21,9 % der Befragten 11-17-jährigen ein auffälliges Essverhalten, am häufigsten Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren. Mit dieser Methode können jedoch keine Diagnosen gestellt, sondern nur Verdachtsfälle gefunden werden. Schlagzeilen wie „Jedes dritte Mädchen hat Essstörungen“ (Neue Osnabrücker Zeitung vom 26.09.2006) sind somit schlichtweg falsch.
Ernährungsverhalten
Eine gesunde Ernährung ist wichtig für den Aufbau und Erhalt der Körperfunktionen und die Gesunderhaltung des Körpers. Wie man sich ernähren soll, ist den meisten Menschen vermutlich theoretisch bekannt: Gemüse, Obst, kalorienfreie Getränke sowie Vollkornprodukte, Reis und Nudeln sollten reichlich verzehrt werden. Milchprodukte, Eier Fleisch und Fisch und pflanzliche Fette gehören ebenso auf den Speiseplan, wenn auch seltener. Mit Süßigkeiten und Knabberartikeln sollte man sehr sparsam umgehen. Die Kampagne „5 am Tag“ wirbt schon seit Jahren für einen höheren Verzehr von Obst und Gemüse. Doch essen die Kinder heute – bei einem enormen Angebot an Nahrungsmitteln – nach diesen Empfehlungen?
Das Ernährungsverhalten deutscher Kinder wurde zuletzt vor 20 Jahren innerhalb der ersten Nationalen Verzehrsstudie untersucht. Seitdem hat sich das Lebensmittelangebot sehr verändert.
Im KiGGS wurde das Ernährungsverhalten mit einem Verzehrshäufigkeitsfragebogen zu 50 Lebensmittelgruppen ermittelt. Auch ein Teil des allgemeinen Gesundheitsfragebogens betraf die Ernährung. Für die 1-10-jähigen Kinder füllten die Eltern den Bogen aus. Fast 16.000 Teilnehmer gaben einen ausgefüllten Fragebogen ab. Zudem wurden bestimmte biochemische Parameter im Blut und Urin ermittelt, die Rückschlüsse auf die Ernährung ermöglichten.
Einige interessante Ergebnisse sind:
Insgesamt essen Kinder und Jugendliche weniger Brot und Getreideprodukte, Obst, Milchprodukte, Fisch und Beilagen als empfohlen. Der Konsum von fetten Snacks und gesüßten Getränken ist hingegen zu hoch. Fehlernährung im Kindesalter kann schwerwiegende langfristige Konsequenzen mit sich ziehen, zudem werden die Vorlieben für bestimmte Lebensmittel schon im Kindesalter geprägt. Deshalb sollten Eltern auf eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder achten.
Allergische Erkrankungen stellen das häufigste Gesundheitsproblem im Kindesalter dar. Informationen zu den jeweiligen Allergien sowie zum Asthma Bronchiale sind auf dieser Internetseite unter der Rubrik Krankheiten zu finden.
Im KiGGS wurden die Daten zu allergischen Erkrankungen durch eine standardisierte ärztliche Befragung der Eltern erhoben. Diese liegen für 17.450 Kinder zwischen 0 und 17 Jahren vor.
Zudem wurde das Blut von 13.016 Kindern zwischen 3 und 17 Jahren auf IgE-Antikörper gegen 20 häufige Allergene untersucht.
4,7 % der Teilnehmer hatte nach Aussage der Eltern bereits mindestens einmal in ihrem Leben Asthma bronchiale. Dabei erhielten mehr Jungen (mit 5,5 %) als Mädchen (3,9 %) diese Diagnose. Aktuell (d.h. in den letzten 12 Monaten) waren 3,0 % aller Kinder von Asthma betroffen.
10,7 % der Teilnehmer litten bereits einmal in ihrem Leben an Heuschnupfen. Auch daran erkranken Jungen (mit 12,5 %) scheinbar häufiger als Mädchen (mit 8,9 %). 8,7 % der Kinder hatten in den letzten 12 Monaten Heuschnupfen (Jungen: 10,0 %, Mädchen: 7,4 %).
