Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum kann zu schwerwiegenden Konsequenzen für ein Individuum, aber auch zu hohen gesellschaftlichen Kosten führen. Die Einstellungen zu Tabak, Alkohol und Drogen werden schon in der Kindheit erworben und meist das ganze Leben lang beibehalten. Tabak, Alkohol und Drogen enthalten psychoaktive Substanzen, die zur Abhängigkeit führen können. Auch Jugendliche können Alkohol, Zigaretten und Drogen bereits als Mittel dazu sehen, Aufgaben und Schwierigkeiten zu bewältigen. Um dem riskanten Konsum Jugendlicher vorzubeugen, werden zunächst Daten zur Verbreitung des Konsums in der Generation der Jugendlichen benötigt. Diese liefert nun der KiGGS.
6813 Jungen und Mädchen im Alter von 11-17 Jahren sowie deren Eltern wurden befragt. Es wurden Fragen nach dem Konsum der jeweiligen Substanzen und nach dem Einstiegsalter gestellt. Die Angaben wurden mit allgemeinen Angaben wie Schulform und Alter in Beziehung gesetzt.
20,5 % der 11-17-jährigen Jungen und 20,3 % der gleichaltrigen Mädchen rauchen. Bereits unter den 11-12-jährigen Jungen und Mädchen sind etwa 2 % regelmäßige Raucher, 1,4 % bzw. 0,9 % davon rauchen täglich. Die Zahl der Raucher, aber auch deren Anzahl an gerauchten Zigaretten steigt mit dem Alter. Die 17-jährigen Raucher wurden in der Studie gefragt, seit wann sie regelmäßig rauchen. Aus den Antworten konnte ein durchschnittliches Einstiegsalter von 14,2 Jahren abgeleitet werden. Im KiGGS wurde deutlich, dass das Rauchverhalten eines Jugendlichen stark vom Rauchverhalten seiner Freunde abhängig ist. Auch die Schulform scheint eine wichtige Rolle hinsichtlich des Rauchvehaltens zu spielen. Jungen und Mädchen, die eine Hauptschule besuchen, rauchen 4,6- bzw. 3,4mal häufiger als Schüler des Gymnasiums. Jugendliche mit Migrationshintergrund rauchen seltener.
Erschreckend ist, dass nach Daten des KIGGS mehr als ein viertel der Nichtraucher mehrmals wöchentlich Tabakrauch ausgesetzt ist. Auch die Passivrauchbelastung steigt mit dem Alter, da ältere Jugendliche zunehmend dem Passivrauch Gleichaltriger (z.B. in Kneipen und Diskotheken) ausgesetzt sind.
Von den 11-17-jährigen haben 64,8 % der Jungen und 63,8 % der Mädchen bereits Alkohol getrunken. Gaben von den 11-jährigen noch 19,6 % (Jungen) bzw. 11,7% (Mädchen) an, schon einmal Alkohol getrunken zu haben, sind es bei den 17-jährigen über 95 %. Fast 40 % der Jungen und 22 % der Mädchen gelten als regelmäßige Alkoholkonsumenten. Schon bei den 11-Jährigen trinken 6,5 % der Jungen und 4,4 % der Mädchen mehrmals pro Woche Alkohol.
Jungen trinken somit regelmäßiger als Mädchen. Zudem trinken sie lieber Bier und Spirituosen als Mädchen, Mädchen lieber Sekt und Wein. Jugendliche mit Migrationshintergrund trinken seltener Alkohol. In der Elternbefragung zeigte sich, dass viele Eltern den Alkoholkonsum ihrer Kinder unterschätzen.
Die meistkonsumierte illegale Droge ist in Deutschland Haschisch, bzw. Marihuana. 9,2 % der 11-17-jährigen Jungen und 6,2 % der Mädchen haben Erfahrungen damit, wobei unter 14-jährige es erst selten probiert haben. Andere illegale Drogen wurden je nach Substanz von ca. 0,5 - 0,8 % der Befragten bereits einmal genommen, spielen damit eine untergeordnete Rolle.
Insgesamt ist zu sehen, dass Alkohol und Tabak bei Jugendlichen weit verbreitet sind, illegale Drogen hingegen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die Ergebnisse des KiGGS sind vergleichbar mit den Ergebnissen anderer Studien. Daraus folgt, dass es bezüglich Alkohol und Tabak viel mehr Präventionsmaßnahmen geben müsste, die schon bei den 10-11-jährigen ansetzen sollten. Daneben sind strukturelle Maßnahmen notwendig, die den Zugang zu Alkohol und Tabak erschweren, wie Steuererhöhungen und Werbeverbote.
Quelle: Bundesgesundheitsblatt: Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Band 50. Heft 5/6. Mai/Juni 2007.
Autor: Eva Theil
Aktualisiert: Juli 2007