Der BioInitiative-Report zu EMF

Auszüge aus dem Original: 

www.bioinitiative.org

August 31, 2007

Serious Public Health Concerns Raised Over Exposure to Electromagnetic Fields (EMF) from Powerlines and Cell Phones.

An international working group of scientists, researchers and public health policy professionals (The BioInitiative Working Group) has released its report on electromagnetic fields (EMF) and health. They document serious scientific concerns about current limits regulating how much EMF is allowable from power lines, cell phones, and many other sources of EMF exposure in daily life.

The report concludes the existing standards for public safety are inadequate to protect public health.

Sinngemäße Übersetzung (M.O.):

Schwerwiegende Bedenken bezüglich Schädigung der Gesundheit der Bevölkerung durch Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern (EMF) von Hochspannungsleitungen und Mobiltelefonen

Eine internationale Arbeitsgruppe von Wissenschaftern, Forschern und Public Health-Fachleuten (die BioInitiative-Arbeitsgruppe) hat ihren Bericht über den Einfluss elektromagnetischer Felder (EMF) auf die Gesundheit veröffentlicht. Darin werden schwerwiegende wissenschaftliche Bedenken bezüglich der Sicherheit der heutigen Grenzwerte für den Schutz vor den von Hochspannungsleitungen, Mobiltelefonen und vielen anderen EMF-Expositionsquellen des täglichen Lebens ausgehenden elektromagnetischen Feldern geäußert. 

Der Bericht schließt mit der Feststellung, dass die gegenwärtigen Sicherheitsstandards für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung unzureichend seien.

August 31, 2007 - Serious Public Health Concerns Raised Over Exposure to Electromagnetic Fields (EMF) from Powerlines and Cell Phones.

An dem seit kurzem vorliegenden über das Internet abrufbaren Bericht haben mehrere als „mobilfunkkritisch“ bekannte Wissenschaftler und Forscher, Vertreter einer internationalen Fachgesellschaft und der Europäischen Umweltagentur (EEA, European Environmental Agency) mitgearbeitet.

Er gliedert sich in insgesamt 21 Abschnitte, von denen sich zwei mit der Frage nach der Gültigkeit der gegenwärtigen EMF-Grenzwerte, mehrere weitere Abschnitte mit speziellen Forschungsthemen (Genexpression und –toxizität, Stressproteine, Immunsystem, Kanzerogenese, Melatoninproduktion) und zwei mit dem Vorsorgeprinzip sowie Handlungsempfehlungen befassen.

Die Kernaussagen und Forderungen seien hier kurz zusammengefasst:

  • „Business as usual“ sei nicht länger tragbar. Die Errichtung neuer Hochspannungsleitungen, Schulen und Kita´s sowie die zukünftige Wohnbebauung sollte unter dem Aspekt der Minimierung niederfrequenter Felder erfolgen. Analoges gilt für den Ausbau drahtloser (=Radiofrequenz-) Technologien. Forschung sei nötig, der Forschungsbedarf sei aber kein Grund für den Aufschub von längst fälligen Veränderungen, die helfen würden, Geld und Menschenleben (sic !) zu retten und gesellschaftliche Zerstörung zu vermeiden.
  • Neue Grenzwerte für niederfrequente Felder auf der Basis der biologisch relevanten Effekte dieser Felder seien nötig. Insbesondere ginge es um die Berücksichtigung der Fälle kindlicher Leukämien durch (Magnet)-Felder oberhalb 0.2 MikroTesla. Der für den Wohn- und Lebensraum von Schwangeren und Kindern akzeptable Grenzwert soll 0.1 MikroTesla nicht übersteigen. (Anmerkung: der gegenwärtige Grenzwert für niederfrequente Magnetfelder liegt in Deutschland bei 100 MikroTesla). 
  • Für hochfrequente Felder im Außenbereich werden 0.614 Volt pro Meter (berechnet als Feldstärke) als Grenzwert vorgeschlagen. (Anmerkung: der Grenzwert für die im Mobilfunk verwendeten Felder ist frequenzabhängig. Er beträgt 42 (D-Netz), 58 (E-Netz) bzw. 61 (UMTS) Volt pro Meter).
  • Insbesondere in Schulen und Bibliotheken sollte der Ausbau von Festnetzanschlüssen Vorrang vor der Funkvernetzung von Computern besitzen.

Hier einige Anmerkungen zum Bericht und insbesondere zu seinen Schlussfolgerungen und Forderungen:

1. Erst kürzlich haben namhafte Einrichtungen, wie z.B. die Weltgesundheitsorganisation in ihren „Environmental Health Criteria 238“ und in ihren „Fact sheets“, ferner der Wissenschaftliche Ausschuss „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (SCEHNIR) der Europäischen Kommission sowie nationale mit dem Strahlenschutz befasste Institutionen die verfügbare wissenschaftliche Literatur zur Wirkung hochfrequenter Felder auf Lebewesen ausgewertet und sind zu ganz anderen Schlussfolgerungen gekommen.

Eine mögliche Erklärung für diesen Widerspruch könnte darin liegen, dass die genannte Bioinitiative-Arbeitsgruppe auch wissenschaftlich umstrittene, bisher nicht reproduzierte Studien in die Auswertung einbezogen und ihnen ein überproportionales Gewicht zugemessen hat.

2. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) hat in 2002 niederfrequente Felder als Klasse 2B "möglicherweise kanzerogen" eingestuft. Basis hierfür waren epidemiologische Studien zur statistischen Assoziation von kindlicher Leukämie mit einer  Magnetfeldexposition der Kinder im Bereich oberhalb von 0,3 - 0,4 MikroTesla. Hinweise auf eine ursächliche Assoziation liegen trotz intensiver Forschung nicht vor. Weder ein plausibler Wirkmechanismus noch Studienergebnisse aus Tierversuchen stützen die epidemiologischen Studien. Selbst wenn ein ursächlicher Zusammenhang vorhanden wäre, würde eine erhöhte Magnetfeldbelastung nur etwa 3 – 4 Fälle der 620 jährlich in Deutschland auftretenden Fälle von Kinderleukämie - also nur einen geringen Bruchteil - erklären.

Die im Bioinitiative-Bericht genannten Empfehlungen zu niederfrequenten Feldern sind damit weder durch den wissenschaftlichen Erkenntnisstand noch durch eine vernünftige Anwendung des Vorsorgeprinzips gedeckt. 

3. Die für den Hochfrequenzbereich (= Mobilfunk, WLAN, WiFi) geltenden Grenzwerte werden regelmässig von nationalen Strahlenschutzbehörden und der ICNIRP mit Blick auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand überprüft. Ihre Absenkung auf einen (universell geltenden?) Wert von 0.614 Volt pro Meter wäre rein willkürlich und durch anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse nicht begründbar. Weder die bisher vorliegenden Ergebnisse aus dem Deutschen Mobilfunkforschungsprogramm noch die im Rahmen des britischen Forschungsprogramm zu Mobilfunk (MTHR- Mobile Telecommunications and Health Research) durchgeführten Forschungsarbeiten haben Anhaltspunkte für gesundheitlich nachteilige Wirkungen durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks gefunden.

Das MTHR-Programm umreißt zwar noch Forschungsbedarf zu Langzeitwirkungen bei Handynutzern, sagt gleichzeitig aber auch, dass für die Themengebiete „Beeinflussung von Gehirnfunktionen“ und „Zellen und Gewebe“ kein Forschungsbedarf mehr besteht.

Ein klares Wort! Ob es Skeptiker und Mobilfunkkritiker überzeugen wird?

Veröffentlicht: 18. September 2007 - 0:00 Uhr

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