Bei Mädchen scheint sich Heuschnupfen etwas später zu manifestieren oder wird erst später diagnostiziert.
Ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) hatten 13,2 % der 0-17-jähigen bereits einmal in ihrem Leben, aktuell waren 7,2 % nach Elternaussagen davon betroffen. Bei Kindern aus Familien mit geringem sozialen Status oder Migrationshintergrund wurde weitaus seltener vom Arzt die Diagnose Neurodermitis gestellt.
9,9 % der Kinder hatten nach Elternangaben mindestens einmal in ihrem Leben ein allergisches Kontaktekzem. Dabei waren Mädchen (mit 13,8 %) häufiger betroffen als Jungen (mit 6,2 %). Dieser Geschlechtsunterschied wurde allerdings erst bei Kindern im Schulalter festgestellt.
16,1 % der Befragten litten aktuell an einer Allergie, bei 22,9 % wurde irgendwann einmal eine Allergie festgestellt (Jungen: 24,3 %, Mädchen: 23,9 %). Auch hier hatten Kinder mit Migrationshintergrund oder niedrigem sozioökonomischem Status seltener eine Allergie. 40,8 % der Teilnehmer waren im Bluttest gegen mindestens eines der Allergene sensibilisiert. Jungen (mit 45 %) häufiger als Mädchen (mit 36,4 %).
Auffällig sind bei diesen Ergebnissen die Unterschiede bezüglich des sozioökonomischen Status. Diese geben Hinweise auf die so genannte Hygienehypothese, die besagt, dass früher Kontakt mit Viren und Bakterien vor einer späteren Allergie schützen kann. Dafür, dass Migranten seltener von Allergien betroffen sind, könnten unterschiedliche Lebensweisen, aber auch systematische Fehler der Studie verantwortlich sein.
Das Spurenelement Jod ist für den Menschen unverzichtbar. Ein Mangel an Jod führt zur Stimulation und dadurch zur Vergrößerung der Schilddrüse. Das wiederum kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen, die den Stoffwechsel beeinflusst und Folgeerkrankungen verursachen kann. Deutschland war lange Zeit Jodmangelgebiet, deshalb ist es sehr wichtig, die Jodversorgung der Bevölkerung zu beobachten. Zu diesem Zweck wurde im KIGGS bei 11.559 Kindern zwischen 6 und 17 Jahren das Schilddrüsenvolumen mittels Sonographie (Ultraschall) gemessen. Zudem wurden die Ergebnisse von Messungen der Jodausscheidung von 14.078 Kindern und der Kreatininkonzentration im Urin von 14.666 Kindern hinzugezogen.
Die WHO hat auf Basis der Jodausscheidung im Urin Kriterien aufgestellt, anhand derer die Jodversorgung auf Bevölkerungsebene beurteilt wird. Es wurde festgestellt, dass Deutschland kein Jodmangelgebiet (mehr) ist. Auf Basis dieser Kriterien erfüllt Deutschland die Bedingungen für eine gute Jodversorgung, wenn auch nur sehr knapp. Die Jodprophylaxe (z.B. durch Jodierung von Salz und Tierfutter) hat somit gewirkt.
Kinder sind heute größer und schwerer als noch vor 100 Jahre und kommen auch eher in die Pubertät. Das mittlere Alter der ersten Regelblutung hat sich um 2 Jahre nach unten verschoben. Das ist vermutlich in einer veränderten Ernährung und einer besseren gesundheitliche Betreuung begründet.
Im KiGGS wurden 3.803 Mädchen im Alter von 10 bis 17 Jahren nach ihrer ersten Regelblutung und 4.028 Jungen im selben Alter nach dem Stimmbruch gefragt, zudem wurden die Kinder und Jugendlichen gebeten, anhand von Bildern ihre eigene Schambehaarung einzuschätzen.
