Environmental Health Criteria 237: Kinder und Umwelt

Auszüge aus dem Original: 

Environmental Health Criteria 237
PRINCIPLES FOR EVALUATING HEALTH RISKS IN CHILDREN ASSOCIATED WITH EXPOSURE TO CHEMICALS

First drafts prepared by Dr Germaine Buck Louis, Bethesda, USA; Dr Terri Damstra, Research Triangle Park, USA; Dr Fernando Díaz-Barriga, San Luis Potosi, Mexico; Dr Elaine Faustman, Washington, USA; Dr Ulla Hass, Soborg, Denmark; Dr Robert Kavlock, Research Triangle Park, USA; Dr Carole Kimmel, Washington, USA; Dr Gary Kimmel, Silver Spring, USA; Dr Kannan Krishnan, Montreal, Canada; Dr Ulrike Luderer, Irvine, USA; and Dr Linda Sheldon, Research Triangle Park, USA

www.who.int/mediacentre/news

Pressemitteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

27 JULY 2007 | GENEVA --  The World Health Organization (WHO) is today releasing the first ever report highlighting children's special susceptibility to harmful chemical exposures at different periods of their growth. This new volume of the Environmental Health Criteria series, Principles for Evaluating Health Risks in Children Associated with Exposure to Chemicals, is the most comprehensive work yet undertaken on the scientific principles to be considered in assessing health risks in children. It highlights the fact that in children, the stage in their development when exposure occurs may be just as important as the magnitude of the exposure.

The scientific principles proposed in the document for evaluating environmental health risks in children will help the health sector, researchers and policy makers to protect children of all ages through improved risk assessments, appropriate interventions and focused research to become healthy adults.

Der Fachwelt  ist die Reihe „Environmental Health Criteria“ seit vielen Jahren ein Begriff, geht es hierbei doch um seriöse, gut recherchierte Fachinformationen zu Einzelstoffen und zu Vorgehensweisen bei der Risikobestimmung.

Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese Reihe um den Band 237 „Grundlagen für die Bewertung von chemikalienbedingten Gesundheitsrisiken bei Kindern“ (Titelübersetzung: M.O.) erweitert.

Der Band befasst sich mit einem aktuellen Thema: der Frage nach einer besonderen Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Umwelteinflüssen (im Vergleich zu Erwachsenen).

Einige Argumente sprechen dafür:

  • Embryonen, Feten und Kinder befinden sich in körperlicher und funktioneller Entwicklung. Entwicklungsprozesse sind in aller Regel störanfälliger als statische, ausdifferenzierte Systeme.
  • Viele physiologische und metabolische Prozesse variieren altersabhängig. Das gilt insbesondere für die Neugeborenenzeit, in der die Verstoffwechselung und Ausscheidung von körpereigenen Stoffen, Medikamenten und Schadstoffen verlangsamt oder manchmal auch beschleunigt sein können.
  • Kinder sind körperlich aktiver; sie trinken und atmen – in Bezug auf das Körpergewicht – mehr als Erwachsene, und sie halten sich öfter und länger draußen auf. Durch ihr alterstypisches Verhalten (Krabbeln, Hand-zu-Mund-Aktivitäten usw.) kommt es zu Expositionen, die im Erwachsenenalter keine Rolle spielen. 
  • Der Mensch steht am Ende einer langen Nahrungskette, während derer sich Schadstoffe und Rückstände, insbesondere langlebige lipophile Substanzen, im Fettgewebe und – für den gestillten Säugling besonders wichtig – in der Muttermilch anreichern können.

Allerdings können auch Situationen benannt werden, in denen Kinder weniger empfindlich als Erwachsene reagieren.

Bereits früher, etwa 20 Jahre zuvor, haben sich Wissenschaftler im Rahmen des „International Programme on Chemical Safety“  mit der Bewertung des Einflusses der stofflichen Umwelt auf sensible Bevölkerungsgruppen befasst  (Band 30 und Band 59 der „Environmental Health Criteria“).

Im nun vorliegenden Band 237 hat das Beratergremium der WHO, bestehend aus 24 Fachleuten aus 18 Ländern, wissenschaftliche Erkenntnisse zu den oben genannten und  weiteren Punkten zusammengetragen. Das mehr als 300 Seiten  lange Dokument befasst sich insbesondere mit „Zeitfenstern in der Kindesentwicklung“, die mit einer möglicherweise erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen verbunden sind. Für Ärzte, Forscher und die mit der Chemikaliensicherheit befassten Institutionen ist natürlich auch die „Warum“-Frage wichtig:  welche Prozesse auf  molekularer, zellulärer oder Organebene können in einer bestimmten Expositionssituation zu einer erhöhten Empfindlichkeit führen ? Sind solche Veränderungen in der Kindesentwicklung reversibel oder irreversibel ? Welchen Einfluß haben Ernährung, Hygiene und Sozialstatus? In vielen Länder der Welt spielen Armut, Mangel- und Fehlernährung, Wasserqualität, mangelnde Hygiene und unzureichende Abfallentsorgung immer noch eine weitaus größere Rolle in der Kindergesundheit als einzelne chemische Stoffe, die im Fokus der vorliegenden WHO-Publikation stehen.

Weitere Kapitel befassen sich mit der Expositionsabschätzung, d.h. der Frage, welchen Anteil Schadstoffe im Wasser, im Boden, in der Luft und in der Nahrung sowie bestimmte individuelle Lebensweisen (Tabak, Alkohol)  an der Gesamtbelastung des Körpers haben. Darauf aufbauend werden methodische Empfehlungen zur Erfassung des aktuellen Status der Kindergesundheit, zum Umweltmonitoring und zum Forschungsbedarf gegeben.

Mit seiner Informationsfülle und –tiefe wendet sich die WHO-Publikation in erster Linie an umweltmedizinisch interessierte Kinder- und Jugendärzte, an Ärzte anderer Fachrichtungen sowie an alle Personen und Institutionen, die mit der stoffbezogenen Risikobewertung befasst sind.

Veröffentlicht: 8. August 2007 - 0:00 Uhr

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