Der Kinder-Umwelt-Survey ist als ein Modul in den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey integriert und wurde vom Umweltbundesamt durchgeführt. Seit Mai 2003 wurden in einem Zeitraum von 3 Jahren 1.790 Kinder zwischen drei und 14 Jahren aus 150 Erhebungsorten in Deutschland auf Umweltbelastungen untersucht. Diese Teilnehmer stellen eine zufällige Teilstichprobe aus dem KiGGS dar. Da die Untersuchungen und Befragungen über drei Jahre hinweg im Rahmen der KiGGS-Studie stattfanden, mussten die Kinder z.B. die Blutabnahme nicht mehrfach machen lassen.
Ziele des KUS waren die „Erfassung, Bereitstellung, Aktualisierung und Bewertung repräsentativer Daten“ über die Exposition deutscher Kinder mit Umweltschadstoffen und Da Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren auch im Umwelt-Survey 1990/92 untersucht wurden, lassen sich für diese Altersgruppe auch zeitliche Trends — und damit der mögliche Erfolg umweltpolitischer Maßnahmen erfassen.
Die Daten des KUS werden zudem genutzt, um für Kinder spezifische Referenzwerte zur bundeseinheitlichen Bewertung von Schadstoffbelastungen abzuleiten.
Wichtige Themen des KUS waren unter anderem:
Es fanden Messungen von Blei, Cadmium, Quecksilber, bei 7-14jährigen zusätzlich Organochlorverbindungen wie PCB, DDE, HCB und HCH im Blut, sowie von Creatinin, Arsen, Cadmium, Quecksilber, Nickel, Uran, Thallium, Antimon, Nikotin, Cotinin, bei Kindern ab 8 Jahren zusätzlich:Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin im Urin statt. Des weiteren untersuchten die Wissenschaftler Innenraumluft-, Hausstaub- und Trinkwasserproben und führten Befragungen durch. Abgefragt wurden Daten zur Sozialdemographie, zum Wohnumfeld, zur Wohnungsausstattung, zu Aufenthaltsorten, Passivrauchen, Ernährung, Krankheiten, Musikhörgewohnheiten u.a. Bei einem Teil dieser Kinder wurden weitere Untersuchungen wie beispielsweise Schallpegelmessungen und Hörtests durchgeführt.
Der KUS ist eine repräsentative Studie, wurde von renommierten Instituten (RKI und Umweltbundesamt) durchgeführt und verfügt über eine interne und externe Qualitätskontrolle. Die Ergebnisse können daher als sehr zuverlässig angesehen werden.
Bei den zwischen 2003 und 2006 untersuchten 3-14-jährigen Kindern fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deutlich geringere Belastungen mit Blei, Quecksilber, PAH und PCB (Polychlorierte Biphenyle) als 1990/92. Vergleichbar niedrige Bleiwerte in Blut wurden nur in Schweden gemessen.
Die Konzentrationen von PCB im Blut sind bei den 13-14-jährigen immer noch deutlich höher bei gestillten Kindern – im Vergleich zu nicht gestillten. Die PCB-Belastung sinkt jedoch mit dem Alter.
Die nachfolgenden Tabellen zeigen die Werte bei 3-14jährigen.
| Konzentration im Blut | |
| Blei | 16,3 µg/l |
| Cadmium | 0,12 µg/l |
| Quecksilber | 0,23 µg/l |
| PCB (Summe) | 0,286 µg/l |
| Konzentration im Morgenurin | |
| Arsen | 4,4 µg/l |
| Cadmium | 0,07 µg/l |
| Quecksilber | <0,1 µg/l |
| Nikotin (Nichtraucher) | 1,1 µg/l |
| Cotinin (Nichtraucher) | 2,1 µg/l |
Überschreitungen der Grenzwerte gab es kaum: Bei jeweils einem Kind lag der Quecksilbergehalt im Blut, der Cadmiumgehalt im Urin oder der Quecksilbergehalt im Urin im so genannten Prüf- oder Kontrollbereich. Bei einem Kind lag der Quecksilbergehalt im Urin über dem so genannten Maßnahmenwert.
Die Luftqualität im Elternhaus ist von großer Bedeutung für Kinder, da sie sich durchschittlich 15 Stunden täglich dort aufhalten.
Die Belastung der Kinder durch das Passivrauchen ist dem KUS zufolge seit 1990/92 nicht gesunken, sondern eher gestiegen. Etwa 50 % der Heranwachsenden leben demnach zurzeit in Haushalten mit mindestens einer rauchenden Person. Die Benzolbelastung war in der Studie in der Hälfte der untersuchten Raucherhaushalte höher als der EU-Grenzwert für Außenluft. Die Menge an Cotinin – einem Abbauprodukt des Nikotins – im Urin (Siehe Tabelle) deutet darauf hin, dass die Kinder heute sogar stärker durch Passivrauchen belastet sind als früher.
Die Teilnehmer des KUS wurden auf Sensibilisierungen gegenüber bestimmten Substanzen getestet, unter anderem gegenüber bestimmten Schimmelpilzen, die hauptsächlich in Innenräumen vorkommen und die in den routinemäßig eingesetzten Allergietests nicht erfasst werden. Das Ergebnis: Rund 10 % der getesteten Kinder sind gegenüber mindestens einem der untersuchten Schimmelpilze sensibilisiert, das heißt sie haben Kontakt mit den Schimmelpilzen gehabt und eine immunologische Reaktion auf sie gezeigt.
Bereits 13 % der 8-14-jährigen (also Kinder und Jugendliche in einem Alter, in dem sie noch keiner Disco-Musik ausgesetzt sind) haben einen Hörverlust von mehr als 20 Dezibel. (mindestens in einer Frequenz auf mindestens einem Ohr), 2,4 % von mehr als 30 Dezibel.
Vom Trinkwasser wurden Stagnationsproben (nach nächtlicher Standzeit von mindestens vier Stunden) und Zufallsproben entnommen und untersucht. Folgende mittlere Konzentrationen von Stoffen wurden im Trinkwasser von Haushalten mit 3-14-jährigen Kindern festgestellt:
| Stagnationsproben | Zufallsproben | Grenzwert | |
| Blei | 1,47 µg/l | 0,61 µg/l | 25 µg/l |
| Cadmium | 0,055 µg/l | 0,021 µg/l | --- |
| Kupfer | 161 µg/l | 69,9 µg/l | 2000 µg/l |
| Nickel | 4,48 µg/l | 2,48 µg/l | 20 µg/l |
Bei 0,4 % der Haushalte wurden die Grenzwerte der Zufallsstichproben für Blei überschritten, bei 1 % der Haushalte gab es Überschreitungen beim Kupfer und bei 1,8 % beim Nickel.
Weiterführende Literatur:
Schulz, C. et al: Kinder-Umwelt-Survey (KUS) im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Erste Ergebnisse. In: Bundesgesundheitsblatt: Band 50. Heft 5/6. Mai/Juni 2007.
K. Becker; M. Müssig-Zufika; A. Conrad; A. Lüdecke; C. Schulz; M. Seiwert; M. Kolossa-Gehring: Human-Biomonitoring Stoffgehalte in Blut und Urin der Kinder in Deutschland. WaBoLu-Hefte. 1/2007. http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/3257.htm und http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/survey/us03/uprog.htm