Mit 10 Jahren berichteten 42,4 % der Mädchen und 35,7 % der Jungen über das Vorhandensein von Schamhaaren. Bei 13-jährigen Jungen und Mädchen waren alle Ausprägungen der Schambehaarung vertreten, was die Spannbreite der Reifeentwicklung verdeutlicht.
Das mittlere Alter für die erste Regelblutung liegt bei Mädchen bei 12,8 Jahren, das mittlere Alter für eine tiefe Stimme bei Jungen bei 15,1 Jahren.
Ein deutlicher Zusammenhang besteht zwischen dem Auftreten der Menarche und dem BMI. Bei Mädchen mit einem hohen BMI beginnt die Entwicklung eher und ist auch eher beendet. Adipöse Mädchen haben ihre erste Regelblutung im Mittel mit 12,1 Jahren, stark untergewichtige Mädchen hingegen mit 14,9 Jahren. Dass ein Mangel an Fettmasse zu einer spät einsetzenden Pubertät und dem Ausbleiben der Periode führt, ist schon lange bekannt.
Es gibt keine Entwicklungsunterschiede aufgrund der Wohnortgröße, ebenso gibt es keinen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Mädchen mit hohem Sozialstatus jedoch bekommen ihre erste Regelblutung später (mit 13,0 Jahren) als Mädchen mit mittlerem oder niedrigen Sozialstatus (12,9, bzw. 12,5 Jahre). Das könnte allerdings damit zusammenhängen, dass es in sozial schwächeren Familien mehr Kinder mit Adipositas gibt. Auch Mädchen mit Migrationshintergrund bekommen ihre erste Regelblutung eher (12,5 versus 12,9 Jahre).
Das Wort „Perinatal“ bezeichnet die Zeit um die Geburt herum. Die Perinatalperiode streckt sich von der 28. Schwangerschaftswoche bis zum Ende der ersten Lebenswoche. Es wird davon ausgegangen, dass in dieser Zeit lebenslange Funktionen wie der Appetit und die späteren Körpermaße „programmiert“ werden. So können zum Beispiel in dieser Zeit Hormone, aber auch Ernährung, Tabak- und Alkoholkonsum sowie Nährstoffdefizite der Mutter sich nachhaltig auf die Gesundheit des Kindes auswirken.
Übergewichtige Mütter gebären beispielsweise schwerere Neugeborene, die auch im späteren Leben ein erhöhtes Risiko haben, übergewichtig zu werden. Auch hoher Blutdruck, Diabetes, Allergien, Asthma, ADHS, Suchtverhalten, Intelligenz und andere Gesundheitsfaktoren und Eigenschaften des Kindes werden in der perinatalen Zeit geprägt.
Der KiGGS untersuchte die perinatalen Einflussfaktoren anhand von schriftlichen Befragungen der Eltern sowie den Dokumenten der Schwangerschafts- und Kindervorsorge.
Ergebnisse:
In den letzten 20 Jahren ist die durchschnittliche Gewichtszunahme während der Schwangerschaft um mehr als 2 kg angestiegen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen
der Gewichtszunahme der Mutter und dem Geburtsgewicht des Kindes.
17-18 % der Frauen gaben an, in der Schwangerschaft geraucht zu haben, unter Frauen mit niedrigem Sozialstatus waren es etwa viermal so viele wie unter Frauen mit hohem Sozialstatus.
Alkohol konsumierten jedoch Frauen mit hohem Sozialstatus 2,5mal mehr als Frauen in der so genannten Unterschicht. Insgesamt tranken in der Schwangerschaft 14 % der Mütter gelegentlich und weniger als 1 % regelmäßig Alkohol. Es tranken jedoch nur 5 % der Mütter mit Migrationshintergrund gelegentlich.
Da der Konsum von Tabak und Alkohol in der Schwangerschaft hohe Risiken für das Kind nach sich zieht, sollte er auf jeden Fall vermieden werden. Auch die Politik könnte sich stärker für die Vermeidung von riskantem Verhalten während der Schwangerschaft einsetzen.
Um die sportliche Aktivität der Kinder und Jugendlichen zu untersuchen, wurden Befragungen zur körperlichen und sportlichen Aktivität und Leistungsfähigkeit durchgeführt. Diese ergaben, dass dreiviertel der Kinder im Alter von 10 Jahren und jünger täglich im Freien spielen und 60% mindestens einmal pro Woche Sport machen. Von den 11-17-Jährigen sind 54 % mindestens dreimal in der Woche körperlich aktiv, Jungen mehr als Mädchen.
In der Zusatzstudie MOMO wurden zudem die Koordination, Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer von über 4500 Kindern und Jugendlichen getestet. Interessante Ergebnisse waren:
Psychische Probleme ziehen viele weitere Probleme für Kinder und Jugendliche nach sich, seien sie körperlicher Natur oder im Umgang mit anderen.
Im KiGGS beantworteten fast 14.500 Eltern von Kindern im Alter von 3-17 Jahren einen Fragebogen zu Verhaltensproblemen ihrer Kinder.
Bei 11,5 % der Mädchen und 17,8 % der Jungen liegen im Bericht der Eltern Hinweise auf Verhaltensauffälligkeiten bzw. emotionale Probleme vor. Dennoch verfügen 89 % über ein gutes soziales Verhalten.
Die häufigsten Probleme sind
Befragte mit niedrigem Sozialstatus gaben mit 23,2 % weitaus häufiger Hinweise auf psychische Probleme als Befragte mit mittlerem (13,4 %) oder hohem (8,1 %) Sozialstatus. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien beobachtet und mit Präventionsmaßnahmen erreicht werden.
Impfungen sind wichtig. Sie schützen jeden einzelnen vor bestimmten Erkrankungen, aber auch die ganze Gesellschaft, da der Ausbruch verschiedener Krankheiten durch eine flächendeckende Durchimpfung der Bevölkerung verhindert wird. Dennoch besteht in Deutschland keine Impfpflicht. Der Impfstatus wird nur im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung überprüft. Der KiGGS hat jetzt den Impfstatus von knapp 16.500 Kindern und Jugendlichen überprüft.
Über 90 % der Kinder sind haben eine vollständige Grundimmunisierung gegen gegen Tetanus, Diphterie und Polio. Auch die ersten Impfungen für Masern, Mumps und Röteln haben über 90 %. Die Durchimpfung gegen Pertussis, Hib und Hepatitis B ist in jüngeren Altersgruppen wesentlich besser als in älteren, was daran liegen mag, dass eine Pertussis- und Hib-Impfung erst seit 1991, eine Hepatitis B-Impfung erst seit 1995 von der STIKO empfohlen wird.
Viele Kinder und Jugendliche in den älteren Altersgruppen mit Migrationsintergrund haben eine weitaus geringere Grundimmunisierung, besonders gegen Tetanus, Diphterie, Hib und Polio.
81 % der Kinder und Jugendlichen haben laut Eltern an allen Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen, 16 % nur teilweise und 3 % gar nicht.
Das KiGGS-Team hat in den vergangenen Jahren mit großem Aufwand gute Arbeit geleistet und es ist zu hoffen/zu fordern, dass KiGGS und die angehängten Module nicht Eintagsfliegen bleiben, sondern den Beginn einer kontinuierlichen Gesundheitsberichterstattung über die Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland darstellen. Nur wenn aufgedeckt wird, wo Handlungsbedarf besteht, können Prioritäten gesetzt und präventive Maßnahmen ergriffen werden.
Quelle: Bundesgesundheitsblatt: Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Band 50. Heft 5/6. Mai/Juni 2007.
Autor: Eva Theil
Aktualisiert: Juli 2007